Bon dì – Pistenglück in Cortina d’Ampezzo

20. Februar 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Nachdem ich der Felbertauernstraße einen Besuch abgestattet hatte, ging es für mich direkt weiter nach Italien. Genauer gesagt nach Cortina d’Ampezzo im Rahmen einer Pressereise. Cortina ist vielen bestimmt ein Begriff, zumindest den Wintersportfans unter uns, denn es ist ein renommiertes Wintersportzentrum. Die Älteren werden sich evtl. noch an die Olympischen Winterspiele 1956 erinnern. Alle anderen können sich jetzt schon das kommende Jahr vormerken, denn 2021 findet in Cortina D’Ampezzo erneut die Alpine Skiweltmeisterschaft statt. Und 2026, gemeinsam mit Mailand, die Olympischen Winterspiele, die vom  6. Februar bis 22. Februar  stattfinden werden. Also tragt die Termine ruhig schon einmal in den Kalender ein!

Cortina d’Ampezzo gehört zur Region Venetien und neben Italienisch wird in dieser Gegend auch Ladinisch gesprochen. Dabei handelt es sich um eine eigene Sprache, die nur in ein paar Alpentälern verbreitet ist und aktuell noch von insgesamt ca. 30.000 Personen gesprochen wird. Zum ersten Mal hatte ich Ladinisch im Val Badia (Gadertal) gehört und war begeistert.  Zwar kein Wort verstanden, aber trotzdem. Ladinisch war mal die verbreitetste Sprache in der Alpenregion und es gibt unterschiedliche Dialekte. Diese sind von Tal zu Tal verschieden und so kann es durchaus sein, dass man sich nicht auf Anhieb versteht. Meistens klappt es dann aber doch und falls nicht, Ladinisch kann man sehr gut mit italienisch kombinieren – so habe ich mir sagen lassen. Wir sprachen im Rahmen unserer Pressereise mit Elsa Zardini über die Kultur, die Sprache und die Region. Elsa ist Präsidentin der „Union de i Ladis de Anpezo“ und steht für alle fünf ladinischen Täler ein. Wer sich für die Traditionen interessiert, dem kann ich das völkerkundliche Museum wärmstens empfehlen.
Leider wird Ladinisch in Cortina nicht in der Schule gelehrt, so wie z.B. in Südtirol. Deshalb ist es umso wichtiger, die Sprache weiterhin zu erhalten.

Die Region um Cortina d’Ampezzo hat eine bewegte Geschichte hinter sich. So gibt es z. B. heute noch eine Art Selbstverwaltung, die „Regole“, welche bis zum 6. Jahrhundert zurückgeht. Alm- und Forstwirtschaft wird gemeinsam zum Wohle aller betrieben und noch heute wird dort kaum Privatbesitz zugelassen. Sämtliche Bebauungswünsche, Änderungen oder was auch immer, müssen erst durch die Augen der Regole laufen. Ziel dahinter ist, die Geschichte zu erhalten, aber auch die Region zu schützen. Auch der Naturpark Ampezzaner Dolomiten wird von den Regole verwaltet, im Gegensatz zu allen anderen Naturparks, die sich in öffentlicher Hand befinden. Wir bekamen einen spannenden Einblick in die Geschichte der Region mal außerhalb des Wintersporttourismus. Für mich sehr sympathisch, denn auch im Spessart gibt es noch ein paar alte Regeln, z.B. im Bereich Holzrechte. Diese gibt es ebenfalls nur im Spessart und wehe es mischt sich München oder Berlin ein!

Da wir schon bei Besonderheiten sind, verschlug es uns gleich am Anreisetag per Lift (und Ski) zum Starlight Room Dolomites 360°. Hierbei handelt es sich nicht um eine normale Hütte, sondern um eine um 360° drehbare mobile Unterkunft aus Holz und Glas. Der Starlight-Room liegt oberhalb der Col Gallina Hütte am Passo Falzarego. Beide Hütten sind im Besitz von Raniero Campigotto. Als er bei einer seiner Skitouren an diesem herrlichen Fleckchen Erde vorbeikam, packte es ihn und er dachte sich: „Warum soll nur ich diesen wunderschönen Ausblick genießen können?“  So war seine Idee geboren, hier etwas Besonderes hinzustellen, und einige Zeit später (genauer gesagt 2017) standen die 11qm Wohnfläche auf genau diesem Platz. So ist es jetzt möglich die Rundum-Aussicht zu genießen oder auch einfach nur vom Bett aus auf seinen Lieblingsgipfel zu blicken.
Innerhalb von 28 Minuten ist alles aufgebaut (quasi Lego in groß) und auch wieder abgebaut. Auch bei schlechtem Wetter oder sogar Gewitter muss man keine Angst haben, denn die Hütte ist wie ein faradayscher Käfig gestaltet und bietet dadurch Schutz. Heizung und Toilette sind natürlich vorhanden und um die Versorgung, wie Abendessen oder Frühstück, muss man sich keine Sorgen machen. Der „Lieferservice“ ist inklusive.  Preislich liegen wir allerdings bei 650 Euro für eine Nacht inkl. Transport, abendlichem 3-Gang Menü (mit Wein) und Frühstück. Es soll ja auch schließlich etwas ganz Besonderes sein.  Die Aussicht am Abend allein auf dem Berg muss gigantisch sein. Vermutlich würde ich nur in den Himmel schauen und das Schlafen vergessen.

Aber was wäre Cortina ohne Ski fahren? Fast unmöglich! So ging es für uns am nächsten Tag auf die Piste. Wettertechnisch hatten wir Glück, Sonnenschein war angesagt. Ein Blick aus unserem Hotel bestätigte dies. Wir übernachteten im Hotel Majoni, einem typisch italienischen Hotel, aber mit ungewöhnlich großer Frühstücksauswahl und zentral gelegen. Die Piste wartete und es ging ins Skigebiet Faloria-Cristallo, welches zum Verbund Dolomiti  Superski mit insgesamt 12 verschiedenen Skigebieten gehört, die man alle mit nur einem Pass nutzen kann. Wir trafen auf die Skilehrer der Scuola Sci Cortina. Ein lustiger Haufen, aber immer mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Profis halt! Die Skischule wurde schon 1933 gegründet und war die erste Skischule Italiens. Aktuell sind 130 Skilehrer/innen im Team und sie dürfen als einzige die Olympischen Ringe im Logo tragen – weltweit!

