Braucht’s des? – Groß, Größer, am Größten

25. Februar 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: ,

Sobald man sich mit Freunden unterhält, kommt man ja schnell von einem Thema auf das nächste. Egal ob offline oder online. Letztens erst wieder so geschehen. Beim Online-Treffen, welches ich aktuell im Kopf habe, ging es schlussendlich um das Thema Automobil. Wobei man bei genauerer Betrachtung (fast) jedes andere Thema genauso heranziehen könnte. Denn es ging um: Groß, größer, am größten!

Immer wieder ein Thema aktuell ist die Zukunft der Mobilität in Innenstädten, bis hin zu Diskussionen über (zu wenig bzw. zu kleinen) Parkraum. In verschiedenen (Facebook)-Gruppen lese ich häufig über fehlende und/oder zu kleine Parkplätze. Gerade der örtliche Einzelhandel begründet schlechter laufende Geschäfte lieber über reduzierte Parkplätze als über seinen Service. Dass es auch anders gehen kann, zeigt dieses – seit über 20 Jahren gut laufende – Beispiel aus „Pontevedra“ (Stadt in Spanien).
Bei der Parkplatzgröße im privaten Raum wird häufig noch ein Auge zugedrückt. Ist der Parkplatz oder das Parkhaus aber im Besitz der jeweiligen Stadt, müssten die Parkplätze möglichst gestern schon verbreitert worden sein, weil der eigene SUV nicht genug Platz findet. Autos werden einfach immer größer! Was das generelle Problem von „Groß, größer, am größten“ aufzeigt. Muss es denn immer eine Steigerung geben? Reicht es nicht auch eine Nummer kleiner?

Gehen wir einen Schritt zurück – oder auch zwei. Mein erstes Auto war ein Opel Corsa A. Ein toller Kleinwagen. Mit 45PS, vier Gängen und allem, was nötig war, um von A nach B zu kommen. Natürlich nicht zu vergleichen mit den heutigen Fahrzeugen. Über die Sicherheit und den Komfort müssen wir nicht reden, beides wurde enorm weiterentwickelt und das ist auch gut so. Was gleichzeitig aber bei manchen dazu führt, dass sie sich lieber auf die Technik verlassen, als ihre evtl. vorhandenen Fahrfähigkeiten einzusetzen. Auch Fahrgefühl bzw. die Umgebungsgeräusche zwischen „früher“ und „heute“ sind nicht zu vergleichen. Bei einem modernen Fahrzeug ist die Geschwindigkeit weniger deutlich spürbar. Überspitzt könnte man im Gegenzug sagen: Dafür wurden die Sicherheitsmaßnahmen entsprechend angepasst. Diesen Zusammenhang direkt zu ziehen ist aber schlichtweg nicht möglich. Eventuell wird hier sogar falsche Sicherheit suggeriert. Auf der einen Seite gehen die Unfälle mit Getöteten (alleine in 2019 waren es trotzdem noch 3046 Menschen) zurück, jedoch steigen die Unfälle insgesamt an (in 2019 waren es 2.685.661)*.

Es müsste doch genauso möglich sein, mehr Sicherheit in kleine Fahrzeuge zu packen! Konkret: Airbagsysteme (z. B. Seitenairbags) für „kleinere“ Fahrzeuge verbauen etc. pp. technisch (ich bin kein Ingenieur) mag es evtl. an der ein oder anderen Stelle zu Schwierigkeiten kommen – sollte dies nicht aber gerade eine Herausforderung sein, um passende Lösungen für alle Fahrzeugklassen gleichermaßen zu generieren? Oder liegt es tatsächlich an den Kunden, die einfach keine kleinen Fahrzeuge mehr kaufen möchten?

Ähnlich sieht es bei den Reifen aus. Bleiben wir beim Opel Corsa von damals. Dieser hatte 145er Asphaltschneider drauf und ich kam mit ihnen überall hin. Und wenn ich sagen „überall“, dann meine ich auch „überall“. Mittlerweile ist es Usus, mindestens 235er „Schlappen“ aufzuziehen. Und natürlich werden auch die Felgen entsprechend immer größer. Mittlerweile sind wir ohne Probleme bei 20″ oder 21″ angekommen. Zum Vergleich: Mein Corsa hatte 13″ bzw. war zu damaligen Zeiten 15″ schon Oberklasse. Ein neuer Fiat Panda Cross besitzt aktuell eine Größe von 15″. Nein, wir reden hier nicht von Supersportwägen oder dergleichen!

