Der Steinbock – „König der Alpen“ im Pitztal

16. Juli 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Früher (als ich noch jung war) war ich regelmäßig mit meiner Familie in den Bergen. Einer meiner ersten (und nach wie vor einer der Lieblings-) Urlaubsorte liegt in Tirol kurz hinter Imst, in den Ötztaler Alpen. Im Sommer verweilten wir meist zwei Wochen am Stück, im Winter „nur“ eine Woche – und das immer bei den gleichen Gastgebern. Diese sind jetzt quasi wie meine zweite Familie. Aus diesem Grund kenne ich also einen guten Teil der umliegenden Gipfel. Oberhalb der Baumgrenze (die auf ca. 2000 Metern liegt) fühlte ich mich schon immer wohl und so entstanden viele schöne Erinnerungen.
Einmal, als die ursprünglich geplante Tour auf Grund von heftigen Regenfällen abgebrochen werden musste, saß zum Beispiel ein ausgewachsenes Murmeltier (und was für ein Brummer) mitten auf dem schmalen Pfad und zeigte überhaupt keine Anzeichen, sich zu bewegen und Platz zu machen. Vermutlich war es genauso genervt vom Regen wie wir und es herrschte gegenseitiges Verständnis. Aber die Nerven lagen schon auf beiden Seiten blank. Im Nachhinein kann ich darüber herzhaft lachen.  

Eine besonders tolle Erinnerung habe ich zum Aufstieg auf die Hohe Geige im Pitztal. Die Hohe Geige ist ein Berg mit einer Höhe von fast 3400m und liegt auf dem Geigenkamm (einer von Süden nach Norden verlaufenden Bergkette). Wir starteten damals von Plangeroß auf die Rüsselsheimer Hütte (damals hieß sie noch „Neue Chemnitzer Hütte“). Von dort ging es dann weiter über den ursprünglichen Normalweg auf den Gipfel. Soweit eigentlich nichts Besonderes. Doch beim Abstieg entdeckten mein Vater und ich einen interessanten braunen Punkt in einiger Entfernung. Wir beschlossen, diesem zu folgen und ab diesem Zeitpunkt ging es für uns querfeldein. BITTE NICHT NACHMACHEN! Schließlich wurde der Punkt immer größer und entwickelte sich zu einem stattlichen Steinbock. Eine Verfolgung war schlicht unmöglich, da der Steinbock in seinem gewohnten Umfeld natürlich viel schneller war als wir. Zwischenzeitlich stand er auf einem Felsvorsprung und machte deutlich „Freunde, das ist MEIN Revier!“ – ein äußerst imposantes Erscheinungsbild! Mein erster Steinbock in freier Wildbahn – und genau dieses Bild hat sich in meinem Kopf eingebrannt.

Bisher blieb das allerdings auch meine einzige Steinbocksichtung in freier Wildbahn, trotz zahlreicher weiterer Hochtouren. Nun kam das Jahr 2020 inkl. Corona um die Ecke. An Reisen war vorerst nicht zu denken und meine geplanten Bergtouren wurden abgesagt bzw. auf die Nach-Corona-Zeit verschoben. <An dieser Stelle bitte heftige Heulkrämpfe vorstellen.>
Nachdem die Lage etwas ruhiger geworden ist  – NEIN, natürlich ist die Pandemie noch lange nicht vorbei – stand jetzt zum ersten Mal wieder eine Pressereise auf dem Programm, bei der ich gerade aufgrund des geplanten Themas total gerne dabei sein wollte. Ihr könnt es Euch vielleicht schon denken, eine „Audienz beim „König der Alpen““, dem Steinbock, war geplant. Ziel der Pressereise war das schöne Pitztal mit seinen herrlichen Bergpanoramen. Berge, Steinböcke und Tiroler Gastlichkeit – wie sollte man dazu „nein“ sagen können!?

Mir war gar nicht bewusst, dass wir mit unserer Steinbocksichtung damals auf der Hohen Geige riesiges Glück hatten, denn der Steinbock war schon fast im ganzen Alpenraum ausgestorben. Mittlerweile ist die Zahl im gesamten Naturpark Kaunergrat aber wieder auf über 1200 Tieren angewachsen. Ausgehend vom Pitztal hat sich die größte Steinwildkolonie der Ostalpen entwickelt. Der Steinbock ist daher nicht umsonst auch das Wappentier des Pitztals. Dazu passend wird in dieser Woche, am 17. Juli 2020, in St. Leonhard das neue Steinbockzentrum eröffnet.
Dieses durften wir bereits vorab erkunden und einen Blick hinter die Kulissen werfen. Die Idee zum Besucherzentrum entstand schon vor einigen Jahren. Ganz in der Nähe fand nämlich vor über 60 Jahren die erste erfolgreiche Wiederansiedlung der Tiere in Tirol statt. Die Umrisse des damaligen Geheges kann man übrigens noch heute erkennen. Tipp: Rund um den Wasserfall Richtung Tiefentalalm die Augen offenhalten! Außerdem wurde der Ort des neuen Steinbockzentrums „am Schrofenhof“ auch aus kultureller Sicht bewusst gewählt. Der Schrofenhof wurde bereits um 1265 urkundlich erwähnt und wird 2021 als weiterer Ausstellungspunkt integriert. Man muss wissen, dass auf den Flächen des Steinbockzentrums ehemals die Scheune des Schrofenhofs stand. Architektonisch wurde das neue Zentrum dementsprechend angepasst, den Architekten ist in einer Bauzeit von ca. 1,5 Jahren eine gute Kombination aus Tradition und Moderne gelungen. Im Inneren befindet sich ein kleines Restaurant und in den oberen Etagen sind Ausstellungsstücke zur regionalen Kultur zu sehen und natürlich gibt es viele Infos rund um das Steinwild zu entdecken. Über eine integrierte Brücke kann man hinaus zum Gehege, in dem es Steinböcke zu sehen gibt, gehen. Aktuell sind es sieben Tiere, die zwar noch etwas schüchtern sind, aber andererseits sehr neugierig umherstreifen. Dies wird sich im Laufe der Zeit sicherlich noch ändern, denn Fressfeinde haben sie keine zu befürchten und normalerweise gewöhnen sie sich schnell an Besucher. Mit der Mischung aus Natur- und Kulturgeschichte ein schönes, interaktives Erlebnis für die ganze Familie. Das Zentrum ist weitgehend barrierefrei erreichbar, inklusive der Fütterungsstelle im Wildtiergehege. Im Laufe der Zeit sollen noch Murmeltiere einquartiert werden und sicherlich noch das ein oder andere mehr. Nach der Eröffnung in dieser Woche wird das Steinbockzentrum mit Sicherheit eine Attraktion im ganzen Pitztal und darüber hinaus. Für mich (Sternzeichen „Steinbock“) ist ein Besuch sowieso Pflicht! ;)

