Touren im Ötztal – Der Mann aus dem Eis wird 30!

19. September 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , ,

Genau 30 Jahre ist es her, dass der Mann aus dem Eis, besser bekannt als „Ötzi“, gefunden wurde. Am 19. September 1991 machte das Ehepaar Simon (die übrigens auch aus Franken kamen) beim Wandern am Niederjochferner diesen historischen Fund. Als Kind war ich bereits einmal vor Ort, allerdings kann ich mich selbst kaum noch daran erinnern. Und so war es jetzt einmal an der Zeit bei einem Besuch im wunderschönen Ötztal, die Fundstelle bzw. den markierenden Obelisken auf dem 3210m hohen Tisenjoch zu besichtigen.

Fast jeder wird mit dem Namen „Ötzi“ etwas anfangen können und mittlerweile haben zahlreiche Forscher ziemlich viel über die Mumie aus dem Eis herausgefunden. Wie mittlerweile festgestellt wurde, starb er vor über 5000 Jahren und dank der tiefen Temperaturen des Gletschers wurde er mumifiziert. Er gehört zu den ältesten und am besten konservierten Mumien der Welt. Ötzi starb am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen. Dass es sich bei dem Fund um eine Besonderheit handelte, war zuerst gar nicht unbedingt absehbar. Man dachte zunächst, dass es sich um eine „neuere“ Gletscherleiche handelte, jemand, der in den vergangenen Jahrzehnten in den Bergen umkam und erst jetzt gefunden wurde. Was durchaus passierte, dass eine vermisste Person erst ein paar Tage/Wochen/Monate später gefunden wurde.
Das Ehepaar Simon war auf dem Rückweg von der Fineilspitze (3516m) zur Similaunhütte (3016m) und entdeckte in einer Mulde einen Oberkörper. Daraufhin gingen sie zur Hütte und meldeten den Fund. Der Hüttenwirt Markus Pirpamer stieg zur Stelle auf (die ca. 200hm oberhalb der Hütte liegt) und verständigte im Anschluss die Polizei. Übrigens ist Markus noch immer der Betreiber der Similaunhütte und könnte sicherlich so einiges dazu erzählen.

Am Folgetag erschien die Polizei, um den Fund zu dokumentieren, konnte aber aufgrund der Höhe nicht sofort die Bergung einleiten. Zwei Tage nach dem eigentlichen Fund kamen auch Reinhold Messner und Hans Kammerlander mehr oder weniger zufällig an der Fundstelle vorbei. Begleitet wurden sie von Hans Haid, einem Dichter/Schriftsteller aus dem Ötztal, der später in mehreren Büchern der Gletscherleiche eigene Kapitel widmete. Auch sie diskutierten den Fund, gingen zunächst aber von einer seit einigen Jahrhunderten verstorbenen Person aus. Die Bergung erfolgte nicht extrem vorsichtig und so wurde erst einige Zeit später, als die Mumie von Experten untersucht wurde, die eigentliche Sensation erkannt.

Der Name „Ötzi“ war auf Grund seines Fundortes in den Ötztaler Alpen schnell geboren. Gut, wenn man es ganz genau nimmt, ist er ein Südtiroler. Unter anderem ist er auch noch unter dem Namen „Mann vom Hauslabjoch“ bekannt, wobei das Hauslabjoch ca. 80m entfernt liegt. Gestorben ist er vermutlich durch einen Pfeil (die Spitze wurde im Körper gefunden). Allerdings könnte auch ein Schädel-Hirn-Trauma zu seinem Tod geführt haben – zahlreiche Experten rätselten viele Jahre über die Todesursache. Vielleicht war er auf der Flucht, und aus heutiger Sicht muss man sagen, dass er glücklicherweise auf über 3000m unterwegs gewesen ist, denn sonst wäre Ötzi nicht in so einem gut erhaltenen Zustand aufgefunden worden. Nach langem Hin- und Her ist die Gletscherleiche heute im Archäologiemuseum in Bozen zu finden und wird dort weiterhin untersucht. Man findet dort aber auch Rekonstruktionen des Steinzeitmanns.
Wer mit der Familie im Ötztal unterwegs ist, dem lege ich das Ötzi-Dorf in Umhausen ans Herz. Hier können sich die Besucher auf Ötzis Spuren begeben und u.a. erleben, wie Steinzeitmenschen lebten. Und wer selbst wandern gehen möchte, der sollte sich den „Ötzi-Trek“ anschauen, der auch zur Fundstelle führt.

In der vergangenen Woche ging es für mich hinauf zur Fundstelle. Meine Begleitung war die Wanderführerin Barbara Haid, die gleichzeitig auch die Tochter von Hans Haid ist. Das passte natürlich super zu unserer Tour zur Ötzi-Fundstelle! Von dem schönen Bergsteigerdorf Vent führte unsere Route zunächst zur Martin-Busch Hütte auf 2501m. Dort kamen wir ins Gespräch mit Elmar, seines Zeichens DER Schafshirte für den Schaftrieb über den Ötztaler Alpenhauptkamm. Die Schafe werden aus dem ganzen Tal zusammengetrieben, an der Martin-Busch Hütte „gesammelt“ und anschließend über das Niederjoch nach Südtirol getrieben. Diese grenzüberschreitende „Transhumanz“ oder Wanderweidewirtschaft wurde 2011 in Österreich als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt. Es ist einer der ältesten und spektakulärsten Schafübertriebe im ganzen Alpenraum. Elmar ist ein super Typ und gerne würde ich einmal eine Saison helfen und mitwandern. Für Barbara und mich ging es allerdings weiter zur Similaunhütte. Dies sollte mein Schlafplatz für die Nacht sein. Auf 3019m gelegen und quasi auf der Grenze zwischen Österreich und Italien (ja, ganz genau liegt die Hütte bereits in Südtirol). Wie es so üblich ist, Bergschuhe ausziehen, sich anmelden, Schlafplatz einrichten und anschließend gesellig zusammensitzen, das Abendessen genießen und sich anschließend in seine Koje verziehen. Immer wieder schön, so ein Hüttenabend!

