Energieverbrauch im Haus

5. Januar 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , ,

Nachdem wir nun schon fast fünf Jahre im eigenen Haus wohnen, ist es an der Zeit, einen genaueren Blick auf unseren Energieverbrauch zu werfen. Zur weiteren Planung, Verbesserung bzw. Anpassung ist schließlich eine Langzeitbetrachtung sinnvoll, wie z.B. bei einer Photovoltaikanlage auch. Wir sind Mitte 2016 in die eigenen 4-Wände gezogen. Zwar wurden die Zähler im Januar 2015 angeschlossen, aber wir wohnten noch nicht im Haus und hatten noch einige Renovierungsarbeiten (wie Verputzen usw.) zu erledigen, deshalb sind die Werte aus 2015 noch nicht aussagekräftig.
Allerdings haben wir Vergleichswerte aus der Mietswohnung vorher, anhand derer wir Pi-mal-Daumen den zukünftigen Verbrauch versuchten einzuschätzen. Wobei man diesen Vergleich natürlich nur ganz grob ziehen kann. Damals wohnten wir auf ca. 70qm und im Haus sind es nun ca. 180qm Fläche. Wobei natürlich nicht alle 180qm gleichzeitig geheizt bzw. bewohnt werden. Ihr merkt schon, es spielen viele Faktoren eine Rolle.

Für diejenigen unter Euch, die die Umbaumaßnahmen bzw. Generalsanierung nicht mitbekommen haben, hier nochmals in Kurzform, was wir alles gemacht haben:
Neues Dach mit zugehöriger Dachdämmung, neue Heizungsanlage (inkl. neuem Leitungssystem…), neue Elektrik (inkl. Verkabelung, Zähler etc.), neue Bäder (inkl. neuem Leitungssystem…), neue dreifachverglaste Fenster. Und noch einiges mehr, aber das sind so die größten Posten, die beim Thema Energie relevant sind. Die Koordination unserer Kernsanierung erfolgte komplett in Eigenregie. Wir hatten keinen Bauleiter und haben die verschiedenen Maßnahmen und Gewerke selbst koordiniert, sämtliche baulichen Maßnahmen mehrfach überlegt, recherchiert und auch (gedanklich) mit den möglichen Alternativen abgewägt, bevor wir tätig wurden. Das war definitiv nicht ohne und sicherlich eine ganz andere Herausforderung, als sie z.B. ein Neubau mit sich bringt. Wichtig sei hier noch zu erwähnen, dass wir uns bei der Heizungsanlage für einen Gasbrenner entschieden haben. Dieser ist von Weishaupt und war damals selbstverständlich auf dem neusten Stand der Dinge.

Zurück zum eigentlichen Thema. Unserem Energieverbrauch bzw. dem Jahresdurchschnittsverbrauch. Beginnen wir einfach beim

Strom:

Anbieter: Stadtwerke Schweinfurt. Noch. Zwar haben wir hier in Schweinfurt einen vergleichbar günstigen Preis, allerdings bin ich als Kunde nicht zu 100% zufrieden. Allgemein gesehen sind die Stadtwerke eher konservativ. Und zwar in jeglicher Hinsicht. Kommunikation findet nur in eine Richtung statt. Transparenz ist Fehlanzeige und auf Social Media wird gänzlich verzichtet. Noch dazu wird zwar Ökostrom angeboten, dieser ist allerdings (in meinen Augen) überteuert bzw. von anderen Anbietern günstiger zu haben. Daher wird demnächst ein Wechsel für uns unumgänglich sein.

Wir benötigen im Schnitt zwischen 1450 und 1700kWh Strom pro Jahr. Der durchschnittliche Verbrauch bei einer Haushaltsgröße von zwei Personen liegt bei 2.100 kWh/Jahr, daher verbrauchen wir also weniger als vergleichbare Haushalte.