Unabhängig von diesem Wunsch, dass es groß, größer, am größten sein muss, sollte meiner Meinung nach immer das Gesamtkonzept „Fahrzeug“ betrachtet werden, inklusive Antrieb und Co. Ob es „nur“ die Umstellung auf alternative Antriebe ist oder um die Lärmbelastung geht. Bleiben wir bei den Reifen und als Beispiel nehmen wir den aktuellen BMW i3. Die Felgengröße liegt hier bei 19″, dafür hat er aber eine Breite von 155mm. Stichwort: geringer Rollwiderstand und damit auch weniger Abrieb. Hat eigentlich nur Vorteile.

Aktuell sind sogar Reifen komplett aus Gummi wieder im Gespräch bzw. im Fokus der Forschung. Wer jetzt sofort an Vollgummireifen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts denkt, den muss ich enttäuschen bzw. kann ich beruhigen. Die herkömmliche „Luftblase“ wird vielleicht durch eine Lammelen- bzw. Wabenstruktur ersetzt. Einige Vorteile von dieser Konstruktion sind: Wo keine Luft, auch kein Plattfuß. Der Reifen umschließt die Hindernisse und puffert somit die Energie ab. Ohne Klangkörper (dieser fällt schließlich weg), gibt es auch weniger Lärm. Selbstverständlich gibt es auch Nachteile bzw. relevante Punkte sind final noch ungeklärt: Wie reagiert der Reifen bei hohen Geschwindigkeiten? Die Felgen müssen angepasst werden und abschließend müssten die Zulassungsregularien angepasst werden. So ist in der EU der Einbau eines Reifendruckkontrollsystems vorgeschrieben. Doch wie soll das funktionieren, wenn kein Reifendruck bzw. Luftdruck vorhanden ist? Bis die Reifen auf die Straße kommen, ist also noch einiges an Forschung nötig.

Und vielleicht ändert sich ja bis dahin bzw. gerade in der aktuellen Situation der Drang nach immer größer, schneller, weiter wieder hin zum Wesentlichen?

* Statistisches Bundesamt

Unterfranken und sein öffentlicher Personennahverkehr

12. Februar 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Die Mobilitätswende ist in aller Munde. Jedenfalls auf dem Papier bzw. in so manchem Imagebericht und Parteiprogramm. Der ÖPNV soll gestärkt, Autos möglicherweise ganz aus den Innenstädten verbannt werden oder – je nach Einstellung – dies auf gar keinen Fall und überhaupt scheint das Thema insgesamt sehr dramatisch. Die Forderungen sind verschieden, doch wie immer liegt die Lösung vermutlich in der goldenen Mitte.

„Verbietet doch endlich die Autos!“ habe ich sogar schon gelesen. Mit Verlaub, was ein Nonsens! Natürlich bin ich auch für eine zukunftsweisende Mobilitätswende und für Fortschritt, keine Frage. Um es vorwegzunehmen, da, wo es auch Sinn ergibt! Die Städte sind voll mit Fahrzeugen und auch hier in Schweinfurt wünsche ich mir weniger davon. Leider sieht das die konservative Verwaltung nicht ganz so und muss immer wieder zu mehr „Grün“ gedrängt werden. Zwar ist aktuell eine Koalition aus CSU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am Werk, aber von den Grünen hört/liest man leider recht wenig.
Auch vertreten einige (nicht alle) Einzelhändler die Meinung, dass mehr Parkplätze zu mehr Umsatz führen. Keine Ahnung, was das für ein Schluss ist, aber zu meckern geht insgesamt einfacher, als nach passenden Lösungen zu suchen.

Auf dem Land sieht die Lage mit Autos und Parkplätzen natürlich anders aus. Es ist genügend Platz für ein oder gleich mehrere Fahrzeuge vorhanden. Wenn ich an meine Zeit im Spessart zurückdenke, hatten wir teilweise vier Autos zu Hause. Lag daran, dass jeder zu einer anderen Zeit mobil sein musste – es war einfach normal. Der ÖPNV war damals schon unterirdisch. Als Beispiel: Am Vormittag gab es nur eine Verbindung in die 16 km entfernte (Klein-)Stadt und der Rückweg war schon schwierig(er), da es auch nur eine einzige Verbindung gab – allerdings um 15 Uhr rum. Am Wochenende war es schlichtweg unmöglich aus dem Dorf zu kommen. Dies ist heute ähnlich und es hat sich nicht wirklich viel geändert. Also ergibt die pauschale Aussage „Weg mit den Autos“ keinen Sinn. Weiter ausgeholt könnte man bei dieser Forderung im übertragenen Sinn sogar von einer Wettbewerbsverzerrung sprechen, da schließlich einige Dinge auf dem Land ohne Auto schlichtweg unmöglich wären bzw. sehr viel Zeit investiert werden müsste, um von A nach B zu kommen.

