Die zwei Abenteurer zu Fuß an der Lahn

25. März 2022 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Die zwei Abenteurer waren wieder einmal unterwegs. Nachdem sie im letzten Jahr bereits auf dem schönen Rheinsteig gewandert sind, wurde relativ spontan eine weitere Tour organisiert. Die Planung war schnell verabschiedet, da sich die beiden Abenteurer fast blind verstehen. Motto „Wollen wir hier lang?“ – „Ja, gerne“ – „ok. Wann?“ – „So am Wochenende xy?“ – „Geht klar“. Und so wurde ein Wochenende im November auserkoren. Wie (fast) immer erfolgten An- und Abreise mit dem Zug. Die Planung übernahm hierbei Marco aka Bahnexperte der ersten Stunde. Er kennt die Feinheiten und Optionen (Zwischenhalte usw.), die z. T. nur über die Website der Bahn, nicht über die App, buchbar sind. Die Bahnexperten unter uns kennen das sicherlich.

Einige werden es wohl schon am Titel erkannt haben. Bei unserer Tour wanderten wir drei Etappen des Lahnwanderwegs. Dieser ist mit einem roten LW auf weißem Grund gekennzeichnet (Zuwege haben einen gelben Hintergrund). Insgesamt besteht er aus 295km und ist in 19 Etappen unterteilt. Die Lahn selbst fließt in 242 Kilometern von der Quelle bis zur Mündung. So zumindest die grobe Einordnung. Warum wir uns genau diesen Weg ausgesucht hatten, ist einfach. Marco ist bereits ein paar Etappen des Lahnwanderweges gelaufen und auch die ausgewählten Etappen sollten sehr schön sein.

Von der Planung bis zum Start vergingen nur wenige Tage und schließlich war es soweit. Die Abenteurer trafen am Zielort Limburg Süd ein (wer zum Teufel baut einen ICE-Bahnhof im Niemandsland?!).
Die erste Etappe der beiden Abenteurer war mit 21,2 Kilometer von Limburg ICE-Bahnhof nach Arfurt angegeben. Das Wetter war typisch für einen November: Es war nebelig, kalt und feucht. Wenigstens kein Regen. Das machte den beiden Wanderern natürlich nichts aus, denn auch das hatten sie einkalkuliert. Sie sind schließlich nicht aus Zucker. Also gingen sie los und die Zeit verging wie im Flug. Sie hatten sich einiges zu erzählen. So kamen sie bald nach dem Start in Runkel an, einem kleinen Städtchen an der Lahn. Schon von weitem war die zugehörige Burg Runkel zu sehen. Eine hochmittelalterliche Höhenburg, welche vor 1159 erbaut wurde und in der Umgebung einiger Fachwerkhäuser oberhalb Runkels liegt. Der Weg führte uns im Anschluss über die steinerne Lahnbrücke aus dem 15. Jahrhundert. Warum diese noch für den Autoverkehr freigegeben ist, wunderte uns etwas. Aber irgendwelche Gründe wird es schon haben. Anyway, unser Weg führte uns weiter vorbei an Bahnübergängen mit sogenannter Anrufschranke (= ein wenig genutzter Bahnübergang, der nur nach Bedarf geöffnet wird) durch Flur, (Herbst-)Wald, Naturschutzgebiete und kleinere Ortschaften. Leider hatte das Lahn-Marmor-Museum in Villmar geschlossen. Da wir nämlich gut in der Zeit lagen, hätten wir einen Blick hineingeworfen. Ein anderes Mal!
Wir kamen schließlich nach 22,6km an unserem Etappenziel Arfurt an, um am dortigen Bahnhof zurück nach Limburg zu fahren. Warum das? Nun, in Arfurt gibt es weder Übernachtungsmöglichkeit noch Gaststätte.
Am Bahn-Haltepunkt selbst wurden wir vom Fahrgastsicherungs-„Beamten“ schon von weitem mit den Worten „Hier ist Maskenpflicht!“ angeraunzt. Man muss dazu sagen, dass außer uns niemand vor Ort war, wir uns draußen befanden und zu diesem Zeitpunkt laut Land Hessen „Keine Maskenpflicht an offenen ÖPNV-Haltestellen“ bestand. Aber wir wollten natürlich keinen Ärger machen und so folgten wir seinen Anweisungen. In Arfurt bzw. in der ganzen Gegend erlebten wir immer wieder leicht distanzierte Menschen. Wir vermuteten, dass zu dieser Jahreszeit nur sehr wenige Touristen unterwegs waren. Bzw. diejenigen, die unterwegs waren, müssen in den Augen der Einheimischen eher merkwürdige Gestalten sein. Wer wandert schon bei schlechtem Novemberwetter auf dem Lahnwanderweg?!
Zurück in Limburg (also in der Stadt und nicht am ICE-Bahnhof am A**** der Welt) waren die zwei Abenteurer noch nicht müde. Sie bezogen ihr Schlafquartier im Hotel Amts-Apotheke und machten sich anschließend auf den Weg durch die hübsche Altstadt. Selbstverständlich kamen wir auch am Limburger Dom vorbei, wobei wir die goldene Badewanne des Ex-Bischofs Tebartz-van Els nicht sehen konnten. Vielleicht war gerade keine Badezeit. ;)