Wer aufgeregt ist, so wie ich es war (weil Steinböcke gesehen), verspürt schnell ein leichtes Hungergefühl. Nach einem kleinen Spaziergang entlang der Pitztaler Ache erwartete uns im Alpenhof ein leckeres Mittagsmenü. Angeführt von „Tiroler Tapas“ (Lammbeuschel, Erdapfelkas, Hirschwangerlkompott und eingelegte Rettiche), gefolgt von einer „Consommé vom Tiroler Steinbock dazu gebackene Steinpilzknödel“ und „Hirschduo in Wacholderbutter gebratenes Steak & knusprig gebackenes Schnitzel serviert mit Preiselbeerjus, Gnocci und Rotkraut“ (es heißt Rotkraut und NICHT Rotkohl bzw. Blaukraut ;)). Freunde des guten Geschmacks – es war traumhaft!

Wenn man schon einmal in den Bergen und solch einer herrlichen Gegend ist, muss man die Zeit einfach nutzen. Ausruhen geht auch zu Hause wieder! Da der Tag noch lang war, „musste“ nach dem Mittagessen noch eine kleine Tour durchgeführt werden. Als Startpunkt diente uns Eggenstall (was zu St. Leonhard gehört) und bei gefühlten 200% Luftfeuchtigkeit ging es vorbei am Pfitschebach Wasserfall (wo das ehemalige Steinbock-Gehege zu finden ist, von dem aus die Wiederverbreitung der Tiere in der Gegend begann) weiter auf die Tiefentalalm. Wettertechnisch waren es dort angekommen gefühlt schon eher 300% Luftfeuchtigkeit, was die gute Laune aber nicht schmälerte. Nach einer kurzen Einkehr und einer wohlverdienten Hopfenkaltschale (der Flüssigkeitshaushalt muss schließlich wieder aufgefüllt werden), ging es zurück zu unserem ursprünglichen Ausgangspunkt, dem Örtchen „Stillebach“, wo wir am frühen Abend wieder im Hotel ankamen. Insgesamt eine sehr schöne Tour von ca. 10km und 600hm im Auf- und 600hm im Abstieg.

Apropos Hotel: Wir übernachteten im Biohotel Stillebach mit ausgezeichneter Küche und super netten Gastgebern (übrigens schon in 4. Generation). Es ist das einzige Biohotel im Pitztal und „Bio“ ist hier nicht nur ein Begriff, sondern eine Lebensphilosophie. So ein Konzept begeistert mich ja immer sehr! Außerdem hat man vom Hotel aus einen Blick auf die Wildspitze, wenn denn das Wetter mitspielt. Am Abend ging es nach einer wohlverdienten Runde Schnaps ins Bett, um am nächsten Morgen das Revier der Steinböcke zu erwandern. Um ehrlich zu sein – und ganz unter uns – ich war schon etwas aufgeregt. Nachdem ich ja vor ca. 22 Jahren in genau dieser Ecke meinen ersten Steinbock in freier Wildbahn gesehen hatte, hoffte ich sehr auf eine Wiederholung. Sicherheitshalber erhöhten wir den Druck auf unseren Guide, Dr. Ernst Partl vom Naturpark Kaunergrat, noch ein wenig: „Wehe, wir bekommen keine zu sehen!“ oder „Wir wollen Böcke, Geißen UND Kitzen sehen!“ erklang es aus unserer Runde. Geplant war ein Aufstieg zur Rüsselsheimer Hütte, die unterhalb der Hohen Geige liegt, um dann weiter zum grandiosen Aussichtpunkt „Gahwinden“ zu gelangen. Startpunkt im Tal war/ist der Wanderparkplatz direkt an der Straße – eigentlich nicht zu verfehlen. Von hier kann man bei guter Sicht bereits die Hütte erkennen. Ab da ging es immer bergauf. Erst etwas steiler, dafür mit toller Aussicht auf das gegenüberliegende Gebiet der Kaunergrathütte und mit Blick auf die „Watze“ (Watzespitze – der höchste Berg des Kaunergrats in den Ötztaler Alpen).
Da dachte ich kurz an meine Tour auf dem Cottbusser Höhenweg auf dem Weg zur Kaunergrathütte bzw. Verpeilspitze, auch ein lohnendes Ziel. Man ( = ich) ist einfach viel zu wenig in den Bergen! Es ging stetig bergauf und irgendwann erreichten wir die Rüsselsheimer Hütte. Nach einer sehr leckeren Rast ging es anschließend nochmals ca. 300hm bergauf bis zu unserem Ziel, den „Gahwinden“. Bisher waren noch keine Steinböcke zu sehen. Was allerdings auch nicht verwunderlich ist, denn sie halten ihren wohlverdienten Mittagsschlaf und sind somit nur schwer zu finden.