Blauer Himmel, etwas Neuschnee und schöne Berge – was will man mehr? Somit genossen wir unsere Abfahrten durch die verschneite Landschaft. Die Dolomiten sind schon etwas ganz Besonderes. Einen Vergleich mit einem anderen Skigebiet zu ziehen, ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Die Landschaft gepaart mit der schönen Aussicht, im Hintergrund die Cinque Torri – einfach einmalig. Es könnte sein, dass ich Sonnenbrand auf den Zähnen bzw. dem Zahnfleisch bekam. Einfach nur, weil es so herrlich war und ich dauernd über alle vier Backen grinsen musste.

Wer Sport macht, darf auch rasten. Und so machten wir einen Zwischenstopp im Rifugio Capanna Tondi. Neben dem obligatorischen Hopfenkaltgetränk musste ich die berühmten Casunziei probieren, gefüllte Nudeln in Halbmondform. Ein typisch ladinisches Gericht und äußerst lecker!

Wie es immer so ist, vergeht die Zeit wie im Flug und gerade beim Skifahren vergeht sie gefühlt noch viel schneller. An diesem Tag stand noch ein weiteres Skigebiet auf dem Programm, rund um die berühmten Cinque Torri. Was ich vergessen hatte zu erwähnen – am frühen Morgen hieß es: Pack die Badehose ein. Natürlich, man fährt immer mit einer Badehose im Gepäck Ski. ;). Nun, wir genossen zunächst ein paar Schwünge und fuhren mit einem Doppelsessellift, der gefühlt aus den 80ern ist. Entschleunigung pur! Mit dem Lift langsam nach oben zu fahren wird gerne unterschätzt. Für mich ist es schön, wenn die verschneite Landschaft langsam an einem vorbei gleitet.

Anyway, das Skigebiet um die fünf Türme (also die Cinque Torri) ist im Vergleich zum Gebiet vom Vormittag wieder ganz anders. Gefühlt weniger „unten“, sondern eher mit Bergpanorama. Unser Ziel war am späten Nachmittag das Rifugio Scoiattoli. Der Name „Scoiattoli“ lässt sich übrigens mit „Eichhörnchen“ übersetzen. Das Rifugio bietet einen kleinen Außenpool auf 2255m Höhe, quasi ein großes Holzfass, mit frischem Wasser gefüllt und per Holz auf Temperatur gebracht. Die Idee kam vom Chef (der die Hütte von den Regole gepachtet hat) und existiert schon seit mehr als 10 Jahren. Wir kennen es von den Finnen, die gerne draußen baden. So etwas musste auch in den Bergen möglich sein, war sein Gedanke. Und zack, da stand der Hot Tube. Und da wir in Italien sind, wo der Aperitivo einfach dazu gehört, wird hier beides kombiniert. „Der Aperitivo ist eine wunderbare Erfindung, die die endlos scheinende Zeit zwischen Feierabend und Abendessen erträglich macht.“ So sagt man. Also rein in die Badehose und ab in den Hot Tube. Draußen waren es so um die Minus 8 Grad, drinnen angenehm warm.

So genossen wir die Umgebung und unseren Aperitivo auf dem schwimmenden Holzbrett. Beim Ausstieg war es anschließend doch etwas frischer, aber was tut man nicht alles. Dieser Hot Tube kann natürlich auch gemietet werden und ist schon ein Highlight. Hey, ab sofort wird natürlich immer mit Badehose Ski gefahren! ;) Man weiß ja nie, was kommt. Nach einem Tag auf Skiern, dem warmen Wasser und anschließenden Essen hätte ich (fast) im Stehen einschlafen können, und so ging für uns ein wunderbarer Tag zu Ende.

Auch am nächsten Tag erwartete uns herrliches Wetter. Es war unser letzter Tag in Cortina d’Ampezzo – leider. Das dritte Skigebiet der Gegend stand heute auf unserem Programm, die legendäre „Olympia delle Tofane“. Und das mit keinem geringeren als mit dem sympathischen Kristian Ghedina, einem der erfolgreichsten Abfahrtsläufer Italiens. Kristian ist das Gesicht/Testimonial für die Alpine Skiweltmeisterschaft im nächsten Jahr. Und man spürt sofort, dass er Feuer und Flamme für seinen Sport, aber auch für die Region ist. Mit ihm waren wir also unterwegs auf den Abfahrtsstrecken, die z.T. auch im Rahmen der Weltmeisterschaften gefahren werden. Natürlich bei uns nicht ganz so schnell wie Kristian (und ohne seinen berühmten Grätschsprung), aber der Tofanaschuss mit seinen 70% Gefälle hat es schon in sich! Das Pistenerlebnis mit Kristian Ghedina kann man übrigens auch über die Skischule buchen, wenn man einmal ein besonderes Erlebnis haben möchte.

Zwischendurch machten wir Halt in der Berghütte Rifugio Pomedes. Auf dieser Hütte hat man einen super Überblick über Cortina und die umliegende Bergwelt. Sie hat zudem auch eine interessante Geschichte. Sie liegt auf 2340 Meter und wurde zu den Olympischen Winterspielen 1956 per Hand erbaut. Also nicht nur die Hütte, sondern das gesamte Material wurde per Hand nach oben getragen. Der Lift war zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig, aber man wollte unbedingt ein Restaurant für die damaligen Winterspiele haben. Aktuell ist die Hütte in der Hand von Renata Ghedina (über ein paar Ecken verwandt mit Kristian). Ihr Großvater Luigi war es, der die Hütte erbaute. Er gründete auch die Eichhörnchen (Scoiattoli), die in Kletterkreisen berühmt sind. Zudem legte er den Klettersteig „Punta Anna Ferrata“ an, einen der berühmtesten Klettersteige der Dolomiten. Renata hat das Erbe angetreten und wird es in Zukunft auch an ihre Kinder weitergeben. So lebt die schöne Tradition weiter.

