Natur pur – 30 Jahre Schutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern (Teil 1)

15. Oktober 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Auch wenn 2020 alles anders verläuft, als geplant, können doch in diesem Jahr einige Jubiläen und Jahrestage gefeiert werden. So wurden vor wenigen Tagen die Feierlichkeiten rund um die deutsche Wiedervereinigung, die sich in diesem Jahr bekanntermaßen zum 30. Mal jährt, begangen. Vor 30 Jahren habe ich noch nicht ganz so bewusst wahrgenommen, was das überhaupt bedeutete. Erst im Verlauf der Zeit wurde mir die Besonderheit dieses Ereignisses immer bewusster. Auch 30 Jahre später noch faszinierend und fast unglaublich, dass so ein einmaliger Schritt in Sachen Wiedervereinigung so umgesetzt wurde. Für mich persönlich gibt es auch keine Unterscheidung (politisch/kulturell,…) in Osten/Westen mehr, sondern nur ein gemeinsames „Wir“.
Im Zuge der Wiedervereinigung ist damals auch das „Grüne Band Deutschland“ entstanden, ein gemeinsames Naturschutzvorhaben mehrerer Bundesländer und mittlerweile der größte Biotopverbund in Deutschland. Eine weitere klasse Errungenschaft aus der Wiedervereinigung, wie ich finde! Zum „Grünen Band“ plane ich übrigens gerade mit zwei Bloggerkollegen ein Projekt, welches hoffentlich 2021 umgesetzt werden kann. Aber das nur eine kleine Vorschau am Rande.

Vor 30 Jahren wurde zudem das Nationalparkprogramm für Ostdeutschland verabschiedet und damit feiern die damals gegründeten Nationalparks in diesem Jahr ebenfalls Jubiläum. Einige Naturschutzgebiete durfte ich vor kurzem im schönen Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen einer Pressereise besuchen.
Vor ca. 5 Jahren waren wir mal für einen privaten Kurztrip auf der Insel Rügen. Für mich der erste Besuch in der Gegend, der aber auf keinen Fall der letzte bleiben sollte. Wir besuchten ein paar klassische Touristenstopps, wanderten etwas über die Insel und spazierten am Strand. Aber wie immer sind solche Kurztrips (wie der Name schon sagt) einfach viel zu kurz und da ich ein neugieriger Mensch bin, kam diese Pressereise sehr gelegen. Ein weiterer Pluspunkt: Viel draußen in der Natur sein, „Hinter die Kulissen“ der Naturschutzgebiete schauen und (weltweit) einmalige Gegenden erkunden.

Gleich zu Beginn ging es für uns in eines der ältesten Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern: Die Insel Vilm. Die kleine Insel, vor der Südküste der Insel Rügen liegend, ist Kernzone des Naturschutzgebiets und Teil des Biosphärenreservats Südost-Rügen. Kernzone bedeutet, dass das Betreten der Insel NUR im Rahmen einer Führung und in Begleitung eines Rangers möglich ist (hier direkt buchbar). Und das auch nur in bestimmten Teilen der Insel im Rahmen einer kleinen, festgelegten Rundwanderung durch den alten Wald. Insgesamt dürfen pro Jahr maximal 300 Touren gemacht werden. Und das auch nur 2x am Tag mit maximal 30 Personen. Hier auf der Insel wird die Natur also sich selbst überlassen und somit gilt der Fleck als Rückzugsgebiet (seltener) Vogelarten. Aus diesem Grund ist die Insel ein ausgewiesenes Vogelschutzgebiet.


Mit der kleinen Fähre „Julchen“ unter Kapitän Andreas Kuhfuß fuhren wir zum Anleger auf der Insel. Andreas ist seit 14 Jahren Skipper und auch Inselguide. Also am besten nicht verlieren, sonst wird es mit der Rückfahrt schwierig. Vermutlich kennt er „seine“ Insel in- und auswendig. Mit an Bord hatten wir außerdem Steffen Sprenger, Ranger des Biosphärenreservates UNESCO-Biosphärenreservat Südost-Rügen. An sich ist die Insel Vilm seit ca. 600 Jahren so gut wie unberührt. Vor der Wende sollte die Insel als Naherholungs- bzw. Urlaubsgebiet von Parteigrößen dienen. Dazu wurden auch ein paar Häuser errichtet und mit allem Nötigen ausgestattet. Aber im Grunde genommen war die Insel auch zu dieser Zeit recht unberührt. Jetzt könnte man sagen „Wie konnten sie dort nur Häuser bauen?!“ – mittlerweile stellt sich dies als ganz nützlich heraus, denn die Häuser werden nun für die Internationale Naturschutzakademie des Bundesamtes für Naturschutz genutzt.

Die Eindrücke kann man gar nicht so leicht in Worte fassen, Ihr müsstet sie am besten einmal selbst erleben. Die Insel ist zum größten Teil waldbedeckt. Sobald man vor ca. 400 Jahre alten Bäumen steht, ist es sowieso dahin mit der Sprache, da hat man eine gewisse Ehrfurcht. Jedenfalls geht es mir so. Im Spessart kenne ich zwar auch ein paar Ecken mit sehr alten Eichen (u. a. meinen „Lieblingsbaum“), aber sie miteinander zu vergleichen ist nicht möglich. Insgesamt strahlt die Insel eine unglaubliche Ruhe aus, ob es im Wald ist oder an der Küste mit ihren unterschiedlichen Formen. Die Dauer unseres Rundgangs von ca. 3,5 Stunden vergingen wie im Flug – leider, denn es war megainteressant. Am liebsten wäre ich noch die Nacht vor Ort geblieben, um die Natur zu genießen. (<- ist natürlich verboten, aber träumen darf man ja). Gerade als die Abendstimmung langsam einsetzte und das Licht immer schöner wurde.
Historisch gesehen entstand diese kleine Insel übrigens vor ca. 3000 Jahren, als ein Sturmhochwasser sie von Rügen trennte. Jetzt stellt sich die Frage: Warum sind dann die Bäume „nur“ 400-500 Jahre alt? Die Insel war schon sehr früh besiedelt und im 16. Jahrhundert wurde einiges an Holz geschlagen. Um 1700 wurden dann schließlich wieder Bäume angepflanzt und die Natur weitestgehend in Ruhe gelassen.

Für uns ging es im Anschluss an den Rundgang mit Julchen wieder zurück aufs Festland. Wir kehrten nicht weit von der Anlegestelle in Lauterbach im Restaurant Kormoran ein, was ich Euch unbedingt ans Herz legen kann. Regionale Zutaten, frische, saisonale Gerichte, die sehr lecker zubereitet werden, den Gastgebern – Familie Jaich – liegt Nachhaltigkeit am Herzen. Sie sind schon 2011 als besonders umweltfreundliches Unternehmen im Biosphärenreservat zertifiziert worden. Leider war es zu fortgeschrittener Stunde und bereits dunkel, sonst hätten wir uns die schwimmenden Ferienhäuser und Pfahlhaus-Suiten angeschaut, die zum Unternehmen gehören. Vielleicht das nächste Mal. Hier ließen wir jedenfalls den Tag gemütlich ausklingen.