Auf 2634m am Gahwinden angekommen hieß es also warten. Und dabei natürlich die wunderbare Natur um uns herum zu bestaunen und gennießen. Von dort oben ist (fast) das ganze Pitztal zu überblicken – vom Taleingang bzw. schon fast Imst, bis ins letzte Eck und gleichzeitig auf den höchsten Berg Tirols, die Wildspitze. Wir machten es uns bequem und warteten. Suchten dabei immer wieder die Hänge nach Steinwild ab und lauschten den spannenden Infos von unserem Guide Ernst. Und irgendwann war es soweit, die Steinböcke kamen Vorschein. Zu Beginn waren es vereinzelte Böcke, aber im Laufe der Zeit wurden es immer mehr und auch ein Rudel Geißen mit Kitzen tauchte auf. Wir konnten ca. 30-40 Tiere zählen. An dieser Stelle bitte Glücksgefühle, etwas Nostalgie und Respekt (vor diesen imposanten Tieren und der Natur) vorstellen. Am besten alles gleichzeitig! Was ein Erlebnis!

Da war sie also, meine zweite Begegnung mit diesen wunderbaren Tieren in freier Wildbahn. Sogar (fast) wieder an gleicher Stelle wie damals. Und mindestens genauso einprägend. Schon faszinierend, wie diese Tiere mit ihren über 100kg und den gewaltigen Hörnern sich in solche einer Umgebung elegant und leicht bewegen können. Ich hätte ewig sitzen können und einfach nur beobachten und bestaunen. Ernst hatte nicht zu viel versprochen, an dieser Stelle ein dickes „Dankeschön“!
Noch ein paar Infos zu den Steinböcken: Zwar sieht ein Bock majestätischer aus, doch eigentlich sind die Mädels die wahren Könner. Allein durch die fehlenden bzw. kurzen Hörner können sie sich viel besser bewegen und sind zwischen den Felsen flinker. Quasi die heimlichen Königinnen der Alpen. Wenn sich der Tag dem Ende neigt, kehren die Tiere zu ihren angestammten Schlafplätzen zurück. Jeder hat seinen eigenen Platz und dieser wird auch nicht von anderen Tieren genutzt bzw. belagert, da sind sie stur. Rangkämpfe zwischen den Böcken finden im Dezember und/oder Januar statt. Sie sind zwar imposant und nicht ohne, aber zu ernsthaften Verletzungen kommt es in der Regel nicht.
Nach gefühlten Stunden (glaube es waren insgesamt 3 Stunden) ging es wieder zurück ins Tal und ich konnte auf dem Rückweg die Eindrücke etwas sacken lassen. Für mich persönlich gehört das unbedingt zu einer (Berg-)Tour dazu. Gemeint ist: Auf dem Rückweg (etwas geschlauchter) den Tag bzw. die Tour Revue passieren zu lassen. Die Abendstimmung eignete sich dazu hervorragend, ein wirklich toller Tag!

Mit einer sehr leckeren Brotzeitplatte (es war schließlich schon nach 21 Uhr und das Küchenteam war im wohlverdienten Feierabend), dem ein oder anderen Schnaps und vielen Gesprächen ließen wir den Abend noch im Hotel ausklingen.
Am nächsten Tag stand noch eine Floßfahrt auf dem Programm. Allerdings nicht irgendeine Floßfahrt, sondern Europas höchste Floßfahrt! Und zwar auf dem Rifflsee – dem größten See in den Ötztaler Alpen. Diese Floßfahrt konnte bei meinem letzte Besuch im Pitztal leider wegen schlechtem Wetter ( = Schneefall) nicht stattfinden. Doch jetzt an diesem Julitag herrschte strahlender Sonnenschein und fast kein Wind. Perfekte Bedingungen, um die Fahrt auf 2232 Metern zu genießen.

Eine Fahrt dauert ca. 45min und der Punkt Genuss kommt nicht zu kurz. In einem Liegestuhl sitzen, langsam über das Gletscherwasser fahren und dabei die herrliche Aussicht genießen hat schon etwas Besonderes. Wem dies noch nicht genug ist, der darf sich auch einmal hinter das Steuer wagen und die ca. 40 Tonnen selbst steuern. Denn man kann neuerdings exklusiv eine Fahrstunde beim Kapitän buchen. Angetrieben wird das Floß übrigens über einen umweltschonenden Elektroantrieb, der das Floß nahezu geräuscharm über den See gleiten lässt.

Ein perfekter Abschluss für ein wunderschönes Wochenende mit vielen großartigen Eindrücken. Und vor allem einem Wiedersehen mit Steinböcken nach 22 Jahren. Ein Ausflugsziel, das ich Euch nur empfehlen kann!

Ein herzliches Dankeschön geht an das ganze Team vom Pitztal, das dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht hat.

„Pitzis Morgenrunde“ oder fast allein mit Benni Raich – Hochzeiger/Pitztal (Teil 2)

7. Februar 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , , ,

Schnee soweit das Auge reicht – davon habe ich Euch bereits im ersten Teil meiner Pressereise ins Pitztal berichtet. Das ist auch gar nicht ungewöhnlich, denn das Pitztal, das „Dach Tirols“, gilt aufgrund seiner Höhenlage als ziemlich schneesicher. Und das bedeutet Schnee manchmal sogar im Sommer – wie wir damals auf der Tour zur Verpeilspitze erfahren konnten.

Das Skigebiet Hochzeiger bietet so oder so beste Bedingungen auf über 40 Pistenkilometern. Auf unserem Tagesprogramm stand an Tag 2 entweder Skifahren oder Skitourengehen. Skifahren war bereits gestern, von daher entschied ich mich für das Skitourengehen. Für mich persönlich eine Premiere, das musste ich natürlich ausprobieren. Und ja, es ist schon ein anderes Gefühl als mit „normalen“ Skiern unter den Füßen. Die Tourenski bekamen wir von Christoph, wie am Tag zuvor unser Guide, zusammen mit der LVS-Ausrüstung (LVS steht für „Lawinen-Verschütteten-Suchgerät“). Obwohl wir nur zu einem kleinen Teil und nur wenige Meter abseits der geöffneten Pisten unterwegs waren, also direkt nebendran, ist eine Lawinenausrüstung Pflicht. Das gehört einfach dazu und rettet Leben. Wer übrigens bei solchen Bedingungen wirklich abseits bzw. in gesperrten Gebieten unterwegs ist, ist – bei einem Lawinenabgang – selbst schuld. Leider gefährdet diese Person nicht nur sich selbst, sondern (im Notfall) auch die Retter. Ich frage mich ja, warum das noch nicht in allen Köpfen angekommen ist! Sicherheit geht vor! Einen interessanten Tipp haben wir noch bekommen, falls Euch doch einmal eine Lawine erwischen sollte, was wir nicht hoffen: Bitte uriniert in die Hose. Kein Scherz! Hunde können im Notfall Urin besser erschnuppern und man wird vielleicht etwas leichter gefunden. Außerdem immer versuchen, langsam und ruhig zu atmen, auch wenn man von oben Stimmen hört. Ihr könnt sie zwar hören, die Retter Euch aber nicht. Hoffen wir natürlich, dass niemand in so eine Situation kommt <- versteht sich von selbst.

