#AltesBlechAlteGrenze – Highlights auf der Rückreise

2. August 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Anzeige

Im letzten Blogpost führte uns die Straße weiter Richtung Südwesten. Genächtigt hatten wir in Halberstadt, einer Kreisstadt im Landkreis Harz. Leider waren wir nur relativ kurz in Halberstadt, denn auf den ersten Blick ist es ein sehr schönes Städtchen. Geographisch im Harzvorland gelegen, gibt es dort auch schöne Strecken zu fahren.

Dies konnten wir unter anderem auf unserem Weg zum ehemaligen Grenzübergang Marienborn erfahren. Es war noch relativ früh am Morgen und die 45minütige Fahrt führte uns über Dörfer und kleinere Straßen bis zum Ziel: Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Ich muss gestehen, dass mir persönlich der damalige Grenzübergang völlig fremd war. Asche auf mein Haupt!
Denn damals war es DER Grenzübergang zwischen Ost und West. Er lag ca. 1,5km auf dem Gebiet der DDR und war lange Zeit die einzige Möglichkeit überhaupt nach West-Berlin zu gelangen. Wie bekannt, wurde Deutschland nach Kriegsende in verschiedene Zonen unterteilt und bekanntermaßen war im Osten die Sowjetische Zone. Um allerdings nach West-Berlin zu kommen, musste man entweder fliegen oder die Transitroute nehmen. Kurz nach Kriegsende bzw. zu Beginn der Zonengrenzen durften nur Alliierte Fahrzeuge passieren. Die Personen in den Fahrzeugen durften auf der ganzen Strecke die Fahrzeuge nicht verlassen. Man kann es sich kaum vorstellen, aber Navigationssystem, wie wir sie kennen, gab es ja damals noch nicht und die Straßen waren kurz nach dem Krieg entsprechend zerbombt. Also kam es durchaus vor, dass sich ein Fahrzeug verirrte. Aussteigen durften die Insassen nicht, also wurden sie von den eigenen Truppen gesucht und mussten so lange warten.
Zwischen Juni 1948 und Mai 1949 wurde der Grenzübergang komplett gesperrt. Für Ost-Bürger wurde erst später (1952) eine 5km Sperrzone eingerichtet, in der Personen sich nur mit Sondergenehmigung aufhalten durften. Der Grenzübergang, wie er heute noch (teilweise) zu sehen ist, wurde erst später errichtet. Bei einer Bauzeit von zwei Jahren und Kosten von ca. 70 Millionen Mark entstand die riesige Anlage. Übrigens war die Planungsphase um einiges länger: Ganze 10 Jahre! Der Stromverbrauch des Grenzübergangs entsprach der Menge einer Kleinstadt. Die insgesamt 12 Flutlichtmasten beleuchteten das Gelände immer blend- und schattenfrei aus. Wenn man die reine Anlage betrachtet, ist es schon beeindruckend. Der Übergang wurde im 3-Schicht-System betrieben und es waren dort insgesamt ca. 1000 Personen beschäftigt. 400-500 davon beim Ministerium für Staatssicherheit und ca. 200 Personen in zivil, welche die Strecke abfuhren.

Des Weiteren war der Grenzübergang auch ein wichtiger Posten im ganzen DDR-Haushalt. Die zu Spitzenzeiten ca. 12 Millionen Transit-Fahrzeuge jährlich erwirtschafteten ca. 100 Millionen DM. Dazu kamen bis zu 850 Millionen für die Zollabwicklung. Die Abfertigung selbst dauerte minimal 25 Minuten, konnte sich aber auch bis zu 5 Stunden hinziehen. Das wusste man vorher nie. Selbstverständlich wurde über den Übergang auch versucht aus der damaligen DDR zu fliehen. Man geht von ca. 2000 Fluchtversuchen insgesamt aus. Einige schafften es, wie z.B. 1963 ein Ikarus-Bus. Andere blieben hängen, z.B. 1981 als jemand mit einem Tanklaster flüchten wollte. Wie sah es 1989 aus? Eine Geschichte, die sich rund um die Grenzöffnung erzählt wird, lautet: Abends am 9. November kam eine Mutter mit ihrer 16-jährigen Tochter in einem Wartburg und fuhr einfach von Ost nach West. Als sie später wieder zurückkam, schauten die Grenzbeamten ungläubig, denn damit hatten sie nicht gerechnet. Sie soll nur trocken gesagt haben: „Ich muss morgen wieder arbeiten.“  Insgesamt war es am 09. November 1989 am Grenzübergang aber recht unspektakulär. Erst in den darauffolgenden Tagen änderte es sich und Massen an Menschen/Fahrzeugen kamen und überquerten die Grenze.