Am nächsten Tag (ich hatte dank Ohrstöpsel sehr gut geschlafen), ging es frühstücken. Ich liebe den Morgen auf einer Berghütte. Für mich hat es etwas ganz Besonderes: Die Berge sind klar (natürlich nicht immer), die Luft dünn, frisch und ebenfalls klar. Dazu das morgendliche Gewusel/Gebrummel der Bergsteiger, die zwar noch nicht richtig wach sind, sich aber trotzdem schon auf ihre Tour freuen. Im Vorraum, beim Anziehen der Bergschuhe wird sich verabschiedet „Kommt gut wieder runter“ und jeder geht in seine Richtung. Barbara und ich machten uns auf den Weg zur Fundstelle. Diese war mit 1 Stunde und 15 Minuten von der Hütte aus angeschrieben. Nach ein paar kleinen ausgesetzten Stellen erreichten wir diese in der angegebenen Zeit und standen nun auf 3210m beim besagten Obelisken.

Nach einer kurzen Pause ging es wieder an den Abstieg. Dieser führte uns nicht wieder zurück zur Similaunhütte, sondern direkten Weges zur Martin-Busch Hütte. Nach einer kurzen Rast mit leckerem Kaiserschmarrn ging es von dort zurück nach Vent.

Wichtig: Es handelt sich dabei um eine Wanderung im Hochgebirge, also an die entsprechende Ausrüstung denken – aber das sollte sich eh von selbst verstehen. Auf der Hütte ist aktuell eine Anmeldung Pflicht, wie auch das Mitbringen eines Schlafsacks (kein Hüttenschlafsack). Insgesamt ist es eine sehr schöne und lohnenswerte Tour, inkl. Hüttenübernachtung auf über 3000m und es ist auf jeden Fall etwas Besonderes dort oben an der Ötzi-Fundstelle zu stehen!

Ein Dankeschön geht auch an das ganze Team vom Ötztal Tourismus, die dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht haben.

Sieben auf einen Streich – der Naturparkweg in Mecklenburg-Vorpommern

15. April 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Reisen ist aktuell ja noch schwierig, aber auch das wird sich wieder ändern und wir freuen uns schon alle darauf!
Letztes Jahr war ich noch in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Natürlich war Corona ein Thema, doch die Lage lag damals noch etwas anders. Wir konnten unter dem Thema „30 Jahre Schutzgebiete“ die Nationalparks kennenlernen und die Besuche dort sind mir sehr gut in Erinnerung geblieben. Grundsätzlich gefällt mir die Ecke von Deutschland immer besser und ja, auf meiner imaginären Top-Urlaubs-Liste wandert die Region immer weiter nach oben. Das liegt für mich vor allem an der (unberührten) Natur, an den freundlichen und direkten Menschen, aber auch an der herrlichen Umgebung. Grundsätzlich bin ich immer neugierig, wenn es um für mich neue und unentdeckte Landschaften geht.

Zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad waren wir in den Schutzgebieten unterwegs. Dass es mir so gut gefiel, lag vielleicht auch mit daran, dass ich bekanntermaßen gerne auf Wanderschaft gehe. Wenn ich könnte, würde ich am liebsten eine Berghütte pachten und von dort aus immer selbst Touren unternehmen. Da dies nun mal nicht realistisch ist, nutze ich einfach viele andere Möglichkeiten zum Wandern. Egal, ob es „nur“ eine 10km Tour ist, oder wie mit Marco eine Etappe über 30km. Mich entspannt es einfach und zudem gibt es immer etwas Neues zu entdecken. Ob es Pilze (Stichwort: Ästiger Stachelbart) sind, Tiere oder Begegnungen mit anderen Wanderern (Stichwort: Kniffelrunde), Highlights gibt es auf (fast) jeder Tour. Oder Erlebnisse wie den Sonnenaufgang auf dem Fluchtkogel – wenn ein Traum in Erfüllung geht. Sorry, ich schweife ab.

Was definitiv noch auf meiner Liste steht, ist ein Fernwanderweg. Es hat nämlich schon etwas meditatives, von Etappe zu Etappe zu wandern. Man kann nachdenken und sollte man zwischendurch auf Menschen treffen, tauscht man sich aus, hört verschiedene Geschichten, welche im Anschluss dann wieder „verarbeitet“ werden können. So wurde es mir zumindest immer von denen mitgeteilt, die bereits mehrere Tage am Stück ohne Unterbrechung unterwegs waren. Egal ob auf einem Klassiker, wie dem Jakobsweg, oder dem E5 über die Alpen – grundsätzlich ähneln sich die Erfahrungen.
Persönlich reizen mich eher die weniger frequentierten Wege. Aber jeder, wie er mag. Was ich daher sehr spannend finde: Ende Mai soll ein neuer Fernwanderweg eröffnet werden, der Naturparkweg Mecklenburg-Vorpommern. Dieser liegt (wie der Name schon sagt) in Mecklenburg-Vorpommern und hat eine Gesamtlänge von 907 Kilometern quer durch das Binnenland. Der Naturparkweg führt durch alle sieben Naturparks, durch das UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee sowie den Nationalpark Müritz. Ca. 700 Kilometer (77 Prozent) des Wegeverlaufes liegen innerhalb dieser o.g. Nationalen Naturlandschaften. Ziel ist es, den Naturparkweg nach Ausweisung durch den Deutschen Wanderverband als Inlandsvariante E9a des Europäischen Fernwanderweges E9 auszuweisen. Der E9a führt auch in Deutschland an der Küste entlang und verbindet hier Travemünde (im Westen) mit Swinemünde (im Osten).