Wasser:

Anbieter: Stadtwerke Schweinfurt. Vorab: Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist bei Wasser im Gegensatz zu Strom bzw. Gas faktisch auch nicht möglich, da gibt es einen regionalen Wasserversorger. Punkt.
Beim Wasser benötigen wir zwischen 50 und 60 Kubikmeter pro Jahr. Der durchschnittliche Wasserverbrauch für zwei Personen pro Jahr liegt bei etwa 93 Kubikmetern. Im Höfchen nutzen wir zudem noch einen Regenwassersammelbehälter mit einem Fassungsvermögen von 300 Litern. Dennoch reicht das gesammelte Wasser in unserer trockenen Region und mit den immer wärmer werdenden Sommern nicht aus, um alle Pflanzen ausreichend zu versorgen. Auch in diesem Jahr mussten wir wieder die Wasserleitung „anzapfen“. Unsere Werte wundern mich daher schon, denn wir achten nicht sonderlich auf den Verbrauch. Klar, wir lassen beim Zähneputzen kein Wasser laufen, duschen nicht stundenlang, aber auch nicht megakurz etc. Die gängigen Sachen halt. Ebenso wie die Spülmaschine fast ausschließlich im Energiesparprogramm läuft <- dafür ist es schließlich da und Zeit ist genug vorhanden. Gebrauchtes Wasser (z. B. vom Eier kochen) wird ab und an zum Gießen verwendet. Ob diese Kleinigkeiten allerdings den Wasserverbrauch so reduzieren – I don’t know.

Gas:

Anbieter: Stadtwerke Schweinfurt (wer hätte es gedacht). Wie bereits erwähnt nutzen wir einen Gasbrenner. Neben der handelsüblichen Wärme ist dieser auch für das Warmwasser zuständig. Unser Verbrauch liegt so zwischen 9000 und 12000 kWh pro Jahr. Der Durchschnitt für vergleichbare 180qm liegt bei 22500 kWh. Wie komme ich auf diesen Wert: Die Energieabrechnungsfirma Techem hat 2017 in einer Studie den durchschnittlich nötigen Gasverbrauch zum Heizen eines Quadratmeters mit 125 kWh pro Jahr beziffert. Um nun auf den gesamten Jahresverbrauch zu kommen, einfach die Quadratmeterzahl der Wohnfläche mit diesen 125 kWh multiplizieren und schon haben wir den jeweiligen Durchschnittswert. Natürlich könnte man jetzt noch das Baujahr mit einberechnen, aber da wir bekanntlich eine Generalsanierung durchgeführt haben, hätten wir einen Mischwert. Außerdem sind die Werte nur grobe Richtlinien bzw. Anhaltspunkte. Aber selbst wenn wir das Baujahr bzw. das Sanierungsjahr einberechnen würden, liegen wir noch unter dem Durchschnitt.
Im Gegensatz zum Wasser ist beim Gas ein Wechsel des Anbieters durchaus möglich, ähnlich dem Wechsel beim Strom. Wer es „grün(er)“ möchte, sollte sich verschiedene (Bio-)gas-Anbieter anschauen. Genau hinschauen lohnt sich allerdings, denn die Preise können sehr variieren. Und bitte immer Äpfel mit Äpfeln vergleichen. Laufzeit, Boni usw. beachten. Gilt übrigens gleichermaßen beim Strom.

Mein Tipp: Wenn es Euch interessiert, einfach mal eine Übersicht zum Energieverbrauch anlegen. Wir haben unsere Werte der vergangenen Jahre vor Kurzem in einer Excel-Tabelle aufgeführt und so einen ganz guten Überblick bekommen. Mich hat schon gewundert, dass wir in allen Bereichen unter den Durchschnittswerten liegen. Obwohl wir jetzt nicht die allersparsamsten sind. Da scheint die energetische Sanierung doch so einiges auszumachen! Wie sagte einmal ein Freund „alles richtig gemacht!“ Und ja, rückblickend gesehen sind wir schon stolz auf den Umbau bzw. die Sanierung. Luft nach oben ist natürlich immer, keine Frage. Sobald wieder Geld und Lust vorhanden ist, ist die Außenfassade an der Reihe. Nach aktuellem Stand kommt eine Dämmung allerdings nicht in Frage: Zu wenig fensterlose Fläche vs. hohe Kosten. Und außerdem sind die langen Seiten des Hauses durch direkte angrenzende Nachbarhäuser quasi „gedämmt“. ABER, sollte das Gerüst für einen Anstrich stehen, kommt eine Photovoltaikanlage auf das Dach. Dies wird allerdings noch etwas dauern. Theoretisch könnten wir im Höfchen noch eine Zisterne installieren, kommt aber auf Grund des Aufwands und der hohen Kosten nicht in Frage. Aber theoretisch wäre es möglich.