Ohne Fleiß kein Preis! Das erste Mal auf Tourenski unterwegs, noch dazu bei mega viel Neuschnee – eine Kombination, die die körperlichen Grenzen aufzeigen kann. Unter uns gesagt: Meine Fresse, war das anstrengend! Aber, wie Ihr an den Bildern sehen könnt, hat sich die Anstrengung mehr als gelohnt. Wie genial muss es erst sein, einmal wirklich abseits (mit Guide und bei sicheren Bedingungen) zu laufen!?

Das Mittagessen zurück auf der Hütte hatten wir uns also redlich verdient, bevor der Nachmittag mit spannenden Einblicken hinter die Kulissen des Skigebiets begann. Start war an der Bergbahn. Stichwort: Herstellung von Schnee. Wir bekamen einen interessanten Einblick, wie Schnee gemacht werden kann, falls es einmal naturgemäß etwas hapern sollte. Von den Schneedepots neben/auf der Piste über die Erklärung zur „Feuchtkugeltemperatur“ (Verhältnis von relativer Luftfeuchtigkeit und Temperatur) und Besichtigung einer mobilen Propellerkanone war alles dabei. Wer jetzt mit dem Gedanken spielt, sich selbst mit Schnee zu versorgen, dem sei gesagt, dass eine Schneekanone ca. 30.000 Euro kostet und bei uns in Bayern genehmigungspflichtig ist.

Aber was nutzt der ganze Schnee, wenn die Gäste unten im Tal bleiben? Klaro, die Beförderung ist mindestens genauso wichtig. Von daher war unser nächster Punkt der Blick hinter die Kulissen der Bergbahn. Sicherheit wird hier natürlich groß geschrieben und von Mindestabstand der Gondeln, Windsensoren und Passivbremsen wurde uns alles erklärt. Selbst eine Notbremsung hat uns der Chef auf Nachfrage gezeigt. Vermutlich würden wir jetzt noch vor Ort stehen und die Antworten einsaugen, weil es so interessant war. Ein absolutes MUSS für jeden interessierten Skifahrer!

Nachdem wir uns die Arbeit „im Hintergrund“ angeschaut hatten, ging es im Anschluss wieder auf die Piste. Allerdings mit über 12 Tonnen Gewicht und ca. 500 PS. Stichwort PISTENBULLY!!!1elf

Da ging definitiv ein Kindheitstraum in Erfüllung! Einmal in einem Pistenbully sitzen und den Fahrer mit Fragen zu löchern – gibt es was tolleres? Gesagt, getan, ab auf den Beifahrersitz. Der übrigens super bequem ist – da könnten sich einige Automobilhersteller etwas abschauen.
Wir waren also dabei, als im Team der Pistenbullyfahrer die Pisten präpariert wurden. „Der Gast soll perfekte Pisten vorfinden“, so das Motto der Fahrer, was sie mit Leidenschaft tun. Elegant und kraftvoll zugleich wird die Maschine bewegt. Und falls der Pistenabschnitt noch nicht zur vollen Zufriedenheit präpariert ist, wird nochmals über die Stelle gefahren. Selbst kleine Bereiche an den Liftstationen erweisen sich als problemlos. Wenn es nötig ist, können mit dem Pistenbully übrigens auch die steilsten Pisten gefahren werden, notfalls mit Seilwinde. Sicherheit geht auch hier vor. Wenn man das das erste Mal macht, spürt man schon das Gefälle – fand ich zu Beginn ja etwas gewöhnungsbedürftig.
Zwei von den insgesamt sechs Fahrzeugen im Hochzeiger besitzen Sensoren/Geräte zur Erfassung der Schneehöhe. Diese wird automatisch an die Kollegen der Schneeherstellung übermittelt, so dass immer ein Zusammenspiel stattfindet und beide Bereiche direkt ineinander greifen. Auf Nachfrage an meinen Pistenbullyfahrer, ob es sein Traumjob sei, kam spontan und mit vollem Lächeln die Antwort: „Ja, es ist mein Traumjob! Auch wenn es nicht immer leicht ist – z.B. bei schlechtem Wetter eine Kette zu wechseln, aber ja, es ist definitiv mein Traumjob. Gerade heute (schöner Sonnenuntergang und klare Sicht) macht es richtig Spaß!“ Und wisst Ihr was – ich verstehs!

Neben „Pitzis Morgenrunde“, also dem Erlebnis als erster auf der Piste zu sein (siehe Teil 1), sind auch die Technikführung sowie eine Fahrt mit einem Pistenbully im Hochzeiger buchbar. Sehr zu empfehlen, denn wann bekommt man einmal die Möglichkeit in solchem Umfang hinter die Kulissen zu schauen?! Ihr seht, das Pitztal bietet viele verschiedene Möglichkeiten für tolle Wintersporterlebnisse, aber auch so einiges mehr – ich finds genial!

In Kooperation mit dem Pitztal – Vielen lieben Dank!