Neuer Tag, neue Etappe. Der Körper fühlte sich gut an und nach dem Frühstück starteten wir den Tag mit einer Bahnfahrt zurück nach Arfurt. Denn von dort aus starteten wir mit unserer zweiten Etappe. Diese war mit 21,7km angegeben. Die Wetterbedingungen waren ähnlich wie am Vortag mit der Prognose auf Regen. Naja, da mussten wir durch. Als Endpunkt war die Stadt Weilburg angedacht. Der erste Part führte noch direkt oberhalb der Lahn entlang. Meistens durch schönen Herbstwald, in dem – trotz des herbstlichen Wetters – eine richtig schöne Stimmung herrschte. Vielleicht lag es auch genau an diesem Wetter. Wie dem auch sei, laut Regenradar sollte es bald anfangen zu regnen. So kam es auch, anfänglich noch ganz leicht, steigerte sich der Regen aber soweit, dass der Regenschutz hervorgeholt werden musste. Die beiden Abenteurer nahmen es stoisch hin und in den ca. 2,5 Regenstunden wurde gewandert und nicht viel geredet. War das ein Tiefpunkt auf dieser Wanderung? Natürlich nicht. Die Umgebung war zu schön und der Wald zu herbstlich, um sich die Laune vermiesen zu lassen. Und so stiefelten wir weiter durch den Regen, bis er schließlich nachließ und ganz aufhörte.

Doch dann passierte es. Vor uns war der Weg augenscheinlich gesperrt. Nichts ging mehr. Auf dem Schild war „Achtung Treibjagd!“ zu lesen. Was nun? Auf eigene Gefahr weiter gehen? Umdrehen und einen neuen Weg suchen? Fragen über Fragen. Nach einem Blick auf die Navigation kam Erleichterung auf. Der eigentliche Weg führte kurz vor der Absperrung links vorbei. Großes aufatmen bei allen Beteiligten. Und so gingen wir weiter auf der beschilderten Etappe. Zwar befanden sich auch auf unserem Weg einige Jäger, aber wir erfuhren, dass die Jagd bereits vorbei war. Diese war auch nicht sonderlich erfolgreich, so seine Aussage. Lag augenscheinlich an den erschwerten Wetterbedingungen. Wir führten unbeschadet unseren Weg fort und erreichten etwas durchnässt unseren Zielort Weilburg über den Dienstbach-Steg. In Weilburg erkundeten wir noch die ansässige Schlossanlage, allerdings nur einen kleinen Teil, denn das Schloss ist eine der bedeutendsten barocken Schlossanlagen in Hessen und dementsprechend groß. Im Nachhinein erfuhren wir, dass wir auf unserer Tour kurz vor Weilburg an einem alten Wasserreservoir vorbeikamen. Diese wurden in den Jahren 1710–1715 errichtet und dienten der Wasserversorgung für das Schloss und die zugehörige Bevölkerung. In der ganzen Umgebung waren es um die 20 Quellen. Laut Komoot (Routen sind weiter unten verlinkt) waren es an diesem Tag 25,3km, bis wir unser Hotel erreichten. Es war das Hotel am Bahnhof. Nicht nur EIN Hotel am Bahnhof, sondern DAS Hotel am/im Bahnhof. Also das Hotel war direkt im Bahnhof integriert. Oder der Bahnhof in das Hotel…das konnten wir nicht herausfinden. Auf jeden Fall ist es ein schönes Hotel mit leckerem Essen. Und natürlich auch einer super Zuganbindung!

Tag Nummer drei und gleichzeitig der letzte Tag. Die letzte Etappe sollte es nochmal in sich haben, denn sie war mit 28km angegeben und führte von Weilburg bis nach Wetzlar. Der Wetterbericht sagte keinen Regen voraus. Nebelig war es trotzdem. Auf Grund der frühen Dunkelheit zogen wir es vor, uns früh auf den Weg zu machen. Der Körper fühlte sich „naja“ an. Will heißen, dass man die letzten Tage doch schon etwas in den Knochen spürte. Man wird halt auch nicht jünger.
Das erste Highlight befand sich gleich zu Beginn unserer Etappe. Das sogenannte „Weilburger Tunnelensemble“, drei Tunnel, die auf engstem Raum gebaut wurden. Ein Eisenbahn-, ein Straßentunnel und ein Schifffahrtstunnel. Der Weilburger Schifffahrtstunnel ist der älteste und längste heute noch befahrbare Schiffstunnel in Deutschland. Er unterquert auf einer Länge von 195 Metern von Norden nach Süden den Mühlberg. Leider bekamen wir aus nächster Nähe nur den Eisenbahntunnel (dessen Portal auch hübsch ist) zu sehen, als wir aus der Stadt wanderten. Vorbei an der staatlichen Fachschule Weilburg-Hadamar ging es wieder ein den Herbstwald. Nach ca. 14km kamen wir in der Stadt Braunfels an und mussten uns dort das Schloss Braunfels anschauen. Zumindest soweit es uns möglich war. Ein herrschaftliches Anwesen, so ungefähr stelle ich es mir in Schottland vor. Allein schon die vielen Eingangsportale – Hammer! Unser Weg führte uns wieder abwechselnd durch Wald und Wiese, bis wir in der Ferne bereits unser Ziel Wetzlar erahnen konnten. Zuvor erreichten wir den ehemaligen Standortübungsplatz Magdalenenhausen. Das war damals (1955-1992) der zweitgrößte Panzer-Standort in Deutschland. Heute ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere und dementsprechend großflächig angelegt. Nach einem kurzen, aber knackigen Anstieg zur Burgruine Kalsmunt führte der Weg schließlich hinein nach Wetzlar. Dort trafen wir übrigens auch wieder auf die Lahn, nachdem wir sie das letzte Mal beim Start in Weilburg gesehen bzw. überquert hatten.