Seit Kurzem ist übrigens auch die neue Gondola Freccia nel Cielo in Betrieb, eine Kabinenbahn, die die bestehende alte Pendelbahn ersetzte und Cortina d´Ampezzo (1.224 m) mit dem Gipfel Cima Tofana (3.244 m) verbindet. Um die Landschaft zu erhalten und die Aussicht auf die traumhafte Bergwelt zu bewahren, wurde die Anlage schonend in den Felsen integriert.

Für mich war es das erste Mal in Cortina d’Ampezzo und ich muss sagen, es war toll! Also unabhängig vom schönen Wetter. Hier kommt jeder Skifahrer auf seine Kosten, von hellblau bis hin zu dunkelschwarz sind alle Pisten dabei. Über das leckere Essen müssen wir in Cortina sowieso nicht sprechen, das versteht sich von selbst.

Ein ganz dickes Dankeschön geht an das Team von Cortina d’Ampezzo und alle Beteiligten, die dieses Erlebnis ermöglicht haben.

Ein Blick hinter die Kulissen der Felbertauernstraße

11. Februar 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Wenn man Richtung Alpen fährt, freut man sich ja immer schon beim ersten Anblick der Berge. Für mich ist es dieses schöne Gefühl, „nach Hause“ zu kommen. Das kann ich auch gar nicht oft genug wiederholen. Verbunden mit einem gewissen Respekt vor diesen Gipfeln. Genauso wie vor den Leistungen der Menschen, die rundherum zu Hause sind. Wer mit dem Auto unterwegs Richtung Süden ist, nutzt wahrscheinlich ab und an die Felbertauernstraße. Daher passte es für mich ideal, als die Felbertauernstraße zur Pressereise lud, um einmal hinter die Kulissen zu schauen.

Eine Pressereise rund um eine Straße? Ungewöhnlich! Doch genau das machte mich neugierig. Und die Chance, hinter die Kulissen zu schauen, nutze ich ja sowieso immer sehr gerne.
Bei der Felbertauernstraße handelt sich um die Lebensader zwischen Großvenediger und Großglockner. Und den schnellen Weg Richtung Osttirol, Kärnten und Italien. Die Strecke ist insgesamt 63 Kilometer lang und führt durch den Nationalpark Hohe Tauern und den Felbertauerntunnel. In diesem Tunnel befindet sich auch der Scheitelpunkt der Alpenstraße mit einer Seehöhe von 1650m. Die Strecke ist zu mehr als der Hälfte 3-spurig ausgebaut und je nach Fahrzeug wird eine geringe Maut erhoben. Ja, es handelt sich um eine geringe Maut, wie mir nach unserem Blick hinter die Kulissen erst richtig bewusst wurde. Für PKW und Wohnmobile werden aktuell 11 Euro fällig, für ein Motorrad sind es 10 Euro. Der Unterschied zwischen zwei und vier Rädern ist übrigens deshalb nicht sonderlich groß, weil ein Motorrad normalerweise deutlich länger bei der Bezahlung benötigt als ein PKW.
Eine Durchfahrt vom Tunnel mit dem Fahrrad ist nicht erlaubt, aber ein Shuttle kann zu jeder Tages- und Nachtzeit gebucht werden. Um nur ein paar Details zu nennen, die ich im Rahmen der Pressereise lernte. Die meisten Fahrzeuge kommen erwartungsgemäß aus Österreich. Dicht gefolgt von Deutschland (60% aller ausländischen Fahrzeuge). Und wer an Mariä Himmelfahrt (15. August) unterwegs ist, kann sich auf Wartezeiten einstellen. Das ist nämlich der Tag mit der höchsten Frequenz.

Die Felbertauernstraße ist – im Gegensatz zu einigen anderen Alpenstraßen – ganzjährig befahrbar.  Und wie das funktionieren kann, schauten wir uns mit dem Betriebsleiter der Felbertauern AG und seinen Mitarbeitern genauer an. Früh um 6:00 Uhr ging es für uns los ins Kontrollzentrum, für das Team vor Ort je nach Witterung natürlich schon einiges früher bzw. rund um die Uhr.
Die Felbertauernstraße wird „Schwarz“ geräumt. Das bedeutet natürlich nicht, dass für die Mitarbeiter (von denen es ca. 50 gibt) keine Sozialabgaben gezahlt werden. Schwarz-Räumung heißt, dass bis auf den Asphalt geräumt wird. Also weder Schnee noch Eis zu sehen sind. Eine besondere Herausforderung für Mensch und Material. Die Arbeit findet im Schichtsystem statt und bei schlechter Witterung stehen die insgesamt vier Streu- und Räumfahrzeuge nie still. Apropos Räumfahrzeuge: Wir durften sogar selbst Platz nehmen und eine Tour mitfahren. Der Schneepflug hat ca. 500PS und soweit möglich fahren sie ohne Schneeketten. Denn diese haben verschiedene Nachteile. Was allerdings super wichtig ist, sind gute Reifen. Daher werden diese in regelmäßigen Abständen überprüft.
Das Gesamtgewicht eines Schneepflugs liegt bei ca. 22 Tonnen und er kostet  (inkl. Streuer und Schaufel) so um die 250.000 Euro. Also falls jemand von Euch mit dem Gedanken spielen sollte, seinen Fuhrpark zu erweitern, es wird nicht ganz so günstig. Vielleicht hat aber auch nicht jeder eine Ein- bzw. Ausfahrt von 4 Metern zu Hause. Denn so breit ist das Fahrzeug und seine Räumbreite beträgt 3,5m.
Alternativ kann es vielleicht auch gerne eine Schneefräse sein? Dazu benötigt man nur einen passenden LKW (Unimog o.ä.), die Fräse und schon kann es losgehen.