Sollte ich mir nochmal ein Haus „gönnen“ (im nächsten Leben dann oder man weiß ja nie, ob man mal im Lotto gewinnt oder so…), dann wird es energetisch gesehen ganz autark. Große Photovoltaikanlage mit ordentlich Speicher für den Haushalt und das E-Auto (falls dann überhaupt noch ein eigenes Fahrzeug nötig ist), Wasser aus der Zisterne bzw. eigenem Brunnen – sowohl als Trinkwasser (dank Aufbereitung) und für sonstige Dinge wie z. B. Toilette. In Unterfranken leiden wir ja (fast) jeden Sommer unter Wasserknappheit, aber Hauptsache die Toiletten werden noch mit Trinkwasser gespült! Anyway, das ist wieder ein anderes Thema. Zur Wärmegewinnung wäre eine Kombination aus Wärmepumpe, Pelletheizung und/oder Strom (je nachdem wie hoch der Ertrag der Photovoltaikanlage ist) sinnvoll. Aktuell schwirrt mir auch noch Erdwärme im Kopf herum. Vermutlich halte ich Euch auch im nächsten Leben auf dem Laufenden.

Falls Ihr weitere Tipps und Tricks zwecks Energiesparen habt, gerne zu mir!

Frohe Weihnachten!

24. Dezember 2020 | Keine Kommentare |

Frohe und gesunde Weihnachten!

Große Liebe – der neue (LEGO® Technic™) Jeep Wrangler

18. Dezember 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Auch wenn wir aktuell noch nicht wissen können, was das kommende Jahr bringen wird, gehen wir einfach mal davon aus: Neues Jahr, neues Glück!
Was wir aber heute schon wissen: 2021 ist das Jahr des legendären Geländewagens der Marke Jeep. Das Unternehmen begeht im kommenden Jahr seinen 80. Geburtstag und feiert dies mit verschiedenen Highlights. Eines davon ist die allererste Kooperation zwischen den beiden Marken Lego und Jeep. Ich bin ja schon von klein auf ein Fan von LEGO® Technic™. Und als Mann ist meine nach wie vor bestehende Leidenschaft ja sicher verständlich, denn in jedem von uns steckt schließlich ein Kind! Außerdem zeigen Studien, dass spielerische Tätigkeiten gut sind, um fit zu altern. Man wird ja nicht jünger…!
Aber wovon rede ich hier eigentlich? Pünktlich zum 80jährigen Jubiläum gibt es einen LEGO® Technic™ Bausatz vom Jeep Wrangler Rubicon. Natürlich mit allem, was dazugehört, 4×4-System, robuste Reifen, umklappbare Rücksitze und dem klassischen Seven Slot Kühlergrill. Open-Air-Design UND funktionale Seilwinde sind ebenfalls integriert. Man weiß schließlich nie, ob man – trotz der Offroadbereifung – mal in einem Schlammloch stecken bleibt. Das kann natürlich auch im „Kleinen“ passieren, je nach Untergrund bzw. Offroad-Abenteuer.

Sehr schön finde ich die ganzen Details bis hin zur Beleuchtung und dem Ersatzrad. Die Lenkung erfolgt über ein griffsicheres Zahnrad und mit der gewohnt guten Achsverschränkung lassen sich Haus, Wohnung oder Garten ganz neu erkunden! Der Bausatz enthält 665 Teile (und aktuell ist er im Shop für 48,73 Euro hinterlegt). Alles in allem eine super umgesetzte Version des großen Offroad-Klassikers, die sich ganz individuell neu konfigurieren und zusammensetzen lässt.
Die Farbkombi des LEGO® Technic™ Jeep Wrangler ist gelb/schwarz. Aber in einschlägigen Lego-Shops (quasi im „Lego-Darknet“) gibt es sicherlich verschiedene Mods zur Verzierung, wer noch mehr Abwechslung möchte.

