Die Flucht vor dem Gewitter – im Wettersteingebirge

19. März 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Letzten Sommer begaben sich zwei (mehr oder weniger) junge Menschen auf den Weg in Richtung Süden. Das Ziel der beiden heldenhaften Personen war das kleine Städtchen Garmisch-Partenkirchen im schönen weiß-blauen Bundesland. Ein bekanntes Reiseziel für Skifahrer, Wanderer oder Eisläufer. Was war ihr Plan? Was würde passieren? Was würden sie erleben?

Nun, es war im Sommer, als die beiden sich verabredeten. Genauer gesagt sollte das Abenteuer an einem Wochenende im Juli beginnen. Nicht zum Skifahren, nicht zum Eislaufen, sondern zum… Wandern! Im Voraus war bereits Vieles erledigt: Hotelzimmer ausgesucht, Übernachtung auf der Berghütte gebucht, Zugfahrt organisiert und notwendiges Material sowie Proviant abgesprochen. Wie die Profis! Was die beiden allerdings nicht beeinflussen konnten, waren zum einen die Bahn und zum anderen das Wetter. Bei ihrer Expedition sollte beides noch eine große Rolle spielen. Aber dazu kommen wir später.

Doch wer waren die beiden überhaupt? Zwei gutaussehende junge Männer. Groß, intelligent und voller Elan. Die beiden kannten sich schon geraume Zeit und waren Profis in ihrem Segment. M. beispielsweise ist eine Koryphäe im Bereich Bahnfahren und H. kennt sich bestens in Sachen Wandern aus.
So machten sich die beiden mit der Bahn auf den Weg in den Süden. Im fränkischen Würzburg trafen sie sich voller Vorfreude im Zug. Da genau am besagten Wochenende an der Strecke gebaut wurde, mussten sie das letzte Stück auf Schienenersatzverkehr umsteigen, was aber im Vorfeld bekannt war. Also wurde dies einkalkuliert und stellte kein Problem dar. Nach ca. 4 Stunden Zugfahrt kamen sie gut gelaunt am Bahnhof Garmisch an. Das Wetter war herrlich, Sonne, leichte Bewölkung und angenehme Temperaturen. Man könnte jetzt auch sagen „wenn Engel reisen“, aber wir wollen es hier mal nicht übertreiben. H. und M. machten sich auf den Weg zu ihrer Unterkunft, um ihr Hab und Gut zu verstauen. Der Hunger (und die Neugierde auf die fremde Umgebung) trieb sie allerdings schnell wieder hinaus. Im Zentrum von Garmisch fanden sie eine hübsche Gaststube mit leckeren Speisen.

Vorbereitung ist die halbe Miete. Daran können sich manche Möchtegern-Wanderer, -Camper oder -Outdoor-Experten ein Beispiel nehmen. Wenn es in die Berge geht, braucht man einfach eine gewisse Ausstattung, da gilt immer: safety first!
Das Ziel der beiden Abenteurer war die Meilerhütte der DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen im Wettersteingebirge. Die gewählte Route wurde weit im Voraus geplant und vor Ort nochmals verifiziert und angepasst. 5,5 Stunden im Anstieg und am nächsten Tag nochmals 5,5 Stunden im Abstieg. Was die Höhenmeter angeht, sollte sich der imaginäre Zeiger bei 1500 hm einpendeln. Rein rechnerisch und konditionell gesehen kein Problem. Somit gingen die beiden frühzeitig schlafen, um am nächsten Tag fit zu sein. <An dieser Stelle bitte einen Zeitraffer über die sternenklare Nacht vorstellen.>

Der nächste Tag! H. und M. waren früh wach, hatten aber auch einen strengen Zeitplan. Frühstück um 7:30 Uhr (nach kurzer Rücksprache konnten sie bereits 10min früher in den Genuss kommen), Bus zum Startpunkt der Wanderung, der „Großen Olympiaschanze“ um 7:55 Uhr und ab da startete kurz nach 8 das Wanderabenteuer. Doch auf dem Weg passierte es: Am Wanderschuh von H. riss der Schnürsenkel. „F*ck“ dachten sich beide. Sollte das Abenteuer schon vor dem Beginn scheitern?! War alles umsonst? Mussten sie wieder abreisen? Trotz ausgiebiger Vorbereitungen hatten sie nämlich keinen Ersatzschnürsenkel dabei.
Aufgeben war natürlich keine Option. Eine schnelle Lösung musste gefunden werden. Dank kurzer Recherche wurde schnell ein Ladengeschäft gefunden, das evtl. Ersatz bieten konnte. Nach einem kurzen Fußmarsch gab es dort aber leider keine zufriedenstellende Lösung. Zum Glück konnten die jungen Wanderer ein weiteres Geschäft ausfindig machen und dort sogar telefonisch ein Paar Schnürsenkel reservieren. Es handelte sich um das perfekte Lädchen für alle Bergsportler – das „Alpinsport Basis“. Die beiden waren zufrieden und somit konnte die Wanderung nun mit leichter Verspätung doch beginnen.

Am Skistadion Garmischs vorbei ging es mit einigen Tagesausflüglern Richtung Partnachklamm. Obwohl es etwas später war, als ursprünglich geplant, waren in der wunderschönen Klamm noch relativ wenige Tagestouristen unterwegs. Da lohnt sich das frühe Aufstehen! Das Genießen fiel den beiden aber nicht leicht, denn im Hinterkopf hatten sie den Wetterbericht und die Aussicht auf ein mögliches Gewitter gegen Mittag. Daher wollten sie rechtzeitig vorher oben ankommen.

