Gemeinsam auf Tour – Wandern rund um den Zabelstein

25. Juli 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Bereits im Sommer 2019 waren zwei Abenteurer unterwegs im Wettersteingebirge, erkundeten die Umgebung, lernten die einheimischen Traditionen kennen und mussten notgedrungen die Flucht vor einem Gewitter antreten. Um diese Erfahrung reicher begaben sich die beiden – nun fast ein Jahr später – wieder auf gemeinsame Wanderschaft. Dieses Mal allerdings nicht in den Alpen, sondern in der fränkischen Heimat eines der Wanderfreunde. Genauer gesagt ging es auf eine Rundtour um den Zabelstein im Steigerwald.

Auf der ausgewählten, ca. 30km langen Tour erlebten die beiden Natur, Kultur und einige unvorhersehbare Geschichten, die ich nun versuche, hier im Detail zu schildern. Selbstverständlich mit der dazugehörigen Routenbeschreibung.
Rund um den Zabelstein gibt es verschiedene Wanderwege. Bei der ausgewählten Rundtour handelt es sich nicht um einen einzelnen, durchgehend ausgeschilderten Weg, sondern die Route setzt sich aus verschiedenen Wegen zusammen. Angeschrieben ist sie mit 30,3km, einer Gehdauer von 8 Stunden und einem Höhenunterschied von 530m.
Unser Startpunkt war das kleine Städtchen Gerolzhofen im südlichen Landkreis Schweinfurt. Ca. 22km von Schweinfurt selbst entfernt geht es am Parkplatz „Klesenmühle“ bzw. dem „Steigerwald-Motodrom Gerolzhofen“ los. Ok, „Parkplatz“ ist vielleicht übertrieben, aber normalerweise sollte man immer ein Plätzchen finden. Anyway, die Wanderschuhe wurden geschnürt und die Tracking- bzw. Navigationsmöglichkeiten gestartet. Das Wetter war sonnig, die Temperatur lag bei angenehmen 20 Grad Celsius und die Stimmung war ausgezeichnet. Und so ging es Richtung Süden zunächst der Markierung „blauer Löffel“ entlang. Gut, nach blauem Löffel sieht die Markierung nur mit etwas Fantasie aus – also einfach irgendwas Blauem folgen. ;) Leicht hangaufwärts erreichten wir nach kurzer Zeit einen ehemaligen Jüdischen Friedhof und gingen den Weg weiter hinauf zum Kapellberg bzw. zur Gertraudiskapelle. Zwischenzeitlich sind wir etwas vom ursprünglichen Weg abgekommen, was eher an unserer Unterhaltung lag, als an der Markierung.

Die Sonne prasselte mittlerweile unaufhörlich auf uns herab und der Weg führte uns weiter, vorbei an Fluren und Feldern. Zwischendurch kam es uns fast vor wie in Frankreich. Befanden sich die beiden Abenteurer überhaupt noch in Franken?
Als wir am „neuen See“ vorbeigingen, konnten wir wieder Wald entdecken. Genau in diesen führte uns unser Weg. Vorbei an einem schönen Waldkindergarten liefen wir durch Streuobstwiesen und immer am Wald entlang, um in einer Schutzhütte (oberhalb der Weinlage „Wiebelsberger Dachs“) eine Trinkpause einzulegen. Schöne Aussicht inklusive. Der „blaue Löffel“ ließ uns nicht los und wir folgten dem Weg bis die Anhöhe „Waldesruh“ erschien. Wir waren froh, dass es bis dahin immer im Wald entlang ging. Denn gefühlt waren es mittlerweile 30 Grad und nicht eine Spur von einem Windhauch. Nun ging es aus dem Wald heraus in Richtung Michelau im Steigerwald. Dort feierte „Schorsch“ seinen 60. Geburtstag mit der örtlichen Feuerwehr. Tut zwar nichts zur Sache, aber solche Feierlichkeiten dürfen ruhig erwähnt werden. Bisher war es nämlich „nur“ eine normale Wanderung ohne gravierende Ereignisse.

Wenn man in Unterfranken bzw. im Steigerwald unterwegs ist, trifft man (fast) überall auf den Kelten-Erlebnisweg. So auch auf dieser Runde. Von den Kelten ist hier aber nicht sonderlich viel übrig geblieben, außer ein paar Anhäufungen und verschiedenen Wegen. Passiert. Zudem kreuzt der Steigerwald-Panoramaweg mit seinem grün-geschwungenen „S“ auf weißem Hintergrund unsere Route. Diesem folgten wir bis zum Aussichtspunkt „Eulenblick“ mit herrlichem Blick auf Michelau und das Schweinfurter Becken bis zur Rhön. Unsere hier neu gewonnenen Freunde (Ziegen und Schafe) wollten uns aber nicht begleiten und so gingen wir allein weiter. Glaube ihnen war es einfach zu warm.

Die ersten 10km hatten wir bereits hinter uns gelassen und nun führte unser Weg durch das Örtchen Prüßberg. Ein kleines, verschlafenes Dörfchen. Vermutlich lag es daran, dass wir an einem Samstag unterwegs waren. Denn samstags wird in Franken schließlich geschafft! Am Gasthaus „Vollburg“ vorbei ging es rechts ab und man biegt anschließend wieder auf den Kelten-Erlebnisweg ab (hier also NICHT weiter auf dem Steigerwald-Panoramaweg). Nach einem kleinen Anstieg stießen wir dann aber wieder auf „unseren“ Steigerwald-Panoramaweg. Dieser führte uns auf einem schönen Pfad immer weiter in Richtung Burgruine Zabelstein. Dort hatten wir die Hälfte unserer Strecke erreicht und gönnten uns eine Rast mitten in der Burgruine. Normalerweise gibt es hier in den Sommermonaten einen kleinen Ausschank, der aber aktuell Corona-bedingt geschlossen hatte. Außerdem gibt es auf dem Zabelstein eigentlich einen Aussichtsturm, doch zu unserer Wander-Zeit wurde dieser gerade erneuert bzw. wird ganz neu gebaut und vermutlich erst 2021 wieder begehbar sein.