Wer den Jeep Wrangler Rubicon einmal live in Farbe und vor allem in Groß fahren möchte, der könnte sich den Wrangler Rubicon 392 anschauen. Eine weitere Weltpremiere, die es 2021 geben wird.

Der Rubicon besitzt einen 6,4-Liter-Hemi-V8 Motor und leistet ganze 470PS. Damit ist er in knapp 4,6 Sekunden von 0 auf 100. (Im Vergleich hat der Lego Rubicon wahrscheinlich noch knapp die Nase vorne.) Der „große“ besitzt eine noch bessere Geländegängigkeit als die anderen Modelle der Wrangler-Baureihe mit größeren Böschungswinkeln und einer Wat-Tiefe von bis zu 825 Millimetern. Gut, auch hier punktet der LEGO Rubicon. Dieser kann – je nach Armlänge – sogar tauchen und übertrifft den „großen“ wahrscheinlich um Längen! ;)
Sollte übrigens doch einmal das Wasser über die Motorhaube schwappen, so bekommt der 392er dennoch, dank eines ausgeklügelten Systems, genügend „Luft zum Atmen“. Ein weiterer Pluspunkt ist das Achtgang-Automatikgetriebe mit Schaltwippen am Lenkrad hat. Erstmals in einem Wrangler! Und es ist auch das erste Mal, dass der Achtzylindermotor als Werksoption für den Wrangler bestellbar ist. Sein Drehmoment liegt bei 637 Newtonmetern und fast 75% davon sind bereits knapp oberhalb der Leerlaufdrehzahl verfügbar. Nur so am Rande erwähnt… Laut Pressemitteilung handelt es sich beim Jeep Wrangler Rubicon 392 um den leistungsfähigsten Jeep der bisherigen Markengeschichte – passend zum anstehenden Jubiläum!

Allerdings wird es den 392er zunächst nur in Nordamerika zu kaufen geben. Wann und ob er überhaupt nach Europa kommen wird, ist fraglich. Deshalb begnügen wir uns vielleicht doch erst mit dem kleinen Modell?

Alle Bilder von Jeep®

Der Fall Julius – need help!

11. Dezember 2020 | 2 Kommentare | Schlagwörter: ,

Das Thema Obdachlosigkeit ist in Schweinfurt nicht so offensichtlich, wie es in den deutschen Großstädten ist. Aber ein, zwei Personen, die eindeutig auf der Straße leben, sieht man doch immer wieder mal bei uns. Und in diesem Zusammenhang brauche ich heute Eure Unterstützung!

Aber zuerst einmal, worum geht es überhaupt? Vor ein paar Jahren, ich vermute so ca. drei, fiel mir ein Mann mittleren Alters auf, der regelmäßig in der Fußgängerzone Geld sammelte. Manchmal überließen wir ihm etwas Kleingeld, er bedankte sich und wir gingen weiter. Ohne viele Worte auszutauschen. Ein Jahr später trafen wir ihn wieder. Er lebte augenscheinlich noch immer auf der Straße. Wir gaben ihm wieder etwas Kleingeld. Normalerweise gingen wir dann getrennte Wege, doch an einem kalten Tag im Winter kam mir spontan die Idee zu fragen, ob wir noch etwas für ihn tun können. Ich dachte an ein warmes Getränk, evtl. einen Kaffee. Er wiegelte ab. Ok, dachte ich mir. Ein paar Tage sah ich ihn wieder an „seinem“ Platz sitzen. Wir grüßten uns und ich fragte wieder: „Kann ich etwas Gutes für Dich tun? Brauchst Du evtl. eine Decke?“ Und er antwortete „Eine Decke wäre gut.“ Ab nach Hause und schauen, was wir noch im Haus haben. Eine Decke haben wir sicherlich übrig! Nur wenig später übergaben wir ihm eine Decke. Er bedankte sich, wir unterhielten uns kurz und gingen weiter.