Als Abschluss dieser drei schönen Tage (das Wetter konnten wir eh nicht ändern), kehrten wir in Wetzlar nochmals ein. Zeit bis zur Abfahrt war schließlich noch genügend vorhanden. Wir „die zwei Abenteurer“ waren geschafft, aber gleichzeitig auch sehr zufrieden – drei Tage feuchtes Schuhwerk, drei Tage gute Gespräche, drei Tage herrliche Gegend mit viel Wald, schönen Städtchen und Burgen bzw. Schlössern – was will man mehr?!

Laut Komoot waren wir insgesamt 74,6km unterwegs und haben 1500hm zurückgelegt. Inkl. sonstiger Wege (z. B. zum Bahnhof usw.), die nicht getrackt wurden, kamen wir sicherlich auf über 80km. Hier die Links zu Komoot:

Wohin wird die nächste Reise gehen? Ist schon etwas geplant? Seid gespannt!

(Bilder von Marco und mir)

Unterwegs in Bad Kleinkirchheim mit der Abfahrtslegende Franz Klammer

16. Februar 2022 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Starten wir heute mit einer gedanklichen Zeitreise in das Jahr 1976, genauer gesagt zum 05. Februar 1976 an den Patscherkofel ganz in der Nähe von Innsbruck. Es war ein Donnerstag, es war trocken und an manchen Stellen etwas diesig – doch das spielte in den Augen von Franz Klammer keine Rolle. Er wollte schließlich einfach nur Skifahren. Doch wir reden nicht von irgendeiner Skipiste, es handelte sich um die Skipiste der olympischen Spiele. Als er endlich an der Reihe war, fuhr Franz Klammer sein (vermutlich) bestes Rennen und gewann olympisches Gold in der Abfahrt. Ein Highlight in jeder Sportlerkarriere.

Insgesamt gewann Franz 26 Weltcups (25× Abfahrt, 1× Kombination) und errang unzählige weitere Podestplätze. Um nur eine Auswahl seiner Siege zu nennen, denn auch vorher in seinen jugendlichen Jahren gewann er bereits verschiedene Meisterschaften. Man darf es ruhig sagen: Franz Klammer ist eine Legende! Und für mich war es eine Ehre, mit ihm – im Rahmen einer Pressereise – in Bad Kleinkirchheim im schönen Kärnten Skifahren zu dürfen. Dort gewann Franz im Alter von 18 Jahren seine Europacup-Abfahrt, hier startete seine Karriere und irgendwie war ein ganz besonderer Spirit (auf und neben der Piste) zu spüren. Im kleinen Kreis erklärte er uns „seine“ Piste und erzählte viele kleine Anekdoten aus seiner aktiven Laufbahn.

Damals herrschten andere Bedingungen: Der Schnee wurde aus Südtirol importiert, denn Schnee aus der Maschine gab es noch nicht bzw. kaum. An eine Präparation der Piste, wie wir sie heute kennen, war nicht zu denken und auch das Equipment ist nicht vergleichbar. So wurden die Pisten noch per Hand bzw. per Ski durch Freiwillige „festgetreten“ – um nur ein Beispiel zu nennen. Und trotzdem ging es damals für die Fahrer mit über 100km/h den Berg hinunter. „Damals und heute – das kann man gar nicht vergleichen“ so erklärte mir Franz im Sessellift.

Wir waren schon früh unterwegs – „Ski vor 9“ lautet nämlich das Programm für Skibegeisterte Frühaufsteher. Und der Name ist auch Programm. Franz Klammer erscheint und ist bestens gelaunt. Von „Morgenmuffel“ keine Spur und nach einem kurzen Kaffee (ohne geht es nicht), ging es schon in die Gondel. Nur unsere kleine Gruppe – noch kein Mensch weit und breit. An der Bergstation „Kaiserburg“ folgten selbstverständlich erst einmal Aufwärmübungen. Ohne Übungen geht es bei Franz nicht auf die Piste und wir fühlten uns wie richtige Skirennfahrer. Mittlerweile hatte sich die Nacht verabschiedet und die ersten Sonnenstrahlen kamen zum Vorschein. Und schon ging es auf die Pisten. Franz fuhr selbstverständlich an erster Stelle und fuhr uns fast davon. Nein, zwischendurch hielten wir immer wieder an und er erklärte uns seine Piste bzw. die ein oder andere Skitechnik. Die Zeit verging wie im Flug und es machte richtig viel Spaß, mit ihm Ski zu fahren! Nach gut zwei Stunden ging es zum Einkehrschwung in die Klammerstub’n im Bergrestaurant Kaiserburg. Nach leckerem Essen verabschiedete sich Franz (leider) und für uns ging es nochmals auf die Piste. Diese waren übrigens noch immer bestens zu fahren – Kompliment an die Jungs und Mädels in den Pistenraupen bzw. hinter den Kulissen! Bad Kleinkirchheim bietet über 100 Pistenkilometer in den schönen Nockbergen und dazu urige Hütten zum Einkehren.
„Ski vor 9“ mit Franz Klammer kann ich jedem nur wärmstens empfehlen! Dazu ein Bergbrunch mit regionalen Köstlichkeiten, Warm-up Coffee-Snack, 2 Stunden-Skipass und exklusives Skifahren mit Franz Klammer – alles zusammen für 155,00 Euro pro Nase. Lohnt sich definitiv, denn wann kann man schon mal mit einer Skilegende auf die Piste?