Die Burgruine Zabelstein dürfte so um 1000 erbaut worden sein und es gibt „nur“ Mauerreste zu sehen. Aber auch das ist spannend und daher der Zabelstein immer ein lohnendes Ausflugsziel. Wir machten uns nach unserer verdienten Pause wieder auf den Weg ins Tal Richtung Falkenberg. Als Wegmarkierung diente uns jetzt weiterhin der Steigerwald-Panoramaweg. Nach ein paar Höhenmetern erreichten wir das Ende vom Wald und blickten in eine sehr schöne Weinlage. Hierbei handelt es sich um die Weinlage „Donnersdorfer Falkenberg“ mit ihren über 50 Weinbergshäuschen. Diese Häuschen dienten früher als Wasserreservoir und heute meist als Lagerschuppen, bzw. sind sie wahrscheinlich perfekt geeignet für private Feiern. Für uns auf jeden Fall: Sehr schön anzusehen.
„Unten“ im Tal angekommen (der Weg ist ohne GPS etwas tricky zu finden, weil es hier unterschiedliche Abzweige und Markierungen gibt), könnte man theoretisch direkt nach Falkenstein abbiegen. Dort soll es nette Einkehrmöglichkeiten geben. Wir ließen uns davon allerdings nicht ablenken – schließlich hatten wir gerade erst eine Pause – und gingen zunächst weiter der Markierung „D1“ entlang, um anschließend der Markierung „D3“ zu folgen (aber fragt mich bitte nicht, was diese Markierungen bedeuten) – immer weiter durch Feld und Flur. Vorbei an Sonnenblumenfeldern und herrlicher fränkischer Landschaft.

Nun führte uns ein Schotterweg in das nahegelegene Waldstück. Diesem Weg folgten wir weiter, vorbei an fleißigen (und nicht sehr gesprächigen) Waldarbeitern. Auch ihr Motto: „Samstags wird geschafft“, welches wir selbstverständlich akzeptierten.
Die nächste Begegnung mit den Einheimischen des Steigerwaldes erwartete uns, als wir den Wald auf einem schönen Pfad wieder verließen. Am Ende des Waldstücks empfing uns „Die Chefin“ mit den Worten „Oh, da kommen ja zwei junge Burschen, die sicherlich mal eben mit anpacken wollen!“. Herzlich, aber gleichzeitig auch bestimmend. So konnten wir gar nicht anders und packten selbstverständlich mit an. Vielleicht auch, weil sie uns netterweise als „jung“ bezeichnet hat! Es ging darum, „der Chefin“ und ihren vier Begleitern (alle 60plus) zu helfen, einen Pavillon aufzustellen, in dem sie donnerstags und sonntags an dieser Stelle Verpflegung für (wohl zahlreich) vorbeikommende Gäste anbietet. Dass Unterstützung benötigt wurde lag aber weniger am Alter, als vielmehr an fehlender Größe. In Windeseile stand also der Pavillon an dem gewünschten Platz. Als Gegenleistung bekamen wir eine kostenlose Spezi und erfuhren einige Infos und Geschichten aus der Umgebung. Laut einer bekannten Sage gab es im benachbarten Ort Traustadt ein Schloss. Vor ca. 300 Jahren verschwand die Tochter des Schlossherrn für eine kurze Zeit. Als sie wiederauftauchte, ließen die Eltern zum Dank die Dreifaltigkeitskirche erbauen inkl. zwei Kastanien. Das nächste Ziel unserer Wanderung war damit klar. Wer also einmal vor Ort sein sollte, schaut einmal am Waldrand vorbei bitte, von uns einen schönen Gruß an „die Chefin“ ausrichten – ihr werdet sie sicherlich erkennen. Danke!

Die Dreifaltigkeitskirche lag eh auf unserem Weg, war allerdings leider verschlossen. Und somit gingen wir (ohne Gebet) weiter direkt nach Traustadt (der Ort mit dem Schloss – der Sage nach, zu sehen ist hier nämlich nichts mehr). Im Ort selbst wechselten wir wieder einmal die Wegmarkierung und folgten nun dem „Burgherrenblick“ (grüner Turm) bis nach Bischwind. Der Weg führte uns wieder vorbei an Sonnenblumen- und Maisfeldern und anschließend auf den Fränkischen Marienweg. Wieder heraus aus Bischwind erreichten wir nach kurzer Wegstrecke, passend zum Marienweg, die Marienkapelle. Hiervor saßen drei (einheimische) Herren, die ihr Gespräch abrupt beendeten, als sie uns sahen. Die dazugehörigen Damen befanden sich in der Kapelle und tauschten sich rege (vermutlich) über die Gegebenheiten im Dorf aus. Auch mit den Herren kamen wir ins Gespräch, mussten uns aber leider bald wieder verabschieden und den Weg fortsetzen. Wir waren schließlich schon lange unterwegs und befanden uns quasi im Endspurt. Unabhängig von den Kirchen- und Kapellen könnte es sich beim Fränkischen Marienweg aber um eine super schöne Weitwanderung handeln. Das wäre doch vielleicht auch was für Marco und mich, man könnte ja auch mal für einen guten Zweck wandern?
In der Ferne sahen wir bereits wieder unseren Ausgangsort und nach weiteren 2km bogen wir auf die letzten Meter zurück zum Parkplatz.