Neuer Tag – neuer Nationalpark. Am nächsten Tag ging es für uns in nördliche Richtung der Insel Rügen, zum Nationalpark Jasmund. Unsere Begleitung war kein geringerer als Prof. Dr. Hans Dieter Knapp, Geobotaniker und Landschaftsökologe, der vor 30 Jahren maßgeblich an der Ausweisung der Nationalparke und Biosphärenreservate in Mecklenburg-Vorpommern mitgewirkt hat. Er hat die Internationale Naturschutzakademie auf der Insel Vilm ins Leben gerufen und war dort von Beginn an bis 2015 als Leiter tätig. Des Weiteren ist er Präsidiumsmitglied in der Stiftung EuroNatur, welche sich für die Natur in ganz Europa u.a. auf politischer Ebene einsetzt. Ihr merkt schon, Professor Knapp ist wahrscheinlich DIE Koryphäe zum Thema Nationalparks und Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern und wir durften (sicherlich nur einen kleinen Teil) seines Wissens „anzapfen“, was wirklich genial war.
Die Wetteraussichten waren an diesem Tag eigentlich grauenhaft gemeldet (und Ihr wisst, etwas Regen macht mir nichts aus) – was zum Glück aber nicht eintraf. So machten wir uns auf den Weg zum wohl berühmtesten Eck auf Rügen: Dem Königsstuhl inklusive Nationalparkzentrum im Nationalpark Jasmund.
Bevor wir das Nationalparkzentrum von innen betrachteten, hieß es für uns erst einmal die Umgebung kennenlernen und eine kleine Wanderung durch den Buchenwald unternehmen. Genauer gesagt durch einen Teil des UNESCO-Weltnaturerbes „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“. Man muss wissen, dass die Buche eigentlich in ganz Europa heimisch war und größte Teile unseres Kontinents bedeckte. Wie es leider oft der Fall ist, hat der Mensch dafür gesorgt, dass dies nur noch in ganz wenigen Regionen der Fall ist, denn ursprüngliche Buchen-Urwälder sind in Europa bis auf kleinste Reste verschwunden. So ist dieser Buchenwald im Nationalpark Jasmund auch eigentlich kein „richtiger“ Urwald, aber ein sehr alter Wald. Trotzdem ist der Buchenwald etwas ganz Besonderes und irgendwie mystisch. Dabei spielt bestimmt auch die Nähe zur Ostsee und das scheinbare Abfallen an der Kreideküste eine Rolle. Da solch uralte, naturnahe Buchenwälder sehr selten sind, gehören die wertvollsten von ihnen, so wie hier auf Rügen, zum Welterbe der UNESCO. Einen richtigen Buchen-Urwald im wirklich unberührten Sinn findet man übrigens nur noch in der Ukraine.

Apropos Kreideküste. Diese ist wirklich einzigartig in Deutschland und bereits seit ca. 200 Jahren als Ausflugsziel bekannt. Namhafte Künstler wie z.B. Caspar David Friedrich verewigten diese besondere Landschaft. In den 20er Jahren wurden hier noch Lizenzen zum Kreideabbau vergeben, aber dank dem Widerstand der Bürger wurde dies bald wieder beendet. Unser Weg führte uns zurück zum Nationalparkzentrum Königsstuhl. Vorbei an einem Mammutbaum (Sequoidendron giganteum), der 1886 mit einer Höhe von 2m gepflanzt wurde. Er war ein Geschenk aus dem westamerikanischen Yosemite-Nationalpark, übrigens einem der ersten Nationalparks weltweit. Mit seinen 134 Jahren ist der Mammutbaum noch eher ein Kind unter den Mammutbäumen. Ich war beeindruckt!
Im Nationalparkzentrum selbst ist alles zu finden, was man wissen möchte. Von der Erdgeschichte über die Entstehung bis hin zu den Lebewesen der Region. Super veranschaulicht und interaktiv. Für uns war die Zeit leider knapp bemessen, deshalb muss ich hier unbedingt nochmal in Ruhe hin! 2021 ist eine Sonderausstellung zum Thema „10 Jahre Welterbe“ geplant, vielleicht klappt es ja dann.
Noch eins: Beim Bau des Zentrums 2003 wurde viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, denn das ganze Zentrum ist dank Photovoltaik und Erdwärme nahezu energieautark. Und es wird in die Zukunft investiert, so soll bald eine neue, schwebende Plattform den viel besuchten Königsstuhl erlebbar machen. Hintergrund ist, dass es den „klassischen“ Weg in ca. 5-10 Jahren nicht mehr geben wird. Durch die neue Plattform kann so eine alternative und dennoch der Natur angepasste Möglichkeit zur Besichtigung geschaffen werden.

Mittlerweile hatte es nun doch angefangen zu regnen und wir mussten auf unser Alternativprogramm umswitchen. Die Wanderung durch das Seedorfer Hügelland muss dann einfach bis zum nächsten Mal warten. Professor Knapp führte uns stattdessen durch verwinkelte Straßen, um schließlich Halt an einem der insgesamt sieben Großsteingräber zu machen. Diese Steingräber entstanden ca. 3500 bis 2800 v. Chr. und wurden mit Findlingen aus der letzten Eiszeit erbaut. Damals mit recht einfachen Hilfsmitteln und wenig physikalischen Kenntnissen. Wenn man bedenkt, dass ein einzelner Findling schon um die 4-8 Tonnen wiegen kann, ist das schon sehr bemerkenswert, wie damals gearbeitet wurde. Aber, wie wir sehen, sehr stabil und noch heute zu betrachten. Neben den Großsteingräbern wurde bei verschiedenen Ausgrabungen Werkzeug und andere Dinge aus dieser Zeit gefunden.
Leider gibt es aktuell noch kein zentrales Museum, welches die gesamten geschichtlichen Epochen erläutert und die gefundenen Gegenstände präsentiert. Glaube, das würde noch sehr gut zur Ergänzung passen und ich hätte mir schon gerne ein Beil aus der Steinzeit angeschaut. Aber vielleicht kommt das noch irgendwann.
Mit unserem kleinen Bus – an dieser Stelle ein dickes Dankeschön an unseren sympathischen Busfahrer Maik für die gute Fahrt und top Begleitung – fuhren wir anschließend noch zum Jagdschloss Granitz. Erbaut wurde das Schloss in den Jahren 1837 bis 1846 und es diente der Familie zu Putbus als reines Jagdschloss. Glücklicherweise wurde es weder im ersten noch im zweiten Weltkrieg zerstört und ist quasi noch in seiner ursprünglichen Pracht erhalten. Die Gegend um das Jagdschloss diente bereits damals als Rückzugsgebiet für Flora und Fauna und liegt heute inmitten des Biosphärenreservats Südost-Rügen. Da wir schon vor Ort waren, konnten wir uns im benachbarten Granitzhaus die (Zusatz-)Ausstellung zum Biosphärenreservat und der Region anschauen. Aktuell ist diese leider für den Publikumsverkehr geschlossen, ebenso der 38 Meter hohe Mittelturm mit seiner freitragenden Wendeltreppe im Schloss selbst. Aber auch dies wird sich wieder ändern, wenn es soweit ist, möchte ich gerne ein Bild von der Aussicht vom Turm geschickt bekommen. Danke!

Das war natürlich noch längst nicht alles, uns erwarteten noch mehr Naturschutzgebiete, Sehenswürdigkeiten und Infos – mit welchen Hightlights es auf unserer Pressereise weiterging, erfahrt Ihr in Kürze hier auf dem Blog.

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team von Mecklenburg-Vorpommern Tourismus und alle Beteiligten, die diese Erlebnisse ermöglicht haben.

Kurztrip ins Allgäu – vom Gipfel des Rubihorns, Kempten und dem Besuch des Schloss Neuschwansteins

29. September 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , ,

Ende August waren wir nochmals im Allgäu. Dieses Mal allerdings für ein paar Tage privater Natur, nicht auf Pressereise, wie kurz zuvor bei der Wandertrilogie. Einfach um etwas abzuschalten, die Gegend in Ruhe zu erkunden und gleichzeitig ein paar schöne Stunden mit der Verwandtschaft zu verbringen. Nachdem unsere geplante Hochtour dieses Jahr ins Wasser gefallen ist, wollten mein Cousin und ich trotzdem etwas gemeinsam unternehmen. Und da meine Tante und er Ende August ein paar Tage frei hatten, bot sich dieser Zeitraum ideal an.
Also ab auf die A7 Richtung Süden (diesmal ohne Bahn, weil in dieser Konstellation vor Ort etwas flexibler) und mal schauen, was das Allgäu noch so zu bieten hat. Der Wetterbericht sprach leider im Vorfeld von Regen und schlechtem Wetter. Mensch, das war bzw. ist man als Schweinfurter gar nicht mehr gewohnt! Aber für ein verlängertes Wochenende fuhren wir natürlich trotzdem. Ganz nach dem Motto: Anzuschauen gibt es doch immer etwas! Und einfach mal ausspannen schadet schließlich auch nicht.