Jetzt könnte man sagen „Ausbau der Öffis!“. Als Gegenargument kommt dann wieder „Warum, wenn keiner die Öffis nutzt?“ – da sind wir wieder beim klassischen Henne-Ei-Problem. Die Kommunen sollen auf der einen Seite wirtschaftlich handeln, aber auf der anderen Seite müsste ohne Ende investiert werden. Die Meinungen gehen bei diesem Thema weit auseinander. Sorry, eine Lösung wird es von mir auch nicht geben. Ich denke, ein besserer Mobilitäts-Mix müsste angegangen werden, mehr ÖPVN, mehr Sharing-Angebote, Ladekapazitäten für Elektro, Fahrradwege-Ausbau in den Städten etc. pp.

Schauen wir uns einmal an, was der Regierungsbezirk Unterfranken im Jahr 2020 an finanziellen Mitteln in den Öffentlichen Personennahverkehr gesteckt hat. Das wohlgemerkt NUR in Unterfranken mit ca. 1,3 Millionen Einwohnern. Insgesamt wurde der ÖPNV hier mit 56,307 Millionen Euro gefördert (Quelle: Regierung von Unterfranken 2021). Zum Vergleich, im Vorjahr 2019 waren es rund 35 Millionen Euro. Also ein deutlicher Anstieg.
Gut, man muss bedenken, dass auch beim ÖPNV Corona eine Rolle gespielt hat bzw. spielt. Die Fahrgastzahlen gingen aus den unterschiedlichsten Gründen (keine Freizeitangebote, Homeoffice, Schulschließungen usw.) drastisch zurück. Nichtsdestotrotz wurde neben dieser Subvention in neue Fahrzeuge investiert. Insgesamt mussten die Zuständigen (dazu zählen auch die Stadtwerke usw.) gut 21,5 Millionen Euro netto ausgeben. Selbstverständlich gibt es Förderungen in diesem Bereich, aber wie bei Förderprogrammen üblich, werden die Kosten niemals zu 100% kompensiert <- sollte eigentlich klar sein, aber ich sage es sicherheitshalber nochmals dazu.
Mit einer Förderung von 6,816 Millionen Euro leistete die Regierung von Unterfranken ihren Teil dazu, insgesamt 90 Niederflurbusse anzuschaffen. 19 davon werden mit Hybridtechnologie betrieben und 2 weitere Fahrzeuge rein elektrisch. Dies ist Teil der Erneuerung der Fahrzeugflotte, die zukünftig emissionsärmer sein soll als „die alten“. Davon profitieren wiederum auch Fahrgäste mit behinderungs- oder altersbedingten Einschränkungen der Mobilität und Fahrgästen mit Kinderwagen.

In Würzburg, Sitz der unterfränkischen Regierung, gibt es zudem eine Straßenbahn, die in den nächsten Jahren verstärkt gefördert wird. Als Schweinfurter mag man Würzburg offiziell nicht. Das ist quasi wie die Rivalität zwischen Düsseldorf und Köln, Mainz und Wiesbaden oder Nürnberg und Fürth. Also sehen wir die Förderung natürlich skeptisch, können es aber leider nicht ändern. ;) In den kommenden Jahren werden in dieser Stadt mit dem amtlichen Kennzeichen WÜ (= „wir üben“) die Straßenbahngelenktriebwägen in barrierefreie Varianten getauscht. Dies wird insgesamt mit 19,25 Millionen Euro gefördert. Im Jahre 2020 wurden bereits 5,5 Millionen Euro ausgezahlt.

Und nicht zu vergessen, muss die Schülerbeförderung in Unterfranken finanziert werden. Für den Verkauf vergünstigter Zeitfahrkarten an Schüler, Studenten und Auszubildende entstehen den Verkehrsunternehmen regelmäßig Mindereinnahmen. Diese werden teilweise vom Freistaat Bayern ausgeglichen. In Summe erhielten die Unternehmen dafür 11,994 Millionen Euro. Hier stellt sich die Frage, ob die Förderung auch den Schülern bzw. Fahrgästen zugutekommt. Es könnte theoretisch sein, dass die Busunternehmen die Förderung einstecken, aber dennoch wenig(er) Busse einsetzen, um dadurch den Gewinn zu erhöhen. Auf dem Papier finden mit Sicherheit Kontrollen statt, aber wie sieht es in der Praxis aus?

Dies sind nur ein paar konkrete Beispiele zur finanziellen Förderung des ÖPNV in unserem Regierungsbezirk und spiegelt nicht die ganze Fördersumme wider. Natürlich ist Luft nach oben, versteht sich von selbst. Doch es ist zumindest ein Schritt, um den ÖPNV zu stabilisieren. Wünschenswert ist ein stetiger Ausbau. Sei es auf den einzelnen Strecken, aber zugleich auch mit attraktiveren Möglichkeiten wie automatische oder flexiblere Abrechnung, weitere Zusammenführung der Verkehrsverbünde etc. Als Kunde würde ich z. B. gerne mit meinem e-Ticket in Schweinfurt mit dem Bus fahren, aber zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht auch mal in Aschaffenburg (um einmal in Unterfranken zu bleiben). Es gibt einen Verkehrsverbund Mainfranken, aber leider sind hier (noch) nicht alle Landkreise mit im Boot.