Wer so schnell nicht nach Bad Kleinkirchheim und mit Franz Klammer Skifahren kann (was natürlich sehr schade ist), dem lege ich den Kinofilm „Klammer – Chasing the Line“ ans Herz.
Der Film handelt vom legendären Abfahrtslauf Franz Klammers in Innsbruck 1976. Von der Beziehung zu seiner Ehefrau Eva, dem enormen Leistungsdruck der Gesellschaft und einem Skihersteller. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber der Film lohnt sich sehr. Auch für Nicht-Abfahrts-Ski-Schnee-Fans. Der Zuschauer wird in die Zeit zurückversetzt und geht quasi mit auf die Reise von seiner Kärntner Heimat hin zur großen Bühne in Innsbruck. Sportlich, romantisch und mit gewissem Witz – der Film überzeugt! In Österreich hat „Klammer – Chasing the Line“ bereits gepunktet und konnte einen Marktanteil von 32% erreichen. Ab dem 08. Februar 2022 ist der Film nun auch außerhalb Österreichs auf Netflix zusehen. Mit einem Budget von 5,5 Millionen Euro übrigens Österreichs teuerste Kinoproduktion! Der Film entstand erst aus dem 3. Drehbuch, die ersten zwei passten nicht zu 100% zu Franz und Eva Klammer und wurden deshalb abgelehnt. Schließlich soll der Film authentisch sein. Franz meinte, dass die Szenen zu 95% der Wahrheit entsprächen. Skifahrergrößen wie Daron Rahlves wurden als Double eingesetzt. Auch die beiden Hauptdarsteller Julian Waldner und Valerie Huber verdienen ein Lob – authentisch und tolle schauspielerische Leistung!

Wir hatten den Film im Thermenhotel Pulverer anschauen dürfen, inkl. Popcorn und Getränken versteht sich. Aber nicht nur das, sondern mit Originalrequisiten aus dem Film (inkl. Lochski von Fischer). Wir übernachteten ebenfalls hier im Pulverer und genossen Wellness, Entspannung nach dem Skifahren und leckeres Essen.
Das Essen muss man unbedingt erwähnen, und zwar in ganz Bad Kleinkirchheim. Das Dorf ist ein zertifiziertes „Slow Food Village“. „Heimische Bauern und Lebensmittelhandwerker erzeugen ihre Produkte gut, sauber und fair. Es wird auf die biologische Vielfalt geachtet. Traditionell und nachhaltig angebaut“ und natürlich auch verarbeitet. Genau das spürt und schmeckt man auf dem Gaumen. Egal ob im Pulverer oder auch im benachbarten Trattlerhof – Genuss wird hier groß geschrieben. Einer der Punkte, weshalb ich so gerne in die Region komme. Zum einen wegen dem Essen, aber auch um die Gesichter dahinter kennenzulernen. Es handelt sich nämlich nicht nur um ausgewählte Zutaten aus der Region, sondern die Menschen verkörpern auch dieses Lebensgefühl. Noch dazu kommt ein etwas mediterranes Lebensgefühl von Leichtigkeit und Geselligkeit auf. Stichwort „Dreiländereck“ zwischen Österreich, Italien und Slowenien. Eine herrliche Gegend!

Nach dem Essen soll man ruhen oder die Kalorien abtrainieren. Ihr kennt den Spruch! Damit man später wieder leckeres Essen genießen kann, versteht sich. Das Abtrainieren gelingt nicht nur beim Skifahren, sondern auch beim Schneeschuhwandern über bzw. durch die Nockberge.
Wer sich vor Ort nicht auskennt, sollte bei der Skischule Bad Kleinkirchheim anfragen. Wir waren mit dem Chef Wolfgang Krainer höchstpersönlich unterwegs. Sowohl auf der Piste als auch mit Schneeschuhen. Er kennt seine Gegend, egal welcher Gipfel zu sehen war, Wolfgang nennt den Namen, die Höhenmeter und dazu noch eine kleine Geschichte. Selbst unterwegs mit den Schneeschuhen gibt es zwischendurch Lawinenkunde und/oder Spurenlesen von verschiedenen Wildtieren. Es geht aber noch weiter: Auf der Skipiste erklärt er, ganz nebenbei, wie man sich noch etwas verbessern könnte.

Apropos Schneeschuhwandern. Unterwegs waren wir ca. 4,4km, hatten Ausblick auf die Nockberge und teilweise waren sogar die Spitzen der Karawanken zu sehen. Die Route führte gefühlt querfeldein, wobei Wolfgang sicherlich einen Plan hatte. Das Ziel war nämlich die Feldpannalm (Wichtig: Diese ist im Winter und nur im Rahmen der „Gourmet im Schnee„-Runde geöffnet). Eine kleine, aber sehr feine idyllische Alm mit leckeren Produkten aus der Region. Hier wird Tradition noch großgeschrieben! Sehr zu empfehlen!

