Städte & Kultur im Allgäu (Teil 1)

5. Dezember 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , ,

Wer an das Allgäu denkt, der hat erst einmal schöne Landschaft, Berge, Wald, Wiesen und Kühe vor Augen. Vielleicht noch ein paar Hütten und Schafe. Aber Städte und Kultur? Das ist nicht unbedingt der erste Gedanke, der einem in den Sinn kommt. Obwohl es auch davon eine ganze Reihe gibt im Allgäu. Hiervon konnte ich mich vor kurzem im Rahmen einer Pressereise selbst überzeugen. Bereits im Sommer habe ich ja einen Teil des Allgäus auf unserer Grenzgänger-Tour kennengelernt und war begeistert! Daher freute ich mich auf meinen erneuten Besuch. Diesmal ging es also darum, eine andere Seite des Allgäus zu entdecken.
In den größeren Städten – wie Kempten, Sonthofen und Füssen – aber auch in den kleineren Gemeinden der Region hat die Handwerkskultur eine lange historische Bedeutung. Wir hatten an den 3 Tagen die Möglichkeit, die Geschichte der Allgäuer Städte quasi durch das Handwerk zu erleben und altes Handwerk selbst aufzugreifen. Ihr wisst, dass ich – selbst Holzwurm – immer ein Faible für die Handwerkskunst habe. Einmal Handwerk – immer Handwerk!

Los ging unsere Tour in Lindenberg im Westallgäu. Lindenberg liegt auf einer natürlichen Sonnenterrasse oberhalb des Bodensees und zu Füßen der Hochalpen. Der Luftkurort nennt sich daher selbst auch „Sonnenstadt“ und konnte beispielsweise 2018 mit 2332 Sonnenstunden aufwarten (zum Vergleich, der deutsche Durchschnitt lag bei 2000 Sonnenstunden).
In dieser hübschen kleinen Stadt befindet sich u. a. das Deutsche Hutmuseum, das in einem sehr sehenswerten Gebäude liegt. Lindenberg war um 1900/1910 herum die „Hut-Hauptstadt Europas“. Es wurden Hüte in die ganze Welt exportiert, überall trug man Hüte aus dem Westallgäu, quasi das „Klein-Paris“ oder –Mailand der Hutmode. Die Hutmachertradition geht aber bis weit in das 16. Jahrhundert zurück. Eine der größten Hutfabriken zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Hutfabrik Ottmar Reich, in der sich jetzt das Museum befindet. Allein das ehemalige Kesselhaus der Hutfabrik (jetzt ein Café) ist sehenswert. Aber natürlich auch die komplette Ausstellung mit Mitmachstationen und zahlreichen Exponaten aus 300 Jahren Hutmode.

Ich sage nur INDY!!! (also für die Noobs unter Euch: hier findet Ihr sogar den Hut von Indiana-Jones ;) ). Es gibt Rohlinge aus Guss und/oder aus Holz, Hutpressen zum selbst ausprobieren, viele spannende Geschichten rund um die Handwerkskunst (hier spielten mal wieder die Italiener eine bedeutende Rolle, wie so häufig in der Mode, aber inwiefern, das müsst Ihr selbst herausfinden) und man kann nach Herzenslust Hüte aufprobieren. Wirklich ein Muss für jeden Hut- bzw. Modeliebhaber!

Wir trafen uns hier mit Marita Prestel, ehemalige Deutsche Hutkönigin. Diese wird alle 2 Jahre neu gewählt und darf sich dann die Krone bzw. den Hut aufsetzen. Marita ist gelernte Modistin und eine Meisterin in ihrem Beruf und der Liebe wegen im schönen Allgäu geblieben. In einem kleinen Workshop konnten wir sie zum einen näher kennenlernen, zum anderen unseren eigenen Hut herstellen. Modistin ist übrigens ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, den es leider heute kaum noch gibt. Übersetzen könnte man den Begriff vielleicht in etwa mit „Hutmacher“, wobei es mehr als „nur“ Hutmacher bedeutet. Theoretisch hätten wir nun einen Hut komplett herstellen können. In Anbetracht der Zeit haben wir aber „nur“ einen Hutrohling garniert.

Super spannend, was Marita alles erzählte und welche Kniffe sie uns zeigen konnte. Man spürte einfach, wieviel Leidenschaft für ihr Handwerk vorhanden ist und dass es einen Haufen Spaß macht.
Dieser äußerst informative und produktive Tag ging kulinarisch im historischen Hotel Waldsee zu Ende, wo wir auch übernachteten. Ebenfalls ein Haus mit langer Tradition, zweitens aber auch mit einer äußerst leckeren Küche und drittens einer tollen Lage, nämlich sehr malerisch an Deutschlands höchstem Moorbadesee. Das Hotel ist sehr stilvoll eingerichtet und Bodo Hartmann (der Chef des Hauses) ist gleichzeitig für die Küche zuständig, also Chef de Cuisine. Seine Spezialitäten sind Fischgerichte und Meeresfrüchte. Bodo stammt ursprünglich aus Sylt und nahm diese Vorliebe mit ins Allgäu. Im hauseigenen Restaurant interpretiert der Koch Fischgerichte ganz neu und auf seine Weise. Warum auch nicht – der Geschmack spricht für sich!

