Ankommen und sich zu Hause fühlen – Salzburger Lungau (Teil 2)

19. September 2019 | Schlagwörter: , , ,

Im Biosphärenpark Lungau gibt es unzählige Möglichkeiten für Wandertouren, ob für Genießer, Sportler, Familien, mit Hunden oder ganz allein – alles ist möglich. Die 5-Seen-Tour habe ich Euch ja schon etwas ausführlicher vorgestellt. Weitere schöne Wanderungen führen z.B. durch den Naturpark Riedingtal, einer herrlichen Landschaft mit Almwiesen, Bergwäldern und hohen Gipfeln.
Nachdem man auf der (harmlosen) Bergstraße die Mautstelle passiert hat, kommt man zu einem großen Parkplatz, an dem man sein Auto am besten gleich stehen lässt. Dann muss man sich entscheiden, geht es den schönen Almenwanderweg entlang, einen der umliegenden Gipfel hinauf oder mit dem Tälerbus noch weiter hinein ins Tal? Für jede gewünschte Schwierigkeitsstufe ist etwas dabei. Gleich am Eingang ins Riedingtal erwartet einen der Schlierersee mit herrlichem Grün, Startpunkt für den Almenwanderweg. Für diesen entschieden wir uns und wanderten bei bestem Wetter entlang des Riedingbachs. Die Wanderung ist sehr einfach zu laufen und für alle Altersklassen geeignet.

Vorbei an Kühen, Waldstücken, bewirtschafteten Almen und schönen Lichtungen geht es leicht bergauf, bis man schließlich an der Zaunerhütte ankommt. Hier sollte man unbedingt etwas mehr Zeit einplanen. Besonders, wenn die Wirtin Heidi um die Ecke geflitzt kommt und ein bisschen Zeit hat, zu erzählen. Am besten bestellt man erst einmal eine selbstgemachte Kräuterlimonade, die gerade nach einer Wanderung total erfrischend ist. Kräuter sind das Steckenpferd der Hüttenwirtin, die nicht nur leckere Kräuterlimo, -suppe oder –knödel serviert, sondern auch Cremes gegen viele Wehwehchen herstellt, für die sie nicht nur im Lungau bekannt ist. Man kann bei ihr einfach megaviel über Alpenkräuter erfahren und was Heidi alles weiß, ist schon beeindruckend. Mein neuer Favorit: der Quendel!
Hauptaufgabe im Sommer ist auf der Zauneralm aber die Erzeugung von (Bio-) Milchprodukten, von daher sollte man sich auch eine leckere Jause mit Käse, Buttermilch und Almbutter nicht entgehen lassen. Wir kamen in den Genuss einer ganz besonderen Lungauer Spezialität, dem Rahmkoch. Rahmkoch ist eine traditionelle Süßigkeit in der Gegend und war früher quasi „Kuchenersatz“, wie Heidi uns erklärte. Hauptbestandteile sind Butter, Mehl und Rahm, aber jede Familie hat ihr eigenes Rahmkochrezept. Im Sommer gibt es das noch auf vielen Almen in der Region, also unbedingt probieren!

Auf der Zaunerhütte ist es übrigens auch möglich, zu nächtigen. Wer es also etwas rustikaler, dafür aber umso herzlicher mag, ist gern gesehener Gast und mit großer Sicherheit wird es ein unvergessener Hüttenabend mit allem, was dazugehört. Und wer mag, kann am nächsten Tag von der Hütte aus, die bereits auf ca. 1700 m liegt, noch ein Gipfel besteigen.

Falls Ihr auf der Suche nach weiteren unvergesslichen Momenten seid, dann habe ich noch einen Tipp. Zumindest für die Frühaufsteher unter Euch. Es handelt sich dabei um die Sonnenaufgangsfahrt mit der Sonnenbahn am Speiereck. Diese Sonderfahrten finden im Sommer immer mittwochs (und manchmal auch sonntags) statt. DAS konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Gerade weil es am Vortag gewittert hatte, verhieß das Chancen auf herrliche Aussicht. Und so war es auch. Bei etwas frischen Temperaturen fuhren wir gegen 5 Uhr mit der Bahn nach oben und gingen noch ein Stückchen zu Fuß weiter Richtung Aussichtsplattform „Peterbauerkreuz“ (oberhalb der Bergstation). Dann hieß es noch kurz warten bis zum Sonnenaufgang.