Dann war er längere Zeit verschwunden. Ich kannte weder seinen Namen, noch wusste ich, wo er herkam, noch irgendeine Kleinigkeit. So ist das Leben. Doch dann kam Corona – die Obdachlosenunterkünfte mussten schließen. Und auch die Essensausgabestellen waren nicht mehr zu erreichen. Für uns alles kein Problem, denn die meisten von uns sind zum Glück gut versorgt – sogar mit Toilettenpapier und Hefe! Was man aus dieser Kombination basteln möchte? Keine Ahnung!
Zwischendurch dachte ich schon mal „Was macht er jetzt wohl?“. Da meine Gedanken raus mussten, unterhielt ich mich (via Chat) mit Heiko Kuschel. Wir kennen uns schon länger, hatten aber auch keine richtige Idee bzw. Lösung für die Frage „Was machen eigentlich Obdachlose in Zeiten von Corona?“

Die Zeit verging, die Zahlen sanken wieder und alles war augenscheinlich etwas besser. Aber der Herbst bzw. Winter kam und bei einem gewohnten Spaziergang sah ich ihn wieder. Auf der einen Seite war ich froh, dass er sich optisch nicht verändert hatte, auf der anderen ist es natürlich doof, dass er noch immer auf der Straße leben muss. Selbstverständlich begrüßten wir uns (er kannte mich auch noch) und wir unterhielten uns etwas länger. Auch seinen Namen verriet er mir „Julius“. Ich durfte ihn Julius nennen. Ja, das freute mich irgendwie. Keine Ahnung warum. Doch etwas bedrückte ihn. Wir unterhielten uns und er zeigte mir einen Zettel. Einen Mahnbescheid, ausgestellt von der Stadt Schweinfurt, der ihm in die Hand gedrückt worden war.

Ein Bußgeldbescheid wegen einmaligem „Urinierens in der Öffentlichkeit“ mit anhängendem Mahnverfahren, da der ursprüngliche Bescheid unbeantwortet blieb. Was sich daher auf insgesamt 108,50 Euro summiert. Julius soll nun insgesamt 108,50 Euro zahlen!? Es stellte sich natürlich heraus, dass er den Betrag einfach nicht zahlen kann. Er lebt ausschließlich von dem, was er von Passanten erhält und das sind definitiv keine großen Summen. Was von Rechtswegen dazu führt, dass bei Nicht-Zahlung einige Tage Haft drohen. Und davor hat er große Angst, sehr große Angst! Weil er sich ja eigentlich nicht viel zu Schulden kommen hat lassen. Natürlich könnte man jetzt sagen, es gibt öffentliche Toiletten, die auch jederzeit zugänglich sind. Andererseits war es im Corona-Frühjahr und ich kenne die genauen Umstände nicht und eigentlich ist es mir auch egal. Es ist passiert, er hat kein Geld und hat sehr große Angst, ins Gefängnis zu gehen.

Was tun, um zu helfen? Die Einspruchszeit war leider schon vergangen. Mein erster Gedanke war eine Ratenzahlung. Aber hey, wie soll das unter den Umständen gehen? Keine Chance! Also erst einmal bei den zuständigen Behörden anrufen. Die Stadtkasse selbst kann nichts machen, da es sich bereits um einen rechtskräftigen Bußgeldbescheid handelt. Ist auch verständlich, denn sie sind „nur“ für den Geldeingang zuständig. An dieser Stelle ein großes Lob an die Mitarbeiter der Stadtkasse, die wirklich helfen wollten und mit mir gemeinsam überlegt haben, welche Möglichkeiten es noch geben könnte! Nächster Schritt war das Ordnungsamt, das den Bescheid ausgestellt hat. Endlich bei der richtigen Ansprechpartnerin angekommen schilderte ich den Fall, doch ohne Erfolg.
Ich bekam nur Aussagen wie „In Deutschland muss schließlich niemand auf der Straße leben“ und an eine Lösung war nicht zu denken. Theoretisch kann sie von mir aus recht haben, praktisch sieht die Welt nun einfach mal anders aus und leider gibt es in unserem Land Menschen, die durch das Raster fallen. Menschlich gesehen sollte sie solche Aussagen vielleicht lieber lassen und mir platzte innerlich fast die Hutschnur. Anyway, eine Lösung gab es nicht. Diese hätte auf unbürokratischem Weg erfolgen können, nach Rücksprache mit dem Vorgesetzten hätte man sich auf ein Entgegenkommen einigen können, aber so ist es halt leider nicht. Als ich Julius sagte, dass es keine Chance gibt, war er den Tränen nahe. Doch so leicht geben wir nicht auf. Ich erfuhr, dass er am Vortag sowieso einen Termin bei einem Arzt der Diakonie hatte und dieser ihm sogar ein Attest ausgestellt hatte. Ein Lichtschimmer am Horizont, vielleicht konnte der Bußgeldbescheid auf dieser Basis doch noch zurückgezogen werden?

