Genuss und Entschleunigung – das ist Juist (Teil 1)

2. Dezember 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Wenn der Kopf voll ist, gibt es nichts Besseres als eine kleine Auszeit. Für mich, wie Ihr wisst, meist in den Bergen. Aber auch ein paar Tage am Meer sind ideal zum Abschalten, Entspannen und Genießen. Ganz besonders gut geht das, wie wir feststellen konnten, auf Juist. Entschleunigung vom Feinsten! Juist, die kleine Nordseeinsel „da oben“. Für uns im Süden ist ja quasi alles nördlich des Mains „da oben“, ja ich weiß, „typisch Bayern“ bzw. „typisch Franken“! Aber überhaupt nicht negativ gemeint, ganz im Gegenteil. Als Kind war ich einmal auf der Nachbarsinsel, aber ganz genau erinnern kann ich mich nicht. Somit war es an der Zeit, die Erinnerung aufzufrischen und Juist zu besuchen.

Wie gewohnt an dieser Stelle ein paar Hardfacts: Juist gehört zu den Ostfriesischen Inseln und liegt grob gesagt zwischen Borkum und Norderney. Die Insel ist ca. 17 km lang und zwischen 500 und 900 Metern breit. Die geringste Entfernung zum Festland liegt bei rund 7 Kilometern. Auf der nördlichen Seite ist die See und Richtung Festland befindet sich das ruhigere Wattenmeer, das zum UNESCO Weltnaturerbe gehört. Die Einheimischen nennen ihre Insel liebevoll „Töwerland“, was auf plattdeutsch so viel wie „Zauberland“ bedeutet. Vermutlich weil die Besucher von der Insel „verzaubert“ werden. Auf die ca. 1500 Einwohner kommen jährlich knapp 132.000 Übernachtungsgäste (Stand 2018), davon viele als Stammgäste immer wieder.
Ein großes Thema für Juist ist die Nachhaltigkeit. Logisch, eine Insel spürt die Notwendigkeit noch direkter, als wir es auf dem Festland tun. Juist strebt an, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu werden. Und ist damit eine ganze Ecke weiter, als so manch andere Kommune! Auf der Insel sind an sich schon keine Autos zugelassen (mit Ausnahme von Inselarzt und Feuerwehr) und somit ist man dem ehrgeizigen Ziel bereits einen gewaltigen Schritt näher. Die Autofreiheit ist ein Alleinstellungsmerkmal, das übrigens wesentlich zur Entschleunigung beiträgt. Aber auch sonst tut Juist viel, um sein fragiles Ökosystem in Takt zu halten und als kleine Insel einen großen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Schon 2015 gab es den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für das Töwerland in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Kleinstädte und Gemeinden“ und trotzdem sehen die Inselbewohner noch Luft nach oben. Toll, wie hier überall nachhaltige Werte vertreten werden und sicherlich auch für manche ein Anreiz, auf der Insel Urlaub zu machen.

Warum wir auf dem Töwerland waren? Wir waren u.a. für die Genusstage vor Ort, von denen ich noch erzählen werde. Die Anreise nach Juist gestaltete sich total problemlos. Mit der Bahn ging es bis „Norddeich Mole“ und dank einer Freifahrt kosteten mich Hin- und Rückfahrt nur 26,90 Euro. Bereits 37% der Gäste reisen mit der Bahn an und nutzen die super Anbindung. Der Bahnhof befindet sich nämlich keine 5 Minuten Fußweg vom Fähranleger entfernt. Da die Fähre nach wie vor abhängig ist von den Gezeiten, fährt sie nur 1-2mal am Tag bei Hochwasser. Am besten vorher informieren, sonst bleibt nur noch der Flieger oder das Warten auf die nächste Fähre (oder schwimmen ;)). Wenn man seine Hausaufgaben (sprich vorab informieren plus Puffer einplanen) gemacht hat und rechtzeitig am Bahnhof Norddeich Mole angekommen ist, dann empfehle ich das Gepäck schon mal abzugeben und auf ein Fischbrötchen beim Fischrestaurant de Beer vorbei zu schauen. Der Laden ist meist gut besucht, aber das Warten lohnt sich, denn erstens ist die Auswahl (für uns Landeier) richtig gut und zweitens sind die Brötchen super lecker.

Persönlich waren wir somit gestärkt und konnten die Überfahrt beginnen. Normalerweise sind ca. 90 Minuten dafür eingeplant. Je nach Tide, Windrichtung und Windstärke kann es manchmal kürzer sein oder auch länger. An diesem späten Nachmittag hatten wir ablandigen Wind und somit war wenig Wasser vorhanden. Dadurch benötigte die Frisia II um einiges länger und zwischendurch konnte man sogar manchmal ein kurzes Auflaufen auf Sand feststellen.
Nach ca. 2 Stunden, erst an Oberdeck und später im Inneren (es wurde frisch), kamen wir bereits entschleunigt im Hafen von Juist an. Trotz einsetzender Dunkelheit war der nicht vorhandene Lärm erstmal ungewohnt. Besonders, als wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft „Düne 38“ machten. Eine schöne, gut ausgestattete Ferienwohnung, die äußerst liebevoll und gemütlich eingerichtet ist. Ich hätte übrigens nicht gedacht, dass man sich so schnell an eine Ferienwohnung gewöhnen kann. Denn auch mein letztes Ferienwohnungserlebnis ist schon eine Weile her. Aber in der „Düne 38“ fühlten wir uns gleich wie zu Hause.

