Aus dem Schöffenleben – das erste Urteil

23. Juli 2019 | 2 Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Wieder einmal stand eine Gerichtsverhandlung für mich als Schöffe auf dem Programm. Die übliche Ladung flatterte rechtzeitig ins Haus. Eine kleine Änderung bzw. ein Zusatz machte mich kurz stutzig, statt einem Termin, wie in der Vergangenheit üblich, waren gleich zwei Termine vermerkt. Allerdings beide am gleichen Tag, von daher kein großer zusätzlicher Aufwand. Als Schöffe muss man einkalkulieren, dass ein Fall länger dauern kann und sollte den Gerichtstag sowieso nicht anderweitig verplanen.

Früh beim ersten Fall ging es wieder einmal um eine Berufung, was am Landgericht ziemlich häufig ist. Dieses Mal kam die Berufung „nur“ von Seiten der Staatsanwaltschaft. In den Fällen, in denen ich bisher beteiligt war, hatte immer die Verteidigung Berufung eingelegt und die Staatsanwaltschaft direkt im Anschluss reagiert und nachgezogen. Die Verteidigung, um eine geringere Strafe zu verhandeln, die Staatsanwaltschaft, um mindestens die selbst Strafe aus erster Instanz zu halten oder sogar eine höhere einzufordern.
Der Angeklagte hatte insgesamt vier Straftaten begangen. Zwei unter Alkoholeinfluss (ein Unfall ohne Personenschaden und mit Alkohol auf dem Fahrrad erwischt worden) und zwei weitere kleinere Dinge. Aus den vier Einzelstrafen wurde eine Gesamtstrafe gebildet. Es handelte sich um eine Geldstrafe, welche nicht unerheblich war. Soweit in Ordnung. Allerdings hat der Richter im Amtsgericht damals nicht bedacht, dass die Gesamtstrafe höher sein muss, als die höchste Einzelstrafe. In unserem konkreten Fall war sie allerdings genau gleich hoch, was so nicht sein darf, wie ich an diesem Tag gelernt habe. Theoretisch hätte es gereicht, wenn sie nur einen Euro höher gewesen wäre, war sie aber nicht. Daher die Berufung der Staatsanwaltschaft. Nach kurzer Verhandlung zogen wir uns zurück, einigten uns schnell und unser Urteil wurde anschließend durch den Vorsitzenden verkündet. Insgesamt eine etwas höhere Gesamtgeldstrafe. Da war es also – „mein“ erstes Urteil!

Der Tag war noch nicht zu Ende, eine weitere Verhandlung wartete kurz darauf. Erfahrungsgemäß ging ich wieder von einer Berufung aus. Und so war es dann auch. Konkret ging es um eine Körperverletzung. Ein Mann hatte im Streit seine Ehefrau in der Öffentlichkeit geschlagen und ein Zeuge hatte dies mitbekommen (so die Kurzform).
In erster Instanz hatte der Angeklagte eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung erhalten und fand diese ungerechtfertigt. Deshalb auch die Berufung der Verteidigung. Aus taktischen Gründen ging die Staatsanwaltschaft ebenso in Berufung. Aus der Vorinstanz war bekannt, dass der Angeklagte ein eher aufbrausender Typ sein sollte, auch während der Verhandlung. Vielleicht war deshalb ein Justizbeamter auf dem Gang postiert. Bei unserem Termin war er jedenfalls deutlich ruhiger. Es lief alles auf eine erneute Verurteilung hinaus. Wobei man der Fairness halber sagen muss, dass es ohne den Zeugen (der sehr glaubhaft war) sicherlich zu einem Freispruch gekommen wäre. Stichwort: Aussage gegen Aussage. Keine der Parteien (Verteidigung/Staatsanwaltschaft) wollte/konnte die Berufung zurückziehen und somit wurde das zweite Urteil an diesem Tag gefällt, es blieb bei der Verurteilung des Angeklagten.

Persönliches Fazit: Als Laie empfand ich die zwei Verhandlungen anstrengend. Weniger vom Inhalt, sondern eher konzentrationsbedingt. Das Abwägen von zig unterschiedlichen Aussagen und Beweisen, hineindenken und gedanklich umschalten etc. Aber trotzdem wieder sehr interessant, Schöffe zu sein macht mir enorm viel Spaß und ich freue mich auf den nächsten Termin, der schon in 2 Wochen wieder ansteht.