Auf Gewässer muss man aber beim Naturparkweg trotzdem nicht verzichten. Als wahrscheinlich bekannteste sind der „Schweriner See“ und die „Müritz“ zu nennen. An diesen und noch vielen weiteren Wasserflächen führt der Weg vorbei. Übrigens ist er mit ca. 1500 Schildern gekennzeichnet und somit wird ein „Verlaufen“ fast unmöglich sein. Zusätzlich wird es eine mobile Anwendung geben inklusive zoomfähiger Karten. Und ich behaupte mal, jeder, der einen Fernwanderweg läuft, wird sich auch entsprechend vorbereiten.

Der Naturparkweg Mecklenburg-Vorpommern führt natürlich an zahlreichen Highlights und Besonderheiten vorbei, wie dem Schaalsee, dem Stettiner Haff und vielen weiteren. Diese bieten dann wieder die Möglichkeit, den Wissensdurst zu stillen. Nach der Eröffnung Ende Mai werden sicherlich noch weitere Informationen zum Wanderweg folgen. Für mich klingt der Naturparkweg jedenfalls sehr spannend mit seinem Fokus auf Natur, Nachhaltigkeit und regionalen Besonderheiten. Ich freue mich schon, wenn irgendwann ein paar, oder vielleicht auch die ganze Strecke, erwandert wird.

Nach der offiziellen Eröffnung gibt es hier alle Detailinfos zum Weg.

Von Inspiration, Luxus und Wertanlagen

21. Januar 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , ,

Mittlerweile blogge ich seit mehr als 10 Jahren und das über eine ganze Bandbreite verschiedener Themen. Wer mich noch nicht so lange kennt oder „nur“ die letzten Beiträge auf der Startseite anschaut, wird sich vielleicht über die Themenvielfalt wundern.
Im Zusammenhang mit meinem Beitrag über „Julius“ bin ich gefragt worden, ob so ein Thema denn überhaupt zum Blog passt. In dem es sonst um Mode, Automobil und auch Luxusthemen geht, wie um mein Faible für schöne (italienische) Herrenmode z.B. von Zegna. Aber auch mal über eine Wanderung durch die lokalen Wiesen und Wälder, um Reisen und Outdoor – die Themenspannweite ist vielfältig. Richtig. Das liegt einfach daran, dass ich mich für viele Dinge interessiere. Und das gerne mit Euch teile, weil es vielen von Euch ähnlich geht.
Wie heißt es so schön: Man lernt ein Leben lang! Für mich persönlich gehört dazu natürlich auch mein Blog. Dadurch, dass ich mich mit vielen unterschiedlichen Themen beschäftige und immer wieder Recherchen nötig sind, kommt man automatisch vom Hölzchen zum berühmten Stöckchen. Für irgendetwas sind diese gewonnen Infos dann wiederum nützlich – und wenn es nur für mich persönlich ist. Man könnte es vielleicht auch mit dem Ehrenamt als Schöffe vergleichen, in dem man mal aus seiner eigenen Filter-Blase blickt und Neues erfährt. Und sei es nur ein Anstoß, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen, was wiederum zum besseren Verständnis bzw. zur besseren Kommunikation führen kann. Also egal in welchem Bereich: Es gibt immer etwas zu entdecken! Von daher passen solche gesellschaftlichen Themen für mich sehr wohl hier zu meinem Blog.

Gerade bei Mode und Accessoires handelt es sich ja um Bereiche, die vor allem inspirieren sollen. Kaum jemand geht davon aus, dass die auf den Fashionweeks gezeigten Outfits 1:1 nachgekauft und so getragen werden. Wobei die Qualität hochwertiger Designermode natürlich sehr oft fantastisch ist. Daher kann einen ein teures und hochwertiges Teil ein Leben lang begleiten und ist quasi auch eine gute Geldanlage. Ich selber schaue mir gerne die neuen Kollektionen an und lasse mich inspirieren. So lassen sich langlebige Stücke aus dem Kleiderschrank super immer wieder kombinieren. Oder mal mit verschiedenen Accessoires „upgraden“. (Ich glaube, da mache ich irgendwann mal einen eigenen Blogpost zu.)

Das Thema Investition bzw. Wertanlage scheint übrigens gerade in der aktuellen Zeit verstärkt aufzuploppen. Mittlerweile ist es schon über ein Jahr her, dass Corona auftauchte. Anfänglich noch „weit weg“, kam es dann langsam immer näher. Kann mich noch gut erinnern, dass ich im Februar 2020 auf Skiern unterwegs war. Man hatte zwar von Corona gehört, aber so richtig bewusst wurde es erst, als Reisewarnungen ausgesprochen wurden oder Ansprachen der Regierung über die Bildschirme flimmerten.
Grundsätzlich wird in augenscheinlich schwierigen Zeiten immer besonders auf das persönliche Umfeld geachtet. Man will es sich zu Hause schön machen, wie die Umsätze von Einrichtungshäusern zeigen. Um nur ein Beispiel zu nennen. Auf der anderen Seite überlegt man, welche Wertanlagen krisensicher sind. Klar, da ist Gold immer ganz oben dabei. Als weitere gute Anlagemöglichkeit werden natürlich Immobilien oder auch klassische Oldtimer gehandelt. Aber wie oben schon erwähnt, können modische Accessoires ebenfalls gute Investitionen sein. Wer mit weniger Platz auskommen möchte und über das nötige Kleingeld verfügt, greift gerne auf Uhren zurück. Die bekannteste Uhrenmarke weltweit ist vermutlich Rolex, sowohl Accessoire als auch Statussymbol und Wertanlage zugleich. In einem Businessnetzwerk (in dem ich Mitglied bin), kam neulich die Frage nach einer Wertanlage auf, bzw. wurde in diesem Zusammenhang ganz konkret nach einer Rolex Day-Date Armbanduhr gesucht. Da kann man wohl definitiv von einer langfristigen Wertsteigerung ausgehen. Ich selbst finde ja auch Manschettenknöpfe toll, weil edel und wahrscheinlich in so ziemlich jeder Preisklasse zu haben, von günstig bis kaum bezahlbar (und damit wiederum gute Anlage). Nennt mich ruhig altmodisch, aber ich bin ein Fan solcher Klassiker!