Wir hätten mit Sicherheit dort noch ein paar weitere Stunden verbringen können, wir hatten eine wirklich spannende Führung. Aber im Anschluss führte uns der Weg jetzt endgültig Richtung Süden zum heißesten Punkt des Kalten Krieges: Point Alpha.
Ab Marienborn lagen noch ca. 3,5h Fahrt vor uns. Was mir persönlich im Scorpio nicht wirklich schwer fiel. Point Alpha liegt an der jetzigen Landesgrenze zwischen Thüringen und Hessen, früher also der innerdeutschen Grenze und somit in der schönen Rhön. Heute steht das ganze Gebiet (ca. 100.000 Quadratmeter) unter Denkmalschutz und dient als Mahnmal. Observation Post Alpha, so der original Name, war ein Beobachtungspunkt der US-Armee in Richtung Osten. Strategisch super gelegen. Zum einen wegen den geographischen Verhältnissen und zum zweiten wegen der vermuteten Einfallslinie der Truppen des Warschauer Paktes – die sogenannte „Fulda Gap“ (wurde in der DDR „Thüringer Balkon“ genannt).  Damals ging man davon aus, dass die Truppen des Warschauer Paktes nach Westen vordringen könnten und mit einer schnellen Bewegung bis nach Frankfurt durchstechen wollten. Somit wäre die Rhein-Main Air Base, der wichtigste NATO-Luftwaffenstützpunkt in Europa, faktisch ausgeschaltet worden. Dies war ein mögliches Szenario und um dies zu verhindern, wurden verschiedene Möglichkeiten in Betracht gezogen – im Falle eines Falles sogar der Einsatz von taktischen Kernwaffen.

Vor Ort waren immer ca. 30-40 Soldaten, allerdings keine Kampftruppen. Diese waren im Hinterland stationiert und durften offiziell nicht näher als 5km an die damalige Grenze. Am Point Alpha ist die Grenzanlage noch zu sehen – sowohl die westliche als auch die östliche Seite. Hier kann man genau anschauen, wie nah sich die beiden Seiten eigentlich standen. Und wie gefährlich es im Grunde auch war. Im Nachhinein betrachtet dürfen wir froh sein, dass es nicht zum (vermutlich) 3. Weltkrieg kam. Vermutlich wäre dann nicht mehr viel von Deutschland übriggeblieben – egal ob im Westen oder im Osten. Mittlerweile dient Point Alpha als Mahn-, Gedenk- und Begegnungsstätte. Die „Spirale des Friedens“, eine dreiteilige Windspirale symbolisiert die friedliche Welt – hoffentlich für immer.

Später, als wir noch ein paar Bilder machten, kamen wir mit Arnold und Elke aus dem benachbarten Geisa (Thüringen) ins Gespräch. Ein älteres Ehepaar, das ca. 500m entfernt vom Grenzzaun wohnte. Und heute noch genauso, natürlich ohne Zaun. Da sie in der Sperrzone wohnten, bekamen sie einen kleinen Zuschlag in Form von Geld. Besuch konnten sie nicht empfangen, sondern mussten sich außerhalb der Sperrzone treffen und wenn sie ihr Feld bewirtschaften wollten, mussten sie dies erst anmelden, damit ein Grenzpolizist mit vor Ort war. Für sie war es selbstverständlich, dass Westfernsehen geschaut wurde. Natürlich nicht offiziell, versteht sich von selbst. Von Fluchtversuchen selbst haben sie nichts mitbekommen, außer dass ab und an Hundegebell zu hören war. Dies könnte allerdings auch z.B. ein Wildschwein gewesen sein. Elke erzählte noch, dass sie als Kind mit dem Fahrrad unbeabsichtigt zu nah an die Grenze fuhr, bemerkt wurde und daraufhin nach Hause gebracht wurde. Die Eltern bekamen eine Belehrung und am nächsten Tag musste sie in der Schule vorsprechen. Heute sieht sie es locker, aber damals ging ihr ganz schön die Düse. Nachdem die Grenze weg war, fuhr Elke gleich mit dem Fahrrad in die nächste Ortschaft. Einfach so, „um zu schauen“. Arnold kaufte sich mit dem ersten „Westgeld“ eine Bohrmaschine – praktisch veranlagt. Leider, aber auch irgendwie verständlich, verbannte er seinen Trabi bzw. verbrannte damals die Karosserie. „Ich wollte keinen Trabi mehr haben!“ und ergänzte: „10 Jahre habe ich auf diesen warten müssen.“ Für sie war die Grenze einfach da und es war nichts Besonderes – sie wuchsen damit auf. Schon irgendwie beeindruckend, wenn man auf der Grenze (Kolonnenweg) steht, mit Personen spricht, die nur 500m weiter aufgewachsen sind und die Geschichte hautnah miterlebt haben. Für uns ging der Roadtrip so langsam zu Ende. Wir genossen noch die Fahrt durch die Rhön und kamen am frühen Abend bei mir zu Hause an. Dort zauberte ich uns einen Kaiserschmarrn zum Abschluss und dann wurden am nächsten Tag unsere schönen Youngtimer leider wieder abgegeben. Es war ein wirklich toller Roadtrip mit super vielen Eindrücken! Möge der nächste kommen!


Vorab habe ich aber noch ein paar Outtakes für Euch! Also im nächsten Blogpost.