Zusammenfassend waren es:
Länge: 30,74 km
Dauer: 8 Stunden und 13 Minuten (die reine Gehzeit lag bei ca. 6 Stunden und 40 Minuten)
Aufstieg: 553m
Temperatur: lag bei 27 Grad <- so als Zusatzinfo

Tipp:
Auf Grund der vielen unterschiedlichen Wegmarkierungen am besten die GPS-Daten besorgen. Diese sind im Buch „Fränkische Wanderberge – Zwischen Rhön und Altmühltal“ zu finden. Aber auch auf Komoot haben wir unsere Tour hinterlegt.

Bei Fragen entweder das Kommentarfeld nutzen, oder uns auf den verschiedenen Social Media Kanälen kontaktieren. Auf jeden Fall war es eine schöne und abwechslungsreiche, mal etwas längere Tour!

(Bilder von Marco und mir)

Der Steinbock – „König der Alpen“ im Pitztal

16. Juli 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Früher (als ich noch jung war) war ich regelmäßig mit meiner Familie in den Bergen. Einer meiner ersten (und nach wie vor einer der Lieblings-) Urlaubsorte liegt in Tirol kurz hinter Imst, in den Ötztaler Alpen. Im Sommer verweilten wir meist zwei Wochen am Stück, im Winter „nur“ eine Woche – und das immer bei den gleichen Gastgebern. Diese sind jetzt quasi wie meine zweite Familie. Aus diesem Grund kenne ich also einen guten Teil der umliegenden Gipfel. Oberhalb der Baumgrenze (die auf ca. 2000 Metern liegt) fühlte ich mich schon immer wohl und so entstanden viele schöne Erinnerungen.
Einmal, als die ursprünglich geplante Tour auf Grund von heftigen Regenfällen abgebrochen werden musste, saß zum Beispiel ein ausgewachsenes Murmeltier (und was für ein Brummer) mitten auf dem schmalen Pfad und zeigte überhaupt keine Anzeichen, sich zu bewegen und Platz zu machen. Vermutlich war es genauso genervt vom Regen wie wir und es herrschte gegenseitiges Verständnis. Aber die Nerven lagen schon auf beiden Seiten blank. Im Nachhinein kann ich darüber herzhaft lachen.  

Eine besonders tolle Erinnerung habe ich zum Aufstieg auf die Hohe Geige im Pitztal. Die Hohe Geige ist ein Berg mit einer Höhe von fast 3400m und liegt auf dem Geigenkamm (einer von Süden nach Norden verlaufenden Bergkette). Wir starteten damals von Plangeroß auf die Rüsselsheimer Hütte (damals hieß sie noch „Neue Chemnitzer Hütte“). Von dort ging es dann weiter über den ursprünglichen Normalweg auf den Gipfel. Soweit eigentlich nichts Besonderes. Doch beim Abstieg entdeckten mein Vater und ich einen interessanten braunen Punkt in einiger Entfernung. Wir beschlossen, diesem zu folgen und ab diesem Zeitpunkt ging es für uns querfeldein. BITTE NICHT NACHMACHEN! Schließlich wurde der Punkt immer größer und entwickelte sich zu einem stattlichen Steinbock. Eine Verfolgung war schlicht unmöglich, da der Steinbock in seinem gewohnten Umfeld natürlich viel schneller war als wir. Zwischenzeitlich stand er auf einem Felsvorsprung und machte deutlich „Freunde, das ist MEIN Revier!“ – ein äußerst imposantes Erscheinungsbild! Mein erster Steinbock in freier Wildbahn – und genau dieses Bild hat sich in meinem Kopf eingebrannt.

Bisher blieb das allerdings auch meine einzige Steinbocksichtung in freier Wildbahn, trotz zahlreicher weiterer Hochtouren. Nun kam das Jahr 2020 inkl. Corona um die Ecke. An Reisen war vorerst nicht zu denken und meine geplanten Bergtouren wurden abgesagt bzw. auf die Nach-Corona-Zeit verschoben. <An dieser Stelle bitte heftige Heulkrämpfe vorstellen.>
Nachdem die Lage etwas ruhiger geworden ist  – NEIN, natürlich ist die Pandemie noch lange nicht vorbei – stand jetzt zum ersten Mal wieder eine Pressereise auf dem Programm, bei der ich gerade aufgrund des geplanten Themas total gerne dabei sein wollte. Ihr könnt es Euch vielleicht schon denken, eine „Audienz beim „König der Alpen““, dem Steinbock, war geplant. Ziel der Pressereise war das schöne Pitztal mit seinen herrlichen Bergpanoramen. Berge, Steinböcke und Tiroler Gastlichkeit – wie sollte man dazu „nein“ sagen können!?