Die Outdoor by ISPO

4. Juli 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Vielleicht kennt ihr bereits die ISPO? Falls nein: Es handelt sich um eine der größten Messen für den Bereich Sportartikel und Sportmode, die u.a. im Januar in München stattfindet. Zusätzlich gibt es noch die „OutDoor by ISPO“, die, wie der Name schon vermuten lässt, eine Plattform für die Outdoor-Branche darstellt. Vom 30. Juni bis 3. Juli fand Europas größte Outdoormesse mit einem ganz neuen Konzept nun zum ersten Mal in München statt.

Da mich ja sowohl das Thema Reisen als auch das Thema Outdoor beschäftigen und auch auf dem Blog eine größere Rolle spielen, konnte ich mir den Besuch der Messe natürlich nicht entgehen lassen. Aktuell sind für dieses Jahr noch ein paar Gipfel eingeplant, also wenn Wetter und Körper mitspielen. Man weiß ja nie. Daher wird trainiert und ich schaue auch noch nach ein paar Teilen für die optimale Ausrüstung. Wie ich meinen Körper fit mache, erzähle ich Euch gerne demnächst mal in einem separaten Blogpost.

Insgesamt waren über 1000 Aussteller aus 35 Ländern vor Ort und verteilten sich auf neun Messehallen. Die OutDoor by ISPO stand unter dem Motto „There’s a perfect outdoor for everyone“. Das passt genau, denn gefühlt zieht es immer mehr Leute in diesen Bereich mit ganz unterschiedlichen Vorlieben und Ansprüchen. Persönlich habe ich den Boom erfahren, als ich einen Schlafplatz für zwei Personen auf einer Berghütte buchen wollte, ein paar Monate im Voraus. Es war schon schwierig, überhaupt noch ein Plätzchen zu finden und das sogar noch VOR dem Sommerstart der Hütte. Auch im näheren Umfeld steigt das Interesse an Outdoor-Aktivitäten – Stand-Up-Paddeling, Wandern, Bouldern, Laufen, Bergsteigen… um nur ein paar zu nennen.

Genau das spiegelt sich auch auf der Messe wider. Die Themen reichten von den klassischen Outdoor-Aktivitäten über Trailrunning, Wassersport und Co. bis hin zu Adventure Travel und Bike.
Über alle Segmente hinweg war ein Thema allgegenwärtig: Nachhaltigkeit. Diese ist längst zu einem absoluten Muss für die gesamte Outdoor-Branche geworden bzw. war ja in vielen Bereichen auch schon immer großes Thema.
Neben den bekannten Branchengrößen wie z.B. Thule waren kleinere Aussteller ebenso vertreten wie verschiedene Gemeinschaftsstände. So haben sich z.B. Unternehmen aus Oregon (im Westen der USA) zusammen getan, dem „Outdoor-Mutterland Nordamerikas“, wie sie selbst sagen. Da hätten wir z. B. FixnZip, die sich auf defekte Reißverschlüsse spezialisiert hat. Eine Nähmaschine schleppen die wenigsten mit auf Reisen, von daher ist dieses Tool eine perfekte kleine und handliche Lösung! Auch Six Moon Designs war am Oregon-Stand vertreten, ein Unternehmen, welches ultraleichte Zelte auf den Markt bringt. Egal ob in Form eines Ponchos, der anschließend zum Zelt „umgebaut“ wird, oder ein „normales“ Zelt – alles super leicht. Das hätte ich bei unserem Jungs-Trip zur Wanderung des Kungsleden brauchen können. Keine Menschen weit und breit, einfach zelten – ein Traum!

Neuartige Sensoren und Technologien finden ebenfalls immer breiteren Einsatz im Outdoor-Bereich, u.a. bietet Recco Sensoren an, die beispielsweise im Rahmen eines Lawinenunglücks Leben retten können. Trackingsysteme bzw. -Sensoren bleiben ein großes Thema für ganz unterschiedliche Einsätze. Ich bin ziemlich begeistert von meiner Suunto Uhr und finde es ein sehr spannendes Feld, das sicherlich noch viel mehr Möglichkeiten bietet.

