Normalerweise bin ich eher zum Wandern in den Bergen unterwegs, bei meiner letzten Tour ging es allerdings mit dem Rad los auf dem „Hohe Tauern Bike Trail“. Spoiler: Es war genauso schön, in den Bergen unterwegs zu sein, etwas anstrengend und gleichzeitig erholsam. Denn Berge gehen einfach immer! Noch dazu, wenn die höchsten Gipfel von ganz Österreich in der Nähe sind – einfach traumhaft!

Der Hohe Tauern Bike Trail
Wie der Name sagt, führt der Bike Trail durch die Nationalparkregion Hohe Tauern. Er ist insgesamt 530 km lang, in 14 Etappen fahrbar und führt dabei in 14 idyllische Nationalpark-Täler. Alles zusammen ist man mit etwa 12.000 Höhenmetern dabei. Geführt wird der abwechslungsreiche Trail vom Schwierigkeitsgrad als „Mittel“. So die groben Eckdaten zu einem Trail, den natürlich viel mehr ausmacht. Einen Teil davon konnte ich erkunden und zeige Euch hier meine Highlights.
Wenn man den kompletten Trail fahren möchte, wird entweder in Krimml gestartet, was ihr vielleicht von den Krimmler Wasserfällen kennt. Diese gehören zu den größten Wasserfällen Europas. Oder alternativ im Großarltal, genauer dem Bergsteigerdorf Hüttschlag. Das Großarltal kennt ihr vielleicht noch vom Salzburger Almenweg. Als grobe Orientierung dient der Tauernradweg – von diesem geht es jeweils ab in die unterschiedlichen Täler des Nationalparks Hohe Tauern.
Grundsätzlich ist eine Befahrung ab Mai möglich, wobei dann durchaus noch Schnee liegen kann. Denn es geht teilweise bis auf über 2000 m hinauf. Ähnlich ist es im Spätherbst bis ca. Oktober. Hier gilt – wie beim Wandern auch – immer auf das Wetter und die Bedingungen achten. Wer sich unsicher ist, kann gerne auf die Expertise des offiziellen Buchungscenters zurückgreifen. Die Jungs und Mädels sind den Trail schon selbst gefahren und kennen sich vor Ort bestens aus!

Nationalpark Hohe Tauern und die Nationalparkwelten
Mit einer Fläche von 1.856 km² ist der Nationalpark Hohe Tauern der größte Nationalpark Österreichs und der Alpen sowie eines der größten Schutzgebiete im mitteleuropäischen Raum. Und mit 15.000 Tierarten ist er Lebensraum für ein Drittel aller in Österreich vorkommenden Tierarten. Geografisch liegt der Nationalpark in den Bundesländern Kärnten, Tirol und Salzburg, wobei der größte Teil davon im Salzburger Land liegt. Gegründet wurde er 1981 und unterteilt sich in verschiedene Zonen: Kern- und Außenzonen sowie in Sonderschutzgebiete (dort ist jeder Eingriff in die Natur verboten). Selbstverständlich sind die Big Five (Steinbock, Gämse, Steinadler, Murmeltier, Bartgeier) der Alpen dort beheimatet, wobei ich bei meiner Tour leider nicht alle gesehen habe. 😉
Wer mehr zum Nationalpark Hohe Tauern erfahren möchte, dem kann ich die Nationalparkwelten in Mittersill sehr ans Herz legen. Seit 2007 lässt sich der Nationalpark hier in zehn unterschiedlichen Erlebniswelten entdecken – natürlich mit einigen Umbauten und Neuerungen im Laufe der Jahre. Egal ob Klein oder Groß, die Naturparkwelten sind für alle Generationen ein Erlebnis. Wirklich jeder kommt auf seine Kosten. Persönlich beeindruckt hat mich der 360-Grad-Panoramafilm durch das „Wildnisgebiet Sulzbachtäler“. Kleiner Tipp: Nehmt euch die Zeit, es lohnt sich!



