Hoch hinaus und tief hinab im Nürnberger Land (Teil 2)

22. August 2019 | Schlagwörter: , , , , ,

Von „hoch hinaus“ bis „tief hinab“ kann man im Nürnberger Land einiges erleben. Ein paar Möglichkeiten habe ich Euch in Teil 1 bereits vorgestellt. Aber auch hübsche Städtchen hat das Nürnberger Land zu bieten.

Für uns ging es an Tag 2 der Pressereise nach Lauf an der Pegnitz, wo wir am Wenzelschloss bzw. der Laufer Kaiserburg mit unserer Tour begannen. Diese wurde von Kaiser Karl IV (nicht zu verwechseln mit Karl dem Großen) von 1356-1360 (neu) erbaut. Zwar wurde bereits 1275 eine Burg erwähnt, doch die Namensgebung kam dann von Karl IV, der auf den böhmischen Nationalheiligen Wenzel getauft war. Damals gehörte Lauf zu Böhmen und diente quasi als Münzstätte, Geleit- und Zollstation an der „Goldenen Straße“ von Nürnberg nach Böhmen. Im Inneren des Wenzelschlosses befinden sich viele Gänge und Säle, wie es in solch einer Burg üblich ist. Ein ganz besonderer Saal ist der sogenannte „Wappensaal“, in den 112 Wappen in Sandstein gehauen sind und noch mit den Originalfarben erhalten,  einmalig in ganz Europa. Im Rahmen einer Führung ist dieser Saal übrigens zu besichtigen.

Im Anschluss ging es weiter mit einer Stadtführung durch Lauf. Als ich selbst noch im Raum Nürnberg gewohnt hatte, kannte man Lauf zwar vom Durchfahren, viel mehr aber auch nicht. Nach dieser Stadtführung ärgerte ich mich etwas, dass ich nicht früher schon mal Halt gemacht hatte. Mir war nämlich nicht bekannt, dass Lauf ein richtig schickes Städtchen ist! Lauf wurde im zweiten Weltkrieg kaum zerstört und von alten Fachwerkhäusern über Mühlen bis hin zu Kirchen und schönen Eckchen an der Pegnitz ist quasi alles vorhanden.

Bei einem kurzen Blick in die Schleifmühle erfuhren wir, dass man zweimal im Monat samstags seine eigenen Sachen zum Schleifen vorbeibringen kann. Hier hätte ich ja durchaus noch etwas länger bleiben können, beim Schleifen zuschauen und bei den alten Werkzeugen stöbern.
Aber Lauf hat auch sonst so einiges zu bieten. Die Pegnitzstadt ist ausgezeichnet als fahrradfreundliche Stadt und Mitglied im Netzwerk „Citta del Bio“ als eine der ersten europäischen Städte überhaupt. (Wir konnten uns ein leckeres „Weg-Eis“ bei „Citta del Gelato“ nicht entgehen lassen) Lauf liegt an der Burgenstraße (deren Route dafür extra ein bisschen verschoben wurde) und der 5-Flüsse-Radweg kommt ebenso vorbei wie der Paneuroparadweg oder der Radweg Industriekultur. Definitiv einen Besuch wert!

Und nicht nur an der Erdoberfläche gibt es viel zu entdecken, sondern es ging wieder tief hinab in die Unterwelt von Lauf. Die Kellergewölbe unter dem Marktplatz warteten auf uns. Dieses Mal ganz ohne abseilen und unter fachkundiger Führung von Stadtführer Herbert Höfel. Der ganze Marktplatz von Lauf ist nämlich unterkellert bis zur Pegnitz und (wie bei uns in Schweinfurt) diese Felsenkeller dienten als Lager und zum Schutz in den verschiedenen Kriegen. Bei 76 Häusern mit Braurecht am Laufer Marktplatz natürlich vorrangig als Bierlager. Damals gab es nämlich noch keine maschinelle Kühlung und man behalf sich mit Natureis aus den benachbarten Seen und Flüssen. Mit der Zeit wurden die Keller mit allerlei Schutt zugeschüttet und konnten erst im Lauf der Zeit mit viel Schweiß und Geld wieder freigelegt werden. Warum sind die Keller miteinander verbunden? Ganz einfach: Im Falle eines Kriegs benötigt man einen Ausgang und je mehr Ausgänge, desto höher die Überlebenschancen. Da spielte es auch keine Rolle, dass sich die Keller in privater Hand befanden bzw. noch immer befinden. Von daher an dieser Stelle einmal danke an die Eigentümer, dass sie dies ermöglichen.