Mir war gar nicht bewusst, dass wir mit unserer Steinbocksichtung damals auf der Hohen Geige riesiges Glück hatten, denn der Steinbock war schon fast im ganzen Alpenraum ausgestorben. Mittlerweile ist die Zahl im gesamten Naturpark Kaunergrat aber wieder auf über 1200 Tieren angewachsen. Ausgehend vom Pitztal hat sich die größte Steinwildkolonie der Ostalpen entwickelt. Der Steinbock ist daher nicht umsonst auch das Wappentier des Pitztals. Dazu passend wird in dieser Woche, am 17. Juli 2020, in St. Leonhard das neue Steinbockzentrum eröffnet.
Dieses durften wir bereits vorab erkunden und einen Blick hinter die Kulissen werfen. Die Idee zum Besucherzentrum entstand schon vor einigen Jahren. Ganz in der Nähe fand nämlich vor über 60 Jahren die erste erfolgreiche Wiederansiedlung der Tiere in Tirol statt. Die Umrisse des damaligen Geheges kann man übrigens noch heute erkennen. Tipp: Rund um den Wasserfall Richtung Tiefentalalm die Augen offenhalten! Außerdem wurde der Ort des neuen Steinbockzentrums „am Schrofenhof“ auch aus kultureller Sicht bewusst gewählt. Der Schrofenhof wurde bereits um 1265 urkundlich erwähnt und wird 2021 als weiterer Ausstellungspunkt integriert. Man muss wissen, dass auf den Flächen des Steinbockzentrums ehemals die Scheune des Schrofenhofs stand. Architektonisch wurde das neue Zentrum dementsprechend angepasst, den Architekten ist in einer Bauzeit von ca. 1,5 Jahren eine gute Kombination aus Tradition und Moderne gelungen. Im Inneren befindet sich ein kleines Restaurant und in den oberen Etagen sind Ausstellungsstücke zur regionalen Kultur zu sehen und natürlich gibt es viele Infos rund um das Steinwild zu entdecken. Über eine integrierte Brücke kann man hinaus zum Gehege, in dem es Steinböcke zu sehen gibt, gehen. Aktuell sind es sieben Tiere, die zwar noch etwas schüchtern sind, aber andererseits sehr neugierig umherstreifen. Dies wird sich im Laufe der Zeit sicherlich noch ändern, denn Fressfeinde haben sie keine zu befürchten und normalerweise gewöhnen sie sich schnell an Besucher. Mit der Mischung aus Natur- und Kulturgeschichte ein schönes, interaktives Erlebnis für die ganze Familie. Das Zentrum ist weitgehend barrierefrei erreichbar, inklusive der Fütterungsstelle im Wildtiergehege. Im Laufe der Zeit sollen noch Murmeltiere einquartiert werden und sicherlich noch das ein oder andere mehr. Nach der Eröffnung in dieser Woche wird das Steinbockzentrum mit Sicherheit eine Attraktion im ganzen Pitztal und darüber hinaus. Für mich (Sternzeichen „Steinbock“) ist ein Besuch sowieso Pflicht! ;)

Wer aufgeregt ist, so wie ich es war (weil Steinböcke gesehen), verspürt schnell ein leichtes Hungergefühl. Nach einem kleinen Spaziergang entlang der Pitztaler Ache erwartete uns im Alpenhof ein leckeres Mittagsmenü. Angeführt von „Tiroler Tapas“ (Lammbeuschel, Erdapfelkas, Hirschwangerlkompott und eingelegte Rettiche), gefolgt von einer „Consommé vom Tiroler Steinbock dazu gebackene Steinpilzknödel“ und „Hirschduo in Wacholderbutter gebratenes Steak & knusprig gebackenes Schnitzel serviert mit Preiselbeerjus, Gnocci und Rotkraut“ (es heißt Rotkraut und NICHT Rotkohl bzw. Blaukraut ;)). Freunde des guten Geschmacks – es war traumhaft!

Wenn man schon einmal in den Bergen und solch einer herrlichen Gegend ist, muss man die Zeit einfach nutzen. Ausruhen geht auch zu Hause wieder! Da der Tag noch lang war, „musste“ nach dem Mittagessen noch eine kleine Tour durchgeführt werden. Als Startpunkt diente uns Eggenstall (was zu St. Leonhard gehört) und bei gefühlten 200% Luftfeuchtigkeit ging es vorbei am Pfitschebach Wasserfall (wo das ehemalige Steinbock-Gehege zu finden ist, von dem aus die Wiederverbreitung der Tiere in der Gegend begann) weiter auf die Tiefentalalm. Wettertechnisch waren es dort angekommen gefühlt schon eher 300% Luftfeuchtigkeit, was die gute Laune aber nicht schmälerte. Nach einer kurzen Einkehr und einer wohlverdienten Hopfenkaltschale (der Flüssigkeitshaushalt muss schließlich wieder aufgefüllt werden), ging es zurück zu unserem ursprünglichen Ausgangspunkt, dem Örtchen „Stillebach“, wo wir am frühen Abend wieder im Hotel ankamen. Insgesamt eine sehr schöne Tour von ca. 10km und 600hm im Auf- und 600hm im Abstieg.