Ein Ort, um die Seele baumeln zu lassen! Mit Sicherheit gibt es in Lindenberg noch einiges mehr zu entdecken. Wir machten uns allerdings am nächsten Tag auf den Weg nach Kempten. Kempten ist sicherlich den meisten von Euch ein Begriff, und wenn nur von der Reise in den Süden. So ging es mir zumindest. Viel mehr wusste ich allerdings nicht über die Stadt im Allgäu. Und das obwohl Kempten eine der ältesten Städte Deutschlands ist! Bzw. sogar die älteste schriftlich erwähnte Stadt. Auch das war mir neu. Und wer war schuld? Genau, die Römer! Diese errichteten eine Siedlung oberhalb der heutigen Stadt mit Blick über die Iller.

Noch heute sind die Ausgrabungen, bzw. Nachbauten von verschiedenen Gebäuden, wie z. B. Tempeln zu sehen. Des Weiteren befindet sich vor Ort in dem archäologischen Park “Cambodunum” auch ein Freilichtmuseum. Am besten bucht Ihr eine Führung, denn die unzähligen Geschichten und Entdeckungen sind wirklich spannend. Alle zwei Jahre findet hier oben auch ein Römerfest statt mit Theateraufführungen und allem Drum und Dran. Natürlich im Sommer bei wärmeren Temperaturen. Oder man bucht einen Brotbackkurs, besonders für den Nachwuchs mit Sicherheit ein Highlight. Wobei ich persönlich da auch gerne einmal dabei sein würde. Man ist ja quasi nie zu alt. ;)

Von der „Gründungsstätte“ Kemptens ging es für uns direkt in die Stadt hinein. Und was wir dort erlebten, berichte ich Euch die nächsten Tage an dieser Stelle.

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team der Allgäu GmbH, die diese Erlebnisse überhaupt erst ermöglicht haben.

Genuss und Entschleunigung – das ist Juist (Teil 1)

2. Dezember 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Wenn der Kopf voll ist, gibt es nichts Besseres als eine kleine Auszeit. Für mich, wie Ihr wisst, meist in den Bergen. Aber auch ein paar Tage am Meer sind ideal zum Abschalten, Entspannen und Genießen. Ganz besonders gut geht das, wie wir feststellen konnten, auf Juist. Entschleunigung vom Feinsten! Juist, die kleine Nordseeinsel „da oben“. Für uns im Süden ist ja quasi alles nördlich des Mains „da oben“, ja ich weiß, „typisch Bayern“ bzw. „typisch Franken“! Aber überhaupt nicht negativ gemeint, ganz im Gegenteil. Als Kind war ich einmal auf der Nachbarsinsel, aber ganz genau erinnern kann ich mich nicht. Somit war es an der Zeit, die Erinnerung aufzufrischen und Juist zu besuchen.

Wie gewohnt an dieser Stelle ein paar Hardfacts: Juist gehört zu den Ostfriesischen Inseln und liegt grob gesagt zwischen Borkum und Norderney. Die Insel ist ca. 17 km lang und zwischen 500 und 900 Metern breit. Die geringste Entfernung zum Festland liegt bei rund 7 Kilometern. Auf der nördlichen Seite ist die See und Richtung Festland befindet sich das ruhigere Wattenmeer, das zum UNESCO Weltnaturerbe gehört. Die Einheimischen nennen ihre Insel liebevoll „Töwerland“, was auf plattdeutsch so viel wie „Zauberland“ bedeutet. Vermutlich weil die Besucher von der Insel „verzaubert“ werden. Auf die ca. 1500 Einwohner kommen jährlich knapp 132.000 Übernachtungsgäste (Stand 2018), davon viele als Stammgäste immer wieder.
Ein großes Thema für Juist ist die Nachhaltigkeit. Logisch, eine Insel spürt die Notwendigkeit noch direkter, als wir es auf dem Festland tun. Juist strebt an, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu werden. Und ist damit eine ganze Ecke weiter, als so manch andere Kommune! Auf der Insel sind an sich schon keine Autos zugelassen (mit Ausnahme von Inselarzt und Feuerwehr) und somit ist man dem ehrgeizigen Ziel bereits einen gewaltigen Schritt näher. Die Autofreiheit ist ein Alleinstellungsmerkmal, das übrigens wesentlich zur Entschleunigung beiträgt. Aber auch sonst tut Juist viel, um sein fragiles Ökosystem in Takt zu halten und als kleine Insel einen großen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Schon 2015 gab es den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für das Töwerland in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Kleinstädte und Gemeinden“ und trotzdem sehen die Inselbewohner noch Luft nach oben. Toll, wie hier überall nachhaltige Werte vertreten werden und sicherlich auch für manche ein Anreiz, auf der Insel Urlaub zu machen.

Warum wir auf dem Töwerland waren? Wir waren u.a. für die Genusstage vor Ort, von denen ich noch erzählen werde. Die Anreise nach Juist gestaltete sich total problemlos. Mit der Bahn ging es bis „Norddeich Mole“ und dank einer Freifahrt kosteten mich Hin- und Rückfahrt nur 26,90 Euro. Bereits 37% der Gäste reisen mit der Bahn an und nutzen die super Anbindung. Der Bahnhof befindet sich nämlich keine 5 Minuten Fußweg vom Fähranleger entfernt. Da die Fähre nach wie vor abhängig ist von den Gezeiten, fährt sie nur 1-2mal am Tag bei Hochwasser. Am besten vorher informieren, sonst bleibt nur noch der Flieger oder das Warten auf die nächste Fähre (oder schwimmen ;)). Wenn man seine Hausaufgaben (sprich vorab informieren plus Puffer einplanen) gemacht hat und rechtzeitig am Bahnhof Norddeich Mole angekommen ist, dann empfehle ich das Gepäck schon mal abzugeben und auf ein Fischbrötchen beim Fischrestaurant de Beer vorbei zu schauen. Der Laden ist meist gut besucht, aber das Warten lohnt sich, denn erstens ist die Auswahl (für uns Landeier) richtig gut und zweitens sind die Brötchen super lecker.