Aber auch die „Klassiker“ dürfen nicht fehlen. Dazu zähle ich Ausrüstungsgegenstände wie Helme, Schuhe oder Regenhosen und -jacken. Ein Anbieter ist Dachstein, die früher bereits ziemlich bekannt waren, dann aber etwas vom Markt verschwunden sind. Nun ist Dachstein wieder stärker im Fokus und bringt langjährige Expertise mit, aber auch neue innovative Ansätze.
Ein weiteres Highlight für mich war Direct Alpine, die Outdoor-Bekleidung herstellen. Und zwar nicht irgendwelche, sondern mit super vielen Details, die gerade im Hochgebirge sehr hilfreich sein können. Mega durchdacht bzw. selbst erprobt. Ein Reißverschluss, der im Hals- bzw. Mundbereich nicht mittig angeordnet ist, sondern etwas versetzt. Warum? Weil es im Hochgebirge schnell sehr kalt werden kann und der Reißverschluss somit nicht durch den Atem festfrieren kann. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Persönliches Fazit von der Outdoor by ISPO: neben Herstellern, die mit viel Liebe und Leidenschaft hinter ihren Produkten stehen, findet man immer wieder Neuigkeiten und Verbesserungen. Zusätzlich gab es ein interessantes Rahmenprogramm mit „Erlebnis-Faktor“. Und nicht nur das Fachpublikum wird angesprochen, mit den OutDays gab es im Rahmen der OutDoor ISPO 33 Events und Aktionen in München und dem Münchner Umland bis in die Alpen hinein für Jedermann.

Die nächste Outdoor by ISPO findet vom 28. Juni bis 1. Juli 2020 statt – wir sehen uns!

50 Jahre Mondlandung – Zippo – Collectible Of The Year 2019

1. Juni 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Damals, am 21. Juli 1969, betraten die beiden US-Amerikaner Neil Armstrong und Buzz Aldrin bekanntermaßen zum ersten Mal den Mond (ja, ich weiß, die Landung selbst erfolgte bereits am 20. Juli, auch wenn der ein oder andere Aluhutträger das bezweifeln mag).
„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“ soll Neil Armstrong gesagt haben, als er den Mond betrat. Ich selbst bin ja total fasziniert vom Weltraum, z.B. was Astroalex im Rahmen seiner Mission gezeigt hat oder man auf den Social Media Kanälen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt erfahren kann. Beeindruckend. (Stichwort „Leuchtkuli“) Die Mondlandung verfolgten damals übrigens auch schon ca. 500 bis 600 Millionen Menschen per Liveübertragung am Fernsehgerät.

Nach Adam Ries(e) feiern wir in diesem Jahr also 50jähriges Jubiläum genau dieser Landung auf dem Mond. Ein Meilenstein der Geschichte, welcher eher aus politischem Drang geschah. Anyway, heute freuen wir uns darüber und genauso können sich die Sammler schöner Dinge unter Euch freuen.
Denn zu diesem Jubiläum gibt es ein Limited Edition Feuerzeug aus dem Hause Zippo, das „Collectible of the year 2019“.

Das Feuerzeug ist auf 14.000 Stück limitiert. Auf der Vorderseite ist ein Astronaut abgebildet, der die Erde wiegt, während sie über die Mondoberfläche steigt. Das ganze Feuerzeug funkelt in Anlehnung an die Galaxie. Noch ein kleines (aber gleichzeitig wichtiges) Detail: Es handelt sich beim Material um ein sogenanntes Armor® Gehäuse, welches 1,5x dicker ist, als die üblichen Zippo Gehäuse. Dies ermöglicht eine tiefere Gravur und somit eine detaillierte Oberflächenstruktur und ganz besondere Haptik. 30 Jahre Garantie sind bei Zippo selbstverständlich, das Motto „es funktioniert, oder wir reparieren es kostenfrei“ gilt. Zudem gibt es das Sammlerstück in einer hochwertigen (Geschenk)Box.

Natürlich wollt Ihr nun den Preis wissen, kenne Euch doch. Dieser liegt bei 169,00 Euro, was ich für das limitierte Exemplar nicht zu viel finde. In Relation gesehen sind 14.000 Stück ja nur ein Wimperschlag bei über 550 Millionen verkauften Modellen. Einmal ganz vom schicken Design abgesehen. I like.