Apropos Hotel: Wir übernachteten im Biohotel Stillebach mit ausgezeichneter Küche und super netten Gastgebern (übrigens schon in 4. Generation). Es ist das einzige Biohotel im Pitztal und „Bio“ ist hier nicht nur ein Begriff, sondern eine Lebensphilosophie. So ein Konzept begeistert mich ja immer sehr! Außerdem hat man vom Hotel aus einen Blick auf die Wildspitze, wenn denn das Wetter mitspielt. Am Abend ging es nach einer wohlverdienten Runde Schnaps ins Bett, um am nächsten Morgen das Revier der Steinböcke zu erwandern. Um ehrlich zu sein – und ganz unter uns – ich war schon etwas aufgeregt. Nachdem ich ja vor ca. 22 Jahren in genau dieser Ecke meinen ersten Steinbock in freier Wildbahn gesehen hatte, hoffte ich sehr auf eine Wiederholung. Sicherheitshalber erhöhten wir den Druck auf unseren Guide, Dr. Ernst Partl vom Naturpark Kaunergrat, noch ein wenig: „Wehe, wir bekommen keine zu sehen!“ oder „Wir wollen Böcke, Geißen UND Kitzen sehen!“ erklang es aus unserer Runde. Geplant war ein Aufstieg zur Rüsselsheimer Hütte, die unterhalb der Hohen Geige liegt, um dann weiter zum grandiosen Aussichtpunkt „Gahwinden“ zu gelangen. Startpunkt im Tal war/ist der Wanderparkplatz direkt an der Straße – eigentlich nicht zu verfehlen. Von hier kann man bei guter Sicht bereits die Hütte erkennen. Ab da ging es immer bergauf. Erst etwas steiler, dafür mit toller Aussicht auf das gegenüberliegende Gebiet der Kaunergrathütte und mit Blick auf die „Watze“ (Watzespitze – der höchste Berg des Kaunergrats in den Ötztaler Alpen).
Da dachte ich kurz an meine Tour auf dem Cottbusser Höhenweg auf dem Weg zur Kaunergrathütte bzw. Verpeilspitze, auch ein lohnendes Ziel. Man ( = ich) ist einfach viel zu wenig in den Bergen! Es ging stetig bergauf und irgendwann erreichten wir die Rüsselsheimer Hütte. Nach einer sehr leckeren Rast ging es anschließend nochmals ca. 300hm bergauf bis zu unserem Ziel, den „Gahwinden“. Bisher waren noch keine Steinböcke zu sehen. Was allerdings auch nicht verwunderlich ist, denn sie halten ihren wohlverdienten Mittagsschlaf und sind somit nur schwer zu finden.

Auf 2634m am Gahwinden angekommen hieß es also warten. Und dabei natürlich die wunderbare Natur um uns herum zu bestaunen und gennießen. Von dort oben ist (fast) das ganze Pitztal zu überblicken – vom Taleingang bzw. schon fast Imst, bis ins letzte Eck und gleichzeitig auf den höchsten Berg Tirols, die Wildspitze. Wir machten es uns bequem und warteten. Suchten dabei immer wieder die Hänge nach Steinwild ab und lauschten den spannenden Infos von unserem Guide Ernst. Und irgendwann war es soweit, die Steinböcke kamen Vorschein. Zu Beginn waren es vereinzelte Böcke, aber im Laufe der Zeit wurden es immer mehr und auch ein Rudel Geißen mit Kitzen tauchte auf. Wir konnten ca. 30-40 Tiere zählen. An dieser Stelle bitte Glücksgefühle, etwas Nostalgie und Respekt (vor diesen imposanten Tieren und der Natur) vorstellen. Am besten alles gleichzeitig! Was ein Erlebnis!

Da war sie also, meine zweite Begegnung mit diesen wunderbaren Tieren in freier Wildbahn. Sogar (fast) wieder an gleicher Stelle wie damals. Und mindestens genauso einprägend. Schon faszinierend, wie diese Tiere mit ihren über 100kg und den gewaltigen Hörnern sich in solche einer Umgebung elegant und leicht bewegen können. Ich hätte ewig sitzen können und einfach nur beobachten und bestaunen. Ernst hatte nicht zu viel versprochen, an dieser Stelle ein dickes „Dankeschön“!
Noch ein paar Infos zu den Steinböcken: Zwar sieht ein Bock majestätischer aus, doch eigentlich sind die Mädels die wahren Könner. Allein durch die fehlenden bzw. kurzen Hörner können sie sich viel besser bewegen und sind zwischen den Felsen flinker. Quasi die heimlichen Königinnen der Alpen. Wenn sich der Tag dem Ende neigt, kehren die Tiere zu ihren angestammten Schlafplätzen zurück. Jeder hat seinen eigenen Platz und dieser wird auch nicht von anderen Tieren genutzt bzw. belagert, da sind sie stur. Rangkämpfe zwischen den Böcken finden im Dezember und/oder Januar statt. Sie sind zwar imposant und nicht ohne, aber zu ernsthaften Verletzungen kommt es in der Regel nicht.
Nach gefühlten Stunden (glaube es waren insgesamt 3 Stunden) ging es wieder zurück ins Tal und ich konnte auf dem Rückweg die Eindrücke etwas sacken lassen. Für mich persönlich gehört das unbedingt zu einer (Berg-)Tour dazu. Gemeint ist: Auf dem Rückweg (etwas geschlauchter) den Tag bzw. die Tour Revue passieren zu lassen. Die Abendstimmung eignete sich dazu hervorragend, ein wirklich toller Tag!

Mit einer sehr leckeren Brotzeitplatte (es war schließlich schon nach 21 Uhr und das Küchenteam war im wohlverdienten Feierabend), dem ein oder anderen Schnaps und vielen Gesprächen ließen wir den Abend noch im Hotel ausklingen.
Am nächsten Tag stand noch eine Floßfahrt auf dem Programm. Allerdings nicht irgendeine Floßfahrt, sondern Europas höchste Floßfahrt! Und zwar auf dem Rifflsee – dem größten See in den Ötztaler Alpen. Diese Floßfahrt konnte bei meinem letzte Besuch im Pitztal leider wegen schlechtem Wetter ( = Schneefall) nicht stattfinden. Doch jetzt an diesem Julitag herrschte strahlender Sonnenschein und fast kein Wind. Perfekte Bedingungen, um die Fahrt auf 2232 Metern zu genießen.

Eine Fahrt dauert ca. 45min und der Punkt Genuss kommt nicht zu kurz. In einem Liegestuhl sitzen, langsam über das Gletscherwasser fahren und dabei die herrliche Aussicht genießen hat schon etwas Besonderes. Wem dies noch nicht genug ist, der darf sich auch einmal hinter das Steuer wagen und die ca. 40 Tonnen selbst steuern. Denn man kann neuerdings exklusiv eine Fahrstunde beim Kapitän buchen. Angetrieben wird das Floß übrigens über einen umweltschonenden Elektroantrieb, der das Floß nahezu geräuscharm über den See gleiten lässt.