Mehr zum Roadtrip #altesblechaltegrenze findet Ihr natürlich auch auf den Blogs von Sebastian und Daniel.


Zwecks Transparenz: Ohne grandiose Partner wäre so ein Roadtrip nicht möglich gewesen. Deshalb ein dickes Dankeschön an: Dunlop, Opel, Volkswagen, Ford Deutschland, Tourismusregion Sachsen, Tourismusregion Fichtelgebirge, Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, August Horch Museum in Zwickau, Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn und Gedenkstätte Point Alpha.
Bilder von Marcel Langer, Daniel, Sebastian und mir.

#AltesBlechAlteGrenze – auf den Spuren der (Renn-)Geschichte in Sachsen

21. Juli 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , , , , ,

Anzeige

Im Anschluss an unseren Besuch im August-Horch-Museum und den eher unfreiwilligen Stopp bei Hartmut Glück hatten wir die Hälfte unserer Roadtrip-Strecke bereits hinter uns oder besser gesagt noch vor uns. Wir kamen spät am Abend im wunderschönen Dresden im Hotel Vienna House QF an. Das Hotel liegt super zentral (direkt an der Frauenkirche) und diente uns als Ausgangspunkt für den nächsten Tag. Touristische Reisen waren zur Zeit unseres Roadtrips noch nicht erlaubt und dementsprechend leer waren sowohl Hotel als auch die Innenstadt. So ganz ohne Touristen war es schon etwas merkwürdig, da wir mit unseren Autos quasi die Fußgängerzone queren mussten, um in die Tiefgarage zu kommen. Aber so war es nun mal.

Wie wir im Laufe der Tour von unserem Fotografen Marcel erfuhren, streiften wir auf unserer Fahrt nach Dresden seine Heimat. Natürlich machten wir deshalb einen kleinen Abstecher in die sächsische Kleinstadt Pulsnitz. Auch besser bekannt unter dem Namen „Pfefferkuchenstadt Pulsnitz“. Marcel lotste uns in die Innenstadt und dort zu einem Geschäft mit dem Namen Groschky.  Hier in der Pfefferküchlerei werden seit 1825 Pulsnitzer Pfefferkuchen nach durch Generationen weitergegebenen Rezepten gebacken. Da wurde natürlich fleißig eingekauft.  Die „Pfefferkuchen“ kennt man ja auch unter dem Begriff „Lebkuchen“ und sie schmecken nicht nur im Winter gut, sondern zu jeder Jahreszeit – wie wir feststellen konnten. Müsst Ihr probieren, wenn Ihr in der Nähe seid!

Der nächste Tag war ein Samstag wie er sprichwörtlich im Buche steht. Sonnenschein, trocken und angenehme Temperaturen. Der Schwerpunkt auf unserem Tagesprogramm war der (Groß-) Deutschlandring in der Nähe von Hohnstein in der Sächsischen Schweiz. Vom Hotel aus benötigten für die Strecke ca. 50min. Was verbirgt sich hinter dem Begriff „(Groß-)Deutschlandring“ überhaupt? Dabei handelte sich um eine Rennstrecke mitten in der Sächsischen Schweiz. Gebaut wurde sie im Zeitraum von 1919 bis 1922 und vier Jahre später fand hier das erste Rennen vor ca. 10.000 Zuschauern statt. Damals war es kein Rundkurs, sondern „nur“ ein Bergrennen. Bis schlussendlich der Rundkurs fertiggestellt wurde, vergingen ab 1933 nochmals 6 Jahre. Insgesamt hatte die Rennstrecke 35 Kurven, wovon 16 Serpentinen sind. Der Höhenunterschied lag bei 532 Metern. 1940 sollte das erste Rennen auf dem Rundkurs ausgetragen werden. Durch den zweiten Weltkrieg kam das allerdings nie zu Stande. Und auch danach gab es nie wieder ein Rennen auf dem neuen Rundkurs. Der Gedanke einer Rennstrecke bzw. einer Rennveranstaltung war natürlich auch in der ehemaligen DDR vorhanden. Doch dazu kam es offiziell nicht. Obwohl viele privat auf der Strecke unterwegs waren, wurde nichts aus einer größeren Rennveranstaltung. Nach der Wiedervereinigung kamen immer mehr Motorräder und später dann auch Autos, welche die Rennstrecke nutzen wollten. Alles nicht offiziell, u. a. deshalb wurde die Strecke teilweise zurückgebaut, um illegale Autorennen zu unterbinden.

Wir nutzten den super Tag, um etwas Bildmaterial zu produzieren. Marcel hatte das richtige Equipment dabei und wir fuhren nach seinen Anweisungen. Ihr glaubt gar nicht, wie anstrengend es sein kann, immer hochkonzentriert zu fahren, um genau die richtigen Bilder einzufangen. Aber das ist natürlich meckern auf hohem Niveau.
Leider hatte die Gaststätte „Einkehr zur Rennstrecke“ geschlossen. Der Wirt ist nämlich leidenschaftlicher Betreiber mit unzähligen spannenden Geschichten, wie man uns sagte. Das nächste Mal klappt es bestimmt mit einem Besuch. Dafür genossen wir eine kleine Stärkung in der Hocksteinschänke. Diese liegt ebenfalls direkt an der Strecke und diente früher genauso wie heute als Ausgangspunkt bzw. Aussichtspunkt und Treffpunkt.