Tiefe Schluchten, abgeschliffene Felsen und das unaufhörliche Rauschen des Wassers, das macht die Partnachklamm aus. Zunächst wurde sie übrigens nur wirtschaftlich genutzt und erst später für den Fremdenverkehr erschlossen. Heute ist sie eine bekannte Attraktion für Besucher aus aller Welt. Es ist schon sehr beeindruckend, was Wasser über einen langen Zeitraum schaffen kann.
Für die beiden Wanderer ging es von hier ab immer bergauf. Die Luftfeuchtigkeit stieg von Stunde zu Stunde, so dass sie richtig ins Schwitzen kamen. Vielleicht auch ein klein wenig aufgrund der teilweise sehr steilen Steigung. Aber nur ein klein wenig. Zusätzlich wurden sie von zahlreichen Stechmücken durch den Wald getrieben. Der Weg zog sich etwas, aber die Höhenmeter mussten gemacht werden. Wettertechnisch war soweit alles noch in Ordnung – bis auf die hohe Luftfeuchtigkeit. Als sich der Wald schließlich etwas lüftete und das Schachenhaus mit dem Schachenschloss am Horizont auftauchte, atmeten die beiden auf. Das Zwischenziel war nahe! Und von dort aus betrug der Weg zum Ziel auch „nur“ noch 500hm. Da die beiden gut in der Zeit lagen, kam eine Stärkung auf der Hütte genau richtig.

Zu viel Zeit durften M. und H. nicht verstreichen lassen, daher machten sie sich schnell wieder auf den Weg. Laut Regenradar war noch alles im grünen Bereich, doch am Horizont waren bereits Cumulonimbus-Wolken (Gewitterwolken) zu sehen. Der erfahrene Berggänger weiß, dass diese schnell vor Ort sein können und mit ihnen nicht zu spaßen ist. Dementsprechend erhöhten die zwei ihr Tempo und sie rannten fast den Berg hinauf. Donner setzte ein! In der Ferne waren Blitze zu sehen. Die Waldgrenze wurde überschritten und der Weg wurde steiler. Dann fing es auch noch an zu regnen. H. und M. wussten, das Gewitter war nicht mehr weit und es kamen ihnen bereits einige Bergsteiger entgegen.
Was ihre Ausrüstung anging, mussten sich die beiden Abenteurer keine Sorgen machen. Von den obligatorischen festen Wanderschuhen (mit neuen Schnürsenkeln) über Regenkleidung bis zum Rucksackschutz war alles dabei. Doch auch die besten Bergsteiger wissen, dass man die Natur zwar lesen kann, aber nicht beeinflussen. Und da das Gewitter immer näher kam, entschlossen sich die beiden, lieber umzukehren und zurück zum Schachenhaus zu gehen. Im Nachhinein war dies die beste Lösung, auch wenn die zwei Wanderer etwas geknickt waren. Gefühlt zog das Gewitter direkt über die Hütte hinweg. Das war es nun. Oder sollten sie nach dem heftigen Regen noch einen Anlauf wagen?
Sie machten es von einem Übernachtungsplatz auf der Hütte abhängig. Wäre keiner mehr frei gewesen, wäre eigentlich nur der Aufstieg zur Meilerhütte geblieben. Dort hatten sie schließlich einen reservierten Schlafplatz. Die Hüttenleute vom Schachenhaus fanden aber noch ein Plätzchen im Matratzenlager und somit entschieden sich H. und M. gegen den erneuten Aufstiegversuch. Das Gewitter war zwar vorübergezogen, doch die Zeit blieb derweil nicht stehen.

Die (kleine) Enttäuschung war rasch vorüber und sie genossen den restlichen Tag mit gutem Essen und  leckeren Getränken inklusive einem kleinen Schnaps. So erzählen es sich zumindest die älteren Anwesenden. Die Nacht verlief relativ entspannt – wie es auf einer Berghütte halt üblich ist. Aus einer Ecke kommen Schnarchgeräusche, ein Matratzennachbar wälzt sich und der nächste muss mitten in der Nacht aufs Klo. So ist es halt „da oben“. Dank Ohrenstöpsel aber auch kein größeres Thema. M. verbrachte übrigens seine erste Nacht auf einer Berghütte, und dann gleich im Matratzenlager – Applaus bitte!

Während des Frühstücks machten die beiden Pläne zum besten Abstieg ins Tal. Den gleichen Weg wollten sie nicht wieder gehen. Die Alternative führte über das Reintal bzw. Oberreintal „Alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich“ – so stand es auf dem Wegweiser. Im oberen Stück war die Aussicht ins Oberreintal grandios. Doch schnell wurde der Weg steiler und die Worte auf dem Schild deutlicher. Kleine ausgesetzte Passagen mit Drahtseilsicherung waren keine Seltenheit. 

Aber auch das meisterten die beiden heldenhaft und kamen nach einer ein paar Stunden unten an. Im Wald wurde der Weg flacher, dafür kamen die Stechmücken zurück, wovon sich H. und M. aber nicht stören ließen. Geschafft und zufrieden füllten sie noch ihre Wasserflaschen am Bach auf und begaben sich anschließend wieder durch die Partnachklamm. Dieses Mal mit etwas mehr Zeit und auch mit mehr Tagestouristen. Das Wetter hielt leider nicht ganz, es setzte leichter Regen ein. Machte aber nichts! Im Tal angekommen, gönnten sich die beiden noch eine Stärkung und ließen ihre Wanderung Revue passieren. Wenn sie auch nicht bis zur Meilerhütte gelaufen sind, waren sie doch zufrieden mit ihrer Tour, den schönen Ausblicken und der Nacht im Schachenhaus.
Im Anschluss machten sie sich an das Abenteuer Bahn-Rückfahrt, in dessen Verlauf sich ihre Wege wieder trennen sollten. Der ursprünglich gebuchte Zug sollte erst gegen Abend fahren, doch durch äußerst geschickte Diplomatie und Überredungskünste wurde die Zugbindung aufgehoben. Schienenersatzverkehr sei Dank! Somit konnten sie sich im Zug ein verdientes Abschlussbierchen gönnen.