Kärnten kennt Ihr ja sicherlich, Bad Kleinkirchheim evtl. noch nicht. Dabei handelt es sich um eine kleine Gemeinde bzw. Kurstadt im Landkreis Spittal an der Drau. Diesen Fluss konnte man von weiter oben auch erahnen. Mitten in den Nockbergen gelegen ist Bad Kleinkirchheim bekannt für sein Thermalwasser und den Wintersport. 185km befahrbare Pisten sowie 16km Langlaufloipen sind vorhanden und somit ist für den (sportlichen) Gast einiges geboten. Der Ort ist über die Autobahn (oder natürlich auch per Zug) gut zu erreichen. Vorbei am Millstätter See mit seinem schönen Panorama geht es weiter auf der Landstraße in das Tal. Eine schöne Strecke.
So wie es aussieht muss ich auch einmal im Sommer vorbeischauen, denn die Gegend ist berühmt für verschiedene Bike-Trails und ein Insider-Tipp bei vielen Bikern! Ein Erlebnis also zu jeder Jahreszeit!

Ein herzliches Dankeschön geht an das ganze Team vom Kärnten Tourismus und Bad Kleinkirchheim, die dieses Erlebnis ermöglicht haben.

Ötztal Tipp für 2022 – Friedl mit der leeren Tasche

17. Dezember 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , ,

Im Winter ist das Ötztal bekannt für Schnee, gute Pisten, Skigebiete für alle Anforderungen und natürlich das leckere Tiroler Essen. Das kann man selbstverständlich auch im Sommer genießen, zum Beispiel nach einer von zahlreichen möglichen Aktivitäten, wie Biken, Bergsteigen und/oder Wandern. Egal ob im vorderen oder im hinteren Ötztal, Touren gibt es en masse und es ist für jeden etwas dabei. Mich persönlich verschlägt es schon eher Richtung hinteres Tal, wo auch die 3000er Gipfel zu finden sind. Wie bei meinem letzten Besuch, wo ich u.a. an der „Ötzi-Fundstelle“ war. Schneebedeckte Gipfel, herrliche Ausblicke – es ist einfach eine sehr beeindruckende Kulisse!

Genau in dieser wunderbaren Kulisse spielt das Wandertheater „Friedl mit der leeren Tasche“. Die Idee dazu hatte Hubert Lepka, der bereits „Hannibal“ am Rettenbachferner in Sölden (mit)entwickelte. Startpunkt für den Friedl ist das Bergsteigerdorf Vent mit seiner prägnanten Talleitspitze (3406m). Von dort aus startete unsere Gruppe ausgestattet mit Funk-Kopfhörern und folgte den Darstellern in ihren historischen Kostümen. Der Weg führte uns ein kleines Stück entlang der Rofenache und anschließend Richtung Martin-Busch Hütte. Die Spiel- und Gehzeit ist mit 6 Stunden angegeben, doch ich kann Euch versichern, dass es so abwechslungsreich ist, dass es einem viel kürzer vorkommt! Inklusive Rückweg ist es ein toller Tagesausflug, man kommt auf ca. 8 Stunden und 800hm. So die groben Eckdaten. Aber nicht davon abhalten lassen, denn es lohnt sich sehr – versprochen! Natürlich sollte die Ausrüstung der Höhe und dem Wetter entsprechen, aber das versteht sich von selbst. Die Martin-Busch Hütte wird gestreift, doch findet während des Theaters keine Einkehr statt. Also auch an den Proviant denken!

Geschichtlich gehen wir um die 600 Jahre zurück. Erzherzog Friedrich von Tirol flüchtet in ärmlicher Verkleidung von seinem Erzfeind Siegmund von Luxemburg von Konstanz nach Meran. Er musste somit genau den Weg nehmen, den wir quasi heute auch nehmen. Vorbei an Pferden (vielleicht waren es damals auch Haflinger), Bergziegen, Murmeltieren und Schafen führte uns der Weg. Wie vor besagten 600 Jahren. Von Erzherzog Friedrich blieb vorerst nicht viel übrig, denn in Vent, genauer gesagt in den Rofenhöfen, schlüpfte er in die Rolle des Knechtes „Friedl“ und tauchte unter. Alleine war es in der Umgebung recht schwer zurechtzukommen, doch mit Hilfe der Magd Anna konnte er fliehen. Anna war (fast) immer an seiner Seite, doch wer ist die fremde Frau, welche wir zwischendurch immer wieder zu Gesicht bekommen?
Die einzelnen Szenen werden immer wieder durch Wanderabschnitte unterbrochen, was die Spannung hebt. Was passiert als nächstes? Wohin führt uns der Weg? In welcher eindrucksvollen Kulisse spielt die nächste Szene? Fragen über Fragen! Manchmal befindet sich der Spielplatz nah an den Zuschauern, manchmal aber auch weiter entfernt. Keine Bange, durch Kopfhörer und spezielle Funkübertragung sind die Zuschauer immer direkt dabei! An dieser Stelle ein dickes Kompliment an den Tontechniker! Um zu erfahren, was weiter passierte, mussten wir einige Höhenmeter hinter uns lassen – nahe den Gletscherzungen sollten wir es erfahren.

Während des Theaters fühlt man sich in die damalige Zeit zurückversetzt. Die Umgebung, die Kostüme und die Musik– es fühlt sich an, als steckt man mittendrin. Sprachlich ist es ein Mix aus Deutsch und dem Ötztaler Dialekt, der übrigens von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe ernannt wurde! Ich gebe zu, das ein oder andere mal muss man etwas konzentrierter zuhören… aber das macht die Authentizität aus.
Im Winter macht das Wandertheater eine Pause. Die neuen Spieltermine (vermutlich wieder im September) sind aktuell noch nicht veröffentlich, kommen aber in den nächsten Monaten und sind dann hier zu finden. Wäre doch auch ein tolles Weihnachtsgeschenk!?