Mega interessant! Um noch eine Zahl in den Raum zu werfen: Insgesamt werden ca. 100.000 Euro pro Saison für Salz ausgegeben. Das entspricht ca. 500-700 Tonnen. Jedes Jahr. Um die Sicherheit für den Verkehr zu gewährleisten. Und die Räumflotte legt in einem durchschnittlichen Winter 55.000 km zurück.
In den meisten Fällen nimmt man ja vor allem die Mitarbeiter vor Ort, also direkt auf der Straße, wahr. Selbstverständlich stecken noch viel mehr dahinter. Ein Blick in die Leitzentrale (die am Südportal des Felbertauerntunnels liegt) verrät deutlich, was alles zu tun ist. Der Tunnel spielt dabei eine zentrale Rolle. Auch hier heißt es „Savety first“. So befindet sich im Tunnel neben den üblichen Sicherheitsmaßnahmen, wie Notwege und Beleuchtung, auch eine Hochdrucknebelanlage. Ebenso sind Sensoren angebracht, die ein langsam fahrendes Fahrzeug bzw. einen Stillstand erkennen. Die Zentrale ist ständig besetzt und redundant ausgelegt. Sollte also irgendetwas schief gehen (was wir natürlich nicht hoffen), muss vorher schon ziemlich viel passiert sein. Vor Ort ist zusätzlich ein Löschfahrzeug vorhanden und einige Mitarbeiter (oder waren es sogar alle?) besitzen eine spezielle (Feuerwehr-)Ausbildung.
Natürlich dürfen kuriose Geschichten nicht fehlen: Einmal musste z.B. jemand im Tunnel auf die Toilette und konnte scheinbar überhaupt nicht mehr warten, jemand anderes stoppte und breitete seinen Gebetsteppich aus, weil gerade Gebetszeit war. Der nächste fröstelte anscheinend etwas und machte deshalb ein kleines Feuer im Tunnel. Da sind die Radfahrer, die trotz Verbot durch den Tunnel wollen, noch recht harmlos. Also langweilig wird es dem Team vor Ort sicherlich nicht!

Wer in den Bergen unterwegs ist, dem ist die Lawinengefahr nicht unbekannt. Auch hier gibt es viel zu beachten. Wusstet Ihr z.B., dass es bei den Galerien sogenannte Rückfangvorrichtungen gibt? Hintergrund ist, dass die Lawine bei einem Rückstau nicht in den Tunnel drückt. Soweit soll es allerdings erst gar nicht kommen. Um dies zu verhindern, wird (bei Neuschnee) immer ein Schneeprofil erstellt, mit den weiteren Wetterdaten abgeglichen und mit der hauseigenen Lawinenkommission besprochen. Bekanntermaßen ist Schnee aber nicht gleich Schnee. Was so viel heißt, dass dieser unten im Tal eine ganz andere Beschaffenheit haben kann, als oben auf dem Berg. Zur Beurteilung der Lawinengefahr werden die Hänge rund um die Felbertauernstraße per Helikopter abgeflogen und notfalls wird gesprengt. Also die potenziellen Lawinen. Auch das durften wir uns live und in Farbe anschauen. So flogen wir mit einem Mitglied der Lawinenkommission einmal über den Pass und schauten uns die Gegebenheiten von oben an.

Die Perspektive zu wechseln schadet nie. Was nämlich von unten so einfach und groß aussieht, sieht mit etwas Abstand betrachtet noch ganz anders aus. Und es ist schon bemerkenswert, was der Mensch leisten kann. Der Tunnel hat „nur“ eine Länge von knapp 5,5km. Doch durch welches Bergmassiv er gebaut wurde, erkennt man erst so richtig von oben.  Sollte es einmal einen Bergsturz geben (wie im Jahr 2013) werden sofort die Landesgeologen mit ins Boot geholt, um die weitere Vorgehensweise abzustimmen.
Ihr seht, es steckt ziemlich viel Arbeit dahinter, um auf solch einer Alpenstraße die Verkehrssicherheit zu jeder Jahreszeit zu gewährleisten. Es geht nicht nur um „räumen“ und „Geld kassieren“.
So wie ich die Jungs und Mädels nun kennenlernen durfte, ist es bestimmt auch für eine Gruppe möglich, einmal hinter die Kulissen zu schauen. Fragen kostet nichts!

Aber auch abseits der Straße gibt es einiges zu entdecken. Zum Beispiel das Gschlößtal mit herrlichem Blick auf die Venedigergruppe bzw. den Aufstieg (Ostanstieg) zum Großvenediger.
Das abgeschiedene Defereggental in Mitte der Hohen Tauern ist vermutlich manchen von Euch ein Begriff. Das Tal liegt unweit von der Felbertauernstraße, also ein Urlaubsziel, das super von dort zu erreichen ist. Das Hochgebirgstal gilt besonders im Winter als Kältepol. Trotz nicht so viel Schnee bekamen wir dies auf einem Spaziergang durch die winterliche Landschaft zu spüren. Ziel unserer Wanderung war das Heilwasserhaus in St. Jakob, wo aus ca. 1850m Tiefe äußerst mineralien- und jodhaltiges Heilwasser mit einem Alter von ca. 1 Million Jahren kommt. Damit ist das Deferegger Heilwasser eines der ältesten der Welt. Damals wurde es dort durch Plattenverschiebung eingeschlossen und heute werden ca. 400 Liter des Salzwassers pro Tag gefördert.