An diesem Tag hatten wir passende „Outfits“ an, um noch authentischer zu wirken oder uns in den Zeitraum der Grenzöffnung/Wiedervereinigung zu versetzen bzw. als kleinen Gag. Das Wetter spielte mit, unsere Outfits hielten und wir hatten nach dem Besuch des Deutschlandrings noch etwas Zeit. Wenn man schon in der Sächsischen Schweiz unterwegs ist, bietet sich ein Besuch der Bastei an. Eine Sehenswürdigkeit, die schon lange auf meiner To-Visit-Liste stand. Auch wenn es DAS Ausflugsziel in der Sächsischen Schweiz ist und ich normalerweise eher auf Geheimtipps aus bin. Dank der Pandemie war (ähnlich unseres Besuchs im Schloss Neuschwanstein) aber relativ wenig los. Und so konnten wir den Ausflug entspannt genießen. Es ist schon sehr beeindruckend, die super schöne Landschaft, der Blick hinab auf die Elbe, aber auch die beeindruckende Bauweise der Basteibrücke – traumhaft.

Auch wenn die Bastei quasi ein Off-Topic unseres Roadtrips rund um die Teilung/Wiedervereinigung war, Sightseeing muss sein, gerade wenn wir schon einmal in solch einer schönen Ecke sind. Insgesamt konnten wir an dem Tag (leider) nur einen kleinen Einblick in die Region bekommen. Aber der verspricht mehr! Gerade auch zum Wandern kommt die Gegend auf jeden Fall auf die Liste für einen potenziellen (Wander-)Urlaub.

Nach einer weiteren Nacht in Dresden fuhren wir am nächsten Morgen, es war ein Sonntag, in aller Ruhe weiter Richtung Westen. Genauer gesagt führte uns die Strecke in das kleine Örtchen Sorge, in das nahegelegene Grenzmuseum Sorge. Überwiegend ein Freigelände mit verschiedenen Schautafeln, welche Besonderheiten zur damaligen Grenze erklärten. Hier gibt es zum Beispiel auch einen Kolonnenweg, einen Grenzturm und Sperranlagen. Das Museum wird von einem Verein betrieben und ist erst im Jahr 2019 bzw. 2020 erneuert worden. Sehenswert!

Nun geht es quasi schon auf dem Rückweg unserer Tour #AltesBlechAlteGrenze. Was aber noch lange nicht heißt, dass es nichts mehr zu erleben gibt. Wir hatten nämlich noch ein paar sehr spannende Punkte auf unserer Liste. Alles weitere dazu folgt natürlich hier.

Mehr zum Roadtrip #altesblechaltegrenze findet Ihr natürlich auch auf den Blogs von Sebastian und Daniel.


Zwecks Transparenz: Ohne grandiose Partner wäre so ein Roadtrip nicht möglich gewesen. Deshalb ein dickes Dankeschön an: Dunlop, Opel, Volkswagen, Ford Deutschland, Tourismusregion Sachsen, Tourismusregion Fichtelgebirge, Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, August Horch Museum in Zwickau, Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn und Gedenkstätte Point Alpha.
Bilder von Marcel Langer, Daniel, Sebastian und mir.

#AltesBlechAlteGrenze – die ersten Highlights im Fichtelgebirge

11. Juni 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , , , ,

Anzeige

Die erste Teilstrecke unseres Roadtrips #altesblechaltegrenze führte uns von Rüsselsheim mit Zwischenstopp in Partenstein im Spessart weiter in Richtung Osten. Am ersten Tag mussten wir einige Kilometer auf der Autobahn hinter uns bringen. Da ich zuerst mit dem Opel Corsa unterwegs war, musste sich mein Körper zunächst an den vorhandenen Platz gewöhnen, was im Umkehrschluss zu lustigen Anblicken beim bei Ausstieg geführt haben soll – aber das ist ein anderes Thema.

Das Wetter spielte mit, um die Reifen auch bei Regen zu testen. Diese hielten, was sie versprachen und auch die Fahrzeuge konnten keinen Wassereinbruch vermelden, bis auf leichte Wasseransammlungen in den Blinkern des Fords – quasi Blinkerflüssigkeit ;)
Wir fuhren auf der A70, bis wir an den Ausläufern des Fichtelgebirges ankamen. Von dort aus ging es auf Landstraßen weiter. Trotz des anhalten Regens genossen wir die kurvigen Straßen, die schöne Gegend und erreichten unser Etappenziel, den Ochsenkopf am Nachmittag. Zum Glück ließ der Regen nach und somit machten wir uns auf den Weg nach oben. Theoretisch ginge ein Lift, aber aus bekannten Gründen war dieser noch außer Betrieb. Wir nahmen den direkten Weg und wanderten in mystischer Stimmung auf den Gipfel.

