Unterfranken und sein öffentlicher Personennahverkehr

12. Februar 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Die Mobilitätswende ist in aller Munde. Jedenfalls auf dem Papier bzw. in so manchem Imagebericht und Parteiprogramm. Der ÖPNV soll gestärkt, Autos möglicherweise ganz aus den Innenstädten verbannt werden oder – je nach Einstellung – dies auf gar keinen Fall und überhaupt scheint das Thema insgesamt sehr dramatisch. Die Forderungen sind verschieden, doch wie immer liegt die Lösung vermutlich in der goldenen Mitte.

„Verbietet doch endlich die Autos!“ habe ich sogar schon gelesen. Mit Verlaub, was ein Nonsens! Natürlich bin ich auch für eine zukunftsweisende Mobilitätswende und für Fortschritt, keine Frage. Um es vorwegzunehmen, da, wo es auch Sinn ergibt! Die Städte sind voll mit Fahrzeugen und auch hier in Schweinfurt wünsche ich mir weniger davon. Leider sieht das die konservative Verwaltung nicht ganz so und muss immer wieder zu mehr „Grün“ gedrängt werden. Zwar ist aktuell eine Koalition aus CSU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am Werk, aber von den Grünen hört/liest man leider recht wenig.
Auch vertreten einige (nicht alle) Einzelhändler die Meinung, dass mehr Parkplätze zu mehr Umsatz führen. Keine Ahnung, was das für ein Schluss ist, aber zu meckern geht insgesamt einfacher, als nach passenden Lösungen zu suchen.

Auf dem Land sieht die Lage mit Autos und Parkplätzen natürlich anders aus. Es ist genügend Platz für ein oder gleich mehrere Fahrzeuge vorhanden. Wenn ich an meine Zeit im Spessart zurückdenke, hatten wir teilweise vier Autos zu Hause. Lag daran, dass jeder zu einer anderen Zeit mobil sein musste – es war einfach normal. Der ÖPNV war damals schon unterirdisch. Als Beispiel: Am Vormittag gab es nur eine Verbindung in die 16 km entfernte (Klein-)Stadt und der Rückweg war schon schwierig(er), da es auch nur eine einzige Verbindung gab – allerdings um 15 Uhr rum. Am Wochenende war es schlichtweg unmöglich aus dem Dorf zu kommen. Dies ist heute ähnlich und es hat sich nicht wirklich viel geändert. Also ergibt die pauschale Aussage „Weg mit den Autos“ keinen Sinn. Weiter ausgeholt könnte man bei dieser Forderung im übertragenen Sinn sogar von einer Wettbewerbsverzerrung sprechen, da schließlich einige Dinge auf dem Land ohne Auto schlichtweg unmöglich wären bzw. sehr viel Zeit investiert werden müsste, um von A nach B zu kommen.

Jetzt könnte man sagen „Ausbau der Öffis!“. Als Gegenargument kommt dann wieder „Warum, wenn keiner die Öffis nutzt?“ – da sind wir wieder beim klassischen Henne-Ei-Problem. Die Kommunen sollen auf der einen Seite wirtschaftlich handeln, aber auf der anderen Seite müsste ohne Ende investiert werden. Die Meinungen gehen bei diesem Thema weit auseinander. Sorry, eine Lösung wird es von mir auch nicht geben. Ich denke, ein besserer Mobilitäts-Mix müsste angegangen werden, mehr ÖPVN, mehr Sharing-Angebote, Ladekapazitäten für Elektro, Fahrradwege-Ausbau in den Städten etc. pp.