Anyway, 56,307 Millionen Euro sind eine Menge Geld, keine Frage. Leider ist diese Summe auch so hoch, weil in der Vergangenheit vielleicht nicht ausreichend investiert wurde. Aber das steht wieder auf einem anderen Blatt und persönlich bin ich froh, dass überhaupt in einem so großen Umfang gefördert wird.

Wie schaut es bei Euch aus? Seid Ihr mit „Eurem“ ÖPNV zufrieden?

Traditionelle Handwerkskünste – vom Spessart bis nach Japan

3. Februar 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Es war einmal vor (mittlerweile) langer Zeit, als ich noch im Spessart lebte. Ein kleiner Ort, jeder kennt jeden und den Dialekt verstehen fast nur die Einheimischen. Denn in einem Dorf weiter wird bereits ein etwas anderer Dialekt gesprochen. Die Fenster konnte man getrost gekippt lassen, denn Nachbarn hatten immer ein Auge auf die Umgebung. So ist es (vermutlich) heute auch noch in „meinem“ kleinen Dorf. Und was gibt es im Spessart zuhauf? Holz! Holz war uns schon immer heilig. Also heilig ist vielleicht etwas übertrieben, aber im Spessart gelten beispielsweise noch uralte Holzrechte, das „Spessartrecht“, und viele Bürger besitzen sogar ein eigenes Stückchen Wald. Als Jugendlicher war ich natürlich mit im Wald und half, wenn Holz gemacht wurde. Das passierte immer erst im Winter, um die Natur bzw. die Tiere zu schonen. Und so kam ich bereits früh in Kontakt mit Holz. Bis heute bin ich begeistert von diesem Werkstoff. So begeistert, dass ich damals eine Ausbildung zum Schreiner (norddeutsch: Tischler) gemacht habe und mich seither Schreinergeselle schimpfen darf.
Was mich damals dazu bewogen hat, war die Liebe zum Werkstoff Holz, aber auch die Möglichkeit, meine Kreativität auszuleben. Holz ist ein relativ leicht zu bearbeitender Werkstoff und ich bin heute noch dankbar, dass mir die Vorgesetzten und Berufschullehrern viele Freiheiten ließen. Ob es an der CNC-Fräse war oder beim Fertigen des Gesellenstücks – ich durfte quasi alles machen, was mir in den Sinn kam. Woran ich mich noch gut erinnere, ist ein Auftrag unserer Firma für den Bau eines Messestandes, der anschließend nach Japan übersendet wurde. An die Details kann ich mich nicht mehr genau erinnern, aber es war eine Einzelanfertigung und sehr detailliert ausgearbeitet. Tetris-Fähigkeiten zahlten sich damals schon aus, denn der 40 Fuß (12,192m) große Überseecontainer bzw. Schiffscontainer wurde bis unter die Decke beladen. Ein paar Wochen später ging es auf die Reise nach Japan, das war schon eine Ehre für mich als Azubi.

Eine schöne Erinnerung. Was mir im Zusammenhang mit der Schreinertätigkeit besonders im Kopf geblieben ist, ist die japanische Handwerkskunst. Als Schreiner nutzen wir unterschiedlichste Werkzeuge, die natürlich nicht mit dem günstigen Handwerkszeug aus dem Baumarkt zu vergleichen sind. Ein Schreiner arbeitet im Bereich von Millimetern und somit wird gutes, scharfes und langlebiges Werkzeug benötigt. Als Beispiel nehmen wir eine Fingerzinkung. Die lässt sich auch maschinell fertigen …sieht aber auch dementsprechend aus. Im klassischen Stil wird eine Fingerzinkung mit einer scharfen „Japansäge“ und einem Stechbeitel durchgeführt. Die Form der Sägen ist unterschiedlich, aber meistens handelt es sich dabei um ein sehr dünnes Sägeblatt mit Zähnen in leichter Keilform. Diese sollten perfekt geschliffen sein und dementsprechend sehr scharf. Die Stechbeitel wurden übrigens immer per Hand geschärft und als Qualitätsmerkmal zur Schärfe mussten die Haare auf der Handoberfläche dran glauben.