Ein perfekter Abschluss für ein wunderschönes Wochenende mit vielen großartigen Eindrücken. Und vor allem einem Wiedersehen mit Steinböcken nach 22 Jahren. Ein Ausflugsziel, das ich Euch nur empfehlen kann!

Ein herzliches Dankeschön geht an das ganze Team vom Pitztal, das dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht hat.

Wanderung auf den Spuren der Burgherren in den Haßbergen

9. Juni 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Der Mai war ein guter Monat in Sachen Bewegung. Laut Tagebuch (also Aufzeichnungen) meiner Suunto Uhr waren wir insgesamt 73.3km und 1181 Höhenmeter unterwegs. Aufgeteilt in vier Wanderungen und 5x Laufen. Vielleicht nehmen wir uns aktuell einfach mehr Zeit dafür als vorher? Kann aber gerne so weiter gehen, denn Spaß (und Fitnesssteigerung) sind garantiert.

Nachdem uns eine unserer letzten Touren auf den höchsten „Gipfel“ im Landkreis Schweinfurt führte, zog es uns dieses Mal in die benachbarten Haßberge. Unsere Kriterien an diesem Pfingstsonntag waren: Eine ruhige, nicht überlaufene Route und aufgrund der frühsommerlichen Temperaturen sollte die Strecke größtenteils im Wald verlaufen. Was außerdem immer schön ist, wenn noch ein Aussichtspunkt bzw. ein Highlight auf der Strecke liegt. Für ein Pfingstwochenende natürlich eine gewisse Herausforderung. Aber ideale Anforderungen für einen Ausflug in unseren Nachbarlandkreis. Die Landschaft in den Haßbergen ist leicht hügelig und mit viel schönem Mischwald versehen. Manche sprechen sogar von der „fränkischen Toskana“, mich hat der Ausblick von unserem Ausgangsort Altenstein ja eher an das Piemont erinnert. Über 800 Quadratkilometer machen den Naturpark Haßberge aus und man trifft auf seinen Runden nur wenig andere Wanderer. Also ein echter Geheimtipp. Noch ein Plus: Der Landkreis liegt an der Schnittstelle zwischen Bier- und Weinfranken, ideal, wenn man sich nicht entscheiden kann, denn man hat die Vorteile von beidem.

Wir entschieden uns diesmal für die Erlebnistour – „Sagenhaftes im Burgenwinkel“. Der Name ist Programm, denn die Haßberge sind ein Land der Burgen und Ruinen, die man auf vielen der dortigen Hügel finden kann. Ausgeschrieben ist die Rundtour mit 11,1km und einer Höhenmeterdifferenz von ganzen 82 m. Also eine „normale“ Tour für unsere Gegend.

Der Startpunkt:

Vom Bergort Altenstein geht es los, als Ausgangspunkt eignet sich der Parkplatz am Freibad super. Von Schweinfurt aus gesehen befindet sich dieser ca. 40km in östlicher Richtung. Obwohl wir erst um 11 Uhr vor Ort ankamen (ja, ausschlafen muss auch mal sein), war noch genügend Platz vorhanden. Wie es aussieht, wenn das Freibad geöffnet ist, kann ich leider nicht sagen. Für Familien: Ein Spielplatz befindet sich direkt am Parkplatz und laut Beschilderung gibt es auch noch einen Kiosk bzw. eine Gaststätte ganz in der Nähe.

Zur Tour:

Als Markierung der wirklich gut ausgeschilderten Runde dient ein roter Burgturm mit der Aufschrift „Erlebnistour“. Kurz nach dem Start führte uns der Weg schon rechts ab in den Wald. Immer in Richtung „Geißstein“, „Diebskeller“ und „Ruine Lichtenstein“. Nach kurzer Gehzeit auf einem schönen schmalen Pfad durch den Wald erreichten wir das erste Highlight, den „Geißstein“. Eine Ansammlung von großen Gesteinsblöcken – wunderbar zum Erkunden und evtl. auch zur Rast. Wir gingen weiter und entdeckten immer wieder größere und kleinere Felsen am Wegesrand. Hatte ich ja persönlich gar nicht auf dem Schirm für diese Gegend. Nach ca. 30 weiteren Minuten erreichten wir den „Diebskeller“ – ein markantes Sandsteinlabyrinth mit spannender Geschichte. Was davon wahr ist, müsst ihr allerdings selbst herausfinden. Dank der guten Beschilderung fanden wir den Weg durch die Felsen zügig und wanderten immer weiter Richtung Zwischenziel Ruine Lichtenstein. Schmale Wege, abwechslungsreicher Wald und zahlreiche Beerensträucher – ob man noch in Franken oder bereits in Schweden ist, ist an manchen Stellen kaum zu unterscheiden – einfach nur schön!

Kurz vor dem der Burgruine Lichtenstein musste noch eine Entscheidung getroffen werden. Entweder direkt zur Ruine Lichtenstein weiter laufen oder einen kleinen Abstecher über den Sagenpfad mit Walfischfelsen zur Ruine nehmen. Wir entschieden uns (natürlich) für den Wal und den Sagenpfad. Ganz ehrlich und unter uns gesagt: Macht das auch so – Ihr verpasst sonst etwas! …und dieser kleine Umweg führt ebenso zur Ruine. An mehreren Stationen findet man Schilder mit Infos zum Felsenmeer und zu Geschichten aus den vergangenen Jahrhunderten. Und erwandert sich so die Ruine Lichtenstein von unten. Dort angekommen ist ein Rundgang natürlich Pflicht! Erbaut wurde die damalige Burg im 12. Jahrhundert und im Folgenden immer wieder ausgebaut bzw. erweitert. Von den ehemals vier Teilburgen wird heute noch ein Ansitz (Südburg) privat bewohnt und ist daher nicht zugänglich – von außen dennoch sehr schön anzuschauen. Der nördliche Teil lädt aber zum Erkunden ein und man kann einen tollen Ausblick genießen.