„Pitzis Morgenrunde“ oder fast allein mit Benni Raich – Hochzeiger/Pitztal (Teil 1)

29. Januar 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Schnee, Schnee und nochmals Schnee. So lauteten die Wetterberichte Mitte Januar. Was allerdings die Medien daraus machten, war eher „Drama, Drama, Drama!“ So schlimm, wie es in den diversen Sondersendungen gemacht wurde, war es nicht bzw. nur in einer begrenzten Region.
Bevor es für mich zum Skierlebnis ins Pitztal ging, schaute ich bei meiner „Zweitfamilie“ im benachbarten Ötztal vorbei. Und siehe da, dort lag auch Schnee. O-Ton „Es ist halt Winter!“ oder „Wir hatten schon viel mehr Schnee!“. Die gleichen Aussagen waren übrigens auch im Pitztal zu hören. Die Alpenbewohner können nämlich sehr gut mit den weißen Massen umgehen und auch die potentiellen Risiken sehr gut einordnen.

Nun gut, nach kurzer Information und dem „Alles halb so wild!“ aus dem Pitztal machte ich mich also auf nach Jerzens und zum dortigen Skigebiet Hochzeiger. Nach meiner Nacht im Ötztal setzte der erwartete Schneefall am Vormittag wieder ein, allerdings waren die Straßen (noch) frei. Das änderte sich schlagartig, als es weiter nach oben ging. Mein Ziel war das Hotel Andy, welches auf 1500 Metern oberhalb von Jerzens liegt, nahe der Talstation.

Straße im Pitztal - Winter 2019

Für die letzten Kilometer wurden bei Schnee und Eis eigentlich Schneeketten empfohlen. Getreu dem Motto „Nur nicht stehen bleiben!“ probierte ich es ohne. Und siehe da, es klappte, selbst ohne 4×4 und trotz eines nötig gewordenen Überholvorgangs eines Holländers mit Schneeketten, der einfach am Berg stehen blieb. Die Einheimischen kamen ohne oben an, also musste es irgendwie gehen. Und so war es dann auch.

Die nächsten zwei Tage standen tolle Skierlebnisse auf dem Programm unserer Pressereise. Also checkte ich erst einmal die Lage und den Schneebericht. Beides super! Damit es am nächsten Tag gleich losgehen konnte, stand am Anreisetag noch das Ausleihen der Ski auf dem Programm. Also ab zum Sport Lentsch (der praktischerweise gleich gegenüber vom Lift liegt). Nach nur wenigen Minuten bekam ich dort eine Top Skiausrüstung, traf einen Bekannten und bekam ungefragt einen Schnaps serviert. DAS ist ein Service! Gastfreundschaft können die Pitztaler!

Wie bereits im Eggental festgestellt, lohnt sich frühes Aufstehen, denn der frühe Vogel fängt den Wurm. Am nächsten Tag ging es also früh auf die Piste, denn „Pitzis Morgenrunde“ erwartete uns. Bei „Pitzis Morgenrunde“ hat man die Piste fast für sich allein, denn man kann den exklusiven Skigenuss am frühen Morgen buchen und bereits um 07:30 Uhr an der Talstation starten, bevor die Seilbahn ihren regulären Betrieb aufnimmt. Als erster eine Spur in die frisch präparierten Pisten ziehen lohnt sich definitiv! Es schneite zwar nach wie vor, aber der Schneefall konnte uns nicht aufhalten. So ging es nach einem Frühstück in der ZirbenBäckerei an der Talstation (was ebenfalls zu Pitzis Morgenrunde gehört) auf die Piste.
Gespräche in der Gondel sind doch mit die besten! Wir hatten das Glück, das uns am Vormittag Skirennläufer und Olympiasieger Benni Raich begleitete. Er erzählte von seinem Training, seinen Erfolgen und zudem auch so einige private Dinge. Megainteressant, mit so einem Profi auf den Skipisten unterwegs zu sein! Ein erstes Highlight in seiner langen Karriere war, als er als 12jähriger etwas unerwartet ein Rennen gewonnen hatte. Aber natürlich waren auch seine großen Erfolge ein Thema. Bodenständig, sympathisch und noch dazu (logischerweise) ein exzellenter Skifahrer – so durften wir ihn kennenlernen. Leider musste sich Benni nach unserem Bergfrühstück verabschieden und für uns ging es mit Christoph Lechthaler von der Skischule Hochzeiger wieder auf die Piste. Der Schneefall wurde stärker, was genial war. Erstens: (Fast) leere Pisten und zweitens schöner, neuer Pulverschnee auf super präparierten Pisten. Das macht Spaß! Es wurden auch ein paar Abkürzungen durch den Tiefschnee gefahren. Nein, nennen wir es lieber „versucht zu fahren“, denn man steckte super schnell Bauchtief im Schnee fest. Gaudi macht es natürlich trotzdem! Egal ob blaue, rote oder schwarze Pisten (im Skigebiet Hochzeiger ist für jeden was dabei) – wir folgten Christoph ohne zu murren und es war einfach nur ein Traum.

Definitiv ein Highlight! Warum hat es sowas eigentlich früher noch nicht gegeben? Frühstück auf dem Berg, leere, frische Pisten – was will man mehr!?
Am Abreisetag genossen wir übrigens noch einmal „Pitzis Morgenrunde“ und die leeren Pisten. Auch hier war wieder Wecker stellen angesagt und rauf auf den Berg. Das Wetter war dieses Mal traumhaft – keine Wolke am Himmel. Am höchsten Punkt angekommen, genossen wir den herrlichen Blick auf die umliegenden Gipfel. Inklusive herrlicher Ruhe und Sonnenaufgang. Einfach nur ein geniales Gefühl!

Aber noch stand die Abreise ja nicht auf dem Programm, sondern noch ein paar weitere Programmpunkte und Erfahrungen. Der erste Skitag ging mit einem leckeren Abendessen im Hotel zu Ende. Und ich freute mich auf mein persönliches Highlight an Tag 2, was genau, erfahrt Ihr in Kürze hier.

In Kooperation mit dem Pitztal – Vielen lieben Dank!