Einfach nur herrlich! Für mich ist es eines der besten Gefühle, in den Bergen zu stehen bzw. sitzen und die Natur zu genießen. Je ruhiger, desto besser, aber wir wollten ja mal nicht so sein. Nachdem sich die Sonne gezeigt hat, wartete für uns noch ein Frühstück auf der Peterbaueralm (an der Bergstation), welches zur Sonnenaufgangstour dazu gehört. Es war ja noch früh am Morgen, also bot sich nach diesem Highlight eine weitere Wanderung an. Wenn man schon auf dem Berg ist?! Von der Peterbaueralm geht eine schöne Rundtour über einen kleinen Gipfel, das Speiereck. Die Tour ist von der Schwierigkeit als „mittel“ zu beschrieben und ebenfalls zu empfehlen. Zu Beginn geht es ein Stück etwas steiler bergauf, nach dem Gipfel wird es aber schön abwechslungsreich. Mit etwas Glück sind Murmeltiere zu sehen und vielleicht kreuzt sogar ein Alpensalamander den Weg. Es könnte auch sein, dass man unterwegs auch Philipp, den jungen Wirt der Speiereckhütte trifft. Er hat vielleicht noch den ein oder anderen Tipp für den nächsten Gipfel parat. So jedenfalls war es bei uns und man kam gleich ins Gespräch.

Da das Frühstück dann doch schon eine Weile her war, bot sich die Speiereckhütte ideal an für eine kleine Mittagspause. Eine junge und nicht typisch traditionelle Hütte, leckeres Essen und ein super Ausblick. Außerdem gibt es eine super Enzian-Limonade, die im Lungau hergestellt wird. Die Hütte liegt übrigens an der Bergstation der Bahn und ist daher auch für die Nicht-Wanderer gut erreichbar.

Natürlich gibt es im Lungau noch viel mehr Routen zu entdecken und die besten Tipps haben die Gastgeber vor Ort. Eine außergewöhnliche Wanderung konnten wir mit Bernhard, unserem Gastgeber vom Häuserl im Wald unternehmen. Bernhard ist, wie bereits erwähnt, Jäger und kennt die Gegend wahrscheinlich in- und auswendig. Für uns ging es gleich am ersten Tag in Richtung Ramingstein und dort auf eine Runde mit herrlicher Aussicht, sowohl auf schroffe Gipfel als auch auf die „sanfteren“ Nockberge (natürlich konnte ich mir die Namen der Gipfel nicht alle merken, die Bernhard uns genannt hat…).

Am Ende der Wanderung durften wir noch an einer privaten Feier auf der kleinen, aber sehr feinen Niggeialm teilnehmen. Es wurde lecker gegessen, gesungen, getrunken, Musik gespielt und gelacht. Auch als „Fremder“ wurde man gleich mit eingeschlossen und aufgenommen, etwas, das man im Salzburger Lungau öfter erleben kann. Genau das macht es aus, dieses „zu Hause-Gefühl“, was man sonst eher selten erlebt.

Im Lungau kann man neben Wanderungen, Entschleunigen und lecker Essen natürlich noch viel mehr erleben, zum Beispiel traditionelle Brauchtümer, wie den Samson-Umzug, den es in verschiedenen Gemeinden gibt. Die Region versteht es, Tradition und Moderne (nachhaltige) Entwicklung zu verbinden.  Beim Samson-Umzug läuft eine bis zu sechs Meter hohe Figur des biblischen Riesen Samson durch sie Straßen, eine Tradition, die in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen wurde.
Kultur erlebt man übrigens auch in Mauterndorf, einem kleinen, hübschen Markt mit langer Geschichte als Zollstation. Die Burg diente zu Zeiten der Römer als Kastell und auf dem Weg somit als Mautstelle. Ein Besuch lohnt sich, neben der Geschichte gibt es auch einige interaktive Stationen, die (nicht nur) für Kinder toll sind. So kann man sich zum Beispiel im Stil der alten Burgherren und –damen kleiden. In der Burg befindet sich auch das Lungauer Landschaftsmuseum, indem die Geschichte sehr gut verdeutlicht wird.

Irgendwann ist aber auch die schönste Reise wieder vorbei, auch wenn der Abschied schwer fällt. Auf die Frage, welches die beste Reisezeit für den Lungau ist, erhielten wir von vier befragten Einheimischen vier unterschiedliche Antworten. Vom Frühjahr mit bunter Alpenrosenblüte über den Sommer bis zum farbenfrohen Herbst und natürlich dem schneereichen Winter hat jeder seinen Favoriten. Von daher sollte man am besten alles selbst einmal ausprobieren.
Für uns es ging heimwärts, aber wir kommen wieder. Vielen Dank an die Tourismusregion Salzburger Lungau und alle, die unseren Aufenthalt so schön gemacht haben!

2 Kommentare

  1. Freut mich sehr – vielen lieben Dank! :)

  2. Helga Rossberg 24. Sep 2019

    Sehr schön und wahr geschrieben .
    Ich bin eine Zugereiste und so dankbar in diesem Stück heile Welt zu leben .

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