Aus dem Schöffenleben – ein Fall für die Revision?

15. Mai 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , ,

Ein neuer Monat, ein neuer Fall. Nach dem letzten Betrug war es vor ein paar Tagen wieder soweit, ein weiterer Einsatz als Schöffe am Landgericht Schweinfurt stand auf dem Programm. Und da wieder etwas für mich Neues passierte, folgt hier der Infobericht aus dem Gericht.
Um was es in der Verhandlung ging, erfuhr ich, wie mittlerweile gewohnt, kurz vorher durch den vorsitzenden Richter. Im Schaukasten konnte ich bereits lesen, dass es sich um eine öffentliche Sitzung wegen Diebstahls handelte.

Gerichtsgebäude in Schweinfurt - Außenansicht

Dieses Mal waren alle Beteiligten rechtzeitig vor Ort und die Sitzung begann pünktlich um 8:30 Uhr. Apropos Sitzung, es handelte sich wieder einmal um eine Berufung. In erster Instanz wurde der Angeklagte wegen Diebstahls zu 11 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Genauer gesagt wegen sogenanntem „Computerdiebstahl“, es ging um das Geld abheben mit einer nicht ihm gehörenden Bankkarte. In diesem Fall gehörte die Karte der mittlerweile von ihm getrennten Ehefrau. Aufgrund diverser anderer Vorstrafen entschied die erste Instanz das Urteil ohne Bewährung, wogegen der Angeklagte Berufung eingelegt hatte.
Alles verlief zunächst nach Ablaufplan und – wie es schien – ohne besondere Vorkommnisse. Nach einer kleinen Weile rüttelte es allerdings an der Tür zum Besucherbereich. Kurz darauf öffnete sich die danebenliegende Tür zum Zeugenstand und jemand betrat den Saal.

Zack, da war er auch schon! Ein möglicher Grund zur Revision. Denn genau solche Kleinigkeiten können es ausmachen, dass es zu einer Revision kommt. Also dass ein Urteil im Nachgang auf Rechtsfehler überprüft bzw. „angefochten“ wird.
Denn wie bereits erwähnt, handelte es sich bei uns um eine öffentliche Sitzung. Und eine der Türen, nämlich die zum Besucherbereich, war verschlossen, was dabei nicht sein darf. Jetzt könnte man sagen, dass es sich (in unserem Fall) um eine Zeugin handelte, die sowieso draußen hätte warten müssen, also alles nicht so schlimm. So einfach ist es aber nicht, denn theoretisch könnten auch vorher bereits Besucher vor verschlossener Tür gestanden haben und mit dem Gedanken „Komisch, eigentlich eine öffentliche Verhandlung und die Türe ist verschlossen? … naja, dann geh ich wieder!“ von dannen gezogen sein. Ohne dass es das Gericht mitbekommen hat. Und das wäre dann ein möglicher Revisionsgrund.
Wie kam es dazu? Es wurde schlichtweg vergessen, die Tür aufzuschließen, was natürlich schnellstens nachgeholt wurde. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, einigten sich beide Seiten darauf, die Verhandlung noch einmal von vorne beginnen zu lassen. Das ist natürlich auch etwas ärgerlich, aber dennoch besser, als einen ganz neuen Termin einzuberufen oder im anderen Fall den Grund zur Revision zu liefern. Wie heißt es so schön, Fehler passieren.

Kommen wir noch kurz zurück zum Inhalt unserer Verhandlung. Wie in bisher all meinen Verhandlungen als Schöffe, wurde auch diesmal die Berufung (von beiden Parteien) zurückgezogen und der Angeklagte muss nun für die ursprünglich festgelegten 11 Monate seine Strafe absitzen. Eine Bankkarte „ausleihen“ und anschließend damit Geld abheben lohnt sich halt einfach nicht. ;)