Zurück ging es dann etwas weniger spektakulär über einen schönen Waldweg ohne viel Auf und Ab zu unserem Ausgangspunkt nach Altenstein. Auch hier lädt eine (bekanntere) Burgruine zum Entdecken ein, was wir uns aber an diesem Tag schenkten bzw. für ein anderes Mal und eine andere Wanderung aufhoben.

Eine tolle Rundtour mit vielen Sehenswürdigkeiten und Plätzen zum Verweilen. Mit der angegeben Länge, Zeit und Höhenmeterdifferenz kamen wir nicht ganz hin, haben uns aber auch für den ein oder anderen Abstecher entschieden und zum Erkunden der Burg viel Zeit gelassen.

Zum Überblick unserer Route:

Länge: 14.14km, Aufstieg: 266m, Dauer: 4:09h (mit viel (!) Zeit bei den verschiedenen Sehenswürdigkeiten.)

Auf den Spuren der Bauernregeln in Altenmarkt-Zauchensee

4. Juni 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , ,

Vor etwas mehr als einem Jahr war ich in der Region Altenmarkt-Zauchensee zum Skifahren. Damals war es mein erster Besuch in der Gegend und normalerweise wäre ich Mitte März wieder dort gewesen und hätte auf Skiern gestanden. Hätte, hätte, Fahrradkette! Denn bekanntermaßen ein kleiner Virus so manchen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Das Schöne an der ganzen Geschichte: Die Berge laufen nicht weg!

Nun ist sowieso erst einmal Frühling und es geht reisetechnisch langsam wieder voran. Natürlich erst einmal unter der Voraussetzung, dass keine zweite Welle kommt. Von daher gehen wir jetzt mal davon aus, dass einer Reise in unser schönes Nachbarland Österreich im Sommer nichts im Wege steht. Und zum Wandern ist Altenmarkt-Zauchensee sicherlich eine wunderbare Ecke.
Bisher war ich im Sommer noch nicht vor Ort, das muss ich aber unbedingt einmal nachholen. Denn die Gemeinde im Pongau ist zertifiziertes Wanderdorf mit 200km markierten Wanderwegen. Sowohl von Altenmarkt, das im Tal auf 842m liegt, als auch von Zauchensee am Berg auf 1350m Höhe ausgehend gibt es verschiedene Möglichkeiten in jeder Höhenlage und mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Da reicht eine Woche Urlaub kaum! Bei meiner Recherche kam ich auf den „Bauernregelweg“, einen von zwei speziellen Erlebniswegen in der Region. Bauernregelweg? Da musste ich erstmal Schmunzeln. Das erinnert mich doch gleich an meine Oma! Eine passende Bauernregel und andere (Lebens-)Weisheiten hatte sie zu (fast) jeder Lebenssituation im Hinterkopf. Und ich entsprechend heute auch immer noch.

Ein Beispiel? „Die Geranien kommen bei uns erst nach den Eisheiligen auf den Balkon“, sagt Martin Steffner, der den Bauernregelweg 2008 initiiert hat. Denn: „Servaz und Sophie müssen vorüber sein, will der Bauer vor Nachtfrost sicher sein.“ Und daran halten wir uns meist heute noch. Wir haben selbst einige Blumenkästen am Haus, die jedes Jahr aufs Neue bepflanzt werden (allerdings nicht unbedingt mit Geranien, aber das ist ein anderes Thema, über das ich gerne mal erzählen kann). Und wir halten uns immer an diese Regel: Nicht vor den Eisheiligen! Auch in diesem Jahr bewahrheitete es sich, pünktlich Anfang Mai gab es noch einmal frostige Nächte. Irgendwas muss also dran sein, an den Bauernregeln, und wie hoch der Wahrheitsgehalt ist, kann man auf dem Bauernregelweg selbst erkunden. Die Weisheiten entstammen einer Zeit, in der es zwar noch keine ausgebildeten Meteorologen gab, die Observierung des Wetters aber ziemlich wichtig war. Und was sich reimt, behält man besser.
Martin Steffner ist selbst Bio-Landwirt und plante eigentlich nur eine kleine Runde für die Gäste seines Hofes. Aus der Idee ist ein Wanderweg  mit 5km Länge und insgesamt 22 Stationen geworden, die den Wanderer durch das Bauernjahr führen sollen. Der Weg liegt auf einem bewaldeten Bergrücken auf der Sonnenseite von Altenmarkt, so hat man immer wieder Ausblicke auf den Ort und in Richtung Zauchensee. Unterwegs kann man eine Rast auf einer der Holzliegen einlegen, Waldbaden und die Aussicht genießen.