Persönlich waren wir somit gestärkt und konnten die Überfahrt beginnen. Normalerweise sind ca. 90 Minuten dafür eingeplant. Je nach Tide, Windrichtung und Windstärke kann es manchmal kürzer sein oder auch länger. An diesem späten Nachmittag hatten wir ablandigen Wind und somit war wenig Wasser vorhanden. Dadurch benötigte die Frisia II um einiges länger und zwischendurch konnte man sogar manchmal ein kurzes Auflaufen auf Sand feststellen.
Nach ca. 2 Stunden, erst an Oberdeck und später im Inneren (es wurde frisch), kamen wir bereits entschleunigt im Hafen von Juist an. Trotz einsetzender Dunkelheit war der nicht vorhandene Lärm erstmal ungewohnt. Besonders, als wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft „Düne 38“ machten. Eine schöne, gut ausgestattete Ferienwohnung, die äußerst liebevoll und gemütlich eingerichtet ist. Ich hätte übrigens nicht gedacht, dass man sich so schnell an eine Ferienwohnung gewöhnen kann. Denn auch mein letztes Ferienwohnungserlebnis ist schon eine Weile her. Aber in der „Düne 38“ fühlten wir uns gleich wie zu Hause.

Am nächsten Morgen um 7:50 Uhr wurden wir durch Hufgetrappel geweckt. Wie wir feststellten, muss das die Verbindung Richtung Osten der Insel sein. Evtl. zum Flughafen, denn jeden Morgen um diese Zeit waren Hufe zu hören. „Ah, die 7:50 Uhr Kutsche ist wieder unterwegs!“
Nun denn, die Insel wartete auf uns! Und was ist quasi Pflicht? Fahrräder natürlich! Also ab zum Fahrradverleih Germania und die passenden Fahrzeuge (mit Korb auf dem Gepäckträger) ausleihen. Selten so eine große Auswahl an Rädern gesehen und es ging zu wie im Ameisenhaufen. Kann vielleicht auch daran liegen, dass die Fähre am Abend ankam und der Laden schon geschlossen hatte. Anyway, wir hatten unser Gefährt und damit ging es auch gleich ins Dorfzentrum, um die Vorräte aufzufüllen. Macht schon Spaß einfach mit dem Rad durch die Gegend zu tuckern so ganz ohne Autos!

Auf Juist lässt man alles etwas langsamer angehen und genießt die Zeit. Ich gebe zu, dass das zu Beginn für mich etwas gewöhnungsbedürftig war. Aber man wird quasi zur Entschleunigung gezwungen – was super toll ist. Uns zog es zuallererst einmal an den Strand. Dieser zieht sich vom Billriff im Westen bis zum Kalfamer im Osten. Mit seinen 17 Kilometern und maximal einer Handvoll Menschen unterwegs (da lob ich mir die Nebensaison!) wirkt er fast endlos.

Also Strand muss einfach immer! So nach dem Motto „Was können wir heute machen?“ – „Ach, lass uns doch eine Runde am Strand drehen.“ Glaube das würde ich auch machen, wenn ich vor Ort leben würde. Ein Strandspaziergang (also so richtig zum Kopf freipusten und Wellenrauschen genießen) funktioniert am besten auf der Nordseite zur offenen See hin. Was natürlich nicht heißt, dass es im Süden nicht schön ist. Ganz im Gegenteil! Wir konnten es bei der Überfahrt schon deutlich erkennen, das Wattenmeer ist etwas ganz Besonderes. Aber so richtig den Wind um die Nase pusten lassen, das Wellenrauschen hören und feinen Sand unter den Füßen genießen geht am besten an der Seeseite.

Das Watt, Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, mussten wir uns aber natürlich auch aus der Nähe anschauen. Auf der Insel gibt es verschiedene Möglichkeiten für eine Wattwanderung. Um uns einen kleinen Überblick zu verschaffen, waren wir auf „Schnupperwattwanderung“ unterwegs. Diese dauert ca. 1,5 Stunden und ist leicht über das Nationalpark-Haus zu buchen, bzw. einfach vor Ort nachfragen. Zudem empfiehlt sich ein Blick IN das Nationalpark-Haus. Ihr werdet überrascht sein, was es alles zu sehen gibt. Ein paar Wattenmeerbewohner, interaktive Stationen und so manche Überraschung ist hier zu finden.