Der Weg ist das Ziel – die Verpeilspitze im Pitztal (Teil 2)

6. November 2018 | 2 Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Also weiter im Text mit der Bergtour zur Verpeilspitze. Im ersten Post zur Pressereise ins Pitztal hatte ich Euch bereits vom Cottbuser Höhenweg berichtet. Ziel war die Kaunergrathütte, wo eine Übernachtung geplant war, bevor es dann weiter auf die Verpeilspitze gehen sollte. Wir hatten die Hütte jedoch noch nicht erreicht, als es passierte.
Stellt es Euch so vor: Die Hütte fast schon in Sichtweite, das weitläufige Kar, der schmale Weg, das Hochgebirge. Und zack, von (fast) einem Meter auf den nächsten herrschte bei mir akuter Sauerstoffmangel. Was war das denn? Warum fiel die Atmung so derart schwer? Nicht, dass ich mitreden kann (zum Glück), aber es fühlte sich so an, als hätte ein Lungenflügel die Arbeit komplett eingestellt und der zweite arbeitete nur noch zu 50%. Ich drosselte das Tempo, doch die Atmung wurde nicht besser. So dass nur noch eine Rast helfen konnte. Gesagt getan und ein paar Minuten ruhig durchgeatmet. Dabei habe ich etwas Flüssigkeit zu mir genommen und den Kreislauf versucht mit Traubenzucker in Schwung zu bringen. Quasi als Notfallmaßnahme. Doch auch das half nur äußerst kurzfristig. Das Atmen fiel weiterhin sehr schwer und dann machten sich auch noch leichte Kopfschmerzen breit. Erster Gedanke „F*ck, was soll diese Kacke – noch nicht einmal ganz die 3000m erreicht“. Doch mein Körper schien in eine andere Richtung zu wollen. Fredl, einer unserer Bergführer, und Matthias vom Wanderkurier blieben an meiner Seite. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön für die Unterstützung!

Das war sie also, diese Höhenkrankheit. Zumindest die ersten Anzeichen davon. Auch wenn wir uns „nur“ auf ca. 2600m befanden, so hat es mich doch das erste Mal überhaupt in den Bergen zerrissen. Eine sehr ungewohnte Erfahrung, aber das kann unter verschiedenen Voraussetzungen vorkommen. Zum Beispiel auch, wenn man früher in den Bergen war und dann einige Jahre pausiert hat, zu schnell aufsteigt und nicht ausreichend akklimatisiert ist.
Einmal ist immer das erste Mal. Das brauche ich zwar nicht nochmal, aber lieber im Beisein der erfahrenen Bergführer, als alleine auf dem Weg zum Similaun. Der ja übrigens auch noch auf mich wartet. Anyway, der Point of no Return war überschritten, die Hütte in Sichtweite, der Weg nach unten zu lang. Also weiter nach oben, ganz langsam und mit zahlreichen Pausen bis zur Kaunergrathütte. Ab diesem Zeitpunkt war von Genuss der schönen Landschaft leider nicht mehr viel übrig, denn das einzige Ziel war Ankommen an der Hütte. „Und wenn ich auf allen vieren da oben eintreffe…“ war mein Gedanke, denn jeder Schritt war Quälerei. Zum Glück war es dann irgendwann auch geschafft!

Weg zur Kaunergrathütte im Pitztal

Kaunergrathütte im Pitztal

Erst einmal ankommen, Schuhe aus und den Zuckerhaushalt auf Vordermann bringen. Später noch das Lager beziehen und in der Runde lecker esse. Mein Körper war doch relativ schnell wieder auf halbwegs normalem Level. Daher hatte ich auch die Muße, den Sonnenuntergang zu genießen.

Sonnenuntergang auf der Kaunergrathütte im Pitztal

Schon im Vorfeld hatte ich mich gefreut, endlich mal wieder auf einer Hütte zu schlafen. Es ist schon etwas ganz Besonderes in den Bergen zu übernachten. Und es hat sich gegenüber früher einiges getan an Komfort. Die Betten- bzw. Matratzenlager haben ein besonderes Flair und sind für Übernachtungen im Rahmen einer Bergtour super und mehr als ausreichend. Die Mahlzeiten auf der Hütte sind ein Gedicht! Und das sage ich jetzt nicht nur aufgrund meiner körperlichen Verfassung. Wenn man zudem noch beachtet, dass das ganze Material per Helikopter oder (notfalls) zu Fuß auf diese Höhe gebracht werden muss, wird einem erst einmal so richtig bewusst, was es für eine Leistung ist, so eine Hütte zu managen. Das Schöne ist, dass die überwiegende Anzahl an Gästen das auch zu schätzen weiß und gerade deswegen vermutlich auch gerne auf Hochgebirgshütten nächtigt bzw. speist.
Ich werde Euch demnächst mal einen Blogpost dazu verfassen, was man für eine Hochgebirgstour mit Hüttenübernachtung braucht. Gut Ding will aber schließlich Weile haben.
Kommen wir erstmal zurück zur Kaunergrathütte und der Verpeilspitze. Am nächsten Morgen wartete vor dem leckeren Frühstück noch ein schöner Sonnenaufgang auf uns. So, wie man ihn nur nach eine Hüttenübernachtung genießen kann.

Sonnenaufgang auf der Kaunergrathütte im Pitztal

Sonnenaufgang auf der Kaunergrathütte im Pitztal

Aufstieg zur Verpeilspitze im Pitztal

Aussicht auf dem Weg zur Verpeilspitze im Pitztal

Die Kaunergrathütte im Pitztal von oben

Zwar war die Nacht gut und mein Körper fühlte sich wieder fitter an, doch nach dem gestrigen Tag und der milden Höhenkrankheit schraubte ich mein persönliches Ziel runter. Ich entschied mich, nicht bis ganz oben auf die Verpeilspitze mit zu gehen, wollte aber auf jeden Fall noch die 3000m Marke erreichen. Das waren von der Hütte aus noch 200 Höhenmeter, aber trotzdem anstrengend, und ich war froh, als ich es geschafft hatte. Die Entscheidung, anschließend umzudrehen, war definitiv die richtige. Der weitere Weg zur Verpeilspitze wäre in meiner Verfassung schlichtweg unmöglich bzw. nur sehr schwierig gewesen. Auf den letzten Metern zur Spitze geht es über ausgesetzte Passagen, viel Geröll, Steige und Kletterei bis Stufe II+. Für mich hieß es daher zurück zur Hütte und auf die anderen warten. Vielen Dank auch, lieber Körper!
Nach einer Weile kam Wolfgang, unser Naturparkführer, mit einem weiteren Teilnehmer unserer Runde ebenfalls zurück und wir machten uns gemeinsam an den Abstieg. Wolfgang lief wieder zur Höchstform auf, er sammelte Blumen und Kräuter, um diese bei einer kleinen Rast zu beschreiben und erklärte und zeigte alles, was uns interessierte. Das Wetter war mittlerweile auch nur noch traumhaft und der Körper spielte wieder mit. Somit ging eine herrliche Hochgebirgstour im Pitztal gut zu Ende. Und das trotz der „kleinen“ Lappalie.