Wir hatten eine kleine, schnuckelige Pension in Bad Hindelang und meine Tante und Cousin waren mit ihrem Wohnwagen auf einem Stellplatz in Oberstdorf untergebracht. Sie blieben noch etwas länger vor Ort, das Wetter sollte auch im Laufe der Woche schöner werden, damit rentierte sich der Trip mit dem Wohnwagen. Am ersten Nachmittag trafen wir uns in Oberstdorf und bummelten durch die Gegend. Auf den ersten Blick ein schönes Örtchen mit einigen Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Jetzt im Spätsommer ganz gemütlich. Man kann sich aber auch gut vorstellen, wie voll es in den Gassen zur Skisaison werden kann!
Für den nächsten Tag war durchgängig Regen gemeldet, daher entschieden wir uns für einen Ausflug nach Kempten. Vergangenes Jahr war ich im Rahmen einer Pressereise in Kempten, einer der ältesten Städte Deutschlands, und habe einige schöne Ecken kennengelernt. Aber natürlich längst nicht alle. Diesmal hatten wir uns das Alpin-Museum ausgeguckt, in dem es um die Alpen als Lebensraum geht, um Bergsteigen, Skisport, Expeditionen und mehr. So gibt es z.B. einen Raum rund um die Tierwelt und Bäume der Region, in anderen gibt es zahlreiche Skimodelle quer über alle Jahrzehnte, Expeditionskarten und –materialien oder Infos über Gesteinsarten. Interessant!
Da des Wetter leider nicht besser wurde, besuchten wir spontan auch noch die Prunkräume der Residenz Kempten. Dies war wegen Corona nur mit Führung möglich und wir hatten Glück und ergatterten spontan noch Plätze. Eine gute Idee, denn die original erhaltenen Prunkräume sind schon sehr beeindruckend und in ihrer Rokoko-Ausstattung sollen sie einmalig im süddeutschen Raum sein. Ohne die Führung hätten wir die vielen dahinterstehenden Geschichten und Hinweise nie entdeckt. Im Anschluss waren unsere Köpfe allerdings mit viel Kultur gefüllt und zum Abschluss wurde diese bei einem leckeren Essen verarbeitet.

Der kommende Tag war ein Montag und das Wetter sollte besser werden. Naja, sagen wir mal so: Es sollte nicht mehr dauerhaft regnen. Somit entschieden wir uns für eine Tour zum Unteren Gaisalpsee und je nach Bedingungen vor Ort sollte es evtl. noch auf das Rubihorn gehen. Die Tour zum Unteren Gaisalpsee entpuppte sich als wirklich sehr schöne Wandertour. Als Startpunkt wählten wir den (kostenpflichtigen) Parkplatz Reichenbach aus. Bitte ausreichend Kleingeld mitbringen – der Automat gibt kein Wechselgeld heraus und Kartenzahlung funktioniert leider auch nicht. Auf Grund des Wetters war der Parkplatz noch recht leer, aber allein aufgrund der Größe kann man sich vorstellen, wie viele Leute die Tour an einem sonnigen Sommerwochenende gehen. Daher der Tipp: falls möglich lieber unter der Woche loswandern.
Wir entschieden uns für den „Tobelweg“, der kurz hinter dem Parkplatz beginnt und uns immer entlang des Gaisalpbachs nach oben führte. Alternativ könnte man auch den Fahrweg gehen, der ist natürlich nicht so naturbelassen, aber falls jemand mit Kinderwagen o.ä. unterwegs ist bis zur Alpe, geht das auch. Der Tobelweg ist super zu laufen, kann je nach Wetter aber etwas matschig sein. Vorbei an naturbelassenen Staustufen und Steintreppen, über Brücken und unter den Bäumen erreichten wir nach ca. 45min die Gaisalpkapelle bzw. kurz darauf dann die Gaisalpe (montags ist allerdings Ruhetag). Schon fast in Sichtweite befindet sich eine zweite Hütte, die Untere Richteralpe, welche auch montags geöffnet hat. Wir merkten sie schon mal vor für den Rückweg. Unser Weg schlängelt sich weiter, durch Kiefernwald und Latschenkiefer nach oben. Ab und zu sind ein paar Stahlseile zur Sicherung eingeschlagen oder ein paar engere Passagen, aber wenn man ein bisschen Bergerfahren ist, eigentlich nicht der Rede wert. Wettertechnisch war es zwar trocken, aber Nebel- und Wolkenschwaden zogen immer wieder umher und versperrten die Sicht.

Nach einem weiteren kurzen Anstieg erblickten wir dann den unteren Gaisalpsee, der auf ca. 1500m Höhe liegt. Im Hochsommer und bei richtig schönem Wetter tummeln sich vermutlich sehr viele Wanderer vor Ort. Wir hatten allerdings Glück und waren fast die einzigen, die den malerischen See genießen konnten. Ok, ein Entenpärchen drehte noch seine Runde, das wars aber fast schon wieder. Eine Herde Ziegen zog noch von oben herunter, schenkte uns aber keine Beachtung und ging einfach vorbei. Vom See aus konnten wir dann zum ersten Mal das Rubihorn erblicken. Die umliegenden Gipfel, wie das Nebelhorn, lagen allerdings weiterhin in den Wolken.

Nach einer kurzen Rast am See schauten wir uns den Wetterbericht nochmals an und mein Cousin und ich entschieden uns für den Aufstieg zum Rubihorn. Die Mädels machten sich parallel auf den Rückweg zur Hütte, wo wir uns später wieder treffen wollten. Wir lagen noch gut in der Zeit und das Wetter sollte sogar noch etwas aufklaren und erst wieder am frühen Abend beginnen zu regnen. Also, nichts wie rauf auf das Rubihorn, damit wir in 2020 wenigsten einen Gipfel zusammen machen. Und was passierte zwischendurch? Genau, die Wolken kamen zurück und dementsprechend war die Sicht begrenzt. Wenigstens blieb es trocken und so ging es für uns weiter nach oben. Der Pfad war ok, zwischendurch ein paar engere Stellen und Drahtseilgesicherte Passagen, aber insgesamt locker machbar. Muss ich an dieser Stelle nochmals auf die Wanderschuhe/Packliste und Trittsicherheit hinweisen? Nein, das sollte mittlerweile (eigentlich) auch der letzte kapiert haben. Aber gerade bei solchen schmierigen und feuchten Bedienungen sind feste Wanderschuhe Pflicht.
Wir wanderten weiter und nach einer Weile tauchte auf einmal das Gipfelkreuz vor uns auf. Ganz ehrlich und unter uns: Damit hatten wir noch nicht gerechnet. Denn unsere Füße waren noch fit und von Müdigkeit war weit und breit nichts zu spüren. Kurze Zeit später standen wir also schon auf dem Rubihorn mit seinen 1957m. Angeblich ein Gipfel mit super Sicht hinein in das Voralpenland. Gut, wir sahen außer Wolken nicht gerade viel. Ein paar Wanderer, die von der anderen Seite hochkamen und einen Alpensalamander. Auch wenn er, auf Grund der niedrigen Temperaturen, etwas behäbig war, war er (oder sie) doch nett anzuschauen. Bei so einem Wetter zeigen sich (Alpen-)Salamander übrigens besonders gerne.

Wo ein Aufstieg, ist auch ein Abstieg (Altes tibetanisches Sprichwort)! Nach einer kurzen Rast machten wir uns auf den Rückweg. Zwei einzelne Wanderer, die von der anderen Seite kamen, schlossen sich uns auf den ersten Metern durch die Wolken an. Wie bereits erwähnt, muss das Rubihorn ein guter Aussichtsberg sein, der häufig für Tagestouren empfohlen wird. Denn beim Abstieg kamen uns noch einige Wanderer (u. a. in Turnschuhen und wenig trittsicher) entgegen. Einige kehrten an den etwas schwierigeren Passagen wieder um <- definitiv besser so! Unsere zwei Begleiter hatten wir mittlerweile zurückgelassen, ließen den unteren Gaisalpsee hinter uns und liefen flotten Fußes zur Hütte. Unterwegs hatte es nämlich wieder angefangen zu regnen. Auf den Wetterbericht ist auch keinerlei Verlass mehr… Anyway, abwärts ging es schneller und zack waren wir an der Untere Richteralpe angekommen. Darauf ein Zötler Bier und eine warme Suppe!
Die letzten Meter zurück zum Ausgangspunkt (übrigens auf nicht ganz 900m) waren im Anschluss auch schnell geschafft und somit war es ein erfolgreicher (Gipfel-)Tag!