Bei den ganz ursprünglichen Japansägen kommt die traditionelle, herausragende japanische Schmiedekunst zum Tragen. Die ihren Höhepunkt in der Fertigung von Samurai-Schwertern findet. In der japanischen Region Setouchi im Südwesten des Landes wird genau diese Tradition großgeschrieben.
Die Setouchi-Region formt das größte Binnenmeer in Japan, umgeben von den Präfekturen Hyogo, Okayama, Hiroshima, Yamaguchi, Tokushima, Kagawa und Ehime. Eine wunderschöne Seenlandschaft und äußerst vielfältige Gegend, in der man z.B. vier Weltkulturerben findet, 275 Sake-Brauereien (hehe) und mit 900.000 Hektar den ersten offiziell ausgewiesenen Nationalpark Japans, wobei bei der Größenordnung von einem „Park“ zu sprechen ja schon etwas untertrieben ist. Das Gebiet hat darüber hinaus einen jahrtausendalten Ruf für die Herstellung der besten Klingen Japans.

(Bild von Bizen Osafune)

Vor Ort, genauer gesagt in der Präfektur Okayama, befindet sich ein Schwertmuseum namens Bizen Osafune. Dort sind Schwerter (Katana) aus einem Zeitraum von über 1000 Jahren ausgestellt. Ein Katana war eigentlich immer schon eine Mischung aus Waffe und Kunstwerk. So kann man in den zugehörigen Werkstätten des Museums dem Schmiedeprozess beiwohnen, quasi von den Rohstoffen Eisenerz, Holzkohle (aus der regionalen Rotkiefer) und Wasser, die alle zur Genüge in Setouchi zu finden sind, bis hin zur Klinge. Alleine die Herstellung eines Katana dauert Tage, wenn nicht sogar Wochen. Außerdem können nur Handwerker, die eine Prüfung der Japanischen Agentur für kulturelle Angelegenheiten bestanden haben, in Japan zu Schwertschmieden werden – und selbst dann können Schwertschmiede höchstens 24 Schwerter pro Jahr herstellen, da die Vorschriften verlangen, dass jedes traditionelle Katana 15 Tage aktive Arbeit in Anspruch nimmt. Eine Handwerkskunst, die bis heute fortgeführt wird, die berühmten Bizen Katanas kann man nach wie vor käuflich erwerben.

Aber nicht nur die Herstellung gehört zum traditionellen Handwerk, sondern auch die Kunst des Schärfens. Da muss ich automatisch wieder an das Schärfen unserer Stechbeitel denken. Wobei Katanaklingen mit Sicherheit wieder ganz andere Bewegungen benötigen als der klassische Stechbeitel. Zum Vergleich: Unsere Stechbeitel waren maschinell bereits vorgeschliffen und wir mussten damals „nur“ noch den Feinschliff per Hand tätigen. Dies dauerte zwischen 30 Minuten und manchmal auch eine Stunde bis Zufriedenheit herrschte. Für eine (Katana)klinge wird hingegen eine Dauer von ca. 120 Stunden (!) gerechnet – von der Rohklinge inkl. Schärfens. Aber das ist noch nicht alles, denn die Klinge muss noch eingefasst werden. Traditionell geschieht das auch in Handarbeit. Magnolienholz hat dafür die richtigen Eigenschaften: Optisch zurückhaltend, dafür hart und gut zu verarbeiten. Neben der Härte spielt(e) die gute Verarbeitung eine wichtige Rolle. In der Regel werden die Griffe noch mit verschiedenen Verzierungen und Gravuren versehen, früher schon Symbole für Reichtum und Rang. So kommen in einem Katana verschiedene Handwerke zusammen.

Sollte es mich einmal nach Japan verschlagen – was ich sehr hoffe – dann ist ein Besuch in diesem Museum Pflicht!

Von Inspiration, Luxus und Wertanlagen

21. Januar 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , ,

Mittlerweile blogge ich seit mehr als 10 Jahren und das über eine ganze Bandbreite verschiedener Themen. Wer mich noch nicht so lange kennt oder „nur“ die letzten Beiträge auf der Startseite anschaut, wird sich vielleicht über die Themenvielfalt wundern.
Im Zusammenhang mit meinem Beitrag über „Julius“ bin ich gefragt worden, ob so ein Thema denn überhaupt zum Blog passt. In dem es sonst um Mode, Automobil und auch Luxusthemen geht, wie um mein Faible für schöne (italienische) Herrenmode z.B. von Zegna. Aber auch mal über eine Wanderung durch die lokalen Wiesen und Wälder, um Reisen und Outdoor – die Themenspannweite ist vielfältig. Richtig. Das liegt einfach daran, dass ich mich für viele Dinge interessiere. Und das gerne mit Euch teile, weil es vielen von Euch ähnlich geht.
Wie heißt es so schön: Man lernt ein Leben lang! Für mich persönlich gehört dazu natürlich auch mein Blog. Dadurch, dass ich mich mit vielen unterschiedlichen Themen beschäftige und immer wieder Recherchen nötig sind, kommt man automatisch vom Hölzchen zum berühmten Stöckchen. Für irgendetwas sind diese gewonnen Infos dann wiederum nützlich – und wenn es nur für mich persönlich ist. Man könnte es vielleicht auch mit dem Ehrenamt als Schöffe vergleichen, in dem man mal aus seiner eigenen Filter-Blase blickt und Neues erfährt. Und sei es nur ein Anstoß, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen, was wiederum zum besseren Verständnis bzw. zur besseren Kommunikation führen kann. Also egal in welchem Bereich: Es gibt immer etwas zu entdecken! Von daher passen solche gesellschaftlichen Themen für mich sehr wohl hier zu meinem Blog.