Ob Wattwurm, Schnecken, Krebse, Muscheln oder Blasenloser Blasentang – die Wattwanderung bringt eine Menge Entdeckungen, Infos und Spaß und ist auch super für Familien geeignet. Falls Ihr es noch nicht wusstet, im Gegensatz zum Blasentang kommt der Blasenlose Blasentang nur im Wattenmeer vor! Kreativ waren sie schon immer, die Seebären, auch bei der Namensvergabe. Am besten geht es barfuß ins Watt und mit einem Guide. Die Zeit verging fast zu schnell und evtl. planen wir das nächste Mal eine Wanderung mit Heino für ein paar Stunden hinaus ins Watt. Das soll nämlich ein ganz besonderes Erlebnis sein.  Aber man muss sich ja auch noch Pläne aufheben.

Für uns ging es nun erstmal zum Genießen, wo genau und was wir auf Juist noch erlebt haben, das erfahrt Ihr in Teil 2.

Der liebe Hubert hat übrigens auch über die schöne Insel bzw. die Anreise gebloggt. Er hatte Glück bei der Überfahrt…aber lest am besten selbst.

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team der Insel Juist, die dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht haben.

Fortsetzung zu „Hausbau: Die wichtigsten Fragen und Antworten für Bauherren“

20. November 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: ,

Vor ein paar Tagen kam der Blogpost von Frank „ins Haus geflattert“. Erfahrungsberichte rund um Hausbau bzw. –renovierung interessieren mich ja grundsätzlich. Daher: gelesen und für gut befunden! Nun möchte ich gerne meine Sichtweise ergänzen. Aber wie Frank schon schilderte, dabei handelt es sich ausschließlich um meine bzw. unsere Sicht auf die Dinge, auf keinen Fall um offizielle Empfehlungen, Ratschläge oder Ähnliches. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man eine Frage in einem (Bau-)Forum stellt bzw. eine Antwort sucht, reichen die möglichen Varianten von A bis Z. Inklusive missionarischem Eifer in alle Richtungen. Lieber erst gar nicht zu viel schauen, es ist echt unglaublich, was da alles vorgeschlagen wird, und hinterher ist man manchmal verwirrter als vorher. Lieber selbst beim Experten informieren, vielleicht Bekannte und Freunde fragen und – wenn man eine gewisse handwerkliche Grundbegabung hat – auch mal auf sein Bauchgefühl hören.

Wir wohnen nun schon drei Jahre in unserem sanierten Haus mitten in Schweinfurt. Und es gibt noch immer etwas zu tun. Kennt wohl jeder, der schon einmal kernsaniert hat.
Aber heute geht’s mal nicht um Renovierungsfortschritte, sondern um ein paar grundsätzliche Entscheidungen, die man treffen muss. In Anlehnung an die Fragen von Frank, nur in etwas abgewandelter Form.

Eigentumswohnung oder Haus?

Obwohl wir nicht auf Haussuche waren, ging es bei dem potenziellen Gedanken an einen Kauf nie um eine Eigentumswohnung. Für uns war schnell klar, dass es – falls doch mal irgendwann – ein Haus sein sollte. Sorry, aber ich möchte nicht mit anderen Menschen entscheiden müssen, ob das Treppenhaus neu gestrichen wird. Wenn ich mein zugehöriges Treppenhaus streichen will, dann möchte ich es streichen. Und wenn nicht, dann nicht. Zudem kommen bei einer Eigentumswohnung noch die lästigen Eigentümerversammlungen dazu. Wenn bei einer Planung oder einem Problem auch nur eine Partei quer schießt, kann der Hausfrieden recht schnell schief hängen. Auch da spreche ich aus gewisser Erfahrung. Im Haus bleibt natürlich alles an einem selbst hängen. Keine Frage, aber das ist mir persönlich 10x lieber, als mich mit anderen rumzuärgern. Mein Wunsch, Dinge selbst zu entscheiden, steht da an erster Stelle. Vor allem bei so einer großen finanziellen Entscheidung, die man ja auch mit einer Eigentumswohnung trifft. Aber für andere hat natürlich auch eine Eigentumswohnung Vorteile.
Grundsätzlich wollte ich mir auch nie ein Fertighaus zulegen. Meine Punkte Pro-Massivhaus  hat Frank bereits deutlich herausgearbeitet, daher verweise ich an dieser Stelle. Aber auch vom Bauchgefühl her: „wenn ein Haus, dann ein „Richtiges“. Daher war ich sehr froh, dass unser Haus eine massive Bauweise hat. Auch wenn das während der Umbauphase zu einigen Flüchen kommen kann – Stichwort: Stahlträger an unerwarteter Stelle o. ä.

Dämmung bzw. Wärmedämmverbundsystem?

Dämmung ist wichtig, keine Frage. Ein Wärmedämmverbundsystem könnte auch bei einem Altbau Sinn machen. Also abhängig von Möglichkeiten, Investitionskosten und Sinnhaftigkeit, da bleibt mir nur die Antwort „Es kommt darauf an“.
Wir haben ein Stadtreihenhaus mit kleinerem Anteil an „freier“ Außenfassade (im Verhältnis zur gesamten begrenzenden Wandfläche), an die längeren „Außenwandflächen“ grenzen jeweils die Nachbarhäuser.  Von daher ergab ein Wärmedämmverbundsystem bei uns keinen Sinn. Noch dazu, dass nach vorne und hinten relativ große Fensterfronten sind, und wenig Wandfläche. Was aber immer Sinn macht, ist das Dach zu dämmen! IMMER! Im Neubau ist dies vermutlich sowieso gar keine Frage, sondern Standard. Bei einer Sanierung (wie wir sie hatten) stellt sich die Frage, ob die alten Ziegel sowieso demnächst ausgetauscht werden müssten, oder nicht. Falls ja, dann ist die Aufsparrendämmung von Vorteil. Eine Untersparrendämmung würde den Verlust von Platz bedeuten, eine Zwischensparrendämmung evtl. Wärmebrücken lassen. Da wir eher kurz- als langfristig sowieso neue Ziegel benötigt hätten, haben wir also gleich die Kombi aus Dach neu decken und Wärmedämmung genutzt.  