Angegeben ist die Wanderdauer  mit 2,5 Stunden. Je nachdem, wieviel Zeit man sich für die Infos nimmt und was das Wetter so spricht. Apropos Wetter: Ihr schaut einfach vorher:  „Wenn Schäfchenwolken am Himmel steh’n, kann man ohne Schirm spazieren geh’n“. Oder im Gegenzug: „Wenn die Schwalben tief fliegen, gibt es Regen.“ Also immer schön auf die Schwalben achten, wie schon meine Oma sagte. Bei so mancher Bauernregel ist der (erwachsene) Wanderer aufgerufen, selbst darüber zu entscheiden, was dran ist. Wie bei der Weisheit, mit der der Erlebnisweg endet: „Fehlt der Knecht am Morgen ständig, ist die Magd nachts zu lebendig.“

(Bilder von Altenmarkt-Zauchensee Tourismus)

Wanderung zum Laubhügel – der Geologieweg im Landkreis Schweinfurt

28. Mai 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , ,

Nach einigen Lockerungen der bestehenden Regelungen zum Umgang mit der Corona-Pandemie ist das Wandern wieder möglich. Bzw. war es das vorher in gewissem Umfang ja schon, jedenfalls im engeren Umkreis. Und natürlich unter den üblichen Bedingungen wie Abstand halten, Anzahl der Mitwanderer und gewisser Zurückhaltung bei der Tourenplanung. Letzter Punkt gilt überwiegend für den Alpenraum. Auch die Berghütten öffnen nun nach und nach wieder ihre Türen. Ab dem 29. bzw. 30. Mai sind in Deutschland und Österreich eingeschränkt sogar wieder Übernachtungen möglich.
So weit, so gut! Von daher sollte das „Training“ zur Vorbereitung einer nächsten Gipfeltour nicht vernachlässigt werden, raus in die Natur zu gehen ist quasi immer eine gute Idee. Gut, im Vergleich zu den Alpen müssen wir hier „auf dem flachen Land“ nicht von und Gipfeln reden. Das steht uns nicht zu und wir sind sowieso genügsam(er). Auf Grund der topographischen Gegebenheiten haben wir keine andere Wahl. Eine unserer letzten Touren führte uns auf den „Schweinfurter Gipfel“, den „Laubhügel“.
Hier ist der Name auch irgendwie Programm. Mit seinen 504 Metern ist der Laubhügel die höchste Erhebung in Stadt und Landkreis Schweinfurt.

Rund um den Laubhügel gibt es verschiedene Wanderwege in schöner Waldlandschaft. Wir wanderten den Geologieweg, der insgesamt knapp 11 km lang ist und sehr gut ausgeschildert.

Startpunkt:

Der Startpunkt liegt im beschaulichen Dörfchen Oberlauringen, ca. 20km von Schweinfurt entfernt in nordöstlicher Richtung gelegen. Ein ausgewiesener Parkplatz ist nicht vorhanden. Entweder direkt im Ort parken (dort beginnt auch der offizielle Weg) oder noch ein kleines Stückchen Richtung Wetzhausen fahren. Gleich nach dem Ortsausgang von Oberlauringen taucht ein kleiner Parkplatz auf. Auto abstellen und schon kann die Tour beginnen. Wir haben uns für Letzteres entschieden, um möglichst vielen Menschen aus dem Weg zu gehen.

Route:

Zu Beginn führte uns der Weg Richtung Osten. Am Anfang noch unbeschildert, aber nach ca. 200m erreichten wir auch den offiziellen „Geologieweg“ (gekennzeichnet mit einem Schneckensymbol). „Unser“ Weg zum Laubhügel.

Noch befanden wir uns auf einem Schotterweg, welcher allerdings bald in einen Feldweg überging. Dieser führte uns durch eine Obstbaumallee am Waldrand entlang. Wir sind die Tour jetzt vor Kurzem gelaufen und somit summte und brummte es an jeder Ecke, ein Paradies für Bienen und Co. Anschließend führte uns der Weg an einem kleinen „Hexenhäuschen“ vorbei immer leicht bergauf. Ab dem Haus ging es in den Wald und der Weg führte weiter zu einem Hohlweg. Hier ging es nun etwas steiler bergauf, bis wir schließlich oben am Ende des Weges am Laubhügel angekommen sind. Bitte jetzt nicht wundern, denn die höchste Erhebung im Landkreis Schweinfurt ist nicht sonderlich gekennzeichnet und relativ unspektakulär. Ohne Höhenmesser und GPS Daten ist dieser „Gipfel“ leicht zu übersehen.  Und da von Bäumen umgeben auch ohne Aussicht in die Landschaft. Die hat man auf dem Weg aber immer wieder an anderen Stellen. Wie auch immer, die höchste Erhebung wurde „erklommen“. Der Geologieweg heißt auch nicht umsonst Geologieweg, hier bekommt man auf Hinweisschildern immer wieder Infos zur Bodenbeschaffenheit, so auch am Laubhügel.
Wir folgten nun immer weiter den bekannten Markierungen und erreichten nach kurzer Zeit eines der nächsten Highlights der Tour. Den Grenzstein zu den drei Landkreisen Schweinfurt, Haßberge und Rhön-Grabfeld.

Der Weg führt uns weiter und weiter, vorbei an schönen, alten Buchen. Nach ca. 2/3 der Wegstrecke führte unser Weg langsam aus dem Wald heraus und im Tal waren die Spitzen des Örtchens Birnfeld zu sehen. Wir gingen allerdings immer weiter der Kennzeichnung Richtung Westen am Waldrand entlang. Nicht erschrecken, wenn zufälligerweise ein Feldhase den Weg kreuzt. Wir sahen sogar gleich mehrere bei unserer Wanderung. Nun waren wir schon fast am Ziel und kreuzten wieder die Obstbaumallee vom Beginn. Dort verließen wir den Geologieweg und gingen auf dem Schotterweg zurück zu unserem Ausgangspunkt. Insgesamt ein sehr schöner, ruhiger Weg und überhaupt nicht überlaufen.

Zum Überblick unserer Route:

Länge: 10.81km, Aufstieg: 235m, Dauer: 2:45h

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