Details zur Tour (Suunto Ambit3 Peak):
Länge: 13,33km
Dauer: 6 Stunden und 10 Minuten (die reine Gehzeit lag bei ca. 4 Stunden und 54 Minuten)
Aufstieg: 1142m
Temperatur: lag bei 22 Grad <- so als Zusatzinfo
Meine Aufzeichnung bei Koomot findet Ihr hier: „Parkplatz Reichenbach – Gaisalpsee – Rubihorn und zurück

Am nächsten Tag hieß es für uns wieder Abschied nehmen vom Allgäu. Allerdings nicht ohne einen weiteren Programmpunkt: Das Schloss Neuschwanstein in Hohenschwangau bei Füssen.
„Ja, das Touriding…“ denkt Ihr. Ja genau! Als Kind war ich schon mal drin, kann mich aber überhaupt nicht mehr erinnern. Unsere Überlegung im Vorfeld war: Aktuell sind kaum asiatische oder amerikanische Touristen vor Ort und somit könnte es weniger überlaufen sein, als zu normalen Zeiten. Allerdings werden Coronabedingt auch weniger Touristen in das Schloss gelassen bzw. ist eine Besichtigung nur in Kombination mit einer Führung möglich. Was wiederum bedeutet, dass pro Tag nur ein gewisser Prozentsatz der bisher zulässigen Besucher das Schloss besichtigen kann. Gut, soweit kein Problem. Es ist möglich, im Vorfeld Tickets im Online-Shop zu kaufen. Da in Bayern Ende August noch Sommerferien waren, waren Wochen vorher aber schon alle Führungen ausgebucht.
„Was tun?“, sprach Zeus. Anschreiben und lieb nachfragen (manchmal kann ich das auch), ob vielleicht noch etwas geht. Daraufhin kam die Antwort, dass wir es an der Tageskasse versuchen sollten. Ein gewisses Kontingent an Tickets pro Tag wird nämlich vor Ort an der Tageskasse ausgestellt.
Unser Plan war also so kurz vor 9 Uhr an der Tageskasse zu sein und Tickets zu ergattern. Wir kamen etwas später, kurz nach 9 Uhr an und lösten ein Ticket an einem der vielen Parkplätze (für 8 Euro, alle Tickets sind Tagestickets). Um ca. 9:30 Uhr waren wir an der (noch leeren) Tageskasse und konnten Tickets inkl. Führung für 13:05 Uhr kaufen. Doch was macht man in der Zwischenzeit? Nach kurzer Rücksprache mit dem Parkplatzwärter „Ja, ihr könnt später (ausnahmsweise) auch wieder mit dem Ticket hier parken“ fuhren wir zurück nach Füssen. Dort bummelten wir etwas umher und genossen Kaffee und Kuchen. Muss ja auch sein. ;)
Gegen 12 Uhr ging es wieder zurück auf den Parkplatz, um von dort aus hoch zum Schloss zu laufen. Das Schloss liegt nämlich ca. 1,5km entfernt und ist nur per Fuß oder mit der Pferdekutsche zu erreichen. Nach ca. 35min kamen wir oben an und warteten auf unseren Einlass. Am Eingang selbst warteten einige Menschen und schauten sich um, mehr als wir zu Corona-Zeiten erwartet hätten. Aber insgesamt verlief sich alles gut und es war genügend Platz für alle vorhanden.
Führungen finden alle 10 Minuten in kleinen Gruppen von ca. 10 Personen statt. In den Räumen im Schloss selbst sind „Corona-Punkte“ mit ausreichend Abstand aufgeklebt, von denen man dem Guide gut lauschen kann. Schon spannend, wenn man durch ein nicht fertiges Schloss geht, die besonderen Ideen Ludwigs II. anschaut und alles irgendwie surreal erscheint. Besonders beeindruckend finde ich die damalige Technik, die König Ludwig II. in „sein“ Märchenschloss (wie es auch sehr oft genannt wird) einbauen ließ, wie z.B. die Zentralheizung oder eine sehr durchdachte und für die damalige Zeit sehr moderne Küche.

Nun kann das Schloss Neuschwanstein auch von der imaginären Bucket-Liste gestrichen werden. Wer Zeit und Lust hat, dem kann ich einen Besuch empfehlen – gerade jetzt zu Zeiten von Corona eine gute Möglichkeit, es sicherlich etwas leerer zu erleben. Für uns ging es von dort aus zurück nach Hause und zurückblickend war es, trotz schlechten Wetters, ein schöner Kurzurlaub.

Der Herzogstand in Kochel am See

18. September 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Bayern ist ein wirklich schönes Bundesland! Auch ein Franke kann und darf dies sagen. (Natürlich nicht offiziell, aber wir sind hier ja quasi unter uns.)
Wie ihr wisst, habe ich eine Leidenschaft für schöne Gegenden, Landschaften und insbesondere die Alpen. Wobei ich zwischendurch auch gerne einmal an der Nordsee vorbei schaue. Beide Regionen haben ihren ganz eigenen Charme und die Mentalität der ansässigen Menschen sind meiner Meinung nach sehr ähnlich: Direkt, aber immer auch für einen Spaß zu haben. Durch meinen Blog durfte ich in den letzten Jahren immer wieder neue Regionen kennenlernen, an die ich vorher selbst gar nicht unbedingt gedacht hätte. Man ist ja leider häufig etwas eingefahren, dabei ist es doch viel schöner, mal neue Regionen zu entdecken und zu erfahren, wie schön und vielfältig unser Land bzw. Europa ist!
So ähnlich ging es mir auch mit dem „Zwei-Seen-Land“ im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Eine herrliche Gegend südlich von München zwischen den beiden Seen Kochelsee und Walchensee (übrigens mit 200m Bayerns tiefster Alpensee) mit wunderbarem Bergpanorama. Eventuell war ich bereits als Kind einmal mit meinen Eltern vor Ort, daran erinnern kann ich mich allerdings nicht mehr. Was noch im Hinterkopf geblieben ist, ist das Walchenseekraftwerk – ein Hochdruck-Speicherkraftwerk das bis heute eines der größten seiner Art in Deutschland ist. Etwas, das ich wohl in der Schule aufgeschnappt und mir gemerkt habe – verwunderlich, da das ja schon ein paar Tage her ist.

Da ich, wie Ihr wisst, ja sehr gerne wandere, sind regionale Wandermöglichkeiten für mich immer auch ein Kriterium, wenn ich im Voraus eine Region näher betrachte. Es muss nicht immer gleich ein 3000er sein, aber Bewegung in der Natur mit schöner Aussicht ist doch immer ein Highlight. Im Zwei-Seen-Land springt da besonders der „Herzogstand“ mit seinen 1731 Metern ins Auge, der Hausberg von Kochel. Ein Klassiker in den Voralpen und zudem auch relativ leicht zu erwandern bzw. sogar per Seilbahn (fast mühelos) zu erreichen. Letztes kommt für mich natürlich nicht in Betracht.
Auf Komoot habe ich eine schöne Wanderung gefunden, die zunächst auf den Gipfel Heimgarten und dann weiter zum Herzogstand führt, insgesamt ca. 6,5 Stunden. Hier die Route „Gipfeltour zum Heimgarten und zum Herzogstand – wandern im Tölzer Land“. Trittsicherheit und festes Schuhwerk versteht sich ja von selbst – und aus gegebenem Anlass nochmal der Hinweis: normale Turnschuhe sind KEIN festes Schuhwerk für das Gebirge!