Um noch eine Möglichkeit der Wertanlage zu nennen: Bitcoins bzw. Investitionen in Kryptowährung. Soll angeblich auch jetzt noch gut möglich sein – don`t know. Das ist ein Bereich, in dem ich mich selbst kaum auskenne. Persönlich bin ich bei Geldgeschichten eher etwas konservativer unterwegs und würde (wenn ich das nötige Kleingeld hätte) in Immobilien und/oder Aktien investieren. Aber jeder, wie er möchte. Spannend ist dabei trotzdem zu sehen, wie sich alles entwickelt. Habt Ihr schon Erfahrungen damit gemacht? Was ist Euer Favorit?

Die Extratour Guckaisee in der Rhön – Wandern in der Region

17. November 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Wenn die Alpen zu weit weg sind für einen Tagesausflug, dann hilft nur, schöne Wanderungen in der Heimat zu unternehmen und die nahe bzw. nähere Umgebung (noch) besser zu erkunden. Nicht weit von Schweinfurt gibt es ein paar Mittelgebirge, welche perfekt zum Wandern einladen. Der Spessart und die Rhön sind den meisten von Euch wahrscheinlich ein Begriff, der Steigerwald und die Haßberge wohl eher noch Geheimtipps. Allesamt herrlich geeignet für Outdoor-Unternehmungen. Dabei die richtige Tour zu finden, ist nicht immer einfach. Für mich persönlich ist die Tagesform ausschlaggebend. Diese entscheidet in den meisten Fällen recht kurzfristig über die tatsächliche Route. Wie lang soll es sein? Eher eine Runde durch Wald, Wiesen oder in die Weinberge? Wie lautet die Wettervorhersage? Deshalb suche ich mir bereits im Vorfeld unterschiedliche Routen raus und passe diese gegebenenfalls an. Dabei greife ich zum einen auf die verschiedenen Outdoor-Tracking-Apps (wie Komoot, Outdooractive etc.) zurück, aber auch auf Offline-Karten/Infos von den verschiedenen Tourismusgebieten. In meinen Augen könnten die unterschiedlichen Apps in Sachen Benutzerfreundlichkeit ja verbessert werden, aber das ist ein anderes Thema.

Wir sind oft spontan, was bei einer Wanderung von Vorteil ist. Wie auch letztens, als wir uns für eine längere Tour entschieden. Wetterbedingungen und örtliche Begebenheiten wurden abgeschätzt und schon stand die Planung für die „Extratour Guckaisee“ in der Rhön.
Man muss wissen, dass wir bereits ein paar „Extratouren“ in der Rhön gemacht haben, die uns alle richtig gut gefallen haben. Die Tour zum Guckaisee hatten wir aber bisher immer etwas hintenangestellt. Warum? Die Tour startet entweder an der Wasserkuppe oder führt (je nach Einstieg) zumindest an der Wasserkuppe vorbei. Jetzt könnte man meinen „ja und?“. Zum Hintergrund: Die Wasserkuppe ist der höchste Berg der Rhön (und in Hessen), bietet zahlreiche Attraktionen (Sommerrodelbahn, Klettergarten usw.) und ist als „Berg der Flieger“ bekannt. Entsprechend viel los ist hier meistens, so auch auf den umgebenden Wanderwegen. Auch die insgesamt ca. 7 Großparkplätze deuten auf regen Betrieb hin. Was wir ja grundsätzlich eher meiden (nicht erst seit Corona).
An einem der letzten Samstage entschieden wir uns dann aber für diese Tour unter der Annahme, dass Ende Oktober weniger los sein wird als im Sommer, außerdem sind samstags ein paar weniger Leute unterwegs als sonntags usw. Die vorherigen Tage waren typisch für die Jahreszeit: Immer wieder abwechselnd Regen, trüb und nass-kalt. Dies sollte sich am besagten Tag ändern. Der Wetterbericht sprach von Sonne und noch einmal bis zu 20 Grad. Top! Perfekt also für eine Herbstwanderung.

Der Rucksack war selbstverständlich mit allen nötigen Dingen gepackt und los ging es. Wir wählten als Startpunkt die Wasserkuppe und wollten erst Richtung Guckaisee laufen, um dann ca. 20km später wieder am Ausgangspunkt anzukommen. So ähnlich, wie es im Rhönführer beschrieben ist. Die Extratouren lassen sich übrigens immer gut in beide Richtungen laufen.
Früh morgens sah es in der Rhön wettertechnisch noch etwas anders aus als gemeldet. Nebel soweit das Auge reichte. Also so richtiger Nebel. Mit Sichtweite unter 50m und die Temperatur auch noch nicht sonderlich hoch. Vorteil daran: tatsächlich sehr wenig Menschen unterwegs! Auto abgestellt, Schnürsenkel nochmals nachgezogen und los ging es. Den richtigen Einstieg zu finden, ist auf Grund des großen Geländes an der Wasserkuppe etwas kniffelig. Wir gingen ca. 1km erst einmal in die falsche Richtung. Aber sobald man das „G“ auf weißem Grund entdeckt hat, wird es eindeutig.