Gerade bei Mode und Accessoires handelt es sich ja um Bereiche, die vor allem inspirieren sollen. Kaum jemand geht davon aus, dass die auf den Fashionweeks gezeigten Outfits 1:1 nachgekauft und so getragen werden. Wobei die Qualität hochwertiger Designermode natürlich sehr oft fantastisch ist. Daher kann einen ein teures und hochwertiges Teil ein Leben lang begleiten und ist quasi auch eine gute Geldanlage. Ich selber schaue mir gerne die neuen Kollektionen an und lasse mich inspirieren. So lassen sich langlebige Stücke aus dem Kleiderschrank super immer wieder kombinieren. Oder mal mit verschiedenen Accessoires „upgraden“. (Ich glaube, da mache ich irgendwann mal einen eigenen Blogpost zu.)

Das Thema Investition bzw. Wertanlage scheint übrigens gerade in der aktuellen Zeit verstärkt aufzuploppen. Mittlerweile ist es schon über ein Jahr her, dass Corona auftauchte. Anfänglich noch „weit weg“, kam es dann langsam immer näher. Kann mich noch gut erinnern, dass ich im Februar 2020 auf Skiern unterwegs war. Man hatte zwar von Corona gehört, aber so richtig bewusst wurde es erst, als Reisewarnungen ausgesprochen wurden oder Ansprachen der Regierung über die Bildschirme flimmerten.
Grundsätzlich wird in augenscheinlich schwierigen Zeiten immer besonders auf das persönliche Umfeld geachtet. Man will es sich zu Hause schön machen, wie die Umsätze von Einrichtungshäusern zeigen. Um nur ein Beispiel zu nennen. Auf der anderen Seite überlegt man, welche Wertanlagen krisensicher sind. Klar, da ist Gold immer ganz oben dabei. Als weitere gute Anlagemöglichkeit werden natürlich Immobilien oder auch klassische Oldtimer gehandelt. Aber wie oben schon erwähnt, können modische Accessoires ebenfalls gute Investitionen sein. Wer mit weniger Platz auskommen möchte und über das nötige Kleingeld verfügt, greift gerne auf Uhren zurück. Die bekannteste Uhrenmarke weltweit ist vermutlich Rolex, sowohl Accessoire als auch Statussymbol und Wertanlage zugleich. In einem Businessnetzwerk (in dem ich Mitglied bin), kam neulich die Frage nach einer Wertanlage auf, bzw. wurde in diesem Zusammenhang ganz konkret nach einer Rolex Day-Date Armbanduhr gesucht. Da kann man wohl definitiv von einer langfristigen Wertsteigerung ausgehen. Ich selbst finde ja auch Manschettenknöpfe toll, weil edel und wahrscheinlich in so ziemlich jeder Preisklasse zu haben, von günstig bis kaum bezahlbar (und damit wiederum gute Anlage). Nennt mich ruhig altmodisch, aber ich bin ein Fan solcher Klassiker!

Um noch eine Möglichkeit der Wertanlage zu nennen: Bitcoins bzw. Investitionen in Kryptowährung. Soll angeblich auch jetzt noch gut möglich sein – don`t know. Das ist ein Bereich, in dem ich mich selbst kaum auskenne. Persönlich bin ich bei Geldgeschichten eher etwas konservativer unterwegs und würde (wenn ich das nötige Kleingeld hätte) in Immobilien und/oder Aktien investieren. Aber jeder, wie er möchte. Spannend ist dabei trotzdem zu sehen, wie sich alles entwickelt. Habt Ihr schon Erfahrungen damit gemacht? Was ist Euer Favorit?