Auf direktem Weg (also ohne „Umweg“ über den Heimgarten) sind es zum Herzogstand so um die 900hm von der Talstation der Herzogstandbahn aus und die Route misst insgesamt 15,37 km.
Oben angekommen dürfte die Aussicht mit Sicherheit grandios sein. Zum einen in das Tal bzw. zu den beiden türkis bzw. tiefblau leuchtenden Seen, zum anderen aber auch auf die umliegenden Gipfel bis zum Alpenhauptkamm. Vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es jetzt (also Mitte September bis Mitte Oktober) sowieso die beste Jahreszeit für eine Wanderung ist. Die Temperaturen passen noch und außerdem ist das Licht nahezu perfekt. Ein weiterer Pluspunkt für eine Wanderung ist die aktuell Schulferienfreie Zeit, dadurch sind vermutlich weniger Menschen unterwegs.

Schon König Ludwig II. schätzte diesen „Bilderbuchberg“. Gefühlt begegnen wir uns dieses Jahr des Öfteren bzw. trieb er sich wahrscheinlich einfach ebenso gerne in den Bergen umher wie ich. König Ludwig II. war schließlich auch schon am Kenzenwasserfall im Allgäu, hat das Schloss Neuschwanstein erbaut (dort waren wir im August ja auch) und nun auf dem Herzogstand. Er ließ damals gleich drei Pavillons dort erbauen um das (Alpen)panorama zu genießen. Man erzählt, er habe sich sogar sein Essen vom Königshaus zum Gipfelpavillon bringen lassen, um es dort in aller Stille zu genießen. Mittlerweile glaube ich ja an solche Geschichten. Schließlich hatte er einen ausgefallenen Geschmack bzw. einfach ganz besondere Vorstellungen/Wünsche. Es scheint, als habe man es als König nicht gerade leicht. ;) Wie dem auch sei, von seinen ursprünglich drei Pavillons ist heute nur noch einer vorhanden, insbesondere aufgrund der häufigen Blitzeinschläge dort in der exponierten Lage. Dafür findet man eine Bronzestatue von ihm auf dem Herzogstand.

Die Südseite des Kocheler Hausbergs gehört bereits zum Vogelschutzgebiet Estergebirge, in dem u.a. Auerhahn, Sperlingskauz, Uhu und sogar Steinadler Rückzugsräume finden. Und neben dem Herzogstand sind sicherlich auch die Nachbargipfel durchaus interessant zu erwandern, also der Jochberg, der Sonnenspitz oder auch der Rabenkopf. Die Touristeninfo vor Ort bietet geführte Touren an, für diejenigen von Euch, die lieber nicht auf eigene Faust loswandern möchten.

Ganz ehrlich und unter uns gesagt: Schauen wir mal, ob mein Kalender noch ein freies Wochenende zu bieten hat, um ein paar Tage vor Ort zu erleben. Ihr entschuldigt mich – danke!

<Die Bilder wurden mir von Tourist Information Kochel a. See, Tourismus Tölzer Land und Kunz PR zur Verfügung gestellt>

Wandern auf Texel – Eine Insel mit vielen Facetten – Gastartikel / Werbung

18. September 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , ,

Gastartikel/Werbung

Noch einmal den Sommer genießen und eine schöne Runde wandern gehen. Aber wo? Nach kurzer Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es diesmal nach Texel gehen soll. Kurzerhand haben wir einen schönen Campingplatz gebucht und das Auto ist gepackt.

Aber warum habe ich mir ausgerechnet die Niederlande zum Wandern ausgesucht? Da gibt es doch streckenmäßig gar keine Herausforderungen, oder? Das war auch mein erster Gedanke, doch als ich mir die Wanderrouten für den Urlaub herausgesucht habe, wurde ich eines Besseren belehrt! Texel ist eine sehr vielseitige Insel mit vielen einzigartigen Streckenabschnitten, die sich hervorragend zum Wandern eignen.

Für uns war es schon bei der Planung wichtig viel von der Insel zu sehen aber auch Ruhetage mit einzuplanen. Zu einem perfekten Urlaub gehört für mich auch faulenzen und einfach mal ein Buch lesen. Aber die Neugier war dann doch größer und es wurde schon für den ersten Tag eine lange Strandwanderung geplant. Der 30 Kilometer lange Nordseestrand befindet sich auf der Westseite der Insel und ist weitläufig und lädt zu herrlichen Wanderungen ein.

Die Insel

Die westfriesische Insel ist ganze 23,7 KM lang und 9,6 KM breit. Im ersten Moment klingt das nach recht wenig für einen ganzen Wanderurlaub, aber auf der Insel selbst gibt es viel zu entdecken. Die Landschaft auf Texel ist sehr vielfältig und kann in drei grobe Zonen unterteilt werden. Auf meiner Tour wollte ich also unbedingt alle dieser drei Zonen bewandern und erkunden.

Ankunft in De Koog

Wir haben uns früh am Morgen auf den Weg in unseren Wanderurlaub gemacht. Mir war es wichtig, dass wir nicht so spät auf Texel ankommen, damit wir die Gegend noch etwas erkunden können und auch prüfen können, ob unsere Wanderpläne so umsetzbar sind oder nicht. Also ging es um 7 Uhr morgens los. Ein paar Stunden später sind wir auch schon in Den Helder ankommen, von wo aus wir die Fähre nach Texel nehmen konnten.

Der Urlaub begann mit dem Einchecken auf unserem Campingplatz in De Koog. Das Zelt wurde aufgebaut und wir haben es uns gemütlich gemacht. Ein Glas Wein und so wurden Pläne für die nächsten Tage kontrolliert und verbessert. Mit unserem iPhone haben wir via Google Maps nochmal die Strecken verglichen und etwas angepasst. Da wir kein GPS-Gerät haben, haben wir unser Smartphone direkt gut aufgeladen, damit wir diese dann bei der Wanderung als Navigationsgerät nutzen können. Weil ich ein kleiner Angsthase bin, habe ich mir vor dem Urlaub noch passende iPhone 12 Hüllen gekauft. Jetzt habe ich eine stabile Hülle, mit der mein Handy nicht kaputtgehen sollte. Ich habe aber eine Hülle gefunden, die eine praktische Kordel hat. Die konnte ich mir während der Touren dann immer gut um die Schulter hängen. Mein Handy war so immer greifbar und trotzdem hatte ich die Hände frei.

Aber schon am ersten Abend mussten wir uns Sorgen um die anstehenden Wanderungen machen. Der Wetterbericht hatte sich plötzlich für die nächsten Tage geändert. Auf einmal hieß es, dass es eine Woche regnen wird. Noch am selben Abend fing das Unwetter an. Da ich aber manchmal auch ein extremer Glückspilz bin, hat sich das schlechte Wetter tagsüber für die Wanderungen verzogen und die Sonne kam raus.

Zone 1 – Die Westküste:

Dieser Abschnitt der Insel zeichnet sich durch einen extrem langen Strand aus, an dem ich einen mehrkettigen Dünengürtel bewundern konnte. Da das Wetter in den Niederlanden etwas wechselhaft ist, musste ich meine Kleidung entsprechend anpassen. Bei unserer Strandwanderung hatten wir Glück mit dem Wetter, da wir viel Sonne hatten. Durch den Wind habe ich gar nicht gemerkt, wie warm es war. Deswegen ist es immer ratsam, sich gut mit Sonnencreme einzucremen. Obwohl ich mich mehrmals eingecremt habe, hatte ich am Ende der Wanderung einen ordentlichen Sonnenbrand. Ich kann euch deshalb nur raten, viel Sonnencreme mitzunehmen und ggf. auch längere Kleidung und einen Hut zu tragen. So vermeidet ihr einen Hitzeschock und könnt den ganzen Tag weiter wandern.

Da eine lange Wanderung am Strand sehr anstrengend sein kann, war es mir wichtig, nicht nur die richtigen Schuhe mitzunehmen, sondern auch passende Socken. Damit ich mir keine Blasen durch den feinen Sand laufe, der zwangsläufig in die Schuhe gerät, habe ich auf herkömmliche Laufsocken gesetzt und nicht auf die etwas robusteren Wandersocken. Entgegen aller Zweifel hat das sogar sehr gut geholfen. Ich hatte zur Vorsicht aber natürlich auch Blasenpflaster dabei, die bei einer Wanderung niemals fehlen dürfen.