Schauen wir uns einmal an, was der Regierungsbezirk Unterfranken im Jahr 2020 an finanziellen Mitteln in den Öffentlichen Personennahverkehr gesteckt hat. Das wohlgemerkt NUR in Unterfranken mit ca. 1,3 Millionen Einwohnern. Insgesamt wurde der ÖPNV hier mit 56,307 Millionen Euro gefördert (Quelle: Regierung von Unterfranken 2021). Zum Vergleich, im Vorjahr 2019 waren es rund 35 Millionen Euro. Also ein deutlicher Anstieg.
Gut, man muss bedenken, dass auch beim ÖPNV Corona eine Rolle gespielt hat bzw. spielt. Die Fahrgastzahlen gingen aus den unterschiedlichsten Gründen (keine Freizeitangebote, Homeoffice, Schulschließungen usw.) drastisch zurück. Nichtsdestotrotz wurde neben dieser Subvention in neue Fahrzeuge investiert. Insgesamt mussten die Zuständigen (dazu zählen auch die Stadtwerke usw.) gut 21,5 Millionen Euro netto ausgeben. Selbstverständlich gibt es Förderungen in diesem Bereich, aber wie bei Förderprogrammen üblich, werden die Kosten niemals zu 100% kompensiert <- sollte eigentlich klar sein, aber ich sage es sicherheitshalber nochmals dazu.
Mit einer Förderung von 6,816 Millionen Euro leistete die Regierung von Unterfranken ihren Teil dazu, insgesamt 90 Niederflurbusse anzuschaffen. 19 davon werden mit Hybridtechnologie betrieben und 2 weitere Fahrzeuge rein elektrisch. Dies ist Teil der Erneuerung der Fahrzeugflotte, die zukünftig emissionsärmer sein soll als „die alten“. Davon profitieren wiederum auch Fahrgäste mit behinderungs- oder altersbedingten Einschränkungen der Mobilität und Fahrgästen mit Kinderwagen.

In Würzburg, Sitz der unterfränkischen Regierung, gibt es zudem eine Straßenbahn, die in den nächsten Jahren verstärkt gefördert wird. Als Schweinfurter mag man Würzburg offiziell nicht. Das ist quasi wie die Rivalität zwischen Düsseldorf und Köln, Mainz und Wiesbaden oder Nürnberg und Fürth. Also sehen wir die Förderung natürlich skeptisch, können es aber leider nicht ändern. ;) In den kommenden Jahren werden in dieser Stadt mit dem amtlichen Kennzeichen WÜ (= „wir üben“) die Straßenbahngelenktriebwägen in barrierefreie Varianten getauscht. Dies wird insgesamt mit 19,25 Millionen Euro gefördert. Im Jahre 2020 wurden bereits 5,5 Millionen Euro ausgezahlt.

Und nicht zu vergessen, muss die Schülerbeförderung in Unterfranken finanziert werden. Für den Verkauf vergünstigter Zeitfahrkarten an Schüler, Studenten und Auszubildende entstehen den Verkehrsunternehmen regelmäßig Mindereinnahmen. Diese werden teilweise vom Freistaat Bayern ausgeglichen. In Summe erhielten die Unternehmen dafür 11,994 Millionen Euro. Hier stellt sich die Frage, ob die Förderung auch den Schülern bzw. Fahrgästen zugutekommt. Es könnte theoretisch sein, dass die Busunternehmen die Förderung einstecken, aber dennoch wenig(er) Busse einsetzen, um dadurch den Gewinn zu erhöhen. Auf dem Papier finden mit Sicherheit Kontrollen statt, aber wie sieht es in der Praxis aus?

Dies sind nur ein paar konkrete Beispiele zur finanziellen Förderung des ÖPNV in unserem Regierungsbezirk und spiegelt nicht die ganze Fördersumme wider. Natürlich ist Luft nach oben, versteht sich von selbst. Doch es ist zumindest ein Schritt, um den ÖPNV zu stabilisieren. Wünschenswert ist ein stetiger Ausbau. Sei es auf den einzelnen Strecken, aber zugleich auch mit attraktiveren Möglichkeiten wie automatische oder flexiblere Abrechnung, weitere Zusammenführung der Verkehrsverbünde etc. Als Kunde würde ich z. B. gerne mit meinem e-Ticket in Schweinfurt mit dem Bus fahren, aber zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht auch mal in Aschaffenburg (um einmal in Unterfranken zu bleiben). Es gibt einen Verkehrsverbund Mainfranken, aber leider sind hier (noch) nicht alle Landkreise mit im Boot.

Anyway, 56,307 Millionen Euro sind eine Menge Geld, keine Frage. Leider ist diese Summe auch so hoch, weil in der Vergangenheit vielleicht nicht ausreichend investiert wurde. Aber das steht wieder auf einem anderen Blatt und persönlich bin ich froh, dass überhaupt in einem so großen Umfang gefördert wird.

Wie schaut es bei Euch aus? Seid Ihr mit „Eurem“ ÖPNV zufrieden?

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