Vermutlich hat man von der Wasserkuppe eine sehr gute Aussicht. Uns blieb diese allerdings aus besagten Gründen verwehrt. Unser Weg führte uns vom Hochplateau vorbei am Fliegerdenkmal und der ehemaligen Radarstation. Beides nur schemenhaft zu erkennen. Hauptsache die Richtung stimmte und schön mystisch war es ja ohnehin. Noch recht gemächlich führte uns der Pfad vorbei an einer Herde Ziegen zum Pferdskopf mit (vermutlich) ebenfalls schönem Blick auf die umliegende Gegend. Geologisch gesehen wanderten wir auf einem Vulkan. Genauer gesagt handelt es sich beim Pferdskopf um eine „Staukuppe“, wir bewegten uns also mitten im Krater umher. Gut, schon vor sehr langer Zeit erloschen, aber dennoch ein Vulkan. Etwas unterhalb befindet sich das zugehörige Gipfelkreuz. Der Weg führt an dieser Stelle (von der Wasserkuppe kommend) links weiter. Allerdings befindet sich geradeaus noch ein schöner Ausblick („Klippe vor dem Pferdskopf“ genannt), die wir uns natürlich nicht entgehen ließen.

Danach also links den schmalen Weg entlang Richtung Wald. Der Weg war bedeckt von Blättern und aufgrund des Regens in den Tagen vorher ziemlich matschig. Unter den Blättern lagen wiederum kleine und größere Basaltsteine. An dieser Stelle war es auch etwas steiler, so dass man ein bisschen aufpassen musste. Aber wie ich immer sage: Auf gute Wanderschuhe kommt es an! Nach kurzem Stück erreichten wir den „Goldborn“. Eine Quelle, aus der aber leider kein Gold sprudelte. Als alter Spessarter weiß man natürlich, dass „Born“ eine Bezeichnung für eine Quelle und/oder Brunnen ist. Ab diesem Zeitpunkt ging es (vorerst) nur noch bergab. Immer weiter durch den schönen Herbstwald. Auch ein Reh zeigte sich – zumindest kurz, um dann wieder in den Tiefen des Waldes zu verschwinden. Nach weiteren ca. 1,5 Kilometern erscheint schließlich der Namensgeber der Runde, der Guckaisee. Eigentlich sind es zwei Seen. Ein Badesee und daneben (oberhalb) der Angelsee. Im Sommer sicherlich ein schöner Ausflugssee, als wir vorbeikamen, wurde der vordere See gerade abgelassen. Am Guckaisee treffen sich verschiedene Rhön-Wanderwege und hier befindet sich auch ein Wanderparkplatz, den man als alternativen Einstieg in die Extratour nutzen kann. Kurz nach dem See führte uns der Weg wieder nach oben, teilweise am Waldrand entlang, teilweise durch den Wald hindurch. Vorbei an Kühen und Pistenraupen (!) ging es Richtung Obernhausen, ein kleines Dorf mit etwas mehr als 90 Einwohnern. Diese waren am Samstag entweder zu Hause tätig oder saßen auf den Liftstützen, um diesen für die kommende Saison vorzubereiten. Evtl. sitzen manche vielleicht auch noch heute da oben?! ;) Übrigens hat man auch in Obernhausen die Möglichkeit, in die Extratour Guckaisee einzusteigen. Gleichzeitig erreichten wir hier den niedrigsten Punkt der gesamten Strecke. Ab jetzt hieß es wieder bergauf wandern.

Nach etwa der Hälfte der Strecke erreichten wir den Feldberg. Angeblich hat man von dort aus einen wunderbaren Blick Richtung Gersfeld. Wir sahen zwar die Stadt, aber es war weiterhin trüb und herbstlich grau. Immer noch eine mystische Stimmung, die man auch nicht alle Tage erlebt.
Weiter im Text, bzw. weiter ging es zurück in den Wald. Auch hier gab es vulkanische Ausläufer zu sehen. Und typisch für die Region: Basaltsteine bzw. auch Steinhaufen säumten den Weg. Diese waren sehr häufig von Moos bedeckt und sahen ziemlich gut aus. Nach ca. 16km und einer kleinen Steigung erreichten wir die Quelle der Fulda. Für die Hessen unter uns muss dies ein richtiges Highlight sein. Wobei man bereits vorher an der Fulda entlang läuft. Nämlich genau an dieser besagten Steigung durch den Nadelwald. Nach der Quelle sind wir schon fast auf der Zielgeraden zurück zur Wasserkuppe. Ein Wald-/Wiesenweg führt uns weiter nach oben, an einen weiteren Aussichtspunkt bzw. an eine Abzweigung. Hier könnte man theoretisch abkürzen und dem Weg direkt Richtung Wasserkuppe folgen, ODER man nimmt den Rundweg zum Schafstein, was auch der offiziellen Extratour-Route entspricht. Unbedingt zu empfehlen, denn das ist ein Highlight der Wanderung! Dieser kurze Rundweg liegt in der Kernzone des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. D.h. hier wird irgendwann auch wieder ein Urwald entstehen. Was gleichzeitig für uns Besucher bedeutet: Wir sind der Natur nur untergeordnet. Konkret heißt es, die Wege nicht verlassen, Hunde an die Leine, keinen Müll hinterlassen, möglichst leise sein und die Pflanzen stehen lassen bzw. Tiere nicht stören. Also eigentlich alles, was eh schon selbstverständlich sein sollte. Passend zu dem schönen Fleckchen Erde kam nun auch die Sonne heraus. Ich meine, Wald und Natur an sich ist schon sehr schön und ich bin gerne draußen, aber wenn die Strecke zudem noch durch eine ganz besondere Landschaft führt, muss ich schon etwas grinsen. Zumindest innerlich. Ihr wisst ja, der Franke an sich zeigt seine Gefühle nur spärlich.
Über den Schafstein führt ein kleiner Rundweg mit wunderbaren Aussichtspunkten, einer Stempelstelle und verschiedenen Besonderheiten. Zum einen ein sogenannter „fossiler Blockgletscher“. Dabei handelt es sich um Basaltgestein, welches zu Blöcken zerfallen ist und eine Dicke zwischen 25 und 40 Metern aufweisen kann. Früher (in einer Kaltzeit) waren die Zwischenräume der Blöcke vereist und somit bewegte sich die gesamte Struktur ähnlich eines heutigen Gletschers talabwärts. Mittlerweile sind die Blockzwischenräume mit Erde, Blättern und kleinen Steinchen verfüllt.