Zum Abschluss bleibt die Frage, um wen, zum Henker, es sich bei den beiden heldenhaften Gestalten handelt!? Gute Frage… man munkelt, dass es sich dabei um Herrn Marco B. und seinen langjährigen Twitterkollegen Heiko K. handeln könnte. Aber vielleicht sind das auch nur Fake News.
Wie wird es weiter gehen? Gibt es eine Fortsetzung 2020? Werden sie auch in diesem Sommer wieder auf Tour gehen?

Rund um den Hochvogel – unterwegs durch die Allgäuer Alpen (Teil 3)

12. November 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

„Was kann man noch so rund um den Grenzgänger bzw. Hochvogel unternehmen?“ war unsere Überlegung nach dem Abstieg vom Weitwanderweg. Der ursprüngliche Plan war ja, am Folgetag vom Prinz-Luitpold-Haus nach Hinterhornbach (in Österreich) zu laufen und dort im Gasthof Hochvogel zu übernachten. Da wir nach Etappe 3 des Grenzgängers aber wieder in Hinterstein angekommen waren, mussten wir also zu Plan B umswitchen. Statt zu Fuß ging es nun halt einfach per Auto „rüber“. Also nicht der direkte Weg, sondern auf der Straße. Versteht sich aber von selbst. ;)

Hinterhornbach ist, ähnlich wie Hinterstein, ein kleines Bergdorf im Hornbachtal, dem einzigen bewohnten Seitental auf der linken Seite des Lechtals und Teil der Naturparkregion Tiroler Lechtal. Eine herrlich ruhige und naturbelassene Gegend. Hinterhornbach nennt sich selbst „Auszeitdorf“ und man kann hier bestimmt wunderbar abschalten und entspannen.
Gleichzeitig ist das Dorf auf 1101 Metern Höhe umgeben von Berggipfeln und Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Nachdem wir im Lauf des Vormittags dort ankamen, entschieden wir uns noch für eine kleine Wanderung auf die Petersbergalm. Denn ganz ohne wandern geht es dann doch nicht. Die Petersbergalm ist ein bekanntes Ausflugsziel in der Gegend und von Hinterhornbach aus in ca. eineinhalb Stunden zu erreichen. Zudem verläuft die Strecke immer schön am Hornbach entlang, mit Wasserfall, hübschen Buchten, Wald und Wiese.

Auf der Alm selbst war es relativ voll – wir hatten gar nicht daran gedacht, dass es ein Feiertag war. Aber vor Ort ist ausreichend Platz. Die Alm hat eigene Milchwirtschaft und somit konnten wir es uns nicht nehmen lassen, den Käsekuchen und ein Glas Milch zu versuchen. Persönlich würde ich sagen, dass es zur Petersbergalm eher ein Spaziergang ist. Und somit ist diese kleine Wanderung auch locker für Familien oder ältere Naturliebhaber zu meistern. Landschaftlich sehr zu empfehlen! Und über das Essen brauchen wir uns eh nicht mehr unterhalten – „a draum“!

Apropos Speis und Trank. Wenn Ihr in Hinterhornbach seid, dann solltet Ihr unbedingt auch im Gasthof Hochvogel zu Abend essen. Dies wäre auch ohne Übernachtung in der Familienpension möglich, um rechtzeitige Info wird allerdings gebeten.
Küchenchef Jürgen zaubert mit Produkten aus der Region tolle Gerichte, die auf der einen Seite heimatverbunden, gleichzeitig aber modern und mit Pfiff sind. Am Abend gibt es ein 4-Gänge-Menü (man hat die Auswahl zwischen mehreren Varianten, von denen mindestens eine vegetarisch ist). Mich fasziniert ja immer ein kleiner Einblick in die Küche, so verarbeitet Jürgen z.B. Wild aus der Gegend rund um Hinterhornbach, man sieht ihn im Garten eigene Kräuter schnippeln und überhaupt legt er viel Wert auf Frische, Saisonalität und sorgfältige Verarbeitung. Einer, der sein Handwerk versteht und mit Leidenschaft ausübt. Das schmeckt man auch!
In der Stube des Gasthofs ist es urgemütlich, und genauso sind die Zimmer, die nach und nach renoviert wurden. Ein paar Tage Auszeit stelle ich mir hier auch im Winter klasse vor! Und ganz bestimmt ein Highlight, wenn man von Etappe 4 des Grenzgängers (die erwähnte Route von Prinz-Luitpold-Haus nach Hinterhornbach) in diesem gemütlichen Gasthof landet!

Da der Wiedereinstieg auf den Grenzgänger für uns nicht in Frage kam, planten wir für den letzten Tag unserer Tour eine alternative Wanderung. Den Hochvogel selbst zu begehen, hatten wir sowieso nicht vorgesehen, obwohl es eine der schönsten Routen in den Allgäuer Alpen sein soll. Im Blick hatten wir ihn die vergangenen Tage immer wieder, aber er ist nur wirklich geübten Bergsteigern zu empfehlen und Jacky ist in den Bergen doch lieber Team „Wanderer“ als Team „Bergsteiger“. Auf der Route des Grenzgängers ist der Gipfel eine mögliche Option, aber kein Muss. Der ursprüngliche Weg von Hinterhornbach auf den 2592m hohen Hausberg ist dauerhaft gesperrt, denn vorhandene Felsspalten weiten sich aus und es ist früher oder später mit einem Felssturz zu rechnen. Auf der alternativen Route über den Kalten Winkel kann man den Gipfel in 4-5 Stunden von Hinterhornbach aus erreichen.

Wir peilten als Tageswanderung die Jochbachrunde an. Diese mussten wir allerdings abbrechen, weil der „Vorderer Steg“ fehlte, wahrscheinlich aufgrund eines Erdrutsches. Und der Weg überhaupt ziemlich matschig war. Kein Thema, dann entschieden wir uns für die „Bärenbadrunde“. Auch eine kleine Rundtour um Hinterhornbach mit Blick auf die umliegenden Berge und ins Tal. Nach ca. 3 Stunden gemütlichen Gehens und die Natur genießen, kamen wir wieder in Hinterhornbach an. Einige der Wege rund um Hinterhornbach wurden zu früheren Zeiten übrigens als Schmugglerpfade ins benachbarte Deutschland benutzt, heute jedoch begegnete uns keine Menschenseele.