Aus dem Schöffenleben – Betrug ist Betrug

24. April 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Dass meine kurzen Berichte aus dem Schöffenleben für Euch so interessant sind, hätte ich gar nicht gedacht. Daher gibt es heute mal wieder eine Fortsetzung. Nachdem die letzten zwei Gerichtstermine für mich ausfielen (vielleicht weil eine Berufung zurückgezogen wurde o. ä.), ging es neulich wieder in den Gerichtssaal am Landgericht Schweinfurt. Vor dem Termin wusste ich nicht, was mich erwartet. Wird es der gleiche Vorsitzende Richter sein wie beim ersten Mal? Und der gleiche Mit-Schöffe? Und die wichtigste Frage überhaupt: Was wird verhandelt? Nun, die ersten beiden Fragen klärten sich schnell. Wir werden die nun kommenden Verhandlungen immer in unserem gleichen 3er Team durchführen. Den jeweiligen Fall erläutert uns Schöffen dann der Berufsrichter vorab.

Dieses Mal sollte der zu verhandelnde Berufungstermin um 8:30 Uhr starten. Aber wie es immer so ist, Planungen sind die eine Sache, die Realität eine andere. Die Angeklagte meldete sich krank, konnte allerdings kein Attest vorlegen. Daher wurde ihr dringend angeraten, unbedingt vor Gericht zu erscheinen, was sie dann eine Stunde später auch tat.
In erster Instanz hatte sie für einen Betrugsfall am Amtsgericht Schweinfurt 6 Monate OHNE Bewährung erhalten (aufgrund verschiedener Vorstrafen usw.). Kurz danach wurde die Angeklagte in einer anderen Verhandlung (unabhängig von unserem Fall) vom Amtsgericht Münnerstadt zu 6 Monaten MIT Bewährung verurteilt.

Gegen das Urteil des Amtsgerichts Schweinfurt hatten sowohl die Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, weswegen ich als Schöffe schließlich dort war. Im Rahmen der Verhandlung zogen dann sowohl Angeklagte als auch Staatsanwaltschaft ihre Berufung zurück, was für die Angeklagte sogar sinnvoller ist. Warum das?
Nun wird es für den Laien etwas knifflig. Mir wurde erklärt, dass normalerweise das Gericht, bei dem das letzte Urteil gesprochen wurde, für den weiteren Verlauf zuständig ist. Denn es gibt jetzt zwei Urteile mit gleichem Strafmaß, die beide noch nicht angetreten wurden. Konkret heißt das, ohne eine Berufung in Schweinfurt ist das Amtsgericht in Münnerstadt zuständig für die Strafe. Dort hat die Angeklagte voraussichtlich Aussichten auf eine etwas milderes Maß bzw. die Strafe MIT Bewährung (aber plus Auflagen). Das liegt allerdings nicht mehr in unserer Hand und ist daher nur eine Vermutung. Erfahrungsgemäß nähert man sich in der Praxis bei solch „kleineren Fällen“ aber der goldenen Mitte und es werden (vermutlich) 9 Monate mit Bewährung plus Auflagen. Richtig, 2x 6 Monate ergibt natürlich nicht 9, für die Angeklagte war es somit besser, die Berufung zurückzunehmen.

Des Weiteren wolltet Ihr wissen, ob Verhandlungstermine irgendwo vorher einsehbar sind. In Schweinfurt werden die sogenannten „Sitzungslisten“ nicht veröffentlicht und Besucher müssen sich auf gut Glück vor Ort am Aushang über öffentliche Verhandlungen informieren.
Derzeitig sind montags bis donnerstags (im Regelfall) drei Strafrichter/Innen des Amtsgerichts aktiv, wobei zwei der Kollegen auch Ordnungswidrigkeiten verhandeln, die meist weniger spannend sind. Dazu kommen noch Sitzungen der Strafkammern am Landgericht. Wer, was, wann verhandelt, liegt bei den jeweiligen Richtern. Manchmal kann es durchaus sein, dass man durch die Presse im Vorfeld auf einen Termin aufmerksam wird.
Und wie hat es ein Richter so schön gesagt: „…kurzfristige Berufungs- oder Einspruchsrücknahmen, spontane Erkrankungen von Zeugen und/oder Angeklagten lassen unsere Kalender manchmal sehr lebendig werden.“ Und ja, das stimmt!

Die Ladung für meinen nächsten Termin im Mai habe ich bereits erhalten und ich bin gespannt, um was es sich dieses Mal drehen wird. Stay tuned!

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