Mit etwas Glück findet man sogar wieder einen seltenen „ästigen Stachelbart“. Die 2-3 zusätzlichen Kilometer lohnen sich also wirklich. Auf den letzten Metern zurück zum Ausgangspunkt kam uns dann noch eine Familie entgegen, die sich nach dem Weg erkundigte. Soweit nichts Besonderes. Es war allerdings bereits ca. 16 Uhr und sie wollten noch einen Umweg zu ihrem 10km entfernten Ziel machen. Natürlich hatten sie nur die Handytaschenlampe dabei, mehr aber auch nicht. Auch im Mittelgebirge bitte daran denken, dass es in dieser Jahreszeit schon recht früh dunkel wird! Als kleiner Tipp: Frühzeitig mit der Wanderung starten, bei längeren Touren IMMER eine Taschenlampe (Smartphone zählt nicht dazu) oder Stirnlampe dabeihaben und die Route VORHER planen. Es kann eigentlich so einfach sein. Ich hoffe, dass sie es trotzdem noch rechtzeitig zu ihrem Ziel geschafft haben.

Laut Koomot waren wir 21,1km unterwegs, bei einer Höhendifferenz von 610m. Die reine Gehzeit betrug 4:42h. Meine Suunto Uhr, die vermutlich etwas genauer ist, sprach von 22,78km und einer Höhendifferenz von 685m. Aber egal ob ein paar Meter mehr oder weniger, es war so oder so eine sehr schöne Tour!

P.S.: Bei den „Extratouren“ handelt es sich um vom Wanderinstitut (ja, das gibt es wirklich) zertifizierte Rundtouren. Davon gibt es in der Rhön um die 30 und es kommen immer wieder neue Wanderwege hinzu, so erst in diesem Jahr mit der Extratour „Waldfenster“, die natürlich auch noch auf unserer „to-hike“-Liste steht.

Kurztrip ins Allgäu – vom Gipfel des Rubihorns, Kempten und dem Besuch des Schloss Neuschwansteins

29. September 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , ,

Ende August waren wir nochmals im Allgäu. Dieses Mal allerdings für ein paar Tage privater Natur, nicht auf Pressereise, wie kurz zuvor bei der Wandertrilogie. Einfach um etwas abzuschalten, die Gegend in Ruhe zu erkunden und gleichzeitig ein paar schöne Stunden mit der Verwandtschaft zu verbringen. Nachdem unsere geplante Hochtour dieses Jahr ins Wasser gefallen ist, wollten mein Cousin und ich trotzdem etwas gemeinsam unternehmen. Und da meine Tante und er Ende August ein paar Tage frei hatten, bot sich dieser Zeitraum ideal an.
Also ab auf die A7 Richtung Süden (diesmal ohne Bahn, weil in dieser Konstellation vor Ort etwas flexibler) und mal schauen, was das Allgäu noch so zu bieten hat. Der Wetterbericht sprach leider im Vorfeld von Regen und schlechtem Wetter. Mensch, das war bzw. ist man als Schweinfurter gar nicht mehr gewohnt! Aber für ein verlängertes Wochenende fuhren wir natürlich trotzdem. Ganz nach dem Motto: Anzuschauen gibt es doch immer etwas! Und einfach mal ausspannen schadet schließlich auch nicht.

Wir hatten eine kleine, schnuckelige Pension in Bad Hindelang und meine Tante und Cousin waren mit ihrem Wohnwagen auf einem Stellplatz in Oberstdorf untergebracht. Sie blieben noch etwas länger vor Ort, das Wetter sollte auch im Laufe der Woche schöner werden, damit rentierte sich der Trip mit dem Wohnwagen. Am ersten Nachmittag trafen wir uns in Oberstdorf und bummelten durch die Gegend. Auf den ersten Blick ein schönes Örtchen mit einigen Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Jetzt im Spätsommer ganz gemütlich. Man kann sich aber auch gut vorstellen, wie voll es in den Gassen zur Skisaison werden kann!
Für den nächsten Tag war durchgängig Regen gemeldet, daher entschieden wir uns für einen Ausflug nach Kempten. Vergangenes Jahr war ich im Rahmen einer Pressereise in Kempten, einer der ältesten Städte Deutschlands, und habe einige schöne Ecken kennengelernt. Aber natürlich längst nicht alle. Diesmal hatten wir uns das Alpin-Museum ausgeguckt, in dem es um die Alpen als Lebensraum geht, um Bergsteigen, Skisport, Expeditionen und mehr. So gibt es z.B. einen Raum rund um die Tierwelt und Bäume der Region, in anderen gibt es zahlreiche Skimodelle quer über alle Jahrzehnte, Expeditionskarten und –materialien oder Infos über Gesteinsarten. Interessant!
Da des Wetter leider nicht besser wurde, besuchten wir spontan auch noch die Prunkräume der Residenz Kempten. Dies war wegen Corona nur mit Führung möglich und wir hatten Glück und ergatterten spontan noch Plätze. Eine gute Idee, denn die original erhaltenen Prunkräume sind schon sehr beeindruckend und in ihrer Rokoko-Ausstattung sollen sie einmalig im süddeutschen Raum sein. Ohne die Führung hätten wir die vielen dahinterstehenden Geschichten und Hinweise nie entdeckt. Im Anschluss waren unsere Köpfe allerdings mit viel Kultur gefüllt und zum Abschluss wurde diese bei einem leckeren Essen verarbeitet.