Die Diakonie Schweinfurt verschickte dieses Attest nun an die zuständige Behörde (sprich das Ordnungsamt). Ein paar Tage später (wir wissen, wie langsam die behördlichen Mühlen mahlen) klingelte ich im Namen von Julius nochmal durch und erkundigte mich nach dem Stand der Dinge.
„Ja, das Attest ist eingegangen, aber wir können nichts machen, da der Beschluss rechtskräftig ist. Möglich wäre ein Antrag auf Wiederaufnahme mit anschließendem Einspruch usw. Beides muss aber schlüssig begründet sein, da reicht nicht nur ein Attest“. Ja, ich war dann etwas rat- und sprachlos. Natürlich kann man nach wie vor auf das Recht bestehen, dann ist man menschlich gesehen halt ein Ar****. Wie soll Julius denn bitte schön DAS machen? Er ist obdachlos, hat kein Geld und benötigt einfach nur unbürokratisch Hilfe. Natürlich sieht die Stadt (bzw. die zuständige Dame) das nicht so und beharrte kontinuierlich auf ihr Recht. „Es hat jeder die Möglichkeit sich in einer Obdachlosenunterkunft zu melden…“. Es macht mich wütend und traurig zu gleich.

Rechtliche Schritte kann und wird Julius natürlich nicht einreichen. Bezahlen kann er leider auch nicht die ganze Summe. Somit wird er leider ohne unsere Hilfe in Haft gehen müssen. DAS möchte ich aber vermeiden. Auf Twitter hatte ich den Fall schon kurz geschildert und bekam bereits einige Anfragen zur Unterstützung. Deshalb habe ich jetzt ein Paypalkonto für Julius eingerichtet:

paypal.me/juliusSW

Er wird sich über jeden übrigen Euro/Cent freuen und sobald ich ihn wiedersehe, werde ich ihm sagen, dass Ihr toll seid! Vorab ganz herzlichen Dank!

P.S. Sollten es mehr als die benötigten 108,50 Euro werden, wird das übrige Geld an die Bahnhofsmission gespendet.

DANKE Euch!

Update: Ihr seid echt der Hammer! Das Ziel ist mehr als erreicht! Das Paypal-Spendenkonto lasse ich noch bis morgen offen. Falls noch jemand für die Bahnhofsmission spenden möchte, aber Julius ist definitiv geholfen. DANKE!

Update 2: Insgesamt sind 314,00 Euro eingegangen. Der Betrag (108,50 Euro) für Julius wurde an die Stadtkasse Schweinfurt überwiesen, damit das endlich erledigt ist. An dieser Stelle vielen Dank! Der restliche Betrag wird die nächsten Tage an die Bahnhofsmission gespendet. Wir geben natürlich auch noch unseren Teil dazu.

Update 3: Kurz vor Weihnachten haben wir den restlichen (+ unsere Aufstockung) an die Bahnhofsmission gespendet. Nochmals vielen lieben Dank an Euch! <3