Trinken ist nicht zu empfehlen, das Wasser wird gesprüht, gewickelt oder als Badezusatz verwendet. Es ist absolut keimfrei, desinfiziert, regt die Zellerneuerung an und soll besonders gut bei Hautproblemen sein. Wie gut, dass ich keine habe. Aber auch bei Atemwegserkrankungen oder zur Entspannung für die Gelenke. Zur Vorsorge ging es im Anschluss in die Badewanne. Mit einem „Schuss“ Heilwasser. Vorbeugung ist alles und etwas Genuss schadet ja auch nicht.
Apropos Genuss. Wenn Ihr einmal im Defereggental seid und Euch äußerlich mit dem Heilwasser verwöhnt habt, solltet ihr unbedingt in der Schnapsbrennerei von Heimo Macher in St. Jakob vorbeischauen. Insgesamt ist Heimo schon seit 25 Jahren am Brennen. Erst als Hobby und später wurde daraus mehr. Er ist der einzige Brenner im ganzen Tal und verarbeitet ca. 20 Tonnen Früchte im Jahr. Die Qualität steht bei ihm ganz oben und genau das schmeckt man in seinen Bränden. Neben den Edelbränden setzt er verschiedene Liköre an, so dass für jede Geschmacksrichtung etwas dabei ist. Und zudem kommen noch immer neue Geschmacksrichtungen dazu, da Heimo gerne etwas Neues ausprobiert. Da konnte ich mir gleich ein paar Ideen holen! In Macher‘s Landhotel kann man übrigens auch lecker essen, so hat man gleich den kompletten Genuss.

Im Winter gehört zum Thema Genuss ja auch der Wintersport. Ausgehend von der Felbertauernstraße hat man ideale Möglichkeiten zum Skifahren, Schneeschuhwandern und mehr. Ebenfalls im Defereggental, genauer gesagt im Skizentrum St. Jakob. Ein kleines, aber sehr feines Skigebiet mit 7 Liften und 23,7km Pisten. Perfekt für Familien, denn von den Pisten her ist alles Nötige vorhanden, ob Blau, Rot oder Schwarz. Abseits vom Trubel ein echter Geheimtipp für alle, die es ruhiger und natürlich mögen. Skifahren kann ich ja nie genug, so war es ein schöner Abschluss meiner Reise um die Felbertrauernstraße.

Was ich gehört und gesehen habe, muss es in der Gegend auch im Sommer richtig schön sein. Zum „normalen“ wandern oder auch für Hochgebirgstouren. Dies gilt es das nächste Mal auszutesten. Und evtl. gibt es auch eine Baustelle auf der Straße, die es zu besichtigen gibt?!
Falls Ihr nach einer schönen Übernachtungsmöglichkeit im Tal sucht, kann ich euch das Alpinhotel Jesacherhof empfehlen. Direkt an der Piste, hübsche Zimmer, leckeres Essen, zudem noch ein schicker Wellnessbereich und die Gastgeber sind einfach nur klasse. Gastgeber aus Leidenschaft- so wie es sein sollte!

Ein ganz dickes Dankeschön geht an das Team der Felbertauernstraße und alle Beteiligten, die dieses Erlebnis ermöglicht haben. Die Jungs und Mädels sind einfach klasse und mit Herzblut bei ihrer Arbeit!

„Wissenschaftlich begleitetes Trinken“– im Schöffenamt

5. Februar 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

„Wissenschaftliches Trinken“ stand im Rahmen meiner Tätigkeit als Schöffe auf dem Programm. Wie kommt man dazu? Alkoholkonsum spielt in Gerichtsverhandlungen oft eine Rolle und nicht selten kommt es vor, dass Werte von 1,5 Promille und mehr erreicht werden. Sollte es da zu einem Unfall kommen, ist in den meisten Fällen die Physik Sieger im Duell Fahrzeug vs. Kurve. Was den Alkoholkonsum des Fahrers angeht, hört man dann im Anschluss durchaus interessante Angaben vor Gericht. Wahrscheinlich hat jeder von uns auch eigene Erfahrungen mit Alkohol gesammelt und seine Schlüsse daraus gezogen, aber die wenigsten wissen konkret, wie der Körper reagiert.
Von „unserem“ Gericht flatterte vor einiger Zeit das Angebot ins virtuelle Postfach, an einem „wissenschaftlich begleiteten Trinkversuch“ teilzunehmen, um eben mehr zu erfahren über die Reaktionen des Körpers. Die Begeisterung war bei vielen (Mit-)Schöffen recht groß, denn die Veranstaltung war schnell ausgebucht. Verständlich, denn wann bekommt man schon die Gelegenheit, an solch einer Selbsterfahrung teilzunehmen und u.a. verschiedene Situationen in einem Fahrsimulator auszuprobieren?

Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit dem BADS e.V. (Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr) und der Landessektion Bayern-Nord durchgeführt. Außerdem mit dabei war ein Präventionsprojekt der Stadt Schweinfurt „HaLT – Hart am LimiT“. Hier gab es einen kleinen Exkurs in die Welt der Jugendlichen. In unserem Einzugsgebiet kommen pro Jahr ca. 80 Jugendliche ins Krankenhaus mit Verdacht auf Alkoholvergiftung. Mit diesen wird in den folgenden Tagen gesprochen und ggf. Unterstützung angeboten. Ihr wisst schon, der frühe Vogel fängt den Wurm. Wer jetzt allerdings denkt: „Ich habe es schon immer gesagt, die Jugend von heute…“, der irrt. Das Verhalten von früher zu heute hat sich nämlich gar nicht großartig geändert. Und wenn ich zurück denke… früher im Spessart… ach, das lassen wir jetzt lieber. ;) Kommen wir lieber zurück zum Thema „HaLT“, das Präventionsprojekt gibt es an verschiedenen Standorten in Bayern, vielleicht gibt es ja auch ähnliches in anderen Bundesländern?