Für die erste Wanderung haben wir beschlossen, an der Südspitze der Insel zu starten, die auch De Hors genannt wird. An den niederländischen Stränden gibt es viele nette Cafés, Bars und Restaurants, die zu einer Pause einladen. Trotzdem habe ich ausreichend Wasser mitgenommen. Bei einer so langen Wanderung bei ungefähr 25 Grad sollte man mindestens 2 Liter Wasser pro Person dabei haben. Das klingt viel, aber es ist wichtig immer ausreichend zu trinken. Das hilft den Körper aktiv zu halten und man kann seine Wanderung viel besser genießen. Wir hatten uns dazu entschieden, jeden Kilometer einen guten Schluck Wasser zu trinken. Um das auch einzuhalten, waren die Pfähle am Strand sehr hilfreich. Diese gibt es über den ganzen Strand verteilt und stehen immer in einem Abstand von einem Kilometer zueinander.

An diesem Tag war der rote Leuchtturm im Norden von Texel unser Ziel. Der Leuchtturm ist ganze 150 Jahre alt und besitzt eine Aussichtsplattform, von der man einen wunderschönen Blick über Texel hat. Hier entstanden auch die Pläne für die folgenden Wanderungen. Zusammen haben wir uns dann dafür entschlossen eine Dünenwanderung zu machen und die Naturschutzgebiete, sowie den Wald und Dörfer von Texel etwas weiter zu erforschen.

Pünktlich zur Abenddämmerung waren wir dann wieder zurück auf dem Campingplatz. Ich liebe wandern sehr, aber noch mehr liebe ich es die Schuhe und die Strümpfe nach einem solchen Tag auszuziehen und die Füße hochzulegen. Jetzt konnten wir in aller Ruhe die nächsten Tagestouren planen. Aber erstmal war Ausruhen angesagt!

Zone 2 – Das Binnenland

Neben den atemberaubenden Stränden hat Texel noch vieles mehr zu bieten. Die sieben kleinen Orte auf Texel wollten natürlich auch entdeckt werden! Ich hatte mich dazu entschieden, die zwei wohl bekanntesten Orte der Insel zu Fuß zu erkunden. Von unserem Campingplatz ging es in die kleine Innenstadt von De Koog. In den kleinen Gassen gibt es viele gemütliche Restaurants und Cafés, in denen wir immer eine kleine Pause einlegen konnten. Da es gerade Ferienzeit war, war das Wandern in der Stadt selbst nicht so geeignet und hat auch nicht so einen riesigen Spaß gemacht. Der Weg von De Koog nach Den Burg war dann aber umso schöner. Die Route ist zwar nur ca. 8 KM lang, war aber trotzdem sehr schön. Wir hatten uns dazu entschieden, nicht die vorgeschlagene Route zu nehmen.

Ich habe eine Route rausgesucht, die uns bereits für einige Kilometer an einem Naturschutzgebiet entlanggeführt hat. Hier habe ich wieder mal gemerkt, warum ich wandern so liebe. Die Stille und die Umgebung waren einfach nur atemberaubend schön! Am Ende waren wir wieder gute 6 Stunden unterwegs und konnten wirklich schöne Ecken der kleinen Städtchen sehen.

Zone 3 – Nationalpark Duinen van Texel

Die nächste geplante Wanderung war einige Tage später im Nationalpark Duinen van Texel. So eine Wanderung kann ich sehr empfehlen! Nichts ist schöner als in hier zu spazieren und dabei die leicht salzige Seeluft zu genießen. Im Nationalpark Duinen van Texel haben wir viele weitere Wanderwege gefunden, die mit Pfählen markiert sind. Der Plan für die eigentliche Wanderung war also schnell verworfen und wir haben uns ganz spontan für eine andere Route entschieden. Bei unserer Wanderung durch die Wälder trafen wir auf behaarte Inselbewohner, Wildpferde und schottische Hochlandrinder. Zuerst habe ich mich ziemlich erschreckt, als plötzlich so ein großes Tier vor mir stand, aber dann war es einfach nur noch schön.

Später haben wir dann leider gemerkt, wie gut es ist einen gut gepackten Rucksack mit allen wichtigen Dingen für eine lange Wanderung dabei zu haben. Ich habe mich schon öfter gefragt, warum ich immer so viel „Zeug“ mitnehme, obwohl ich es nie brauche. Neben den üblichen Dingen habe ich zum Beispiel immer Feuchttücher und sehr viele Pflaster dabei. Diesmal war ich aber sehr froh, dass ich diese Sachen nicht zu Hause gelassen habe und mit etwas Wasser, Feuchttüchern und Pflastern weiterhelfen konnte. Denn nach ungefähr 3 Stunden haben wir einen verunglückten Fahrradfahrer mit seiner Frau gefunden. Er war auf dem sandigen Stieg ausgerutscht und ist ziemlich schlimm gefallen. Da weder er noch seine Frau etwas zum Reinigen der vielen blutigen Stellen dabei hatten, kam mein gut gepackter Rucksack sehr gut an. Mit den Feuchttüchern konnten wir die offenen Stellen reinigen und ihn im Anschluss mit Pflastern versorgen. Er war natürlich dankbar und ich war froh, dass ich ihm helfen konnte. Nachdem wir ihn etwas aufgepäppelt hatten, konnte er mit seiner Frau zum Arzt fahren, um sich einmal durchchecken zu lassen. Dieser Unfall hat mir gezeigt, wie wichtig es ist einen Rucksack mit diesen Dingen dabei zu haben, nicht nur für mich, sondern auch für andere! Ich werde meinen gepackten Rucksack also auch in Zukunft immer dabei haben!

Nach diesem Zwischenfall haben wir uns dann auf den weiteren Weg in ein weiteres Waldgebiet gemacht. Natürlich wollte ich auch die zwei Gebiete „Dennenbos“ und „Krimbos“ sehen. Wir sind stundenlang über verschiedene Wanderwege gelaufen. Überall haben wir Hochstände gesehen. Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, mir das Panorama von einem der Hochsitze anzusehen. Für unseren “Waldtag” haben wir uns einen ziemlich warmen und sonnigen Tag ausgesucht. Der Wald hat aber eine sehr willkommene Abkühlung geboten.

Neben den Wäldern laden aber auch die Naturschutzgebiete zu ausführlichen Wanderungen ein. Das Naturgebiet „De Slufter“ war besonders schön, da es das einzige Naturgebiet in den Niederlanden ist, das von der Nordsee unbegrenzt ist. Nach einer Sturmflut kann es passieren, dass die komplette Lagune überschwemmt ist. Einen kleinen Eindruck davon konnten wir sogar erhaschen, da es in den Nächten immer sehr viel geregnet hat und auch sehr stürmisch war. So hat sich über die Jahre in De Slufter ein Naturgebiet mit Prielen und Salzwiesen voller lila blühendem Strandflieder entwickelt. Wunderschön und absolut sehenswert!

Durch die vielseitige Landschaft und die tollen und auch teilweise extra ausgebauten Wanderwege kam mir die Wanderung gar nicht so lang vor. Am Ende des Tages waren wir fast 10 Stunden unterwegs und hatten ungefähr 35 Kilometer auf der Uhr. Erschöpft und glücklich sind wir wieder zu unserem Zeltplatz zurückgelaufen und haben die vielen tollen Eindrücke Revue passieren lassen.

Mein Fazit:

Insgesamt waren wir 9 Tage auf Texel und wir haben diese Zeit wirklich gut genutzt, um sehr viel zu sehen und zu erleben. Durch die sehr abwechslungsreiche Umgebung und die tollen Landschaften kann ich einen Urlaub auf Texel nur empfehlen!

Texel bietet tolle Möglichkeiten für Wanderungen am Strand, in Wäldern, in den Dünen und in Naturgebieten. Obwohl ich ein richtiger Strand Fan bin und mich vorab eigentlich nur auf die Strandwanderungen gefreut habe, muss ich zugeben, dass mich die vielfältigen Landschaften auf Texel auch sehr beeindruckt haben.