Mein persönliches Fazit: Die Schauspieler sind top, die Geschichte spannend (zu viel wird hier natürlich nicht verraten), die technische Umsetzung ist super und die Kulisse ist einfach der Hammer! Meine beiden Daumen gehen eindeutig nach oben!

Genächtigt habe ich im Hotel Macun. Direkt in Vent gelegen, mit Blick zum Rofental, extrem netten Gastgebern und mit einer unglaublich guten Küche. Apropos Küche, hier kocht der Chef (Pirmin) noch selbst. Seine Leidenschaft fürs Kochen und regionale Produkte schmeckt man und ich durfte ihm über die Schulter schauen, vor allem aber im Anschluss im hauseigenen Restaurant „Das Siebzehn“ das Ergebnis genießen.

Genau diese Unkompliziertheit und Offenheit („Ich würde dir gerne einmal über die Schulter schauen, ist das möglich? – „Ja, klar – wann passt es dir?“) mag ich persönlich sehr. Dies ist nicht nur in Vent bzw. im Hotel Macun so, sondern im ganzen Ötztal. Da fühlt man sich einfach wohl!

Ein Dankeschön geht an das ganze Team vom Ötztal Tourismus, die dieses Erlebnis erst ermöglicht haben.

Die zwei Abenteurer zu Fuß am Rhein

10. Dezember 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , ,

Traditionen soll mal pflegen. Und so trafen sich auch in diesem Jahr zwei Abenteurer für eine gemeinsame Wandertour. Dieses Mal ging es nicht in die Alpen und auch nicht ins fränkische Mittelgebirge. Es sollte die Gegend am Rhein werden – nahe der Heimat von einem der beiden Abenteurer. Bereits einige Wochen vorher wurde der Termin vereinbart, Zugtickets gebucht und schon erste Planungen angestellt.

Am ausgesuchten Sommerwochenende herrschten beste (Wetter-)Bedingungen. Ja, auch im Flachland wird darauf akribisch geachtet, um das richtige Zeitfenster zu erwischen. Ähnlich einer Expedition auf einen 8000er. ;) Das Basislager war mit einer Höhe von ca. 115m über dem Meeresspiegel die Stadt Wiesbaden, und somit entfiel glücklicherweise eine umfangreiche Akklimatisierung. Gut, ein kleiner Anstieg von Bahnhof zum Lager musste überwunden werden, aber wir wollen mal nicht so sein. Die zwei Expeditionsteilnehmer verzichteten im Vorfeld auf Unterstützung von Trägern, wie man es normalerweise bei solchen Expeditionen gewohnt ist. Auch das ist (vermutlich) einmalig in der Geschichte und selbst die Route wurde bis zum Vorabend noch streng geheim gehalten. Was bekannt war: Es handelte sich um eine klassische Route, die von einem der beiden Mitglieder bereits zuvor begangen wurde.

Der Tag brach an und die beiden mussten sich etwas beeilen, um einen der ersten Züge zum Ausgangspunkt „Rüdesheim“ zu nehmen. Am Zielbahnhof angekommen, folgten sie zielstrebig den Wegweisern „Rheinsteig Zustieg“ und damit kennt Ihr nun den ausgesuchten Wanderweg. Der übrigens zu Beginn steil bergauf führt. Immer durch Weinberge, mal war die Seilbahn zum Niederwalddenkmal zu sehen, mal ging es über Treppen nach oben. Oben am Niederwalddenkmal angekommen, wurde natürlich erst einmal das imposante Denkmal begutachtet. Dank der recht frühen Uhrzeit (die Seilbahn fuhr noch nicht) waren wir die einzigen vor Ort und konnten uns somit Zeit lassen. Hier kam auch zum ersten Mal das Zeichen „Fluss auf blauem Grund“ (offiziell: Stilisiertes R auf blauem Grund) für den Rheinsteig zum Vorschein.

Beim Rheinsteig handelt es sich um einen 320km langen Fernwanderweg, der überwiegend auf schmalen Wegen durch das Rheintal führt. Man kann ihn an einem Stück laufen, aber einzelne Etappen zu gehen ist überhaupt kein Problem. Insgesamt überwindet man dabei ca. 11.700 Höhenmeter – also schon einiges. So die groben Details. Aus zeitlichen Gründen entschieden wir uns von Rüdesheim bis nach Lorch zu wandern (Etappe 5) – laut Marco eine der schönsten Ecken auf dem ganzen Steig. Nicht weit entfernt vom Niederwalddenkmal erreichten wir den nächsten Aussichtspunkt, „Rossel“. Von dort aus führt der Weg immer wieder durch Wald und mit wunderbaren Ausblicken auf den im Tal fließenden Rhein. An einer Stelle mussten wir erstmal das zweite Frühstück und natürlich die Aussicht genießen.