Am nächsten Morgen um 7:50 Uhr wurden wir durch Hufgetrappel geweckt. Wie wir feststellten, muss das die Verbindung Richtung Osten der Insel sein. Evtl. zum Flughafen, denn jeden Morgen um diese Zeit waren Hufe zu hören. „Ah, die 7:50 Uhr Kutsche ist wieder unterwegs!“
Nun denn, die Insel wartete auf uns! Und was ist quasi Pflicht? Fahrräder natürlich! Also ab zum Fahrradverleih Germania und die passenden Fahrzeuge (mit Korb auf dem Gepäckträger) ausleihen. Selten so eine große Auswahl an Rädern gesehen und es ging zu wie im Ameisenhaufen. Kann vielleicht auch daran liegen, dass die Fähre am Abend ankam und der Laden schon geschlossen hatte. Anyway, wir hatten unser Gefährt und damit ging es auch gleich ins Dorfzentrum, um die Vorräte aufzufüllen. Macht schon Spaß einfach mit dem Rad durch die Gegend zu tuckern so ganz ohne Autos!

Auf Juist lässt man alles etwas langsamer angehen und genießt die Zeit. Ich gebe zu, dass das zu Beginn für mich etwas gewöhnungsbedürftig war. Aber man wird quasi zur Entschleunigung gezwungen – was super toll ist. Uns zog es zuallererst einmal an den Strand. Dieser zieht sich vom Billriff im Westen bis zum Kalfamer im Osten. Mit seinen 17 Kilometern und maximal einer Handvoll Menschen unterwegs (da lob ich mir die Nebensaison!) wirkt er fast endlos.

Also Strand muss einfach immer! So nach dem Motto „Was können wir heute machen?“ – „Ach, lass uns doch eine Runde am Strand drehen.“ Glaube das würde ich auch machen, wenn ich vor Ort leben würde. Ein Strandspaziergang (also so richtig zum Kopf freipusten und Wellenrauschen genießen) funktioniert am besten auf der Nordseite zur offenen See hin. Was natürlich nicht heißt, dass es im Süden nicht schön ist. Ganz im Gegenteil! Wir konnten es bei der Überfahrt schon deutlich erkennen, das Wattenmeer ist etwas ganz Besonderes. Aber so richtig den Wind um die Nase pusten lassen, das Wellenrauschen hören und feinen Sand unter den Füßen genießen geht am besten an der Seeseite.

Das Watt, Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, mussten wir uns aber natürlich auch aus der Nähe anschauen. Auf der Insel gibt es verschiedene Möglichkeiten für eine Wattwanderung. Um uns einen kleinen Überblick zu verschaffen, waren wir auf „Schnupperwattwanderung“ unterwegs. Diese dauert ca. 1,5 Stunden und ist leicht über das Nationalpark-Haus zu buchen, bzw. einfach vor Ort nachfragen. Zudem empfiehlt sich ein Blick IN das Nationalpark-Haus. Ihr werdet überrascht sein, was es alles zu sehen gibt. Ein paar Wattenmeerbewohner, interaktive Stationen und so manche Überraschung ist hier zu finden.

Ob Wattwurm, Schnecken, Krebse, Muscheln oder Blasenloser Blasentang – die Wattwanderung bringt eine Menge Entdeckungen, Infos und Spaß und ist auch super für Familien geeignet. Falls Ihr es noch nicht wusstet, im Gegensatz zum Blasentang kommt der Blasenlose Blasentang nur im Wattenmeer vor! Kreativ waren sie schon immer, die Seebären, auch bei der Namensvergabe. Am besten geht es barfuß ins Watt und mit einem Guide. Die Zeit verging fast zu schnell und evtl. planen wir das nächste Mal eine Wanderung mit Heino für ein paar Stunden hinaus ins Watt. Das soll nämlich ein ganz besonderes Erlebnis sein.  Aber man muss sich ja auch noch Pläne aufheben.

Für uns ging es nun erstmal zum Genießen, wo genau und was wir auf Juist noch erlebt haben, das erfahrt Ihr in Teil 2.

Der liebe Hubert hat übrigens auch über die schöne Insel bzw. die Anreise gebloggt. Er hatte Glück bei der Überfahrt…aber lest am besten selbst.

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team der Insel Juist, die dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht haben.

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