Für den Abschluss hatten wir noch eine Nacht eigentlich „zum Erholen“ bei Franz in der nun schon mehrfach erwähnten Pension Hochvogel in Hinterstein angepeilt, wo wir nun, statt ursprünglich geplant im Anschluss an Etappe 5, wieder direkt vom Hornbachtal hingefahren sind.
Aus Hinterstein, unserem Ausgangspunkt, habe ich zum Schluss noch einen Essenstipp für Euch, dieser nennt sich Prinze Gumpe. Ein hübscher Natur-Badeteich, der von den Hintersteinern komplett neu angelegt wurde und nun sowohl Abkühlung im Sommer als auch überraschend leckeres Essen parat hat.

Hier schließt sich dann auch der Kreis. Unsere Grenz-Erfahrungen am Grenzgänger. Auf diesem und aus der Umgebung, von der wir natürlich nur einen ganz kleinen Teil entdecken konnten.
Die restlichen 2 Etappen stehen noch auf unserem Plan. Das nächste Mal bitte mit richtig genialem Wetter und der ein oder anderen zusätzlich gesicherten Stelle.

Fazit zum Grenzgänger: Ein wunderschöner, anspruchsvoller Weitwanderweg mit fantastischen Ausblicken und abwechslungsreichen Landschaften. Ein Muss für jeden Bergfan, aber man sollte schon geübter Bergwanderer sein und ausreichend Trittsicherheit mitbringen.

Ein dickes Dankeschön geht auch an das ganze Team vom Grenzgänger, die dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht haben.

Grenzerfahrungen auf dem Grenzgänger – unterwegs durch die Allgäuer Alpen (Teil 2)

29. Oktober 2019 | Ein Kommentar | Schlagwörter: , , , ,

Weiter ging es auf dem Grenzgänger, immer entlang der Deutsch-Österreichischen Grenze, die man auf der Route mindestens einmal pro Tag überquert. Und je nach Etappe sogar mehrmals.
Nach der Übernachtung auf der urigen Willersalpe ging es früh auf zur Etappe 2 des Grenzgängers. Diese begann mit einem Aufstieg 600 Höhenmeter rauf auf das Geißeckjoch, von wo man eine herrliche Aussicht genießen kann.

Gut gelaunt liefen wir auf dem schmalen Pfad entlang und stoppten zwischendurch, um eine Herde Gämse zu beobachten. Bzw. EINE wäre untertrieben. Es waren mindestens drei entlang der Strecke zu sehen und zusätzlich noch ein paar vereinzelte Tier. In meinem bisherigen „Bergleben“ (und das ist schon eine gewisse Weile) habe ich sehr selten so viele Gämse auf einem Fleck bzw. einer Ecke gesehen. Also ein ideales Gebiet für diejenigen unter Euch, die gerne Tiere beobachten. Apropos Gams: Während wir im Lauf des Tages vor uns hin wanderten und (mal wieder) ein Joch überquerten, ging ich voraus. Und als ich um die nächste Kurve bog, stand ca. fünf Meter von mir entfernt eine ausgewachsene Gams, fauchte mich an und wir starrten uns in die Augen. Dies allerdings nur kurz, denn so schnell wie sie da war, war sie auch wieder weg. Was haben wir uns erschrocken – also die Gams sich und ich mich. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich überhaupt nicht, dass Gämse fauchen können. Auf dem Grenzgänger lernt man auch als alter „Berghase“ noch etwas dazu!
Oben am Geißeckjoch überquerten wir zum ersten Mal die Grenze. Und trafen vor Ort einen Trupp Gebirgssanitäter, die zur Übung unterwegs waren. „Dann sind wir im Notfall ja in guten Händen und werden nach unten getragen“ war mein spaßig gemeinter Smalltalk. Der allerdings nicht so gut ankam – und überhaupt waren wir dafür schließlich nicht hoch genug (getragen wird erst ab einer Hubschrauber-untauglichen Höhe!). Ok, ok, als der Leiter des Trupps aber meine DAV-Nadel zur 25jährigen Mitgliedschaft sah, war das Eis wenigstens etwas (an)gebrochen.

Vom Geißeckjoch ging es bergab an der vorderen Schafwanne, mit dem wunderbar grün-türkisen Vilsalpsee im Blick. Unser Tagesziel war die Landsberger Hütte. Lässige 6 Stunden Gehzeit und ein paar Höhenmeter. Vorbei am Rauhhorn über das nächste Joch näherten wir uns dem Schrecksee. Bisher hielt das Wetter, doch kurz vor dem Schrecksee schlug es um. Wir hatten Glück und konnten noch einen kurzen Blick auf einen der bekanntesten Seen der Gegend erhaschen, bevor er ganz im Nebel verschwand. Wir legten einen Zahn zu, um auf jeden Fall sicher ans Ziel kommen. Aufgrund des Regens am Vortag war der Weg sehr matschig. Was will man machen – da muss man durch! Über das nächste Joch drüber sah es aber wettertechnisch schon wieder besser aus. Die Wolken verabschiedeten sich in etwas höhere Gefilde. Was auch besser war, denn an einigen Stellen ist unbedingt Trittsicherheit angebracht. Und an ein, zwei Stellen fehlt (meiner Meinung nach) noch eine Hilfe (also ein Stück Drahtseil oder Eisenstufen). Aber das kommt sicher noch, denn der Wegebau am Grenzgänger ist noch nicht abgeschlossen und wird in der nächsten Zeit stetig erweitert.