Was würdest Du jetzt besser machen?

Ganz klar: Eine Photovoltaikanlage sofort aufs Dach! Es tut etwas in der Seele weh, denn die Kosten der Baustelleneinrichtung (Gerüst…) waren ja sowieso eingeplant. Und im Vergleich der Gesamtkosten für die Sanierung hätten die zusätzlichen Kosten für eine Photovoltaikanlage doch nur einen Bruchteil ausgemacht. Aber immerhin so viel, dass wir uns nicht gleich dafür entschieden (aber Vorkehrungen auf dem Dach getroffen haben). Wenn ich mir jetzt noch anschaue, dass sich mein Vater mit fast 70 Jahren überlegt, eine PV-Anlage aufs Dach zu installieren, ärgert es mich im Nachhinein noch mehr, dass wir es aufgeschoben haben. Denn klar ist, eine PV-Anlage (mit Batteriespeicher) kommt in naher Zukunft aufs Dach. Punkt!

Warum überhaupt eine Photovoltaikanlage?

Darüber müssen wir wahrscheinlich gar nicht mehr diskutieren. Strom vom Netz wird immer teurer, fast jedes Haushaltsgerät benötigt Strom etc. pp. Und vor allem natürlich der Vorteil erneuerbarer Energieversorgung. Die Vorteile sehe ich auch hier wie Frank. In unserer Region scheint die Sonne recht häufig, ein weiterer Pluspunkt. Mein Traum ist ja eine komplett autarke Energieversorgung, aber ohne auf irgendwelche Dinge verzichten zu müssen. Ein kleiner Schritt dahin wäre mit einer Photovoltaikanlage ja schon getan.

Wie sieht es bei Euch mit der Heimnetzwerk-Installation aus?

Eine vernünftige Heimnetzwerk-Installation in einem Haus im Jahr 2019 ist schon fast so elementar, wie Strom und fließend Wasser. Genau aus dem Grund, dass die Wände nach dem Verputzen so schnell nicht wieder geöffnet werden sollen, haben wir z.B. in jedem Zimmer (bis auf die Bäder) Netzwerkdosen liegen. Ob wir es wirklich überall benötigen, spielte keine Rolle. Gebündelt wird alles zentral im Keller.

WLan ist natürlich ein Muss. Hier haben wir Geräte von AVM im Einsatz. Wobei ich sagen muss, dass ich mit dem Repeater nicht zu 100% zufrieden bin und es sicherlich besser Lösungen gibt. Aber aktuell stört es nicht so stark, dass ich es angehen möchte, daher ist dieser Punkt auf meiner Prioritätenliste weiter unten zu finden.

Smart Home? Ja oder nein?

Über eine Smart-Home-Ausstattung  habe ich hier schon mal einen Blogpost verfasst. Auch drei Jahre später bin ich noch immer begeistert von dieser Lösung mit Homematic IP. Ich muss mich um nichts kümmern und alles funktioniert, wie gewünscht. Zwischendurch haben wir das System noch erweitert und in unterschiedlichen Abständen kommen immer mal Updates mit zusätzlichen Optionen vom Hersteller. Läuft!
Der Preis-Leistungs-Faktor war und ist uns wichtig. Wie Frank erwähnt hat, ist die klassische Elektroinstallation noch immer das A und O. Wir hatten kein Budget eingeplant für eine größere Anlage vom Anbieter direkt, aber so nach und nach werden wir sicherlich weiter aufrüsten.

Soviel zum allgemeinen Rückblick. Ihr habt weitere Fragen? Dann gerne her damit!

Rund um den Hochvogel – unterwegs durch die Allgäuer Alpen (Teil 3)

12. November 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

„Was kann man noch so rund um den Grenzgänger bzw. Hochvogel unternehmen?“ war unsere Überlegung nach dem Abstieg vom Weitwanderweg. Der ursprüngliche Plan war ja, am Folgetag vom Prinz-Luitpold-Haus nach Hinterhornbach (in Österreich) zu laufen und dort im Gasthof Hochvogel zu übernachten. Da wir nach Etappe 3 des Grenzgängers aber wieder in Hinterstein angekommen waren, mussten wir also zu Plan B umswitchen. Statt zu Fuß ging es nun halt einfach per Auto „rüber“. Also nicht der direkte Weg, sondern auf der Straße. Versteht sich aber von selbst. ;)

Hinterhornbach ist, ähnlich wie Hinterstein, ein kleines Bergdorf im Hornbachtal, dem einzigen bewohnten Seitental auf der linken Seite des Lechtals und Teil der Naturparkregion Tiroler Lechtal. Eine herrlich ruhige und naturbelassene Gegend. Hinterhornbach nennt sich selbst „Auszeitdorf“ und man kann hier bestimmt wunderbar abschalten und entspannen.
Gleichzeitig ist das Dorf auf 1101 Metern Höhe umgeben von Berggipfeln und Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Nachdem wir im Lauf des Vormittags dort ankamen, entschieden wir uns noch für eine kleine Wanderung auf die Petersbergalm. Denn ganz ohne wandern geht es dann doch nicht. Die Petersbergalm ist ein bekanntes Ausflugsziel in der Gegend und von Hinterhornbach aus in ca. eineinhalb Stunden zu erreichen. Zudem verläuft die Strecke immer schön am Hornbach entlang, mit Wasserfall, hübschen Buchten, Wald und Wiese.