Nachdem wir gefühlt hoch oben über dem Rhein unterwegs waren, führte uns der Weg vorbei am Jagdschloss Niederwald (heute ein Hotel) „nach unten“ in den kleinen Ort Assmannshausen. Alle (also wir beide) Expeditionsteilnehmer wurden von den Einheimischen mit kurzen Blicken gewürdigt, um anschließend wieder ihrer eigentlichen Tätigkeit nachzugehen. Die Einheimischen erkennen erfahrene Wanderer vermutlich bereits aus mehreren Kilometern Entfernung. Einmal durch das kleine Örtchen durch und schon ging es wieder bergauf. Der Weg führte uns, teilweise mit Fixseilen und Steighilfen über Abgründe und gefährliche Passagen – fast wie im/am Khumbu-Gletscher (nur ohne Gletscher…).
Wir befanden uns bereits auf der Zielgeraden und erreichten Lorch nach ca. 7h und 30min (in Bewegung: 5h 45min) und insgesamt 25,8km. Die zwei Wanderer überlegten noch kurz, ob sie noch einen Ort weiterlaufen sollten, entschieden sich aber dagegen, traten die Rückreise in das Basislager an und genossen das herrliche Wetter noch bei einem abendlichen Aufenthalt am Rhein.

Die zwei Abenteurer sprachen noch lange über ihre Tour, das Leben und überhaupt, bevor sie ins Bett gingen und sich für die Tour am nächsten Tag erholten.
An Tag 2 war noch eine weitere (kleine) Tour geplant. Genauer gesagt der Wisper Trail „Naurother Grubengold„. Bei den Wisper Trails (davon gibt es mehrere) handelt es sich um sogenannte Premiumwanderwege durch das Wispertal im Rheingau. Auf unserer ausgewählten Tour führte uns der Weg durch Schiefergruben, an Wald und Wiesenstücken und schlussendlich auch am Wispersee vorbei. Im Gegensatz zur vorherigen „Expedition“ (Stichwort: Fixseile), war der Weg einfach. Allerdings mussten wir uns zwischendurch vor wilden Tieren schützen und wären beinahe um unser Leben gerannt. Also natürlich nur beinahe.

Auch hier wurde das optimale Wetterfenster genutzt, um die insgesamt 14,9 km und ca. 350hm zu erwandern. Laut Komoot waren wir 3 Stunden und 19 Minuten unterwegs. Also ganz entspannt. Nach einer kurzen Abschlussbesprechung trennten sich die Wege der beiden Expeditionsmitglieder wieder, doch es dürfte kein Geheimnis mehr sein, dass noch in diesem Jahr weitere Routen mit evtl. weiteren (Gast-)Teilnehmern geplant sind und waren.
Wo es die beiden hinziehen wird, bleibt allerdings noch ein Geheimnis…

<Bilder sind von Marco und mir>

Der Wanderherbst in Lenggries

26. Oktober 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Im Hochgebirge haben die Hütten schon geschlossen, der erste Schneefall erreicht die Ortschaften in höheren Lagen und die ruhige Zeit in den Bergregionen beginnt. Bevor es in die Wintersaison geht. Aber das heißt nicht, dass das Wandern damit abgeschlossen sein muss. Besonders in tieferen Lagen, wie z. B. in Lenggries im Tölzer Land, bietet gerade der Herbst eine wunderbare Kulisse für eine schöne Wanderung. Die Gemeinde Lenggries liegt im Süden Deutschlands, genauer gesagt ca. 60km südlich von München im Alpenvorland. Die Isar durchfließt die Landschaft und bildet immer wieder typische Schuttablagerungen im Flussbett. Daher kommt auch der Name „Lenngengrieze“ (langer Gries), womit ein langes Geröllfeld in der Isar gemeint ist.

In Lenggries war ich selbst bisher noch nicht, somit wurde es höchste Zeit, der Region einen Besuch abzustatten. Und die Idee passte super mit einer Pressereise im Rahmen des Lenggrieser „Wanderherbst“ zusammen. Im Rahmen des Wanderherbst werden zahlreiche Wanderungen angeboten, so dass man in einer (kleinen) Gruppe mit Wanderführer die Berge und Gipfel in der Umgebung erleben kann. Ursprünglich war das Angebot für nur eine Woche angedacht, dank der großen Nachfrage wurden daraus schnell zwei Wochen. Für Inhaber der Lenggrieser Gästekarte ist die Teilnahme übrigens kostenlos, ansonsten fallen aber auch nur 5 Euro an.
Diese zwei Wochen sind unterteilt in eine Bergsportwoche und in eine Genusswanderwoche. Grundsätzlich beinhaltet die erste Woche, die Bergsportwoche, Touren mit bis zu acht Stunden Gehzeit und mehr als 1000 Höhenmetern. Trittsicherheit und Bergerfahrung sind hier von Vorteil. Dafür geht es in der zweiten Woche etwas gemütlicher voran: hier sind eher gemütliche Einsteigerrunden und mittelschwere Wanderungen angesagt und auch der Genuss kommt nicht zu kurz. Zeitlich klappte es bei mir „nur“ an zwei Tagen in der Genusswoche, wobei ich irgendwann einmal die Bergsportwoche austesten muss – die Touren klingen ebenfalls ziemlich interessant. Denn ich kann Euch jetzt schon verraten, dass es auch im kommenden Jahr wieder einen Wanderherbst in Lenggries geben wird (vermutlich in den letzten zwei Wochen im September). Gleich mal vormerken!

Die erste Tour mit dem vielversprechenden Namen „Die Almentour“ begann an der Tourismus-Info direkt in Lenggries. Von dort brachte uns ein Taxibus zur Röhrlmoosalm und ab hier ging es dann zu Fuß weiter zu den Siebenhütten (oder Rosssteinalmen) am Sattel vor Ross und Buchstein auf 1481m. Angeschrieben waren 1,5h Gehzeit, was auch ganz gut hinkommt.