Kurz vor dem letzten Etappenstück setzte wieder leichter Regen ein und wir kamen somit etwas nass an der Landsberger Hütte an. Laut Wegbeschreibung sollte man die DAV-Hütte schon ein ganzes Stück vorab im Blick haben, bei uns waren die Wolken so dicht, dass wir sie erst im letzten Moment erblicken konnten. Auf der Landsberger Hütte herrscht im Gegensatz zur Willersalpe sehr reger Betrieb. Sie hat insgesamt 170 Matratzenlager und 30 Betten zu bieten. Bei unserer Ankunft war die Hütte sehr gut besucht, was man im Trockenraum deutlich zu spüren bekam. (ich sage nur: Der Tod von Forchheim ist nichts dagegen!). Wie es halt so ist, wenn ein Haufen Wanderer nach einem langen Tag die dampfigen Schuhe auszieht…
Das Essen auf der Hütte ist trotz der benötigten Mengen super und abends gibt es sogar für 30 Minuten Wlan auf über 1800 Metern. Von jetzt auf gleich herrscht eine Stille in der ganzen Hütte, dass man sich zunächst ganz schön wundert, wenn man nicht ahnt, warum. So schnell schaut man nicht und keiner spricht mehr. Nach 30min geht das Gebrabbel aber sofort wieder los. ;)

Von unserem Zimmer aus hatte man einen Wahnsinnsausblick – wie Ihr sehen könnt – der sich nach dem Aufwachen auch bei schönstem Wetter zeigte. Unser Zimmer war voll belegt und beim Ins-Bett-Gehen wunderte ich mich etwas über den leichten Kuhstallgeruch. Was aber, wie uns am nächsten Morgen einfiel, wohl an uns lag bzw. unseren Hüttenschlafsäcken, die auf der Willersalpe etwas Geruch angenommen hatten. Es gibt Schlimmeres, wir waren früh beim Frühstück und dann ging es auf zu Etappe 3!

Mit einer angegebenen Dauer von ca. 6 Stunden geht Etappe 3 entlang des Jubiläumswegs zum Prinz-Luitpold-Haus. Wir gingen zunächst ein kleines Stück von Etappe 2 zurück, bogen dann aber am Westlichen Lachenjoch nach links ab. Kleine Empfehlung am Rande: Immer die Umgebung im Auge behalten, denn es könnten sich hier Murmeltiere tummeln. Wir hatten Glück und haben einige der kleinen Bergnager zu Gesicht bekommen. Kurz nach dem Abzweig gab es ein etwas schwierigeres Stück mit Drahtseil, danach schlängelte sich der Weg immer leicht bergauf und bergab, vorbei an schönen Berghängen. Und immer wieder mit dem Hochvogel im Blick. Alles in allem sehr schön zu laufen, mit der ein oder anderen anspruchsvolleren Ecke. Unterwegs trafen wir auch die Jungs vom „Sicherungstrupp“, die gerade ein Gatter anbrachten (und da es noch nicht fertig war, zum Glück keinen Zoll kassieren wollten – kleine Scherze am Rande).
Auf dem Jubiläumsweg waren übrigens ein paar mehr Wanderer unterwegs, als am Vortag. Viele liefen die umgekehrte Richtung vom Prinz-Luitpold-Haus in Richtung Schrecksee und trotzdem hat man über längere Stücke herrlich seine Ruhe.
Kurz vor der Lärchwand, nachdem wir einen Großteil der 3. Etappe schon geschafft hatten, trafen wir den Sicherungstrupp wieder.

Auf den Bildern sieht der Einstieg in die Lärchwand relativ harmlos aus, von weiter weg auch noch. Aber sowohl entgegenkommende Wanderer als auch die Einheimischen erzählten vom doch ziemlich anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad. Je näher man kam, desto mehr Drahtseil, ausgesetzte Stellen und Abhang wurden sichtbar. Für mich kein Problem, aber da Jacky sich nicht ganz wohl bei der Sache fühlte und ich nichts riskieren wollte, entschieden wir uns für den Abstieg zum Giebelhaus, an dem wir kurz vorher vorbeigekommen waren.
Der Abstieg erfolgte über Weiden und vorbei an grasenden Kühen. Die übrigens keine Anstalten machten, aus dem Weg zu gehen. Also machten wir den ein oder anderen Bogen. Am Giebelhaus angekommen, erwischten wir gerade noch den Tälerbus zurück Richtung Hinterstein und wir konnten uns nach der ohnehin schon verlängerten Etappe ein paar Kilometer sparen. In Hinterstein hatten wir ein zweites Mal Glück und bekamen spontan noch das letzte Zimmer in der schönen Pension Hochvogel.

In meinem Leben war ich schon auf einigen Gipfeln. Ob leicht, mittel, schwer – oft kein Problem. Aber nicht immer gelang es mir, dort anzukommen, wo es ursprünglich geplant war. In jungen Jahren fuchste es mich ungemein, doch mit genügend Abstand weiß ich, dass es manchmal besser ist, umzudrehen. Sobald sich jemand unsicher fühlt, siegt die Vernunft. Punkt! Es kann das Wetter sein, die Höhenkrankheit, Unsicherheit oder was auch immer – das ist alles kein Problem. Lieber rechtzeitig umdrehen, als auf die Bergwacht angewiesen zu sein oder Schlimmeres. Das war, ist und sollte immer die Regel sein! Das ist übrigens auch kein Zeichen von Schwäche, ganz im Gegenteil. Echte Bergsteiger wissen, wovon ich rede.
Trotzdem waren wir an diesem Abend etwas geknickt, dass wir nicht im Prinz-Luitpold-Haus angekommen sind. Aber die Vernunft siegte. Auch nicht schlecht, denn so ließen wir den Abend mit einem guten Essen ausklingen und schmiedeten Pläne für den nächsten Tag.

Ein dickes Dankeschön geht auch an das ganze Team vom Grenzgänger, die dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht haben.