Warum haben wir uns eigentlich das Fichtelgebirge, bzw. den Ochsenkopf als erstes Ziel unseres Trips um die deutsche Teilung ausgesucht? Bevor ich Euch diese Frage beantworte, muss ich Euch noch eine Info geben. Bereits vor unserer Tour kamen (wenige) Stimmen auf, dass wir „Wessis“ zwar in den Osten fahren, aber dann beispielsweise ohne Trabant/Wartburg unterwegs sind (was wir im Übrigen auch gern getan hätten, hat aber nicht funktioniert). Des Weiteren könnten wir doch gar nicht neutral und unvoreingenommen über die DDR berichten. Mag sein, aber das war auch nicht unser Ziel, denn als „Wessi“ können wir überhaupt keine Eindrücke aus dem damaligen Osten vermitteln – woher auch?! Als Kind bekam ich nicht viel mit von Teilung und Grenze. Wir hatten keine direkte Verwandtschaft in der DDR und soweit ich mich erinnern kann, wurde auch während der Schulzeit nicht sonderlich viel über die Teilung/Grenze/DDR gesprochen. Im Nachhinein sehr schade, aber umso mehr versuchten wir, Eindrücke und Erfahrungen bei unserem Roadtrip zu sammeln. Ich sehe es eh positiv, denn ich kann unvoreingenommen an unseren Trip herangehen. Übrigens ist Marcel, unser Fotograf, in der Pfefferkuchenstadt Pulsnitz aufgewachsen. Somit hatten wir auch einen „Ossi“ mit on Board.

Aber zurück zum Ochsenkopf. Dieser spielte zu Zeiten der deutschen Teilung eine wichtige Rolle, um über den 191,5 Meter hohen Fernsehturm ab 1958 Westfernsehen in den Osten zu senden. Überwiegend wurde das Programm der ARD gesendet und erreichte weite Teile der ehemaligen DDR. In den Anfangszeiten soll der Empfang von Westfernsehen offiziell noch komplett untersagt gewesen sein, später dann geduldet. Allerdings zeigt eine Studie („Opium for the Masses: How Foreign Media Can Stabilize Authoritarian Regimes“ oder „Leben ohne Westfernsehen: Studien zur Medienwirkung und Mediennutzung in der Region Dresden in den 80er Jahren“), dass dies gar nicht so fruchtete, wie angenommen. Ursprünglich sollte durch die Übertragung die Hinterfragung des Regimes verstärkt werden. Aber im sogenannten „Tal der Ahnungslosen“ (wo immerhin 15% der gesamten Bevölkerung lebten, dort aber kein West-Fernsehen verfügbar war) waren die Bewohner unzufriedener mit dem Regime als in der restlichen Bevölkerung. In erster Linie war das Westfernsehen also vorrangig Unterhaltungsprogramm, wie für alle anderen auch. Der Sendeturm steht nach wie vor und ist aktuell im Besitz des Bayerischen Rundfunks. Ansonsten bietet der Ochsenkopf mit seinen 1024m Höhe zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten, von Skipisten über Trails bis hin zu Sommerrodelbahn und Klettergarten.


Neben dem Ochsenkopf spielte sein Nachbar, der „Schneeberg“, eine wichtige Rolle in der Geschichte der deutschen Teilung. Seit Jahrhunderten bestand hier eine Signalwarte und im letzten Jahrhundert wurde er zum Militärstützpunkt. Ein Aufklärungsturm wurde errichtet, um über die Streitkräfte des Ostblocks aufzuklären. Man befand sich schließlich im kalten Krieg, der jederzeit hätte eskalieren können. Was zum Glück nicht passiert ist! 1992/1993 wurden die Umzäunungen abgebaut und die Bevölkerung hatte nach Jahrzehnten wieder die Möglichkeit, den Gipfel zu besuchen.
Übrigens ist der Schneeberg mit seinen 1053 Metern der höchste Berg der Franken. Leider hatten wir Pech mit dem Wetter und der Gipfel war nicht zu sehen. Was aber auf jeden Fall genial ist, also nicht nur im Rahmen eines Roadtrips, ist die Umgebung des Fichtelgebirges zum Wandern bzw. Natur genießen. Reflektierend betrachtet frage ich mich, warum ich die Region noch kaum auf dem Schirm hatte. Das muss sich in Zukunft ändern! Eine Gegend mit vielfältiger Landschaft inklusive über 1000km2 Naturpark, Europas größtem Felsenlabyrinth und Gipfeln bis zu 1000m Höhe. Um nur ein paar der Highlights zu nennen.
Übernachtet haben wir im Hotel SOIBELMANNS Bad Alexandersbad im gleichnamigen Ort, ein 4-Sterne-Hotel inklusive Wellnessbereich, den wir leider nicht nutzen konnten.