Der kommende Tag war ein Montag und das Wetter sollte besser werden. Naja, sagen wir mal so: Es sollte nicht mehr dauerhaft regnen. Somit entschieden wir uns für eine Tour zum Unteren Gaisalpsee und je nach Bedingungen vor Ort sollte es evtl. noch auf das Rubihorn gehen. Die Tour zum Unteren Gaisalpsee entpuppte sich als wirklich sehr schöne Wandertour. Als Startpunkt wählten wir den (kostenpflichtigen) Parkplatz Reichenbach aus. Bitte ausreichend Kleingeld mitbringen – der Automat gibt kein Wechselgeld heraus und Kartenzahlung funktioniert leider auch nicht. Auf Grund des Wetters war der Parkplatz noch recht leer, aber allein aufgrund der Größe kann man sich vorstellen, wie viele Leute die Tour an einem sonnigen Sommerwochenende gehen. Daher der Tipp: falls möglich lieber unter der Woche loswandern.
Wir entschieden uns für den „Tobelweg“, der kurz hinter dem Parkplatz beginnt und uns immer entlang des Gaisalpbachs nach oben führte. Alternativ könnte man auch den Fahrweg gehen, der ist natürlich nicht so naturbelassen, aber falls jemand mit Kinderwagen o.ä. unterwegs ist bis zur Alpe, geht das auch. Der Tobelweg ist super zu laufen, kann je nach Wetter aber etwas matschig sein. Vorbei an naturbelassenen Staustufen und Steintreppen, über Brücken und unter den Bäumen erreichten wir nach ca. 45min die Gaisalpkapelle bzw. kurz darauf dann die Gaisalpe (montags ist allerdings Ruhetag). Schon fast in Sichtweite befindet sich eine zweite Hütte, die Untere Richteralpe, welche auch montags geöffnet hat. Wir merkten sie schon mal vor für den Rückweg. Unser Weg schlängelt sich weiter, durch Kiefernwald und Latschenkiefer nach oben. Ab und zu sind ein paar Stahlseile zur Sicherung eingeschlagen oder ein paar engere Passagen, aber wenn man ein bisschen Bergerfahren ist, eigentlich nicht der Rede wert. Wettertechnisch war es zwar trocken, aber Nebel- und Wolkenschwaden zogen immer wieder umher und versperrten die Sicht.

Nach einem weiteren kurzen Anstieg erblickten wir dann den unteren Gaisalpsee, der auf ca. 1500m Höhe liegt. Im Hochsommer und bei richtig schönem Wetter tummeln sich vermutlich sehr viele Wanderer vor Ort. Wir hatten allerdings Glück und waren fast die einzigen, die den malerischen See genießen konnten. Ok, ein Entenpärchen drehte noch seine Runde, das wars aber fast schon wieder. Eine Herde Ziegen zog noch von oben herunter, schenkte uns aber keine Beachtung und ging einfach vorbei. Vom See aus konnten wir dann zum ersten Mal das Rubihorn erblicken. Die umliegenden Gipfel, wie das Nebelhorn, lagen allerdings weiterhin in den Wolken.

Nach einer kurzen Rast am See schauten wir uns den Wetterbericht nochmals an und mein Cousin und ich entschieden uns für den Aufstieg zum Rubihorn. Die Mädels machten sich parallel auf den Rückweg zur Hütte, wo wir uns später wieder treffen wollten. Wir lagen noch gut in der Zeit und das Wetter sollte sogar noch etwas aufklaren und erst wieder am frühen Abend beginnen zu regnen. Also, nichts wie rauf auf das Rubihorn, damit wir in 2020 wenigsten einen Gipfel zusammen machen. Und was passierte zwischendurch? Genau, die Wolken kamen zurück und dementsprechend war die Sicht begrenzt. Wenigstens blieb es trocken und so ging es für uns weiter nach oben. Der Pfad war ok, zwischendurch ein paar engere Stellen und Drahtseilgesicherte Passagen, aber insgesamt locker machbar. Muss ich an dieser Stelle nochmals auf die Wanderschuhe/Packliste und Trittsicherheit hinweisen? Nein, das sollte mittlerweile (eigentlich) auch der letzte kapiert haben. Aber gerade bei solchen schmierigen und feuchten Bedienungen sind feste Wanderschuhe Pflicht.
Wir wanderten weiter und nach einer Weile tauchte auf einmal das Gipfelkreuz vor uns auf. Ganz ehrlich und unter uns: Damit hatten wir noch nicht gerechnet. Denn unsere Füße waren noch fit und von Müdigkeit war weit und breit nichts zu spüren. Kurze Zeit später standen wir also schon auf dem Rubihorn mit seinen 1957m. Angeblich ein Gipfel mit super Sicht hinein in das Voralpenland. Gut, wir sahen außer Wolken nicht gerade viel. Ein paar Wanderer, die von der anderen Seite hochkamen und einen Alpensalamander. Auch wenn er, auf Grund der niedrigen Temperaturen, etwas behäbig war, war er (oder sie) doch nett anzuschauen. Bei so einem Wetter zeigen sich (Alpen-)Salamander übrigens besonders gerne.