Neben dieser Vorstellung erhielten wir einen kleinen Vortrag aus der Rechtsmedizin mit Infos rund um den Alkoholkonsum, was die ein oder andere subjektive Wahrnehmung durchaus in anderes Licht rückte. Jedes Glas Bier oder Wein setzt in unserem Körper verschiedene Prozesse in Bewegung, abhängig von Körpergewicht, Trinkmenge und auch einem gewissen „Trainingseffekt“. Und wie bei einer Kontrolle der Alkoholgehalt genau festgestellt und zurückverfolgt werden kann, bekamen wir ebenfalls erklärt. Zu behaupten „Ich habe nur 2 Bier getrunken“ kann man durchaus bei einer Alkoholmessung von 1,1 Promille angeben, man darf sich dann allerdings nicht wundern, wenn die Blutprobe wartet. Falls man sich überhaupt noch wundern kann.  Super spannend und wir konnten/sollten dabei unsere mitgebrachten Alkoholika trinken.

Nachdem wir eine gewisse Menge getrunken hatten, hatten wir die Möglichkeit, in einem Fahrsimulator unter verschiedenen Bedingungen zu fahren. Bereits zu Beginn konnte jeder einmal den Fahrsimulator testen, entweder im nüchternen Zustand, oder mit voreingestelltem Promillewert. Nun also nach realem Alkoholkonsum. Das Alkoholmessgerät zeigte bei mir einen Wert von 0,5 Promille an. Also der Grenzwert im Straßenverkehr (ohne erkennbares Anzeichen von Fahrunsicherheit). Rein in den Sitz und los geht die (Test)Fahrt. Das Wetter war trocken, es war Nacht und ich war mit einem „normalen“ Fahrzeug (ABS+ESC) unterwegs. „Ist doch easy!“ Kam mir jedenfalls so vor. Tja… die Auswertung sagte etwas anderes: 2x Blinker nicht betätigt, 1x Abstand zum Vordermann zu gering (der kam aber auch nicht in die Gänge!), 2x zu schnell, 1x STOP-Schild nicht beachtet, 1x Verkehrsteilnehmer gefährdet und 1x Unfall. Mehr muss man dazu nicht sagen!

Fazit: Eine super Erfahrung – vielen Dank an die Orga – und egal, ob 0,5 oder 1,6 Promille Alkohol – das Auto bleibt stehen! Punkt!

Ein genauer Blick in den Bentley Flying Spur

29. Januar 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Mit der Präsentation der neuen Modelllinie „Bentley Flying Spur“ lässt uns das britische Unternehmen einen Blick hinter die Kulissen werfen. Wie oft bekommt man dazu schon mal die Möglichkeit? Heute geht es hier also nicht um Antrieb, Leistung oder Höchstgeschwindigkeit, sondern um die Innenausstattung des neuen Flying Spurs, übrigens mittlerweile die dritte Generation der britischen Luxuslimousine.
Wenn wir von der Innenausstattung sprechen, sprechen wir von hochwertiger Handwerkskunst.  Perfektionismus ist im neuen Bentley eine Frage der Selbstverständlichkeit. Ohne dabei das Individuelle vermissen zu lassen. Wie man es von Bentley gewohnt ist.

Das Interior besteht aus hochwertigem Leder, das komplett aus Nordeuropa bezogen wird (als Nebenprodukt des Fleischmarkts). Insgesamt sind es  350 Teile, die wiederum auf 60 Bauteile maßgeschneidert werden.  Und dazu werden mehr als drei Kilometer Faden verwendet. Faszinierend, oder? Dieser Prozess geht durch die Hände von 141 Bentley-Handwerkern, die zuvor ein fünfmonatiges Training durchlaufen, um die benötigten Handwerkstechniken zu lernen. Also nicht nur die Qualität der eingesetzten Waren ist sehr hoch, sondern auch die der Mitarbeiter.

Aus Sicht der Fahrer ist das Lenkrad DAS Herzstück des Innenraums. Man munkelt, dass das Lenkrad im neuen Bentley einmalig in der Automobilbranche ist. Insgesamt werden hier fünf Meter Faden verarbeitet, um 168 Kreuzstiche in Handarbeit zu fertigen. Dies schafft ein erfahrener Handwerker innerhalb von dreieinhalb Stunden. Selbst die Nadeln sind Sonderanfertigungen – unglaublich! Eine Maschine könnte niemals so arbeiten.

Um die vier Sitze in die endgültige Form zu bringen, werden insgesamt 12 Stunden Handarbeit benötigt. Als kleine Randnotiz: Die (optionalen) typischen Flügel in den Kopfstützen bestehen aus 5103 Einzelstichen. Man muss schon genau hinsehen, um Unterschiede zu erkennen. Besonders bei den Fäden gibt es aber einiges zu entdecken. Nehmen wir z. B. die Nähte an den Airbags. Diese sind etwas dünner, um die Sicherheit zu gewährleisten. Zum Designkonzept gehört auch, dass die Türen eine dreidimensionale Diamantensticker zieren.

Bentley Kunden haben den Luxus, aus 12 verschiedenen Lederfarben zu wählen und sich so ihren Innenraum individuell anzupassen. Dazu gibt es allein in der Standardausführung noch die Auswahl an 23 Kontrastfarben.
Einige würden dies wahrscheinlich für verrückt halten, ich finde nein. Handwerk ist und bleibt Handwerk und zudem werden Naturprodukte verarbeitet – was gibt es Besseres!? Britische Handwerkskunst „at ist best“.