Grenzerfahrungen auf dem Grenzgänger – unterwegs durch die Allgäuer Alpen (Teil 1)

16. Oktober 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Der Sommer stand bei mir ganz im Zeichen von Bergen, Wandern und Bergsteigen. Und das immer – wenn möglich – in Verbindung mit Genuss und dem ein oder anderen „Blick hinter die Kulissen“. Vielleicht hat es manch einer von Euch schon geahnt, wohin mich eines meiner Sommerhighlights führte. Denn es wurden (wieder) Grenzen überquert. Was ich in den Karawanken beim Panoramaweg Südalpen, der ja entlang der Grenze zwischen Österreich und Slowenien verläuft,  schon mal angedeutet hatte. Vor ein paar Wochen ging es also auf zum „Grenzgänger“.

Doch was ist der „Grenzgänger“ überhaupt?

„Beim »Grenzgänger« handelt es sich um eine Mehrtagestour inmitten der Allgäuer Alpen. Das Herzstück ist die ständige Überschreitung der österreichischen und deutschen Grenze zwischen Tannheimer Tal, Hintersteiner Tal und dem Lechtal.“

So die Einleitung. Berge, Wandern, herrliche Landschaft und Anstrengungen sind nie verkehrt! Die Vorfreude stieg. Der Rucksack wurde für sämtliche Gegebenheiten gepackt, aber natürlich alles in weitwanderwegtauglichem Umfang. An dieser Stelle sei gesagt, dass es noch einen eigenständigen Blogpost zu Material/Ausrüstung und Verpflegung geben wird.

Beim „Grenzgänger“ handelt es sich um ein grenzüberschreitendes Projekt, welches von der Europäischen Union gefördert wird. Wir begannen unsere Tour von der Pension Hochvogel in Hinterstein aus. Hinterstein ist ein kleines Bergsteigerdörfchen und Ortsteil von Bad Hindelang, das vielleicht dem ein oder anderen ein Begriff ist. Es ist Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen und somit auch Startpunkt für unsere Tour.  
Nach unserer Ankunft konnten wir allerdings noch in Ruhe die Gegend erkunden und den super Service der Familie Hölzl genießen. Sehr gemütliche Zimmer und ein superleckeres Frühstück – am besten einfach einmal durch die zahlreichen selbstgemachten Marmeladen probieren oder den selbstgemachten Schinken genießen – sehr zu empfehlen! Ganz unkompliziert gibt es auch eine Kaffee- und Getränkeecke, in der sogar täglich frischer Kuchen zur Verfügung steht. Die Pension Hochvogel spielt später (für uns) noch eine wichtige Rolle, doch erst einmal ein paar Daten und Fakten zum Projekt Grenzgänger und unserer Route:

Für die Statistiker unter uns: Der Grenzgänger umfasst ca. 80 km, über 6000 Höhenmeter und eine reine Gehzeit von ca. 37 Stunden. Da dies an einem Tag etwas schwierig ist, versteht sich von selbst und deshalb sind insgesamt sechs Etappen angesetzt. Wer jetzt denkt „hey, ist doch easy“ … nicht vergessen, wir sprechen hier von Gebirge: Trittsicherheit bzw. Schwindelfreiheit sollten auf jeden Fall vorhanden sein, der Grenzgänger ist schon als anspruchsvoll einzuordnen. Wenn Du also Geröllfelder, ausgesetzte Grate und steile Flanken magst, dann bist Du hier genau richtig. Und die richtige Ausrüstung versteht sich dabei natürlich von selbst.

Auf unserem Plan standen fünf der sechs Etappen, die wir in einer schönen Schleife laufen wollten. Übernachtet wird dabei auf verschiedenen Hütten oberhalb der Waldgrenze, die wir sicherheitshalber im Vorfeld reservierten. Das empfehle ich gerade zur Hauptsaison jedem, aber bitte sagt Bescheid, wenn ihr doch nicht kommen könnt. Es kann schließlich immer etwas dazwischenkommen, keine Frage.

Unsere geplanten fünf Etappen sahen so aus:

Etappe 1 – Bschießer, Ponten, Zirleseck & Willersalpe
Länge: 8,5 km
Höhe: ↑ 1.062 hm ↓ 699 hm
Dauer: 5:00 h

Etappe 2 – Geißeckjoch, Schrecksee & Landsberger Hütte
Länge: 11,5 km
Höhe: ↑ 1.007 hm ↓ 672 hm
Dauer: 6:00 h

Etappe 3 – Über den Jubiläumsweg zum Prinz-Luitpold-Haus
Länge: 12,3 km
Höhe: ↑ 724 hm ↓ 681 hm
Dauer: 6:00 h

Etappe 4 – Himmelecksattel, Hornbachjoch & Hinterhornbach
Länge: 15,4 km
Höhe: ↑ 928 hm ↓ 1.670 hm
Dauer: 7:30 h

Etappe 5 – Hinterhornbach, Hochvogel & Hintersteiner Tal
Länge: 13,8 km
Höhe: ↑ 1.275 hm ↓ 1.317 hm
Dauer: 7:30 h

Neben der Planung von Etappen, Übernachtungen, Gepäck und sonstigen Vorbereitungen hatten wir auch ein bisschen trainiert und sind immer wieder mal mit Gepäck gewandert. Egal, ob Tagestour oder auch mal zwei, drei Tage hintereinander mit voller Ausrüstung – Füße, Beine und Schultern wussten Bescheid, was auf sie zu kommt.
Was man aber unbedingt beachten muss, wenn man in die Berge möchte, ist der Wetterbericht. Der bei uns durchaus hätte besser ausfallen können. Aber wir wissen ja, dass sich das Wetter in den Alpen schnell ändern kann. Und Regenkleidung war sowieso im Rucksack.