Auf der Alm selbst war es relativ voll – wir hatten gar nicht daran gedacht, dass es ein Feiertag war. Aber vor Ort ist ausreichend Platz. Die Alm hat eigene Milchwirtschaft und somit konnten wir es uns nicht nehmen lassen, den Käsekuchen und ein Glas Milch zu versuchen. Persönlich würde ich sagen, dass es zur Petersbergalm eher ein Spaziergang ist. Und somit ist diese kleine Wanderung auch locker für Familien oder ältere Naturliebhaber zu meistern. Landschaftlich sehr zu empfehlen! Und über das Essen brauchen wir uns eh nicht mehr unterhalten – „a draum“!

Apropos Speis und Trank. Wenn Ihr in Hinterhornbach seid, dann solltet Ihr unbedingt auch im Gasthof Hochvogel zu Abend essen. Dies wäre auch ohne Übernachtung in der Familienpension möglich, um rechtzeitige Info wird allerdings gebeten.
Küchenchef Jürgen zaubert mit Produkten aus der Region tolle Gerichte, die auf der einen Seite heimatverbunden, gleichzeitig aber modern und mit Pfiff sind. Am Abend gibt es ein 4-Gänge-Menü (man hat die Auswahl zwischen mehreren Varianten, von denen mindestens eine vegetarisch ist). Mich fasziniert ja immer ein kleiner Einblick in die Küche, so verarbeitet Jürgen z.B. Wild aus der Gegend rund um Hinterhornbach, man sieht ihn im Garten eigene Kräuter schnippeln und überhaupt legt er viel Wert auf Frische, Saisonalität und sorgfältige Verarbeitung. Einer, der sein Handwerk versteht und mit Leidenschaft ausübt. Das schmeckt man auch!
In der Stube des Gasthofs ist es urgemütlich, und genauso sind die Zimmer, die nach und nach renoviert wurden. Ein paar Tage Auszeit stelle ich mir hier auch im Winter klasse vor! Und ganz bestimmt ein Highlight, wenn man von Etappe 4 des Grenzgängers (die erwähnte Route von Prinz-Luitpold-Haus nach Hinterhornbach) in diesem gemütlichen Gasthof landet!

Da der Wiedereinstieg auf den Grenzgänger für uns nicht in Frage kam, planten wir für den letzten Tag unserer Tour eine alternative Wanderung. Den Hochvogel selbst zu begehen, hatten wir sowieso nicht vorgesehen, obwohl es eine der schönsten Routen in den Allgäuer Alpen sein soll. Im Blick hatten wir ihn die vergangenen Tage immer wieder, aber er ist nur wirklich geübten Bergsteigern zu empfehlen und Jacky ist in den Bergen doch lieber Team „Wanderer“ als Team „Bergsteiger“. Auf der Route des Grenzgängers ist der Gipfel eine mögliche Option, aber kein Muss. Der ursprüngliche Weg von Hinterhornbach auf den 2592m hohen Hausberg ist dauerhaft gesperrt, denn vorhandene Felsspalten weiten sich aus und es ist früher oder später mit einem Felssturz zu rechnen. Auf der alternativen Route über den Kalten Winkel kann man den Gipfel in 4-5 Stunden von Hinterhornbach aus erreichen.

Wir peilten als Tageswanderung die Jochbachrunde an. Diese mussten wir allerdings abbrechen, weil der „Vorderer Steg“ fehlte, wahrscheinlich aufgrund eines Erdrutsches. Und der Weg überhaupt ziemlich matschig war. Kein Thema, dann entschieden wir uns für die „Bärenbadrunde“. Auch eine kleine Rundtour um Hinterhornbach mit Blick auf die umliegenden Berge und ins Tal. Nach ca. 3 Stunden gemütlichen Gehens und die Natur genießen, kamen wir wieder in Hinterhornbach an. Einige der Wege rund um Hinterhornbach wurden zu früheren Zeiten übrigens als Schmugglerpfade ins benachbarte Deutschland benutzt, heute jedoch begegnete uns keine Menschenseele.

Für den Abschluss hatten wir noch eine Nacht eigentlich „zum Erholen“ bei Franz in der nun schon mehrfach erwähnten Pension Hochvogel in Hinterstein angepeilt, wo wir nun, statt ursprünglich geplant im Anschluss an Etappe 5, wieder direkt vom Hornbachtal hingefahren sind.
Aus Hinterstein, unserem Ausgangspunkt, habe ich zum Schluss noch einen Essenstipp für Euch, dieser nennt sich Prinze Gumpe. Ein hübscher Natur-Badeteich, der von den Hintersteinern komplett neu angelegt wurde und nun sowohl Abkühlung im Sommer als auch überraschend leckeres Essen parat hat.