Wo ein Aufstieg, ist auch ein Abstieg (Altes tibetanisches Sprichwort)! Nach einer kurzen Rast machten wir uns auf den Rückweg. Zwei einzelne Wanderer, die von der anderen Seite kamen, schlossen sich uns auf den ersten Metern durch die Wolken an. Wie bereits erwähnt, muss das Rubihorn ein guter Aussichtsberg sein, der häufig für Tagestouren empfohlen wird. Denn beim Abstieg kamen uns noch einige Wanderer (u. a. in Turnschuhen und wenig trittsicher) entgegen. Einige kehrten an den etwas schwierigeren Passagen wieder um <- definitiv besser so! Unsere zwei Begleiter hatten wir mittlerweile zurückgelassen, ließen den unteren Gaisalpsee hinter uns und liefen flotten Fußes zur Hütte. Unterwegs hatte es nämlich wieder angefangen zu regnen. Auf den Wetterbericht ist auch keinerlei Verlass mehr… Anyway, abwärts ging es schneller und zack waren wir an der Untere Richteralpe angekommen. Darauf ein Zötler Bier und eine warme Suppe!
Die letzten Meter zurück zum Ausgangspunkt (übrigens auf nicht ganz 900m) waren im Anschluss auch schnell geschafft und somit war es ein erfolgreicher (Gipfel-)Tag!


Details zur Tour (Suunto Ambit3 Peak):
Länge: 13,33km
Dauer: 6 Stunden und 10 Minuten (die reine Gehzeit lag bei ca. 4 Stunden und 54 Minuten)
Aufstieg: 1142m
Temperatur: lag bei 22 Grad <- so als Zusatzinfo
Meine Aufzeichnung bei Koomot findet Ihr hier: „Parkplatz Reichenbach – Gaisalpsee – Rubihorn und zurück

Am nächsten Tag hieß es für uns wieder Abschied nehmen vom Allgäu. Allerdings nicht ohne einen weiteren Programmpunkt: Das Schloss Neuschwanstein in Hohenschwangau bei Füssen.
„Ja, das Touriding…“ denkt Ihr. Ja genau! Als Kind war ich schon mal drin, kann mich aber überhaupt nicht mehr erinnern. Unsere Überlegung im Vorfeld war: Aktuell sind kaum asiatische oder amerikanische Touristen vor Ort und somit könnte es weniger überlaufen sein, als zu normalen Zeiten. Allerdings werden Coronabedingt auch weniger Touristen in das Schloss gelassen bzw. ist eine Besichtigung nur in Kombination mit einer Führung möglich. Was wiederum bedeutet, dass pro Tag nur ein gewisser Prozentsatz der bisher zulässigen Besucher das Schloss besichtigen kann. Gut, soweit kein Problem. Es ist möglich, im Vorfeld Tickets im Online-Shop zu kaufen. Da in Bayern Ende August noch Sommerferien waren, waren Wochen vorher aber schon alle Führungen ausgebucht.
„Was tun?“, sprach Zeus. Anschreiben und lieb nachfragen (manchmal kann ich das auch), ob vielleicht noch etwas geht. Daraufhin kam die Antwort, dass wir es an der Tageskasse versuchen sollten. Ein gewisses Kontingent an Tickets pro Tag wird nämlich vor Ort an der Tageskasse ausgestellt.
Unser Plan war also so kurz vor 9 Uhr an der Tageskasse zu sein und Tickets zu ergattern. Wir kamen etwas später, kurz nach 9 Uhr an und lösten ein Ticket an einem der vielen Parkplätze (für 8 Euro, alle Tickets sind Tagestickets). Um ca. 9:30 Uhr waren wir an der (noch leeren) Tageskasse und konnten Tickets inkl. Führung für 13:05 Uhr kaufen. Doch was macht man in der Zwischenzeit? Nach kurzer Rücksprache mit dem Parkplatzwärter „Ja, ihr könnt später (ausnahmsweise) auch wieder mit dem Ticket hier parken“ fuhren wir zurück nach Füssen. Dort bummelten wir etwas umher und genossen Kaffee und Kuchen. Muss ja auch sein. ;)
Gegen 12 Uhr ging es wieder zurück auf den Parkplatz, um von dort aus hoch zum Schloss zu laufen. Das Schloss liegt nämlich ca. 1,5km entfernt und ist nur per Fuß oder mit der Pferdekutsche zu erreichen. Nach ca. 35min kamen wir oben an und warteten auf unseren Einlass. Am Eingang selbst warteten einige Menschen und schauten sich um, mehr als wir zu Corona-Zeiten erwartet hätten. Aber insgesamt verlief sich alles gut und es war genügend Platz für alle vorhanden.
Führungen finden alle 10 Minuten in kleinen Gruppen von ca. 10 Personen statt. In den Räumen im Schloss selbst sind „Corona-Punkte“ mit ausreichend Abstand aufgeklebt, von denen man dem Guide gut lauschen kann. Schon spannend, wenn man durch ein nicht fertiges Schloss geht, die besonderen Ideen Ludwigs II. anschaut und alles irgendwie surreal erscheint. Besonders beeindruckend finde ich die damalige Technik, die König Ludwig II. in „sein“ Märchenschloss (wie es auch sehr oft genannt wird) einbauen ließ, wie z.B. die Zentralheizung oder eine sehr durchdachte und für die damalige Zeit sehr moderne Küche.

Nun kann das Schloss Neuschwanstein auch von der imaginären Bucket-Liste gestrichen werden. Wer Zeit und Lust hat, dem kann ich einen Besuch empfehlen – gerade jetzt zu Zeiten von Corona eine gute Möglichkeit, es sicherlich etwas leerer zu erleben. Für uns ging es von dort aus zurück nach Hause und zurückblickend war es, trotz schlechten Wetters, ein schöner Kurzurlaub.

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