Die Siebenhütten gehören sieben Bauern aus dem Tal. Eine Besonderheit ist, dass jeder Bauer im Wechsel von einem Jahr quasi „Oberbauer“ ist und die Verantwortung für die Hütten bzw. das Vieh hier hat. Die Hütten wurden bereits um 1500 errichtet, also haben eine lange Tradition.
Mit der schönen und nicht sehr schweren Bergtour zu der Almwirtschaft Siebenhütten hatten wir eigentlich unser geplantes Ziel erreicht, aber gemeinsam entschied sich die Wandertruppe (sie bestand aus neun Personen – inkl. Wanderführer Blasi) für eine Fortsetzung der Tour zur Tegernseer Hütte. Das Wetter war herrlich und wir wollten gerne noch weiterlaufen und die Bergwelt genießen. Von den Siebenhütten führt ein schöner Weg, erst parallel unterhalb des Roßsteins entlang, um dann in Serpentinen hinauf zur Tegernseer Hütte zu gelangen. Dort angekommen genossen wir bei einer kleinen Stärkung die herrliche Aussicht. Angeblich sollen Sonnenuntergänge hier besonders schön sein, was mich wiederum auf den Plan bringt, dort einmal zu übernachten. Vielleicht mit anschließender Tour zur nächsten Hütte. Da die Hütte direkt im Sattel zwischen Ross und Buchstein liegt und der Gipfel des Roßstein nicht mehr als 10 Minuten Gehzeit aufweist, ging es für uns auch dort noch schnell hinauf.

Eine grandiose Aussicht! Abwärts ging es wieder den gleichen Weg zurück zum Ausgangspunkt Röhrlmoosalm. Laut Komoot waren es insgesamt 4h 36min in Bewegung, 9,36km und 620hm. An dieser Stelle noch ein dickes Danke an den Wanderführer Blasi, der auch unsere Zusatzwünsche unkompliziert mit machte! Eigentlich wollte ich am Nachmittag noch (mit der Bergbahn) auf den Hausberg von Lenggries, Brauneck, und oben ein Stück des „Großer Höhenweg“ machen, aber (wie es oft so ist) reichte die Zeit nicht mehr aus. Next time dann.

Neuer Tag, neue Wanderung. Schließlich muss man schönes Herbstwetter einfach nutzen. Gleichzeitig war es der letzte Tag vom Wanderherbst in 2021. Auf dem Programm stand die „Hochtannerrunde – Die Sonnentour“. Gestartet wurde wieder an der Tourismus-Info. Auch hier fuhr uns der Taxibus bis nach Arzbach zum Parkplatz Hochtannerstubn. Von dort aus ging es zu Fuß über die Almstraße weiter. Vorbei an verschiedenen Almen (Probstbauern-, Brunnlocher- und Lexenalm) und hübsch versteckte Wege. Diese sind absichtlich nicht sonderlich ausgeschildert, um die Weideflächen zu schonen. Aber dafür gibt es ja die Wanderführer, wie Hans Fuchs, die genau wissen, wohin der Weg führt.

Zwischenzeitlich kamen verschiedene Bergblicke zum Vorschein: Probstwand, Achselköpfe, Kirchstein und Benediktenwand. Das Wetter passte übrigens super dazu – wir hatten Sonne pur! Unser Ziel war die Hintere Längentalalm im besagten Längental. Bei einer leckeren Brotzeit erzählte Hans etwas aus seinem Nähkästchen. In jungen Jahren half er im Sommer auf der als „Hirterbursche“ aus. Vom Zusammentreiben der Tiere bis hin zu sämtlichen Tätigkeiten auf der Alm war alles dabei. Früher mit weitaus weniger Komfort als heute. Ein Highlight des Wanderherbstes, denn die Wanderführer haben immer so einiges zu erzählen!
Zurück ging unsere Tour wieder vorbei an Jungvieh und schönen Aussichten bis zur Talstation der Bergbahn über die Isar und für mich schon ab in den Zug. Ebenfalls eine schöne, gemütliche Wanderung in der herrlichen Landschaft, die ich Euch – nicht nur im Herbst – empfehlen kann.

Aber Lenggries hat nicht nur tolle Wandertouren zu bieten. Ohne über die lokale Küche bzw. Kulinarik zu sprechen, kann ich Euch hier nicht entlassen. Wer es klassisch, deftig und gut mag, der ist beim Altwirt mitten in Lenggries genau richtig. Der Name ist Programm, denn um 1469 wurde hier bereits eine Gaststätte erwähnt und (vermutlich) durchgehend bewirtschaftet. Der Almwirt war auch meine Unterkunft während des Aufenthalts, gemütliche, individuell eingerichtete Zimmer mit alpinem Charme. Was ich mag: Wenn der Holzboden im Flur leicht knirscht – da fühlt man sich doch gleich heimisch. Des Weiteren kann ich das Arabella Brauneck Hotel ebenfalls in Lenggries empfehlen. Ein kulinarisches Gedicht! An dieser Stelle werfe ich einfach einmal „In Fichtennadeln hausgebeizter Lachs“, „Kräutercremesüppchen“, „Surf ’n‘ Turf“ und „Duett von der Callebaut Schokolade“ in den Raum:

Läuft einem da nicht gleich das Wasser im Mund zusammen? Mir hat es auf jeden Fall gut in Lenggries gefallen, da werde ich sicherlich einmal wiederkommen zum Wandern und Genießen!

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team von Lenggries-Tourismus und allen Beteiligten, die diese Erlebnisse ermöglicht haben.

Aufwärts