Am nächsten Tag ging es für uns weiter nach Mödlareuth. Dort besuchten wir das Deutsch-Deutsche Freilichtmuseum Mödlareuth. Ein weiterer historischer Ort, der von den Amerikanern gerne „Little Berlin“ genannt wurde. Das geteilte Dorf. Die Grenze verlief genau auf dem Tannbach (ein kleiner Bach, der mitten durch das Dorf führt). Zu Beginn wurde die Grenze „nur“ mit einem Zaun abgegrenzt. Später dann jedoch weiter befestigt und mit Grenzsperranlagen wie Mauer, Stacheldraht und Türmen versehen. Diese wurden erhalten und die 700m lange Anlage bzw. Gedenkstätte kann (aktuell unter Berücksichtigung der Corona-Auflagen) besichtigt werden. Zusätzlich befindet sich neben der Grenzanlage ein Museum inkl. Fahrzeughalle. Darin sind verschiedene Modelle sowohl aus dem Westen als auch aus dem Osten zu sehen. Unter anderem ein SK-1 (mit der Aufschrift R28), welcher damals zur Grenzabsicherung z. B. beim Bau der Berliner Mauer eingesetzt wurden. Das Sonder-Kfz-1 war übrigens das einzige in der DDR serienmäßig gebaute Panzerfahrzeug.

Wir hatten eine interessante (coronakonforme) Führung vor Ort und es ist wirklich spannend, weil man hier Geschichte so nah erleben kann. Und einfach unvorstellbar, wie eine Grenze einfach mal ein kleines Dorf teilt, das kann man wahrscheinlich auch mit Führung und Infotafeln nicht mal ansatzweise erahnen.

Wie immer verging die Zeit zu schnell und wir mussten uns ja noch um den Corsa kümmern. Denn ein Roadtrip wäre kein Roadtrip, wenn alles reibungslos verlaufen würde. Doch was genau passierte, das erfahrt ihr in den nächsten Blogposts…

Mehr zum Roadtrip #altesblechaltegrenze findet Ihr natürlich auch auf den Blogs von Sebastian und Daniel.


Zwecks Transparenz: Ohne grandiose Partner wäre so ein Roadtrip nicht möglich gewesen. Deshalb ein dickes Dankeschön an: Dunlop, Opel, Volkswagen, Ford Deutschland, Tourismusregion Sachsen, Tourismusregion Fichtelgebirge, Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, August Horch Museum in Zwickau, Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn und Gedenkstätte Point Alpha.
Bilder von Marcel Langer, Daniel, Sebastian und mir.

Sieben auf einen Streich – der Naturparkweg in Mecklenburg-Vorpommern

15. April 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Reisen ist aktuell ja noch schwierig, aber auch das wird sich wieder ändern und wir freuen uns schon alle darauf!
Letztes Jahr war ich noch in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Natürlich war Corona ein Thema, doch die Lage lag damals noch etwas anders. Wir konnten unter dem Thema „30 Jahre Schutzgebiete“ die Nationalparks kennenlernen und die Besuche dort sind mir sehr gut in Erinnerung geblieben. Grundsätzlich gefällt mir die Ecke von Deutschland immer besser und ja, auf meiner imaginären Top-Urlaubs-Liste wandert die Region immer weiter nach oben. Das liegt für mich vor allem an der (unberührten) Natur, an den freundlichen und direkten Menschen, aber auch an der herrlichen Umgebung. Grundsätzlich bin ich immer neugierig, wenn es um für mich neue und unentdeckte Landschaften geht.

Zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad waren wir in den Schutzgebieten unterwegs. Dass es mir so gut gefiel, lag vielleicht auch mit daran, dass ich bekanntermaßen gerne auf Wanderschaft gehe. Wenn ich könnte, würde ich am liebsten eine Berghütte pachten und von dort aus immer selbst Touren unternehmen. Da dies nun mal nicht realistisch ist, nutze ich einfach viele andere Möglichkeiten zum Wandern. Egal, ob es „nur“ eine 10km Tour ist, oder wie mit Marco eine Etappe über 30km. Mich entspannt es einfach und zudem gibt es immer etwas Neues zu entdecken. Ob es Pilze (Stichwort: Ästiger Stachelbart) sind, Tiere oder Begegnungen mit anderen Wanderern (Stichwort: Kniffelrunde), Highlights gibt es auf (fast) jeder Tour. Oder Erlebnisse wie den Sonnenaufgang auf dem Fluchtkogel – wenn ein Traum in Erfüllung geht. Sorry, ich schweife ab.