Hier schließt sich dann auch der Kreis. Unsere Grenz-Erfahrungen am Grenzgänger. Auf diesem und aus der Umgebung, von der wir natürlich nur einen ganz kleinen Teil entdecken konnten.
Die restlichen 2 Etappen stehen noch auf unserem Plan. Das nächste Mal bitte mit richtig genialem Wetter und der ein oder anderen zusätzlich gesicherten Stelle.

Fazit zum Grenzgänger: Ein wunderschöner, anspruchsvoller Weitwanderweg mit fantastischen Ausblicken und abwechslungsreichen Landschaften. Ein Muss für jeden Bergfan, aber man sollte schon geübter Bergwanderer sein und ausreichend Trittsicherheit mitbringen.

Ein dickes Dankeschön geht auch an das ganze Team vom Grenzgänger, die dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht haben.

Grenzerfahrungen auf dem Grenzgänger – unterwegs durch die Allgäuer Alpen (Teil 2)

29. Oktober 2019 | Ein Kommentar | Schlagwörter: , , , ,

Weiter ging es auf dem Grenzgänger, immer entlang der Deutsch-Österreichischen Grenze, die man auf der Route mindestens einmal pro Tag überquert. Und je nach Etappe sogar mehrmals.
Nach der Übernachtung auf der urigen Willersalpe ging es früh auf zur Etappe 2 des Grenzgängers. Diese begann mit einem Aufstieg 600 Höhenmeter rauf auf das Geißeckjoch, von wo man eine herrliche Aussicht genießen kann.

Gut gelaunt liefen wir auf dem schmalen Pfad entlang und stoppten zwischendurch, um eine Herde Gämse zu beobachten. Bzw. EINE wäre untertrieben. Es waren mindestens drei entlang der Strecke zu sehen und zusätzlich noch ein paar vereinzelte Tier. In meinem bisherigen „Bergleben“ (und das ist schon eine gewisse Weile) habe ich sehr selten so viele Gämse auf einem Fleck bzw. einer Ecke gesehen. Also ein ideales Gebiet für diejenigen unter Euch, die gerne Tiere beobachten. Apropos Gams: Während wir im Lauf des Tages vor uns hin wanderten und (mal wieder) ein Joch überquerten, ging ich voraus. Und als ich um die nächste Kurve bog, stand ca. fünf Meter von mir entfernt eine ausgewachsene Gams, fauchte mich an und wir starrten uns in die Augen. Dies allerdings nur kurz, denn so schnell wie sie da war, war sie auch wieder weg. Was haben wir uns erschrocken – also die Gams sich und ich mich. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich überhaupt nicht, dass Gämse fauchen können. Auf dem Grenzgänger lernt man auch als alter „Berghase“ noch etwas dazu!
Oben am Geißeckjoch überquerten wir zum ersten Mal die Grenze. Und trafen vor Ort einen Trupp Gebirgssanitäter, die zur Übung unterwegs waren. „Dann sind wir im Notfall ja in guten Händen und werden nach unten getragen“ war mein spaßig gemeinter Smalltalk. Der allerdings nicht so gut ankam – und überhaupt waren wir dafür schließlich nicht hoch genug (getragen wird erst ab einer Hubschrauber-untauglichen Höhe!). Ok, ok, als der Leiter des Trupps aber meine DAV-Nadel zur 25jährigen Mitgliedschaft sah, war das Eis wenigstens etwas (an)gebrochen.

Vom Geißeckjoch ging es bergab an der vorderen Schafwanne, mit dem wunderbar grün-türkisen Vilsalpsee im Blick. Unser Tagesziel war die Landsberger Hütte. Lässige 6 Stunden Gehzeit und ein paar Höhenmeter. Vorbei am Rauhhorn über das nächste Joch näherten wir uns dem Schrecksee. Bisher hielt das Wetter, doch kurz vor dem Schrecksee schlug es um. Wir hatten Glück und konnten noch einen kurzen Blick auf einen der bekanntesten Seen der Gegend erhaschen, bevor er ganz im Nebel verschwand. Wir legten einen Zahn zu, um auf jeden Fall sicher ans Ziel kommen. Aufgrund des Regens am Vortag war der Weg sehr matschig. Was will man machen – da muss man durch! Über das nächste Joch drüber sah es aber wettertechnisch schon wieder besser aus. Die Wolken verabschiedeten sich in etwas höhere Gefilde. Was auch besser war, denn an einigen Stellen ist unbedingt Trittsicherheit angebracht. Und an ein, zwei Stellen fehlt (meiner Meinung nach) noch eine Hilfe (also ein Stück Drahtseil oder Eisenstufen). Aber das kommt sicher noch, denn der Wegebau am Grenzgänger ist noch nicht abgeschlossen und wird in der nächsten Zeit stetig erweitert.