Copyright: Alle Bilder von Bentley

Biathlon, Advent und Skifahren – das Pillerseetal

14. Januar 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Endlich wieder Berge und endlich wieder Schnee! So freute ich mich, als für mich im Dezember quasi die Wintersaison startete. Genauer gesagt wartete eine Pressereise ins Pillerseetal auf mich. Wer Biathlon verfolgt, dem wird das kleine Örtchen Hochfilzen im Pillerseetal ein Begriff sein. Schon früh war der schneesichere Ort als Biathlon-Metropole bekannt. Die erste Weltmeisterschaft wurde hier 1978 (ein sehr guter Jahrgang!) ausgetragen und seit ca. 2003 findet hier jährlich ein Großevent statt, entweder ein Weltcup oder die Biathlon-Weltmeisterschaften. 2017 wurden nochmals ca. 30 Millionen Euro in die Anlage investiert, um erneut bestens für die Austragung der Biathlon-Weltmeisterschaften gerüstet zu sein. Zum Biathlonsport kommen wir im Laufe dieses Blogposts aber noch genauer.
Das Pillerseetal hat selbstverständlich noch viel mehr zu bieten. Grundsätzlich gilt das Tal als schneereichste Region Tirols, was die durchschnittliche Neuschneemenge von 6,71 Metern pro Jahr deutlich zeigt. Perfekt für alle Wintersportfans! Daraus resultiert auch, dass bereits Mitte Dezember Biathlon Wettkämpfe ausgetragen werden können. Und Schneefans bis Ostern auf ihre Kosten kommen. Skifahren, Winterwandern, Langlauf, Schneeschuh oder Freeriden – alles ist möglich, genauso wie gemütliches Ausspannen mit Wellness und Genuss.

Ich war das erste Mal in dieser Ecke und entsprechend gespannt auf die Landschaft, die Menschen und die Region an sich. Die Anreise erfolgte ganz unkompliziert mit der Bahn bis Fieberbrunn. Trotz knapper Umstiegszeit verlief alles ohne Probleme. Zwar ist im Winter das Gepäck etwas sperriger, aber das funktioniert auch – Schwierigkeiten hatte ich noch nie. Beim Umstieg in München erkennt man übrigens sofort, dass der Zug in Richtung Italien (Bologna und/oder Verona) weiterfährt. Ein kurzer Blick zu den einsteigenden (eleganten) Passagieren genügt.
Mir geht ja immer das Herz auf, sobald Berge in Sicht kommen. Und gerade, wenn es das erste Mal in der Wintersaison ist, schlägt es noch ein kleines bisschen höher. Die Vorfreude stieg!

Im Pillerseetal gibt es, je nach eigenem Gusto, verschiedene Unterkünfte. Ob es die ruhige Ferienwohnung, die gemütliche Pension oder doch das Sterne-Hotel direkt an der Piste sein soll, jeder wird hier fündig. Wir verbrachten die Nächte im TUI BLUE Fieberbrunn. Ein neu hergerichtetes 4- Sterne Hotel, das direkt an der Piste liegt, nur wenige Meter von der Talstation entfernt. Je nach Ausrichtung des Zimmers könnte man also theoretisch vom Balkon aus gleich auf die Piste hüpfen. Also natürlich nur rein theoretisch.

Denn vorerst stand Biathlon auf dem Programm. Von Fieberbrunn ging es in das nahegelegene Hochfilzen. Tatsächlich wurde es fast mit jedem Meter kälter und es lag immer mehr Schnee.
Wir spürten auch gleich dieses gewisse Kribbeln einer Wettkampfstätte, als wir immer näher Richtung Stadion kamen. Normalerweise ist das Gebiet rund um das Stadion nicht zugänglich. Es handelt sich nämlich um militärisches Sperrgebiet, da sich die Loipe, das Stadion und alles was dazu gehört, auf einem Truppenübungsplatz des österreichischen Bundesheeres befinden. Für den BMW IBU Weltcup Biathlon wird allerdings immer eine Ausnahme gemacht. Trotz unserer frühen Ankunft wuselten die Athleten, Betreuer und alle drumherum bereits fleißig umher.

Das Sprintrennen der Damen begann um 11:30 Uhr und der Sprint der Herren folgte um 14:20 Uhr. Somit blieb uns genügend Zeit für einen Rundgang mit unserem Guide Manfred Neumayer. Biathlon ist seine Welt. Als Kampfrichter war er in sämtlichen Biathlon-Stadien der Welt unterwegs und kennt (vermutlich) alle Sportler mit Vor- und Nachnamen inkl. ihrer Bestzeiten. Genau deshalb kamen wir in verschiedene Ecken, in die man wahrscheinlich sonst kaum kommt und erfuhren viele Infos aus erster Hand. Zum Beispiel, dass die großen Biathlonnationen immer einen ganzen Truck mit Ausrüstung dabei haben. Oder jeder Athlet ca. 30 Paar Skier hat und insgesamt 30 Nationen gemeldet sind. Auch das Trainingszentrum selbst konnten wir begutachten. Schon beeindruckend, das alles mal zu sehen! In diesem Raum können die Bedingungen aller Wettkampfstätten simuliert werden. Inklusive Steigungen und Schneeverhältnisse. Ebenso ist nebenan ein Schießstand. Apropos schießen: Das Gewehr wird vor jedem Wettkampf gewogen. Es darf minimal 3,5kg wiegen und der Abzug muss einen Widerstand von 0,5kg besitzen. Der Wind ist übrigens nicht für die austretende Kugel problematisch, sondern er drückt eher auf das Gewehr.

Wir gingen anschließend auf die Strecke und Richtung Schießstand. Dort waren bereits einige Trainer anzutreffen. Unter anderem Siegfried Mazet (Trainer der Norweger). Ein sehr sympathischer Typ, der auf meine Frage, wann er denn ins deutsche Team wechselt, nur locker mit den Schultern zuckte und grinste. Danke nochmals an die tolle Führung und den Blick hinter die Kulissen!
Für uns hieß es nun aber ab auf die Tribüne und pünktlich zum Start bei den Damen Daumen drücken.