Der Hohe Tauern Bike Trail wollte also getestet werden. Nicht die ganze Strecke, aber zumindest 2,5 Etappen. Teile der Etappe 8, die ganze Etappe 9 und 10. Und ich fand es wirklich großartig!
Beginnen wir aber von vorne: Die Anreise erfolgte bequem per Bahn. Zwar zog es sich etwas, aber alle Züge waren pünktlich und dank des Guest Mobility Ticket ist die Reise im Salzburger Land total entspannt. Mit diesem Ticket (gibt es in vielen Hotels) ist der komplette öffentliche Verkehr im ganzen Bundesland kostenfrei. (inklusive der Pinzgauer Lokalbahn, aber dazu kommen wir später noch).
Am Nachmittag hieß es für mich das reservierte Bike abholen (beim INTERSPORT Breitfuss <- sehr zu empfehlen) und schon konnte es losgehen. Tipp: Mit der Nationalpark Sommercard (ähnlich wie das Guest Mobility Ticket) gibt es 5,00 Euro Rabatt auf die Bike Verleihpreise.
Normalerweise beginnt die Etappe 8 in Uttendorf und führt dann über Mittersill in das Felbertal und anschließend wieder zurück nach Mittersill. Da ich bereits in Mittersill war und es schon früher Nachmittag war, ging es für mich gleich von Mittersill los. Nachdem es die Tage vorher viel zu trocken und zu warm war, war es an diesem Tag regnerisch, schwül-warm und bewölkt. Aber es passte für eine schöne Tour! Zu Beginn verläuft die Strecke kurz parallel zur Felbertauernstraße (wer mehr zur Straße wissen möchte, bitte hier klicken), um dann in ein Seitental abzuzweigen. Der Hintersee, der das Ziel der Strecke ist, taucht relativ bald auf. Glasklar, schön gelegen und umgeben von Bergen ein lohnendes Ziel. Zurück geht es dann auf der gleichen Strecke. Und für mich war es eine perfekte Tour zur Eingewöhnung.
Die Fakten zu Etappe 1:
- Start: Mittersill
- Ziel: Mittersill
- Länge: 20,9 km
- Höhenmeter: 530 m bergauf und 530 m bergab
- Link zu Komoot
- Link zur ganzen Etappe
Am Hintersee könnte man auf der Gamsblickhütte einkehren. Noch dazu bietet sich das Felbertal gut für eine Bike & Hike Tour an. Mit dem Rad zur Gamsblickhütte, dann zu Fuß weiter auf die St. Pöltner Hütte (4,5 h und 1215 hm), dort übernachten, vielleicht noch einen Gipfel mitnehmen und dann wieder zurück. Könnte recht spannend sein.



Neuer Tag, neue Etappe: Bei Etappe 9 geht es von Mittersill in das Hollersbachtal und anschließend weiter nach Bramberg am Wildkogel. Am frühen Morgen dachte ich noch „Mist, das wird heute recht nass“. Aber wurde es nicht. Vor dem Start ging es in Mittersill erst einmal in die schon erwähnten Nationalparkwelten. Nach einem leckeren Kaffee wartete dann der sportliche Teil des Tages. Von Mittersill über den Tauernradweg immer den Schildern „Hohe Tauern Bike Trail“ folgend bis zum Eingang in das malerische Hollersbachtal. Zu Beginn fährt man auf einem Forstweg durch den Wald. Das Wetter war mystisch – Wolken bildeten sich, doch es blieb trocken. Nach ca. 9,2 km öffnet sich das Tal und die höheren Gipfel kamen zum Vorschein. Dazu ein breites Grinsen in mein Gesicht. Es ging immer weiter Richtung Talschluss – vorbei an großen Murenhaufen (da muss vor ein paar Tagen/Wochen einiges heruntergekommen sein), durch Viehgatter immer weiter dem Hollersbach folgend. Ein kurzer Stopp bei den Kühen auf dem Weg durfte natürlich nicht fehlen. Nicht mehr weit und das Ziel – am Eingang zur Kernzone – wurde erreicht. Ein herrlicher Blick auf die naheliegenden Wasserfälle und die 3000er bietet sich hier. Nach einer kurzen Rast ging es zunächst auf dem gleichen Weg wieder zurück. Im Vorbeifahren die Kühe grüßen und weiter gings. Auf der Strecke traf ich Ian (75) aus Manchester, der mit seinem Rad (ohne E-Antrieb) unterwegs war. Wir fuhren ein Stück gemeinsam, da er Probleme mit seiner Schaltung hatte. Die wir leider nicht reparieren konnten. Allerdings bestand er nach einem Stück darauf, dass ich alleine weitersollte – er wollte mich nicht aufhalten und kam bergab alleine klar. Später am Tag schrieb er mir, dass er gut im Tal angekommen ist. Meinen Respekt hatte Ian – mit 75 Jahren und ohne E-Antrieb solch eine Tour zu fahren! Solche Begegnungen sind einfach immer wieder schön! Für mich ging es dann am Beginn des Tals in Hollersbach im Pinzgau links weg Richtung Tauernradweg. Da es gut ausgeschrieben ist, einfach den Schildern folgen.
Die Fakten zu Etappe 2:
- Start: Mittersill
- Ziel: Bramberg am Wildkogel
- Länge: 37,4 km
- Höhenmeter: 950 m bergauf und 940 m bergab
- Link zu Komoot
Als Einkehrmöglichkeit wird die Senninger Alm genannt. Dazu kann ich persönlich leider nichts sagen, da ich durchgeradelt bin. Am Talende hatte ich eine kleine Rast eingelegt. Aber auch auf der Etappe is Bike & Hike möglich: In ca. 2h erreicht man die Neue Fürther Hütte. Bike – Hike zur Hütte – Übernachtung – Gipfel mitnehmen – Hike zum Bike – Bike. So in der Art könnte ich mir das gut vorstellen.