Der „Follow-Me-Roboter“ GITA von Piaggio Fast Forward

20. November 2020 | Ein Kommentar | Schlagwörter: , ,

Roboter gehören mittlerweile immer häufiger zu unserem Leben dazu. Entweder im privaten Haushalt, wie z. B. mit den beliebten Staubsaugerrobotern, oder in der Industrie, wo sie ja schon seit langem im Einsatz sind. So wurde ich bereits vor über 25 Jahren an Industrieroboter herangeführt, als ich bei einem Automobilzulieferer tätig war. Dort schweißten Roboter die Rahmen für verschiedene Fahrzeuge zusammen und diese Schweißnähte mussten im Anschluss auf verschiedene Kriterien (wie z.B. Lufteinschlüsse) geprüft werden. Vermutlich war dies mein erster bewusster Kontakt zu Robotern. Heute gibt es immer mehr Anwendungen, die von Robotern übernommen werden können. Gut, in unserem Haus (5 Stockwerke) macht so ein Reinigungsroboter aktuell weniger Sinn. Treppensteigen gehört (noch) nicht zu den Kernkompetenzen eines Staubsaugerroboters. Wird aber sicherlich auch zukünftig ausgebaut werden.

Eine andere mögliche Art der Roboter-Anwendung bietet der von Piaggio Fast Forward entwickelte „GITA“, ein „Follow-Me-Transportroboter“. Dieser kann zum Beispiel kleine Einkäufe transportieren. Konkret stelle ich mir vor, wie genial ein GITA im persönlichen Einsatz wäre: Lästiges Schleppen der samstäglichen (coronabedingt aktuell nun freitags) Markteinkäufe entfällt, „GITA“ rollt einfach nebenher und übernimmt das. Alternativ könnte man z.B. Sportsachen verstauen oder die Weihnachtspäckchen auf dem Weg zur Post. Neben dem Einsatz Outdoor kann der Transportroboter natürlich auch Inhouse genutzt werden. Und könnte z.B. zukünftig eine Erleichterung für Senioren darstellen – die Möglichkeiten lassen sich sicherlich vielfältig ausbauen. Aktuell wird der kleine Helfer mit verschiedenen Partnern aus Tourismus, Einzelhandel und Gastronomie weiter erprobt. Und obwohl GITA momentan (leider) erst in den USA erhältlich ist, bin ich jetzt schon begeistert.
Warum startete der Vertrieb in der USA? Ganz einfach – dort ist der Einsatz von Robotern im öffentlichen Verkehrsraum bereits geregelt, bei uns in Europa bisher noch nicht.

In die ersten Pilotprogramme, die jetzt gestartet wurden, sind verschiedene Partner involviert. Zum Beispiel setzt der internationale Flughafen von Cincinnati „GITA“ ein, um Reisenden einen kontaktlosen, digitalen Concierge-Service zu bieten. Außerdem wird Gita bei anderen Prozessabläufen, wie beim Gepäck- und Frachtguttransport, ausprobiert. Oder „Delivery Co-op“, ein Unternehmen mit Sitz in Kentucky, welches sich auf die lokale Auslieferung von Lebensmitteln spezialisiert hat. Hier übernimmt Gita kontaktlose und damit gesundheitlich unbedenkliche Lieferungen im Nahbereich.

Die technischen Details: Mit einer Batteriekapazität für eine Nutzungsdauer von vier Stunden folgt Gita seinem Nutzer mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 10 km/h automatisch. Insgesamt hat der kleine Roboter eine Nutzlast von 20 kg, er selbst wiegt ca. 22kg. GITA ist mit einem Lithium-Ionen-Akku ausgestattet, der in unter 2 Stunden aufgeladen ist. Bluetooth und Wi-Fi sind auch kein Thema und wurden in der aktuellen Version verbaut. Der Preis liegt aktuell in den USA bei 3.250 Dollar (Umgerechnet ca. 2.740 Euro).

Kleinere Bordsteine sollen kein Hindernis darstellen. Da stellt sich die Frage, wie GITA auf verschiedene Untergründe, wie z.B. Pflastersteinen und/oder geschotterten Wegen reagiert. Sicherlich ist dies erst der Anfang der Entwicklung. Eine weitere Idee wäre, auf dem Deckel einen Photovoltaikkollektor zu installieren, um die Reichweite etwas zu steigern. Ob dies technisch umsetzbar ist, kann ich persönlich natürlich nicht beurteilen.
Auf jeden Fall eine Innovation, die den Alltag etwas einfacher machen könnte und evtl. auch dazu motivieren kann, häufiger kleinere Wege zu Fuß zu erledigen.

Bilder von Piaggio Fast Forward

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