Energieverbrauch im Haus

5. Januar 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , ,

Nachdem wir nun schon fast fünf Jahre im eigenen Haus wohnen, ist es an der Zeit, einen genaueren Blick auf unseren Energieverbrauch zu werfen. Zur weiteren Planung, Verbesserung bzw. Anpassung ist schließlich eine Langzeitbetrachtung sinnvoll, wie z.B. bei einer Photovoltaikanlage auch. Wir sind Mitte 2016 in die eigenen 4-Wände gezogen. Zwar wurden die Zähler im Januar 2015 angeschlossen, aber wir wohnten noch nicht im Haus und hatten noch einige Renovierungsarbeiten (wie Verputzen usw.) zu erledigen, deshalb sind die Werte aus 2015 noch nicht aussagekräftig.
Allerdings haben wir Vergleichswerte aus der Mietswohnung vorher, anhand derer wir Pi-mal-Daumen den zukünftigen Verbrauch versuchten einzuschätzen. Wobei man diesen Vergleich natürlich nur ganz grob ziehen kann. Damals wohnten wir auf ca. 70qm und im Haus sind es nun ca. 180qm Fläche. Wobei natürlich nicht alle 180qm gleichzeitig geheizt bzw. bewohnt werden. Ihr merkt schon, es spielen viele Faktoren eine Rolle.

Für diejenigen unter Euch, die die Umbaumaßnahmen bzw. Generalsanierung nicht mitbekommen haben, hier nochmals in Kurzform, was wir alles gemacht haben:
Neues Dach mit zugehöriger Dachdämmung, neue Heizungsanlage (inkl. neuem Leitungssystem…), neue Elektrik (inkl. Verkabelung, Zähler etc.), neue Bäder (inkl. neuem Leitungssystem…), neue dreifachverglaste Fenster. Und noch einiges mehr, aber das sind so die größten Posten, die beim Thema Energie relevant sind. Die Koordination unserer Kernsanierung erfolgte komplett in Eigenregie. Wir hatten keinen Bauleiter und haben die verschiedenen Maßnahmen und Gewerke selbst koordiniert, sämtliche baulichen Maßnahmen mehrfach überlegt, recherchiert und auch (gedanklich) mit den möglichen Alternativen abgewägt, bevor wir tätig wurden. Das war definitiv nicht ohne und sicherlich eine ganz andere Herausforderung, als sie z.B. ein Neubau mit sich bringt. Wichtig sei hier noch zu erwähnen, dass wir uns bei der Heizungsanlage für einen Gasbrenner entschieden haben. Dieser ist von Weishaupt und war damals selbstverständlich auf dem neusten Stand der Dinge.

Zurück zum eigentlichen Thema. Unserem Energieverbrauch bzw. dem Jahresdurchschnittsverbrauch. Beginnen wir einfach beim

Strom:

Anbieter: Stadtwerke Schweinfurt. Noch. Zwar haben wir hier in Schweinfurt einen vergleichbar günstigen Preis, allerdings bin ich als Kunde nicht zu 100% zufrieden. Allgemein gesehen sind die Stadtwerke eher konservativ. Und zwar in jeglicher Hinsicht. Kommunikation findet nur in eine Richtung statt. Transparenz ist Fehlanzeige und auf Social Media wird gänzlich verzichtet. Noch dazu wird zwar Ökostrom angeboten, dieser ist allerdings (in meinen Augen) überteuert bzw. von anderen Anbietern günstiger zu haben. Daher wird demnächst ein Wechsel für uns unumgänglich sein.

Wir benötigen im Schnitt zwischen 1450 und 1700kWh Strom pro Jahr. Der durchschnittliche Verbrauch bei einer Haushaltsgröße von zwei Personen liegt bei 2.100 kWh/Jahr, daher verbrauchen wir also weniger als vergleichbare Haushalte.

Wasser:

Anbieter: Stadtwerke Schweinfurt. Vorab: Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist bei Wasser im Gegensatz zu Strom bzw. Gas faktisch auch nicht möglich, da gibt es einen regionalen Wasserversorger. Punkt.
Beim Wasser benötigen wir zwischen 50 und 60 Kubikmeter pro Jahr. Der durchschnittliche Wasserverbrauch für zwei Personen pro Jahr liegt bei etwa 93 Kubikmetern. Im Höfchen nutzen wir zudem noch einen Regenwassersammelbehälter mit einem Fassungsvermögen von 300 Litern. Dennoch reicht das gesammelte Wasser in unserer trockenen Region und mit den immer wärmer werdenden Sommern nicht aus, um alle Pflanzen ausreichend zu versorgen. Auch in diesem Jahr mussten wir wieder die Wasserleitung „anzapfen“. Unsere Werte wundern mich daher schon, denn wir achten nicht sonderlich auf den Verbrauch. Klar, wir lassen beim Zähneputzen kein Wasser laufen, duschen nicht stundenlang, aber auch nicht megakurz etc. Die gängigen Sachen halt. Ebenso wie die Spülmaschine fast ausschließlich im Energiesparprogramm läuft <- dafür ist es schließlich da und Zeit ist genug vorhanden. Gebrauchtes Wasser (z. B. vom Eier kochen) wird ab und an zum Gießen verwendet. Ob diese Kleinigkeiten allerdings den Wasserverbrauch so reduzieren – I don’t know.