An meinem letzten Biketag stand Etappe 10 des Biketrails auf dem Programm: Von Bramberg am Wildkogel nach Neukirchen am Großvenediger. Die ersten 3,8 km ging es wieder auf dem Tauernradweg, um dann in das Habachtal abzubiegen. Auf dieser Strecke war es noch kühl, aber man konnte erahnen, dass sich die Sonne blicken lassen wird. Ich liebe solche spätsommerlichen bzw. fast schon Herbsttage. Eine tiefhängende Wolkendecke, die sich an den Berghängen festklemmt und die Sonne kämpft durchzukommen. Traumhafte Stimmung!
Im kleinen Örtchen Habach wird der namensgebende Bach überquert. Eine kleine Besonderheit: Hier laufen die Kühe mitten durch den Ort. Zudem deutete bereits einiges daraufhin, dass das Habachtal ein ganz besonderer Ort ist. Das Tal war bzw. ist nämlich der einzige Ort mit relevantem Smaragdvorkommen Europas. Mittlerweile findet keine gewerbsmäßiger Abbau statt, doch Touristen kommen auf ihre Kosten. Deshalb immer gut die Augen offenhalten und nach Smaragden suchen, vielleicht werdet ihr ja fündig. Mein Weg führte auf der Forststraße parallel zum Wanderweg „Smaragdweg“ immer weiter in das Tal. Mal etwas steiler, mal etwas flacher und manchmal wird die Habach überquert.
Nach ca. 8,2 km musste ich ein weiteres mal grinsen. Das Tal öffnete sich, man sah den Talschluss zum ersten Mal und inklusive der Gletscher. Die Sonne kam mittlerweile auch zum Vorschein und es war einfach nur superschön! Der Weg führte weiter in das Tal hinein, vorbei an schönen Aussichten, Wasserfällen, Weidetieren und den Talschluss immer vor Augen. Wenn man sich satt gesehen hat (was fast unmöglich ist) mit dem Rad weiterfahren, bis es nicht mehr möglich ist. Und zack, schon ist man bei der bewirtschafteten Alten Moa-Alm angekommen. Übrigens die älteste Hütte im Habachtal. Und bitte – nehmt euch die Zeit dort etwas zu essen und/oder zu trinken, die Aussicht zu genießen und die Seele baumeln zu lassen, es lohnt sich.
Die Fakten zu Etappe 3:
- Start: Bramberg am Wildkogel
- Ziel: Neukirchen am Großvenediger
- Länge: 24,2 km
- Höhenmeter: 710 m bergauf und 640 m bergab
- Link zu Komoot
Selbstverständlich ist hier auch Bike & Hike möglich. Zum Beispiel von der Alm weiter auf die Neue Thüringer (Hütte 2.240 m). Leider (!) ging es für mich wieder zurück. Den gleichen Weg, aber nicht ohne zwischendurch zu halten und einen letzten Blick zurückzuwerfen. Im Örtchen Habach wird der Tauernradweg gekreuzt und auf diesem geht es anschließend weiter bis nach Neukirchen am Großvenediger.









Fazit:
Insgesamt bin ich an den drei Tagen 82,6 km mit 2.140 hm gefahren. Ja, das war (m)ein kleiner Ausflug auf dem Hohe Tauern Bike Trail. Was ich sagen kann: Super nette, aufgeschlossene Menschen, landschaftlich eine 10 von 10 und auch die Seitentäler können unterschiedlicher kaum sein. Entweder kann man mit dem eigenen Bike kommen oder sich ein Fahrrad vor Ort leihen, sich treiben lassen und die Zeit genießen. Grundsätzlich ist der Bike Trail für jeden etwas und sehr zu empfehlen! Technisch sind es leichte bis moderate Mountainbiketouren mit überwiegend Forst- und Almenwegen, die in ihrer Einteilung gut machbar sind.
Zum Abschluss konnte ich auf meiner Heimreise noch die Pinzgauer Lokalbahn (eine Schmalspurbahn) mitnehmen. Und als krönender Abschluss der Reise spontan hinter die Kulissen schauen und ein kleines Stück im Führerstand mitfahren. Danke dafür! Übrigens werden auch Fahrten unter Dampf angeboten. Also gerne einmal online schauen.
Hoteltipp:
In Mittersill empfehle ich euch das Hotel Bräurup. Das 4*-Hotel liegt zentral, bietet eine große Fahrradgarage mit Lademöglichkeiten und sehr leckerem Essen. Inklusive einer eigenen kleinen Brauerei und dem größten privaten Fischrevier Österreichs. Vom Bahnhof ca. 5 min und zu den Nationalparkwelten ca. 8 min zu Fuß entfernt.
In Neukirchen am Großvenediger ist es das 4*S-Hotel Gassner. Auch hier gibt es sehr leckeres Essen und superfreundliches Personal. Fahrradgarage + Lademöglichkeiten sind ebenfalls vorhanden. Ein großer Wellnessbereich mit (Außen-)Pool und Saunen ist perfekt zum Relaxen nach der Tour, es ist vom Alpenverein zertifiziert und vieles mehr.

Ein ganz dickes Dankeschön geht an das Team der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern und an alle Beteiligten, die dieses unvergessliche Erlebnis ermöglicht haben.
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