Abstieg von der Verpeilspitze im Pitztal

Abstieg von der Verpeilspitze im Pitztal

Kräuterkunde mit Wolfgang Schranz im Pitztal

Der Rest der Truppe hat noch das obligatorische Gipfelfoto auf der Verpeilspitze geschossen und kam dann geschafft, aber begeistert, zurück. Zum Schluss bin ich Euch noch eine Erklärung schuldig, warum die Verpeilspitze eigentlich Verpeilspitze heißt. Es hat nicht mit „Verpeiltheit“ zu tun. Sondern kommt aus dem rätoromanischen und bedeutet soviel wie „verborgenes Tal“ und „schwer erreichbar“.

Alles in allem eine toll organisierte Tour, eine herrliche Gegend und der ein oder andere Gipfel im Pitztal, dem „Dach Tirols“, wartet halt nun noch ein bisschen länger auf mich.

 

In Kooperation mit dem Pitztal – Danke!

Der Weg ist das Ziel – die Verpeilspitze im Pitztal (Teil 1)

22. Oktober 2018 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Endlich wieder in die Berge! Endlich wieder ins Hochgebirge! Endlich mal wieder auf über 3.000 Höhenmeter! Das war der Plan für ein paar Tage wandern in Tirol.
Wie Ihr wisst, sind die Berge für mich etwas ganz Besonderes. Quasi zum Teil aufgewachsen im Ötztal, habe ich damals meinen ersten Steinbock auf dem Weg zur Hohen Geige gesehen. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern, denn er stand auf einem Felsvorsprung und war mehr als deutlich zu sehen. Es war ein imposantes Männchen und strotzte nur so vor Stolz, als wolle er sagen „Das sind meine Berge und ich bin hier der König!“.

Die Hohe Geige liegt zwar in den Ötztaler Alpen, ist aber vom Pitztal aus zu besteigen. Pitztal? Das Pitztal liegt zwischen dem Ötz- und dem Kaunertal in den Ostalpen. Schon bei der Einfahrt ins Tal bietet es einen Blick auf steil aufragende Felsen und geniale Wasserfälle. Nicht zu überlaufen, gleichzeitig eng, aber doch nicht zu eng. Je weiter man ins Tal fährt, desto näher rückt der Talabschluss. Vergleichbares zu finden ist mir (Stand jetzt) nicht leicht. Für mich hat es ziemlich Eindruck hinterlassen. Und das trotz schlechterem Wetter. I like.
Apropos Wetter – dieses Jahr hatte ich einfach kein Glück, was die Kombination aus Alpen und gutem Wetter angeht. In Südtirol kam ein heftiges Gewitter dazwischen und im Ötztal anschließend der Regen, der mich von der Wanderung zum Similaun abhielt. In Kärnten war es dann vor allem der Nebel, der uns einen Strich durch die herrlichen Aussichten machte. Nun also schon wieder. So dachte ich zumindest noch. Wie wir später feststellen konnten und man ja weiß, ändert sich das Wetter in den Bergen super schnell. Außerdem ist das Pitztal insgesamt sehr niederschlagsarm. Das wusste ich vorher noch nicht. Nur eine von vielen interessanten Facts, die wir von unseren Begleitern erhielten. Aber dazu später mehr.

Das Ziel unserer Pressereise war die 3.425m hohe Verpeilspitze. Das bedeutet Aufstieg ins Hochgebirge und eine Übernachtung auf der 2.817m hohen Kaunergrathütte. Diese befindet sich auf dem Weg zur Verpeilspitze und ist entweder zu Fuß oder alternativ mit dem Hubschrauber zu erreichen. Bekanntlich ist aber der Weg das Ziel. Und so startete Tag 1 unserer Pressereise mit einem ausgedehnten Frühstück. Schließlich sollte man nie mit leerem Magen loslegen!
Alfred (Alfi) Dworak von der Bergführervereinigung Pitztal gesellte sich schon am Vorabend zu uns und zum Frühstück ebenfalls. Er sprach mit uns die Route durch und die Checkliste zur Tour wurde abgehakt. Erstes Ziel war die Rifflseebahn, um anschließend auf 2.232 m eine Floßfahrt zu unternehmen. Das ist doch mal etwas! Naja, fast. Wir waren zwar am Rifflsee und auch auf dem Floß, aber das Wetter war für eine Ausfahrt einfach zu schlecht. Leider. Dafür war Zeit für zahlreiche Fragen. Gleich zwei Superlative treffen hier aufeinander. Zum einen ist der Rifflsee der höchstgelegene (Berg-)See in Österreich und zum zweiten ist die Fahrt auf dem See die höchstgelegene Floßfahrt in ganz Europa!