Gas:

Anbieter: Stadtwerke Schweinfurt (wer hätte es gedacht). Wie bereits erwähnt nutzen wir einen Gasbrenner. Neben der handelsüblichen Wärme ist dieser auch für das Warmwasser zuständig. Unser Verbrauch liegt so zwischen 9000 und 12000 kWh pro Jahr. Der Durchschnitt für vergleichbare 180qm liegt bei 22500 kWh. Wie komme ich auf diesen Wert: Die Energieabrechnungsfirma Techem hat 2017 in einer Studie den durchschnittlich nötigen Gasverbrauch zum Heizen eines Quadratmeters mit 125 kWh pro Jahr beziffert. Um nun auf den gesamten Jahresverbrauch zu kommen, einfach die Quadratmeterzahl der Wohnfläche mit diesen 125 kWh multiplizieren und schon haben wir den jeweiligen Durchschnittswert. Natürlich könnte man jetzt noch das Baujahr mit einberechnen, aber da wir bekanntlich eine Generalsanierung durchgeführt haben, hätten wir einen Mischwert. Außerdem sind die Werte nur grobe Richtlinien bzw. Anhaltspunkte. Aber selbst wenn wir das Baujahr bzw. das Sanierungsjahr einberechnen würden, liegen wir noch unter dem Durchschnitt.
Im Gegensatz zum Wasser ist beim Gas ein Wechsel des Anbieters durchaus möglich, ähnlich dem Wechsel beim Strom. Wer es „grün(er)“ möchte, sollte sich verschiedene (Bio-)gas-Anbieter anschauen. Genau hinschauen lohnt sich allerdings, denn die Preise können sehr variieren. Und bitte immer Äpfel mit Äpfeln vergleichen. Laufzeit, Boni usw. beachten. Gilt übrigens gleichermaßen beim Strom.

Mein Tipp: Wenn es Euch interessiert, einfach mal eine Übersicht zum Energieverbrauch anlegen. Wir haben unsere Werte der vergangenen Jahre vor Kurzem in einer Excel-Tabelle aufgeführt und so einen ganz guten Überblick bekommen. Mich hat schon gewundert, dass wir in allen Bereichen unter den Durchschnittswerten liegen. Obwohl wir jetzt nicht die allersparsamsten sind. Da scheint die energetische Sanierung doch so einiges auszumachen! Wie sagte einmal ein Freund „alles richtig gemacht!“ Und ja, rückblickend gesehen sind wir schon stolz auf den Umbau bzw. die Sanierung. Luft nach oben ist natürlich immer, keine Frage. Sobald wieder Geld und Lust vorhanden ist, ist die Außenfassade an der Reihe. Nach aktuellem Stand kommt eine Dämmung allerdings nicht in Frage: Zu wenig fensterlose Fläche vs. hohe Kosten. Und außerdem sind die langen Seiten des Hauses durch direkte angrenzende Nachbarhäuser quasi „gedämmt“. ABER, sollte das Gerüst für einen Anstrich stehen, kommt eine Photovoltaikanlage auf das Dach. Dies wird allerdings noch etwas dauern. Theoretisch könnten wir im Höfchen noch eine Zisterne installieren, kommt aber auf Grund des Aufwands und der hohen Kosten nicht in Frage. Aber theoretisch wäre es möglich.

Sollte ich mir nochmal ein Haus „gönnen“ (im nächsten Leben dann oder man weiß ja nie, ob man mal im Lotto gewinnt oder so…), dann wird es energetisch gesehen ganz autark. Große Photovoltaikanlage mit ordentlich Speicher für den Haushalt und das E-Auto (falls dann überhaupt noch ein eigenes Fahrzeug nötig ist), Wasser aus der Zisterne bzw. eigenem Brunnen – sowohl als Trinkwasser (dank Aufbereitung) und für sonstige Dinge wie z. B. Toilette. In Unterfranken leiden wir ja (fast) jeden Sommer unter Wasserknappheit, aber Hauptsache die Toiletten werden noch mit Trinkwasser gespült! Anyway, das ist wieder ein anderes Thema. Zur Wärmegewinnung wäre eine Kombination aus Wärmepumpe, Pelletheizung und/oder Strom (je nachdem wie hoch der Ertrag der Photovoltaikanlage ist) sinnvoll. Aktuell schwirrt mir auch noch Erdwärme im Kopf herum. Vermutlich halte ich Euch auch im nächsten Leben auf dem Laufenden.

Falls Ihr weitere Tipps und Tricks zwecks Energiesparen habt, gerne zu mir!

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