<Text und Bilder von huellendirekt.de>

Die Wandertrilogie im Allgäu mit allen Sinnen genießen

3. September 2020 | Ein Kommentar | Schlagwörter: , , ,

Woran denkt Ihr, wenn die Region Allgäu genannt wird? Ganz spontan denke ich an herrliche Landschaft, Berge, Kühe, saftig grüne Wiesen, Käse und Königschlösser. Zumindest was den Sommer angeht. Und zum Sommer gehören für mich unbedingt die Begriffe Wandern, Radfahren und Genuss. Dazu passt ideal die „Wandertrilogie Allgäu“, die ich mir vor ein paar Tagen im Rahmen einer Pressereise etwas genauer angeschaut und mit allen Sinnen genossen habe.

Stellt sich zunächst natürlich die Frage, was sich hinter dem Begriff „Wandertrilogie“ überhaupt verbirgt. Bei der Wandertrilogie handelt es sich um einen Weitwanderweg mit insgesamt 54 Etappen auf 876 km, auf dem man alle Facetten des Allgäus erleben kann. So weit, so gut. Doch es steckt natürlich mehr dahinter. Das Allgäu hat nämlich viel mehr zu bieten als die bekannten klassischen Tourismushochburgen. Und genau deshalb wurde die Wandertrilogie in Zusammenarbeit mit insgesamt 34 Tourismusorten gestartet. Der Fernwanderweg besteht nicht – wie viele andere – aus einer klassischen Route, sondern es ist ein Weitwanderwegenetz, auf dem sich jeder Wanderer flexibel seine Tour zusammenstellen kann. Und das unterteilt in drei Routen: Den Wiesengänger, den Wasserläufer und den Himmelstürmer. Alle drei Routen stehen dabei für die unterschiedlichen Regionen und Höhenlagen des Allgäus: die sanfte Hügellandschaft im Norden, das Voralpenland in der Mitte und das Gebirge im Süden. Das Schöne daran ist, dass nun jeder Wanderer zu Beginn schon überlegen kann, welche Route zu ihm passt und so kann er oder sie die Route ganz nach der persönlichen Kondition bzw. Einschätzung, Lust und Laune anpassen. Und teilweise überschneiden sich auch die Routen und es gibt die Möglichkeit der Querverbindungen.

Die Wandertrilogie ist so konzipiert, dass man nicht ausschließlich Strecke macht von einem Start- zu einem Endpunkt, sondern dass wirklich der „Weg das Ziel“ ist.  Man ist unterwegs, kann sich in Geschichten vertiefen und die Region genießen. Ich persönlich mag es sehr, wenn ich auf meinen Wanderungen Land und Leute kennenlernen darf. Ob es eine versteckte Sehenswürdigkeit oder ein kurzes Gespräch ist, es sind die kleinen Dinge, die eine Wanderung noch interessanter machen und im Gedächtnis bleiben. Und solche Möglichkeiten hat man im Allgäu immer wieder.

Die drei Routen sind durch unterschiedliche Farben markiert:

Die Wiesengänger-Route mit 438 km und 22 Etappen. (Grün)

Die Wasserläufer-Route liegt insgesamt bei  406 km mit 26 Etappen. (Blau)

Die Himmelsstürmer-Route hat 358km mit 24 Etappen. (Rot)

Die übergeordnete Markierung ist immer ein Steinmandl (aus drei Steinen) und in verschiedenen Städten sind sogenannte Ortswürfel/Stelen zu sehen, die immer eine Geschichte zu den jeweiligen Orten/Regionen erzählen.

Jede Stele ist anders und spiegelt doch immer die Wandertrilogie wider. Das Fundament bildet ein Findling, darauf befindet sich der blaue Allgäu-Würfel mit dem Zeichen der Wandertrilogie. Auf diesem Würfel liegt der Trilogieraum-Würfel (mit z. B. Abbildung des Schloss Neuschwansteins), der der Geschichte des jeweiligen Raums entsprechend entwickelt wurde und diese symbolhaft darstellt. Als Abschluss ist ganz oben der jeweilige Ortswürfel zu sehen. Dieser zeigt ein Symbol der individuellen Geschichte des jeweiligen Ortes.
So viel zur Theorie, detaillierte Infos zu den Streckenverläufen, der Möglichkeit des Gepäcktransports unterwegs und vieles mehr findet Ihr bei den Tourismusinformationen im Allgäu.

Auf unserem Programm stand das Erleben des Allgäus und der Wandertrilogie mit allen Sinnen. Und so starteten wir mit einem Duft- bzw. Naturerlebnis im Duftgarten von Primavera. Das Unternehmen befindet sich seit über 30 Jahren in Oy-Mittelberg und stellt u. a. ätherische Öle, Düfte und Naturkosmetik her und legt dabei besonderen Wert auf Nachhaltigkeit, Qualität und Biodiversität. Primavera bedeutet „Frühling“ (wie auch bei meiner Vespa „Primavera“). Ganz ehrlich, wer liebt es nicht, wenn die Natur im Frühling den Schalter umlegt und alles neu beginnt? Mit diesem Gedanken war die Idee von Kurt Ludwig Nübling geboren und so entstand sein Unternehmen, aber auch ein zugehöriger Duftgarten. Kaum betritt man den Rosen- & Heilkräutergarten liegen unglaublich viele tolle Düfte in der Luft. Und das, obwohl wir Mitte August vor Ort waren und dementsprechend schon manches verblüht war. Es duftete quasi wie bei uns im Höfchen, wo aktuell der Kumquatbaum blüht. ;) Nein, ernsthaft – der Duft von Rosen bzw. von Blumen ist schon etwas Besonderes und hebt die Stimmung. Im Duftgarten von Primavera gibt es mehr als 62.000 Duft- und Heilpflanzen, allein über 600 verschiedene Rosensorten und dazu noch diverse Naturteiche, Insektenhotels, Bienenstöcke und Kneipp-Becken. Ein Paradies für Insekten! Und natürlich auch für interessierte Duft- und Pflanzenliebhaber. Es gibt sogar die Möglichkeit, Führungen im Duftgarten zu buchen.
Kurt Ludwig Nübling interessierte sich bereits im Kindesalter für verschiedene Kulturen, aber auch für Düfte und was noch so alles dazugehört. So verschwieg er seinen Eltern als Jugendlicher dass er, statt wie geplant an den Bodensee zu fahren, mit dem Orient Express Richtung Osten unterwegs war. Nur um „zu schnuppern“, wie er uns berichtete. Der kleine Ausflug blieb vor seinen Eltern natürlich nicht geheim, aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.

Als wir mit Herrn Nübling im Garten unterwegs waren und er uns viel über die verschiedenen Düfte, Ideen und Kreationen erzählte, dachte ich an Michael Ceron und seinen Zitrusgarten. Ich glaube, die beiden würden sich gut verstehen aufgrund ihrer ganz ähnlichen Philosophie und vielleicht sogar eine neue, gemeinsame Kreation entwickeln.

Ein toller Start in die Sinneswelten! Neben dem Duftsinn kam an diesem Tag unser Geschmackssinn auf seine Kosten. Eine kulinarische Anlaufstelle für gute und besondere Küche ist das Hotel Restaurant Rose mit seinem Chef und Koch Alfred Endres. Er ist einer der wenigen „Heuwirte“ in Deutschland. Richtig gelesen, seine Kreationen entstehen teilweise mit Heu und wir durften ein komplettes Heumenü genießen:

Blattsalate in Heudressing mit hausgemachtem rohen Schinken dazu Heukartoffel

Allgäuer Bergwiesenheusuppe mit Pfifferlingen und Kräutern

„Bergler Lendchen“ – Schweinefilet mit Speck und Zwiebeln, Egerlingen und Allgäuer Bergkäse überbacken. Dazu in Heubutter gebratene Kartoffelbaunzen.

Apfelküchle mit Zimt und Zucker, Heuvanillesoße und Sahne

Ein Gedicht für den Gaumen! Der Heugeschmack ist weder zu dominant, noch geht er unter – eine sehr gute Mischung und auf jeden Fall etwas ganz Besonderes. Mit einem abschließenden Heulikör ging es für uns ins Bett, wir nächtigten gut im Hotel Rose, denn schließlich wurde am nächsten Tag gewandert.