Schnee am Rifflsee im Pitztal 2018

Aussicht am Rifflsee im Pitztal

Seekogel Floß auf dem Rifflsee im Pitztal

Seekogel Floß auf dem Rifflsee im Pitztal

Schneemann auf dem Floß am Rifflsee - Pitztal

Aber nicht nur die Infos um den See sind spannend, sondern auch das Floß bzw. der Bau selbst. Erfahrungen waren zu Beginn nämlich keine vorhanden, man wusste sich aber zu helfen. Holzstämme zusammenbinden, Podest mit ein paar Bänken drauf, Motor dran und schon war die Idee umgesetzt. Was so leicht und schnell klingt, ist in Wirklichkeit natürlich sehr viel Handarbeit, verbunden mit Geduld bzw. Zeit und Tüftelei. Auch beim Antrieb wurde lange überlegt, denn die Nachhaltigkeit sollte nicht zu kurz kommen. Die Lösung: Ein Elektro-Außenborder. Leise und somit perfekt für eine Floßfahrt, umweltschonend und langlebig. Wie ich finde, eine super Idee!
Vom Ufer aus gesehen ist das Panorama bereits atemberaubend, wie wird es dann erst auf dem See sein? Noch dazu mit einer leckeren Brotzeit und Getränken. Stelle ich mir genial vor. Saisonbedingt wird es zwar dieses Jahr mit der Floßfahrt nichts mehr, dafür heißt es 2019 wieder: Floß ahoi! An dieser Stelle habe ich einen Wunsch an Euch. Falls jemand diese Floßfahrt am Rifflsee schon mal getätigt hat oder gerade plant, sagt mir bitte Bescheid, wie es Euch gefallen hat. Entweder in den Kommentaren, per Mail, Brieftaube oder wie auch immer. Danke!

Am Rifflsee ging unsere Tour los, der Aufstieg zur Kaunergrathütte stand bevor. Dieser erfolgte über den Cottbuser Höhenweg. Neben Alfi begleiteten uns Fredl (Alfred Schrott) ebenfalls von der Bergführervereinigung Pitztal und Wolfgang Schranz. Wolfang ist mittlerweile 70 Jahre jung, war bereits auf allen 84 Dreitausendern (!) und ist Naturparkführer in der Region Kaunergrat. Mehr geballte Erfahrung ist echt nicht möglich. Mit diesen drei ultimativen Guides machten wir uns auf den Weg zur Hütte.
Ein schöner Weg zunächst durch die grünen Hänge und fast immer mit einem herrlichen Blick ins Tal. Zwischendurch ein kurzer mit Drahtseil gesicherter Steig. Hört sich schlimmer an, als es ist. Gut, Trittsicherheit ist natürlich das A und O und bei Touren ins Hochgebirge Pflichtsache. Am besten gepaart mit Schwindelfreiheit und natürlich der richtigen Ausrüstung. Aber eigentlich verstehen sich diese Punkte von selbst, wenn man in Richtung 3000 Höhenmeter unterwegs ist.
Eine kleine Anekdote dazu: In meinen jüngeren Jahren ging es auf den im Nachbartal gelegenen 2813m hohen Gamskogel. Man muss dazu wissen, dass verschiedene Wege auf den Gipfel führen, aber dennoch jeder seine Eigenheiten hat. Schon fast am Gipfel trauten wir unseren Augen nicht, als ein Pärchen mit Sandalen den Weg kreuzte. Richtig, mit Sandalen! Es muss schon jeder selbst wissen, was er tut, aber so etwas muss doch nicht sein. Man bringt ja nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern auch (im Falle des Falles) seine Retter. Bei Unsicherheiten zur Ausrüstung kann man bei der Bergführervereinigung nachfragen. Safety first! Ich werde Euch demnächst auch mal ein paar Tipps hier auf dem Blog zusammenstellen, denn was ich so mitkriege, ist Wandern doch bei einigen von Euch ein Thema.
Kommen wir aber zurück zum Cottbuser Höhenweg:

Einstieg zum Cottbuser-Höhenweg vom Rifflsee im Pitztal

Der Cottbuser-Höhenweg im Pitztal

Steig am Cottbuser-Höhenweg im Pitztal

Kletterpassage-Cottbuser-Höhenweg im Pitztal

Rast mit Aussicht auf dem Cottbuser-Höhenweg im Pitztal

Alfred (Alfi) Dworak von der Bergführervereinigung Pitztal

Alfi und Fredl standen mit zahlreichen Tipps und Tricks rund um die Berge und allem, was dazu gehört (Gipfelkunde/Eisklettern/Ausbildung zum Bergführer usw.), zur Verfügung. Wolfgang hingegen mir seiner unglaublichen Erfahrung in Sachen Flora und Fauna. Vermutlich kennt er jeden Stein und jede Pflanze im Pitztal persönlich – mit Vor- und Nachnamen sowie Familienstammbaum. Oder so. Zum Beispiel wächst eine Flechte in dieser Region nur sehr langsam. So grob gesagt hat in diesen Höhen 1 Quadratzentimeter Flechte ca. 60 Jahre auf dem Buckel. Faszinierend, oder? Auch Gletscherkunde gehört zu seinem Repertoire. Ob Hängegletscher, verschiedene Moränen oder der Gletscherfloh, zu allem weiß er interessante Geschichten. Nicht zu vergessen die verschiedenen essbaren Pflanzen und ihre jeweiligen Erkennungsmerkmale. Wir wollen ja schließlich nicht die falschen Pflanzen zu uns nehmen. Also ich kann Euch eine Tour mit einem Bergführer aus der Region nur mehr als ans Herz legen, man nimmt unglaublich viel mit und wird so eine Tour so schnell nicht vergessen!
So machten wir uns gemeinsam auf den ca. 7,4 km langen Weg mit geplanten 3,5 Stunden Gehzeit zur Kaunergrathütte. Es waren 863 hm im Anstieg und 340 hm im Abstieg. Wie bereits erwähnt mit einem kleinen Stück mit Gurt und Sicherung am Drahtseil. War vielleicht nicht immer nötig, doch wir waren schließlich in einer Gruppe unterwegs und da liegt die ganze Verantwortung bei den Bergführern. Außerdem hatte es in der Nacht geschneit und einige Reste der weißen Pracht waren noch vorhanden. Deshalb galt auch hier die Devise „Safety first!“. Sobald diese Passage geschafft ist, führt der Weg immer weiter Richtung Hütte. Über Blöcke, eine leichte Umleitung (der ursprüngliche Weg ist wegen Steinschlag gesperrt) in ein weitläufiges Kar. Die Hütte ist dann auch nicht mehr so weit. Aber dann passierte es….!

In Kooperation mit dem Pitztal – Herzlichen Dank!

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