Was definitiv noch auf meiner Liste steht, ist ein Fernwanderweg. Es hat nämlich schon etwas meditatives, von Etappe zu Etappe zu wandern. Man kann nachdenken und sollte man zwischendurch auf Menschen treffen, tauscht man sich aus, hört verschiedene Geschichten, welche im Anschluss dann wieder „verarbeitet“ werden können. So wurde es mir zumindest immer von denen mitgeteilt, die bereits mehrere Tage am Stück ohne Unterbrechung unterwegs waren. Egal ob auf einem Klassiker, wie dem Jakobsweg, oder dem E5 über die Alpen – grundsätzlich ähneln sich die Erfahrungen.
Persönlich reizen mich eher die weniger frequentierten Wege. Aber jeder, wie er mag. Was ich daher sehr spannend finde: Ende Mai soll ein neuer Fernwanderweg eröffnet werden, der Naturparkweg Mecklenburg-Vorpommern. Dieser liegt (wie der Name schon sagt) in Mecklenburg-Vorpommern und hat eine Gesamtlänge von 907 Kilometern quer durch das Binnenland. Der Naturparkweg führt durch alle sieben Naturparks, durch das UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee sowie den Nationalpark Müritz. Ca. 700 Kilometer (77 Prozent) des Wegeverlaufes liegen innerhalb dieser o.g. Nationalen Naturlandschaften. Ziel ist es, den Naturparkweg nach Ausweisung durch den Deutschen Wanderverband als Inlandsvariante E9a des Europäischen Fernwanderweges E9 auszuweisen. Der E9a führt auch in Deutschland an der Küste entlang und verbindet hier Travemünde (im Westen) mit Swinemünde (im Osten).

Auf Gewässer muss man aber beim Naturparkweg trotzdem nicht verzichten. Als wahrscheinlich bekannteste sind der „Schweriner See“ und die „Müritz“ zu nennen. An diesen und noch vielen weiteren Wasserflächen führt der Weg vorbei. Übrigens ist er mit ca. 1500 Schildern gekennzeichnet und somit wird ein „Verlaufen“ fast unmöglich sein. Zusätzlich wird es eine mobile Anwendung geben inklusive zoomfähiger Karten. Und ich behaupte mal, jeder, der einen Fernwanderweg läuft, wird sich auch entsprechend vorbereiten.

Der Naturparkweg Mecklenburg-Vorpommern führt natürlich an zahlreichen Highlights und Besonderheiten vorbei, wie dem Schaalsee, dem Stettiner Haff und vielen weiteren. Diese bieten dann wieder die Möglichkeit, den Wissensdurst zu stillen. Nach der Eröffnung Ende Mai werden sicherlich noch weitere Informationen zum Wanderweg folgen. Für mich klingt der Naturparkweg jedenfalls sehr spannend mit seinem Fokus auf Natur, Nachhaltigkeit und regionalen Besonderheiten. Ich freue mich schon, wenn irgendwann ein paar, oder vielleicht auch die ganze Strecke, erwandert wird.

Nach der offiziellen Eröffnung gibt es hier alle Detailinfos zum Weg.

Traditionelle Handwerkskünste – vom Spessart bis nach Japan

3. Februar 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Es war einmal vor (mittlerweile) langer Zeit, als ich noch im Spessart lebte. Ein kleiner Ort, jeder kennt jeden und den Dialekt verstehen fast nur die Einheimischen. Denn in einem Dorf weiter wird bereits ein etwas anderer Dialekt gesprochen. Die Fenster konnte man getrost gekippt lassen, denn Nachbarn hatten immer ein Auge auf die Umgebung. So ist es (vermutlich) heute auch noch in „meinem“ kleinen Dorf. Und was gibt es im Spessart zuhauf? Holz! Holz war uns schon immer heilig. Also heilig ist vielleicht etwas übertrieben, aber im Spessart gelten beispielsweise noch uralte Holzrechte, das „Spessartrecht“, und viele Bürger besitzen sogar ein eigenes Stückchen Wald. Als Jugendlicher war ich natürlich mit im Wald und half, wenn Holz gemacht wurde. Das passierte immer erst im Winter, um die Natur bzw. die Tiere zu schonen. Und so kam ich bereits früh in Kontakt mit Holz. Bis heute bin ich begeistert von diesem Werkstoff. So begeistert, dass ich damals eine Ausbildung zum Schreiner (norddeutsch: Tischler) gemacht habe und mich seither Schreinergeselle schimpfen darf.
Was mich damals dazu bewogen hat, war die Liebe zum Werkstoff Holz, aber auch die Möglichkeit, meine Kreativität auszuleben. Holz ist ein relativ leicht zu bearbeitender Werkstoff und ich bin heute noch dankbar, dass mir die Vorgesetzten und Berufschullehrern viele Freiheiten ließen. Ob es an der CNC-Fräse war oder beim Fertigen des Gesellenstücks – ich durfte quasi alles machen, was mir in den Sinn kam. Woran ich mich noch gut erinnere, ist ein Auftrag unserer Firma für den Bau eines Messestandes, der anschließend nach Japan übersendet wurde. An die Details kann ich mich nicht mehr genau erinnern, aber es war eine Einzelanfertigung und sehr detailliert ausgearbeitet. Tetris-Fähigkeiten zahlten sich damals schon aus, denn der 40 Fuß (12,192m) große Überseecontainer bzw. Schiffscontainer wurde bis unter die Decke beladen. Ein paar Wochen später ging es auf die Reise nach Japan, das war schon eine Ehre für mich als Azubi.