Wie bei den meisten Großereignissen, muss man einfach mitfiebern. Man wird von der Stimmung total angesteckt und da spielt es auch keine Rolle, welcher Läufer gerade an einem vorbei huscht. Geklatscht und angefeuert wird immer! Am besten ist allerdings die Stimmung während des Schießens. Erst völlige Stille im Stadion und nach jedem Treffer ein Aufschrei! Herrlich! Nicht umsonst ist Biathlon so ein beliebter Sport. Und ich kann Euch versichern, live und in Farbe ist es noch eine ganz andere Hausnummer, die Stimmung ist einfach genial! Gewonnen hatte übrigens die Italienerin Dorothea Wierer.
Zur Pause gab es dann für uns eine Stärkung im VIP-Zelt, wir hatten nämlich VIP-Karten bekommen. Auch wenn diese zwar teurer sind, muss ich sagen, es lohnt sich. Zum einen kann man sich im Zelt immer wieder aufwärmen und des Weiteren wird die lokale Gastronomieschule unterstützt. Warum? Die dortigen Lehrlinge sind für das Essen und den Ablauf verantwortlich, alleine deshalb ist es eine super Sache. Und das Essen war ein Traum mit regionalen Spezialitäten und mehr. Im Zelt schaut evtl. auch der ein oder andere Athlet um die Ecke. In Summe also Top! Aber auch mit den anderen Kartenkategorien kann man, glaube ich, nicht viel falsch machen.
Im Anschluss folgte das Rennen der Männer Also, wieder raus an die frische Luft (es war deutlich wärmer, als noch am Vormittag) und die Männer anfeuern. Leider ist ja Ole Einar Bjørndalen nicht mehr mit von der Partie, denn ihn hätte ich gerne einmal live gesehen. Anyway, natürlich war es auch so super und  die Stimmung genauso gut wie beim Damenrennen – einfach fabelhaft! Gewonnen hatte bei den Herren übrigens Johannes Thingnes Boe, unser Team stand diesmal leider nicht auf dem Treppchen (obwohl sie wirklich stark angefeuert wurden).

Nach dem Rennen wärmten wir uns erstmal im Hotel auf und wer wollte, nutzte das dortige BLUE-SPA-mit Sauna und Schwimmbad.
Natürlich hat das schneesichere Pillerseetal neben Biathlon noch viel mehr zu bieten. Skifahren zum Beispiel. Auf den ersten Blick wirkt das Skigebiet vielleicht gar nicht so groß, aber bei genauerer Betrachtung gehört der ganze „Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn“ dazu. Und damit 69 Liftanlagen, davon 27 Gondelbahnen, 21 Sessellifte und 21 Schlepp- beziehungsweise Übungslifte mit insgesamt 270 Kilometern Länge bestens präparierter Piste. Das Skigebiet liegt übrigens gleich in zwei österreichischen Bundesländern, Tirol und Salzburg.  Wir waren sowohl auf weniger stark sowie stärker frequentierten Pisten unterwegs. Wettertechnisch gesehen war es ok. Hauptsache kein Nebel und starker Schneefall, um die Mittagszeit ließ sich sogar die Sonne blicken.

Zu einem Skitag gehört selbstverständlich die Einkehr in einer Hütte. Wenn ihr schon „da oben“ seid, unbedingt einen Blick in den Berggasthof Wildalpgatterl werfen. Also nicht nur hinein werfen, sondern auch gerne hinein gehen. Und sich dann kulinarisch verwöhnen lassen. Kann ich Euch nur empfehlen! Familie Fürhapter ist mit Leib und Seele Gastgeber. Bei den Speisen schmeckt man die Qualität und auch die Liebe heraus. So etwas ist auf einer Hütte schon etwas Besonderes. Wer es noch gemütlicher möchte: Eine Übernachtung hier ist ebenfalls möglich (vermutlich aber bereits weit im Vorfeld zu buchen). So könnte man am Morgen als erster Schwünge auf der neu präparierten Piste ziehen. 

Wir besuchten das Pillerseetal in der gemütlichen Adventszeit. Für mich gehören zur Adventszeit ja  Plätzchen (am besten die selbstgemachten Heinerle bzw. Schokladinchen von Papa), Glühwein und/oder Punsch, Freunde und natürlich ein Besuch auf den Weihnachtsmarkt dazu. Und letzteres konnten wir auch am Pillersee erleben. Für uns ging es am Abend Richtung St. Ulrich am Pillersee, wo das Christkindldorf heimisch ist. Ein kleines Winterdorf bzw. Weihnachtsmarkt mit toller lokaler Handwerkskunst. Um die Bühne (direkt auf dem Pillersee) reihen sich Glasbläser, Holzschuhmacher, Drechsler, Federkielsticker oder auch Schnapsbrenner. Als Holzwurm musste ich natürlich bei den Schuhmachern vorbeischauen, die Holzschuhe/Clogs ganz nach Wunsch und mit edlem Finish – also mit Leder und/oder Fell – herstellen.
Selbstverständlich durfte der Genuss nicht zu kurz kommen. Und wenn schon ein Schnapsbrenner vor Ort ist, kann ich mir das nicht entgehen lassen. Keine Ahnung, wie viele Sorten Norbert Gidi Treffer (so sein Name) vor Ort dabei hatte, aber alle durchzutesten wäre einfach unmöglich gewesen. Laut seiner Aussage „macht er einfach“ und probiert viele Sorten aus. „Entweder schmeckt es, oder halt nicht“. Wenn in Tirol, muss ich Zirbe probieren. Lecker! Und ein Weihnachtsgeschenk (für mich selbst) wurde dann gleich mitgenommen.

Ich glaube, wenn wir nicht hätten gehen müssen, hätte ich mich noch lange mit Norbert bei einem guten Brand unterhalten. Aber mit einem letzten Blick zurück zum Christkindldorf ging es für uns wieder Richtung Hotel.
Und am nächsten Tag leider schon wieder nach Hause. Nicht ohne vorher zumindest noch kurz Magdalena Neuner zu grüßen, die an diesem Wochenende, wie viele andere, ebenfalls in unserem Hotel wohnte. Was ich beim nächsten Mal im schönen Pillerseetal ausprobieren möchte, ist selbst einmal die Kombination aus Langlauf und Schießen, denn in der Region kann man die Basics vom Biathlon testen. Leider ist die Zeit immer zu kurz, aber ich freue mich auf ein nächstes Mal!

Ein ganz dickes Dankeschön geht an das Team vom Tourismusverband Pillerseetal, die dieses Erlebnis ermöglicht haben.

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