Da für Tag 1 unserer Wanderung allerdings ab mittags komplett Dauerregen angesagt war, entschieden wir uns, das kurze Wetterfenster (klingt fast wie am Himalaya) zu nutzen und uns auf den direkten Weg zur Willersalpe zu machen. Also ohne die beiden Gipfel Bschießer und Ponten, dafür aber mit dem Aussichtspunkt Köpfle und dem Wildfräuleinstein.  

Auf den letzten Metern zur Willersalpe wurden wir dann doch noch nass, was aber nicht auf die Stimmung drückte. Diese wurde übrigens im Laufe des Abends noch viel besser.
Nachdem wir uns aus den Regensachen gepellt und gestärkt hatten, wurde das Quartier, genauer gesagt das Matratzenlager, bezogen. Zimmer sind dort nämlich nicht vorhanden. Und auch sonst ist die Willersalpe sehr rustikal eingerichtet. Für diejenigen, die noch nie auf einer Hütte übernachtet haben: In der Regel gibt es Mehrbettzimmer und Matratzenlager. Im Matratzenlager hat man mehrere Matratzen nebeneinander und auch schon mal eine wildfremde Person neben sich. Was einem nach einer anstrengenden Bergtour aber völlig egal ist, man krabbelt in seinen Hüttenschlafsack, steckt sich eventuell ein paar Ohrstöpsel in die Ohren und schläft wie ein Stein.
Zurück zur urigen Willersalpe: Bitte unbedingt den dortigen Bergkäse probieren! Diesen stellt Hüttenwirt Markus nämlich selbst her. Seine ca. 20 Kühe und 70-80 Tiere Jungvieh geben genug Milch, um daraus täglich einen Laib Bergkäse zu produzieren. Übrigens ist die Willersalpe ca. 400 Jahre alt und wurde bis vor ein paar Jahren noch mit Pferden beliefert. Ach, Elektrizität ist auch nur sporadisch vorhanden. Bzw. nur in den notwendigen Ecken, wie Küche, Waschraum usw.

Der weitere Nachmittag verlief gemütlich: Draußen regnete es, drinnen saßen wir beisammen, quasselten und genossen die Ruhe. Einfach aus dem Fenster schauen, nachdenken und die Natur genießen. Für einen kurzen Augenblick klarte es sogar nochmal auf und wir drehten eine Runde um die Hütte. Ähnlich unseren Bleiben in Italien (Stichwort Agriturismo) gab es auf der Alpe ein Abendessen für alle, in unserem Fall leckere Spaghetti Carbonara. Wir kamen mit Sarah und Philip ins Gespräch und der Abend endete mit einer lustigen Kniffelrunde. Schnell kristallisierte sich unsere Hüttenregel heraus: Kniffel gewürfelt = Marillenschnaps. An dieser Stelle ein „Prost“ an die beiden! Nach einer sehr guten Nacht – so gut habe ich selten auf einer Hütte geschlafen – wurden wir früh von Getrampel geweckt, es waren die Kühe unter uns, die früh zum Melken hereinkamen. Das Matratzenlager befindet sich nämlich direkt über dem Kuhstall. Kein Problem, denn es wartete sowieso die nächste und erste „richtige“ Grenzgänger-Etappe auf uns. Zudem klarte es auf und laut Wetterbericht sollte es erst wieder nachmittags regnen. Also früh los zu Etappe Nummer zwei…

Ein dickes Dankeschön geht auch an das ganze Team vom Grenzgänger, die dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht haben.

Es war einmal in den Karawanken – der Panoramaweg Südalpen (Teil 2)

14. Juli 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , , ,

Nach vielen herrlichen ersten Eindrücken rund um den Panoramaweg Südalpen ging es für uns weiter in das Herz der Karawanken. Zunächst waren wir vorwiegend in der Region Villach unterwegs, nun wechselten wir in die Region Carnica Rosental. Als erstes Ziel stand die Tscheppaschlucht südlich von Ferlach auf dem Programm. Tiefe Schluchten, steile Felsen, Wasserfälle und außergewöhnliche Pflanzen, alles was das Wanderherz begehrt. Und richtig angenehm zu begehen bei hochsommerlichen Temperaturen.
Unser Begleiter, Herbert Jesenko, kennt die Schlucht in- und auswendig, denn er war quasi der Initiator der Schlucht als Touristenattraktion. Er kennt die Tragkraft der „Brücke der Freundschaft“, seltene in der Schlucht wachsende Pflanzen und weiß, wo noch ein verlassenes Fahrzeug aus dem 2. Weltkrieg zu finden ist. Außerdem hat er zahlreiche Geschichten (u. a. auch aus dem Himalaya) auf Lager.

In der Schlucht gibt es ein ausgeklügeltes Rettungssystem. Sie ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, die unterschiedlich farblich gekennzeichnet sind. So weiß ein Rettungsteam sofort, wo sich der Verletzte befindet, falls einmal etwas passieren sollte. Kleinigkeiten die einem Besucher vielleicht nicht sofort ins Auge fallen, die aber äußerst hilfreich sind. Durch die Tscheppaschlucht verlaufen verschiedene Wege mit Brücken, Stegen und der ein oder anderen Leiter. Alles super gesichert, aber festes Schuhwerk ist auf jeden Fall empfehlenswert.
Persönlich liebe ich ja Geschichten über solch regionale „Urgesteine“ wie Herbert. Er kennt sich nicht nur in den Karawanken aus, sondern war auch schon in Nepal unterwegs. Und das zu einer Zeit, wo nur wenige an Höhenbergsteigen gedacht haben und Expeditionen nicht mit heutigen vergleichbar waren. Der Annapurna I und Nanga Parbat waren seine zwei Achttausender. Kleiner Tipp: Vielleicht könnt Ihr ihn in der Schlucht einmal selbst kennenlernen, ansonsten in sein Buch „Bergerlebnisse – in den Karawanken und anderswo“ schauen.