Kurz vor dem letzten Etappenstück setzte wieder leichter Regen ein und wir kamen somit etwas nass an der Landsberger Hütte an. Laut Wegbeschreibung sollte man die DAV-Hütte schon ein ganzes Stück vorab im Blick haben, bei uns waren die Wolken so dicht, dass wir sie erst im letzten Moment erblicken konnten. Auf der Landsberger Hütte herrscht im Gegensatz zur Willersalpe sehr reger Betrieb. Sie hat insgesamt 170 Matratzenlager und 30 Betten zu bieten. Bei unserer Ankunft war die Hütte sehr gut besucht, was man im Trockenraum deutlich zu spüren bekam. (ich sage nur: Der Tod von Forchheim ist nichts dagegen!). Wie es halt so ist, wenn ein Haufen Wanderer nach einem langen Tag die dampfigen Schuhe auszieht…
Das Essen auf der Hütte ist trotz der benötigten Mengen super und abends gibt es sogar für 30 Minuten Wlan auf über 1800 Metern. Von jetzt auf gleich herrscht eine Stille in der ganzen Hütte, dass man sich zunächst ganz schön wundert, wenn man nicht ahnt, warum. So schnell schaut man nicht und keiner spricht mehr. Nach 30min geht das Gebrabbel aber sofort wieder los. ;)

Von unserem Zimmer aus hatte man einen Wahnsinnsausblick – wie Ihr sehen könnt – der sich nach dem Aufwachen auch bei schönstem Wetter zeigte. Unser Zimmer war voll belegt und beim Ins-Bett-Gehen wunderte ich mich etwas über den leichten Kuhstallgeruch. Was aber, wie uns am nächsten Morgen einfiel, wohl an uns lag bzw. unseren Hüttenschlafsäcken, die auf der Willersalpe etwas Geruch angenommen hatten. Es gibt Schlimmeres, wir waren früh beim Frühstück und dann ging es auf zu Etappe 3!

Mit einer angegebenen Dauer von ca. 6 Stunden geht Etappe 3 entlang des Jubiläumswegs zum Prinz-Luitpold-Haus. Wir gingen zunächst ein kleines Stück von Etappe 2 zurück, bogen dann aber am Westlichen Lachenjoch nach links ab. Kleine Empfehlung am Rande: Immer die Umgebung im Auge behalten, denn es könnten sich hier Murmeltiere tummeln. Wir hatten Glück und haben einige der kleinen Bergnager zu Gesicht bekommen. Kurz nach dem Abzweig gab es ein etwas schwierigeres Stück mit Drahtseil, danach schlängelte sich der Weg immer leicht bergauf und bergab, vorbei an schönen Berghängen. Und immer wieder mit dem Hochvogel im Blick. Alles in allem sehr schön zu laufen, mit der ein oder anderen anspruchsvolleren Ecke. Unterwegs trafen wir auch die Jungs vom „Sicherungstrupp“, die gerade ein Gatter anbrachten (und da es noch nicht fertig war, zum Glück keinen Zoll kassieren wollten – kleine Scherze am Rande).
Auf dem Jubiläumsweg waren übrigens ein paar mehr Wanderer unterwegs, als am Vortag. Viele liefen die umgekehrte Richtung vom Prinz-Luitpold-Haus in Richtung Schrecksee und trotzdem hat man über längere Stücke herrlich seine Ruhe.
Kurz vor der Lärchwand, nachdem wir einen Großteil der 3. Etappe schon geschafft hatten, trafen wir den Sicherungstrupp wieder.

Auf den Bildern sieht der Einstieg in die Lärchwand relativ harmlos aus, von weiter weg auch noch. Aber sowohl entgegenkommende Wanderer als auch die Einheimischen erzählten vom doch ziemlich anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad. Je näher man kam, desto mehr Drahtseil, ausgesetzte Stellen und Abhang wurden sichtbar. Für mich kein Problem, aber da Jacky sich nicht ganz wohl bei der Sache fühlte und ich nichts riskieren wollte, entschieden wir uns für den Abstieg zum Giebelhaus, an dem wir kurz vorher vorbeigekommen waren.
Der Abstieg erfolgte über Weiden und vorbei an grasenden Kühen. Die übrigens keine Anstalten machten, aus dem Weg zu gehen. Also machten wir den ein oder anderen Bogen. Am Giebelhaus angekommen, erwischten wir gerade noch den Tälerbus zurück Richtung Hinterstein und wir konnten uns nach der ohnehin schon verlängerten Etappe ein paar Kilometer sparen. In Hinterstein hatten wir ein zweites Mal Glück und bekamen spontan noch das letzte Zimmer in der schönen Pension Hochvogel.

In meinem Leben war ich schon auf einigen Gipfeln. Ob leicht, mittel, schwer – oft kein Problem. Aber nicht immer gelang es mir, dort anzukommen, wo es ursprünglich geplant war. In jungen Jahren fuchste es mich ungemein, doch mit genügend Abstand weiß ich, dass es manchmal besser ist, umzudrehen. Sobald sich jemand unsicher fühlt, siegt die Vernunft. Punkt! Es kann das Wetter sein, die Höhenkrankheit, Unsicherheit oder was auch immer – das ist alles kein Problem. Lieber rechtzeitig umdrehen, als auf die Bergwacht angewiesen zu sein oder Schlimmeres. Das war, ist und sollte immer die Regel sein! Das ist übrigens auch kein Zeichen von Schwäche, ganz im Gegenteil. Echte Bergsteiger wissen, wovon ich rede.
Trotzdem waren wir an diesem Abend etwas geknickt, dass wir nicht im Prinz-Luitpold-Haus angekommen sind. Aber die Vernunft siegte. Auch nicht schlecht, denn so ließen wir den Abend mit einem guten Essen ausklingen und schmiedeten Pläne für den nächsten Tag.

Ein dickes Dankeschön geht auch an das ganze Team vom Grenzgänger, die dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht haben.

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