Eine schöne Erinnerung. Was mir im Zusammenhang mit der Schreinertätigkeit besonders im Kopf geblieben ist, ist die japanische Handwerkskunst. Als Schreiner nutzen wir unterschiedlichste Werkzeuge, die natürlich nicht mit dem günstigen Handwerkszeug aus dem Baumarkt zu vergleichen sind. Ein Schreiner arbeitet im Bereich von Millimetern und somit wird gutes, scharfes und langlebiges Werkzeug benötigt. Als Beispiel nehmen wir eine Fingerzinkung. Die lässt sich auch maschinell fertigen …sieht aber auch dementsprechend aus. Im klassischen Stil wird eine Fingerzinkung mit einer scharfen „Japansäge“ und einem Stechbeitel durchgeführt. Die Form der Sägen ist unterschiedlich, aber meistens handelt es sich dabei um ein sehr dünnes Sägeblatt mit Zähnen in leichter Keilform. Diese sollten perfekt geschliffen sein und dementsprechend sehr scharf. Die Stechbeitel wurden übrigens immer per Hand geschärft und als Qualitätsmerkmal zur Schärfe mussten die Haare auf der Handoberfläche dran glauben.

Bei den ganz ursprünglichen Japansägen kommt die traditionelle, herausragende japanische Schmiedekunst zum Tragen. Die ihren Höhepunkt in der Fertigung von Samurai-Schwertern findet. In der japanischen Region Setouchi im Südwesten des Landes wird genau diese Tradition großgeschrieben.
Die Setouchi-Region formt das größte Binnenmeer in Japan, umgeben von den Präfekturen Hyogo, Okayama, Hiroshima, Yamaguchi, Tokushima, Kagawa und Ehime. Eine wunderschöne Seenlandschaft und äußerst vielfältige Gegend, in der man z.B. vier Weltkulturerben findet, 275 Sake-Brauereien (hehe) und mit 900.000 Hektar den ersten offiziell ausgewiesenen Nationalpark Japans, wobei bei der Größenordnung von einem „Park“ zu sprechen ja schon etwas untertrieben ist. Das Gebiet hat darüber hinaus einen jahrtausendalten Ruf für die Herstellung der besten Klingen Japans.

(Bild von Bizen Osafune)

Vor Ort, genauer gesagt in der Präfektur Okayama, befindet sich ein Schwertmuseum namens Bizen Osafune. Dort sind Schwerter (Katana) aus einem Zeitraum von über 1000 Jahren ausgestellt. Ein Katana war eigentlich immer schon eine Mischung aus Waffe und Kunstwerk. So kann man in den zugehörigen Werkstätten des Museums dem Schmiedeprozess beiwohnen, quasi von den Rohstoffen Eisenerz, Holzkohle (aus der regionalen Rotkiefer) und Wasser, die alle zur Genüge in Setouchi zu finden sind, bis hin zur Klinge. Alleine die Herstellung eines Katana dauert Tage, wenn nicht sogar Wochen. Außerdem können nur Handwerker, die eine Prüfung der Japanischen Agentur für kulturelle Angelegenheiten bestanden haben, in Japan zu Schwertschmieden werden – und selbst dann können Schwertschmiede höchstens 24 Schwerter pro Jahr herstellen, da die Vorschriften verlangen, dass jedes traditionelle Katana 15 Tage aktive Arbeit in Anspruch nimmt. Eine Handwerkskunst, die bis heute fortgeführt wird, die berühmten Bizen Katanas kann man nach wie vor käuflich erwerben.

Aber nicht nur die Herstellung gehört zum traditionellen Handwerk, sondern auch die Kunst des Schärfens. Da muss ich automatisch wieder an das Schärfen unserer Stechbeitel denken. Wobei Katanaklingen mit Sicherheit wieder ganz andere Bewegungen benötigen als der klassische Stechbeitel. Zum Vergleich: Unsere Stechbeitel waren maschinell bereits vorgeschliffen und wir mussten damals „nur“ noch den Feinschliff per Hand tätigen. Dies dauerte zwischen 30 Minuten und manchmal auch eine Stunde bis Zufriedenheit herrschte. Für eine (Katana)klinge wird hingegen eine Dauer von ca. 120 Stunden (!) gerechnet – von der Rohklinge inkl. Schärfens. Aber das ist noch nicht alles, denn die Klinge muss noch eingefasst werden. Traditionell geschieht das auch in Handarbeit. Magnolienholz hat dafür die richtigen Eigenschaften: Optisch zurückhaltend, dafür hart und gut zu verarbeiten. Neben der Härte spielt(e) die gute Verarbeitung eine wichtige Rolle. In der Regel werden die Griffe noch mit verschiedenen Verzierungen und Gravuren versehen, früher schon Symbole für Reichtum und Rang. So kommen in einem Katana verschiedene Handwerke zusammen.

Sollte es mich einmal nach Japan verschlagen – was ich sehr hoffe – dann ist ein Besuch in diesem Museum Pflicht!

Aufwärts