Wissenswert vielleicht auch noch, dass die Kellerräume eine Höhe von 1,60m bis 2,00m haben und ca. 10m unter der Erdoberfläche liegen. Tiefer hinunter ging wegen dem Grundwasserspiegel nicht. Wenn die Pegnitz viel Wasser führt, kann es durchaus vorkommen, dass man in den Kellern nasse Füße bekommt. Des Weiteren sind in den Kellern auch Brunnen vorhanden. Dennoch könnte man jetzt sagen „Ganz schön trocken da unten“. Dann gehen wir einfach einen Keller weiter und kommen unter einem Gebäude der Brauerei Dreykorn raus. Und was macht man dann? Richtig, ein leckeres Bierchen trinken und einen Imbiss (mit Nürnberger Würsten) genießen.

Nicht allzu weit von Lauf an der Pegnitz entfernt liegen der Ludwig-Donau-Main-Kanal und die Schwarzachklamm. Beides ideale Ziele für einen Sonntagsausflug. Der Weg durch die Klamm führt an der Schwarzach entlang, immer wieder vorbei an schönen Felsformationen und kleineren Höhlen. Sehr hübsch anzusehen!

Zu Beginn der Klamm befindet sich die alte Kanalbrücke, welche den Ludwig-Donau-Main-Kanal über die Schwarzachklamm führt. Diese gewaltige Bogenkonstruktion (erbaut um 1840) kann ebenfalls besichtigt werden und ist Station des wasserwirtschaftlichen Lehrpfads am Kanal. Der Ludwig-Donau-Main-Kanal wurde von 1836-1845 erbaut und war mit der Erfindung der Eisenbahn quasi fast von Beginn an nutzlos. Böse Zungen könnten jetzt behaupten „Ja klar, die Idee kam wieder aus München“ und/oder „Hat sich nichts geändert – typisch Politik“. Aber wir wollen mal nicht so sein. Heute ist der Kanal ein schönes Naturdenkmal und „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“. Außerdem perfekt zum Flanieren und mit ein bisschen Fantasie erinnert er an unsere niederländischen Nachbarn und deren Grachten. Ein großer Teil des Ludwig-Donau-Main-Kanals wurde übrigens unter die A73 verlegt. Wer von Erlangen in Richtung Forchheim unterwegs ist, der hat auf der rechten Seite vielleicht schon ein großes Gebilde gesehen. Genau dies zeigt den ursprünglichen Verlauf des Kanals.

Im Sommer kann man auf dem LDM-Kanal übrigens etwas Besonderes erleben. Und zwar eine Fahrt mit dem Treidelschiff „Elfriede“. Auf dem Schiff finden ca. 100 Personen Platz und Kaltblüter ziehen es durch den Kanal wie vor 160 Jahren. Früher wurde es für den Warentransport eingesetzt und vermutlich ist es eines der letzten seiner Art. Die Fahrt dauert ca. 45 Minuten und man kann herrlich entschleunigen. Der Ein- und Ausstieg befindet sich in Schwarzenbach an der Gaststätte „Zum Ludwigskanal“. Die Bratwürste vor Ort sind megalecker und sehr zu empfehlen.

Man könnte noch so viel mehr erzählen vom Nürnberger Land, vom letzten Hopfenrecht in Franken, von den Eppelein-Festspielen auf der Burg Thann, die 2020 wieder stattfinden, von „Heimat auf dem Teller“ und, und und…
Aber dazu ein anderes Mal mehr. Das war definitiv nicht mein letzter Besuch in der schönen Gegend. Abschließend ein dickes Dankeschön an alle Beteiligten vom Nürnberger Land für die tollen und erlebnisreichen Tage.

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