Wenn man schon in der Gegend ist, darf ein Blick ins schöne Bodental nicht fehlen. Ein kleines, aber sehr feines Hochtal. Ein Highlight dort ist das bekannte Meerauge. Wissenschaftlich gesehen handelt es sich um ein sogenanntes „Toteisloch“, in der Eiszeit durch einen Gletscher entstanden, doch vielleicht ist es auch eine Verbindung zu einem anderen See? So soll (vor langer Zeit) ein Ochsengespann hineingefallen und an einer ganz anderen Stelle wieder zu Tage gekommen sein.

„Einst sanken zwei Ochsen mit Wagen und Heu
– in die Tiefe – es war in Sekunden vorbei.
Nichts zeugte vom Unglück, vom finsteren Grauen.
Nicht die Welle, die kleinste konnt’ das Auge erschauen.
Erst Wochen danach und jenseits der Höh’
trieb das Ochsenjoch drüben im Veldeser See!“

So erzählt man sich die Sage vom Meerauge. Man weiß es nicht…

Durch die türkisblaue Wasserfarbe und die aufsteigenden Blasen hat das Meerauge eine sehr beruhigende Wirkung und ist ein idealer Ort, um die Gedanken schweifen zu lassen. Selbst ausprobiert und für sehr gut befunden! Früher lebten die Einwohner im Bodental fast ausschließlich von Land- und Forstwirtschaft, heute noch zum Teil erkennbar an den vielen wasserbetriebenen Hausmühlen. Heutzutage ist das Bodental touristisch erschlossen und bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und leckeres Essen! Wir kehrten im Gasthaus Bodenbauer ein und genossen einen sehr leckeren Schweinsbraten!

Bekanntermaßen führt der Panoramaweg Südalpen an der Grenze zwischen Österreich und Slowenien entlang. Daher ging es für uns auch im Anschluss wieder in das Nachbarland Slowenien. Ursprünglich geplant war eine Tour mit dem E-Bike in das nahegelegene Tržič, doch die Wetterlage war etwas angespannt. Somit ging es per Bus über den Loiblpass. Was mir gerade einfällt: Man (= ich) sollte vielleicht einmal mit einem passenden Fahrzeug (= Sportwagen) über die verschiedenen (= alle) Pässe in der Region fahren. Wäre eine Überlegung wert, denn die Gegend ist äußerst verlockend!
In Tržič selbst erwartet uns bereits Schuhmacher Matej Slapar in seinem Unternehmen ProAlp (die deutsche Seite ist aktuell noch in Arbeit). In seinem Betrieb werden (Wander-)Schuhe noch in Handarbeit und ganz individuell bzw. auch nach Maß angefertigt. Neben Wanderschuhen werden neuerdings auch Barfußschuhe hergestellt. Selbstverständlich ebenfalls ganz individuell nach Kundenwunsch. Bei Matej bzw. seinem Unternehmen gibt es keine Probleme, sondern nur Lösungen. Und das zu einem fairen Preis. Die Produktionsdauer eines maßgefertigten Schuhs beträgt ca. eine Woche. Allerdings kann es sein, dass ihr ein bisschen warten müsst, denn erst einmal sind meine zukünftigen Schuhe an der Reihe.

Tržič hat übrigens eine sehr lange Schuhmacher-Tradition. Diese waren früher fast in jedem Haus zu finden, es galt als die Schuhmetropole Ex-Jugoslawiens. Ein paar Handwerker vor Ort gibt es noch, die die Tradition hoffentlich weiter fortführen. Informationen zum Schusterhandwerk (und zu weiteren Handwerkern aus der Region) findet Ihr im örtlichen Museum. Im Übrigen die umfangreichste Ausstellung des Schusterhandwerks in ganz Slowenien, aber auch eine Skiausstellung ist hier zu finden.

Zu Tržič gibt es ebenfalls eine Sage. Und zwar handelt sie von einem Drachen, der in den Bergen geboren wurde. Als er ausgewachsen war, teilte er den Berg Košuta und die ansässigen Bewohner flüchteten ins Tal. Als sie nicht mehr weiter konnten, ließen sie sich nieder und zack – das heutige Tržič war geboren.

Zu angebrochener Stunde musste etwas zu Essen her. Also ging es zum nahe gelegenen Gasthof Karavla, wo uns ein erstens (wieder) sehr leckeres und zweitens (wieder) sehr üppiges Essen erwartete. Allerdings dürft ihr mich jetzt nicht nach dem Namen der Gerichte fragen. Was sicher ist: Es handelte sich um eine regionale Spezialität. Und wichtig nach dem Essen: Den Schnaps nicht vergessen!

Zum Abschluss unserer Pressereise warfen wir nochmals einen Blick auf den Panoramaweg Südalpen. Am Ufer der Drau (übrigens ein Radfernweg) hat man einen genialen Blick auf die Karawanken und den Verlauf des Panoramawegs.

Und als letztes Highlight bzw. eine weitere Unternehmung am Rande des Panoramawegs stand ein Besuch im Technikmuseum Historama Ferlach auf dem Programm. Auf den ersten Blick ein kleines Museum, sobald man allerdings die Räumlichkeiten betritt, wendet sich das Blatt um 180 Grad. Das Verkehrsmuseum – übrigens das zweitgrößte seiner Art in ganz Österreich- zeigt die unterschiedlichsten Fortbewegungsmittel. Eine Flugmaschine aus dem Jahr 1913 ist ebenso dabei, wie verschiedene Züge, Straßenbahnen und Autos aus vergangenen Tagen.

Wie Ihr seht, rund um den Panoramaweg Südalpen gibt es unzählige Möglichkeiten und Aktivitäten zu entdecken. Wir konnten einen kleinen Auszug davon genießen und waren alle sehr begeistert. Was vermutlich daran liegt, dass für jeden etwas geboten ist.

Der Dank gilt allen Partnern vor Ort, der Region Villach und der Region Carnica-Rosental für die Einladung! Und auch der Europäischen Union, welche solche Projekte ins Leben ruft. Bis 2020, auf mich warten ja noch einige Etappen…

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