Um einen Eindruck der verschiedenen Routen der Wandertrilogie zu erhalten, begannen wir mit einer Tour entlang des Rottachsees nach Oy-Mittelberg. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus „Wasserläufer“ und „Himmelsstürmer“. Wobei wir nicht die ganze Etappe 32 gelaufen sind, sondern überwiegend das Stück des Wasserläufers: 12km mit 400hm hinauf und 260hm wieder runter. Für geübte Wanderer war dieser kleine Abschnitt eher ein Spaziergang mit herrlicher Aussicht. ABER, trotzdem sollte man natürlich festes Schuhwerk tragen und einen kleinen Rucksack mitführen. Ich verweise an dieser Stelle gerne auf meine persönliche Packliste.

Eine Wanderung auf der man verschiedene Highlights erleben kann, wie z. B. den Geratser Wasserfall und den Rottachsees. Gerade der Wasserfall ist an heißen Tagen sehr zu empfehlen. Wald und Wasser laden zum Verweilen und Genießen ein. Unser Weg führte auf das Burgkranzegger Horn (manchmal auch Petersthaler Horn genannt) von dem die Aussicht Richtung Norden zu bewundern ist. Im Rücken die Berge und vorne die weite Voralpenlandschaft – herrlich! Persönlich finde ich sowieso, dass man immer bewusst wandern sollte, egal, ob es „nach oben“ auf einen Gipfel geht, oder man „unten“ unterwegs ist, die Natur ist schön. Und das ist, was auch die Wandertrilogie im Allgäu vermittelt.
Bei unserer Tour war das Wetter bestens, keine Wolke am Himmel und so stärkten wir uns unterwegs im Vitalhotel Mittelburg Allgäu mit regionalen Spezialitäten.

Salatteller mit Allgäuer Bergschinkenscheiben

Frische Pfifferlinge in Kräuterrahm mit Semmelknödel

Weißes Schokoladenparfait dazu frische Erdbeeren und hausgemachter Löwenzahnlikör

Meine zugehörige Komoot-Aufzeichnung findet ihr hier. Also zur Tour, nicht zum Essen. ;) Wir sind natürlich immer noch „Mit allen Sinnen“ unterwegs und so ging es wieder hinaus in die Natur, zum „Erlebnis-Rundgang“ mit kompetenter Führung durch die Heilpflanzenschule. Hier erfuhren wir einiges über Kräuter und wofür sie gut sind. Wie z. B. Spitzwegerich gegen Insektenstiche, was meine Oma schon immer empfohlen hat, aber auch viel Neues.
Wer die Strecke etwas verfolgt hat, wird wissen, dass wir noch immer in und um Oy-Mittelberg unterwegs waren. Die Gemeinde kann sich nicht umsonst „zertifizierter Duftort“ nennen. Erkennbar auch an der passenden Stele.

Was darf im Allgäu nicht fehlen? Genau, Käse! Zu diesem Zweck stand bei uns eine Verköstigung mit der „Holderhex“ und ihren Produkten sowie Allgäuer Käse auf dem Programm. Mit „Food Pairing“ (einer Methode, um zu identifizieren, welche Lebensmittel geschmacklich gut zusammenpassen) testeten wir die angebotenen Produkte. Und wenn der Kopf zuerst denkt „Wie? DAS soll jetzt zusammen schmecken?!“, kommt meist anschließend ein „Oh, das war jetzt aber sehr lecker!“ – man muss sich nur drauf einlassen. Neben Holunder und Käse gab es verschiedene Weine der Allgäuer Gebirgskellerei. Dabei handelte es nicht um klassische Weine (aus Trauben), sondern um Weine aus Holunderbeeren, Erdbeeren und/oder Zirbenzapfen. Um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Persönlich bin ich ein Fan von Zirbenzapfen – egal ob Wein und/oder Schnaps bzw. Likör, daher war das auch hier mein Favorit.

Am nächsten Morgen ging es etwas früher raus, um eine kleine Tour mit dem Namen „Kenzenrunde“ zu unternehmen. Diese führt (teilweise) auf einer Etappe der Wandertrilogie Himmelsstürmer und vermittelt somit einen guten Eindruck über die Himmelsstürmer-Route. Unser Ausgangspunkt war der Kenzenparkplatz im Ortsteil Halblech. Vor dort brachte uns der Wanderbus zur Kenzenhütte.
Diese Strecke von 12km kann man natürlich auch laufen oder mit dem Rad erfahren. Wir nahmen aus zeitlichen Gründen den Bus. Das Wetter war herrlich und ausgeschrieben ist die Strecke mit 3,5h. Klingt nicht viel, aber auch hier sollte man natürlich festes Schuhwerk tragen, wir sind schließlich im Gebirge unterwegs. Die Kenzenrunde befindet sich im Naturschutzgebiet Ammergebirge, dem größten Naturschutzgebiet Bayerns und das zweitgrößte in Deutschland.
Zu Beginn führt der Weg noch durch Wald und führt anschließend den Berg hinauf. Nach ca. einem Drittel bietet sich ein guter Platz zur Rast an. An dieser Stelle ist das erste Mal ein Blick in den „Kessel“ möglich. Oder auf die zahlreichen Alpenrosen, die im Frühsommer blühen. Mit etwas Glück und zur richtigen Tageszeit bekommt man auch eine Gams und/oder Murmeltiere zu sehen. Wir gingen (nach einer kurzen Rast) weiter und umrundeten dabei den Kessel. Bis wir schließlich am höchsten Punkt auf ca. 1750m ankamen. Dort erwartete uns ein schöner Ausblick bis hin zum Kloster (Benediktinerabtei) Ettal.

Der Abstieg zurück zur Hütte führt durch Latschenkiefer. Kurz vor der Hütte bogen wir noch zum Kenzenwasserfall ab. Neben dem ehemaligen königlichen Jagdhaus war dort auch ein beliebter Platz von König Ludwig II.
Wir erinnern uns: „Wandertrilogie mit allen Sinnen“. Deshalb führte unser Weg zurück zur Kenzenhütte, wo bereits einige Alphornbläser spielten. Gerade nach einer kleinen Wanderung und beim gemeinsamen Zusammensitzen ist eine solche Darbietung echt schön.

Ursprünglich war eine Übernachtung auf der Kenzenhütte geplant, doch wegen Corona haben wir dies nicht gemacht. Grundsätzlich werden aber aktuell Plätze angeboten (KEIN Matratzenlager). Allerdings ist mit langen Wartezeiten zu rechnen. Für uns ging es an diesem Tag wieder zurück zum Ausgangspunkt und unserem Hotel Rose.
Am nächsten Tag war etwas unterhalb der Kenzenhütte der Startpunkt für noch eine kleine Wanderung. Dieses Mal mit dem Gebiets- und Naturschutzbetreuer Tom, der uns eine Menge zur Gegend und Natur erzählen konnte. Wir gingen zuerst entlang des Kenzenbachs, später dann am Halblech entlang zurück ins Tal.
Die Gegend war früher eine Hochburg der Wetzsteinmacher. Auf Grund des Gesteins wurden hier für ganz Deutschland bzw. Europa Wetzsteine hergestellt. Wer noch eine Sense hat, weiß wovon ich schreibe. Spannend aber auch die Gesteinsschichten im Röthenbachtal, die Tom uns erklärte. Hier handelt es sich um sogenanntes Flysch, welches in der Kreidezeit entstanden ist.

Zum Ausklang der kleinen, aber sehr feinen Pressereise ging es in das Käsehaus Hoch’Alp. Denn ohne Käse zurück nach Franken zu fahren, ist wie der Spessart ohne Wald. Das geht einfach nicht. Und so endete eine tolle Tour „mit allen Sinnen“. Auf jeden Fall plane ich in Zukunft noch die ein oder andere Strecke der Wandertrilogie im Allgäu zu wandern. Seid gespannt!

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team der Allgäu GmbH, die diese Erlebnisse ermöglicht haben.

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