Die zwei Abenteurer zu Fuß in der Rhön

20. April 2023 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Der Frühling ist da und spätestens jetzt geht die Wandersaison wieder los! Habt Ihr schon Eure Schuhe geputzt und die ersten Routen ausgesucht? Ich bin Euch noch einen Blogpost schuldig über eine schöne Tour mit Marco und gleichzeitig eine Empfehlung für eine kleine Mehrtageswanderung. Die langjährigen Social-Media Follower werden sich erinnern, dass Marco und ich mittlerweile quasi jährlich mindestens einmal zusammen per pedes unterwegs sind.

Marco und ich in Gersfeld - Rhön

So auch im Herbst 2022. Unser Ziel stand schon relativ früh fest. Es sollte in die Rhön gehen. Bekanntermaßen ist die Rhön ein Mittelgebirge, welches sich über die Bundesländer Bayern (Franken), Hessen und Thüringen erstreckt. Den Kernbereich bildet das „Biosphärenreservat Rhön“, das eine nachhaltige Entwicklung zum Ziel hat, „um ökonomische, ökologische und soziale Belange bestmöglich miteinander zu vereinen“. Höhentechnisch liegt die Rhön bei maximal 950m über dem Meer. Denn bei unseren Wanderungen sollen schließlich ein paar Höhenmeter dabei sein.

Tag 1:

Ein Termin wurde schnell gefunden. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Mich erwischte es schließlich auch im Sommer vergangenen Jahres mit Corona (nicht zu spaßen). Zum ausgewählten Termin war ich zwar wieder negativ und gefühlt fit, doch sicher ist sicher, etwas Erholungsphase wollte ich mir doch lieber gönnen. Also pickten wir uns ein neues Wochenende heraus. Im Nachhinein betrachtet war das die richtige Entscheidung.
Unsere Route für die 3-Tage-Tour wurde im Voraus geplant, die Unterkünfte gebucht und so konnte es schließlich losgehen. Im September war es soweit, und es ging in die kleine Stadt Gersfeld, Ausgangspunkt der Wanderung. Natürlich waren die zwei Abenteurer immer wieder in Kontakt, doch es ist schon etwas anderes, sich einmal wieder live und in Farbe zu sehen. Vor ihnen lagen nun ein paar Kilo- und Höhenmeter, zum Teil über Abschnitte des Hochrhöners, zum Teil wurde auch einmal eine Extratour gekreuzt. Wettertechnisch war es perfekt für eine Wanderung. Sonnenschein, nicht zu warm und nicht zu kalt. In Gersfeld selbst führte uns der Weg durch den Schlosspark und anschließend langsam aus dem Städtchen hinaus. Von da an schlängelte sich unser Weg durch Feld und Flur. Vorbei an Schafen und wir sammelten schon ein paar Höhenmeter. Nach ungefähr 7km kam bereits unser erster Gipfel zum Vorschein, der „Pferdskopf“. Vorher kamen wir am Guckaisee vorbei. Ein kleiner See, der als Naherholungsgebiet in der Gegend bekannt ist. Wir legten eine Rast ein und sammelten Kräfte für den Aufstieg auf den Pferdskopf. Respekt an die Jungs einer Schulklasse, die bei den Temperaturen im See badeten. Es war nämlich schon recht frisch. Anyway, nach der Brotzeit ging es immer schön bergauf. Persönlich bin ich die Strecke schon im Rahmen der „Extratour Guckaisee“ in entgegengesetzter Richtung gelaufen und kannte somit die Steigung. Oben angekommen genossen wir die herrliche Aussicht und beobachteten die Bergrettung, die gerade eine Übung durchführte. Auch in den Mittelgebirgen gibt es eine Bergrettung. Wir genossen noch etwas die Aussicht und anschließend ging es weiter, vorbei an einem Kreuz (welches nicht auf dem Gipfel steht – warum auch immer). Von weitem konnten wir nun die Radarkuppel der Wasserkuppe erkennen. Unser nächstes Zwischenziel. Mit 950m ist es der höchste Berg der Rhön und gleichzeitig auch von ganz Hessen. Die Wasserkuppe wird auch „Berg der Flieger“ genannt und das Segelflugzentrum dort beinhaltet die älteste Segelflugschule der Welt.

Selbstverständlich waren bei unserem Besuch auch einige Flieger unterwegs und wir schauten interessiert zu. Nach einer gewissen Zeit und Trinkpause ging es für uns weiter. Gefühlt hatten wir die Hälfte unserer Tagesetappe zurückgelegt und somit noch ein paar Kilometer vor uns. Ein paar Meter weiter entdeckten unsere Augen einen einsamen Menschen an der Sommerrodelbahn. Dieser schien sich zu langweilen. Damit er etwas zu tun hatte, mussten wir doch glatt eine Fahrt buchen! Er war auch sichtlich erfreut darüber. Und so ging unsere wilde Fahrt hinab. Ob wir dabei Spaß hatten? Klaro, wobei wir ja eigentlich nur helfen wollten. ;)
Wir hatten uns kurz überlegt, ob wir nicht noch eine Streifenkarte mit mehreren Fahrten kaufen. Leider mussten wir aber schon wieder weiter. Das Leben ist kein Kindergeburtstag! Unser Weg führte uns über Magerwiesen, durch kleine Rhöner Dörfer und Wald. Kurz vor unserem Tagesziel machten wir noch einen Halt an der Enzianhütte. Nach einer Hopfenkaltschale ging es auf die letzten Kilometer weiter zum Fuldaer Haus – unserem Tagesziel und gleichzeitig unsere vier Wände für die Nacht. Hier hatten wir sogar noch die Auswahl zwischen Betten mit hohem Kopf- und Fußteil oder niedrigem. Auf Grund unserer Größe entschieden wir uns für das Zimmer mit niedrigem Fußteil. Service wird hier großgeschrieben!

Laut Komoot (die Links zu den einzelnen Touren findet ihr am Ende) waren es an Tag 1 insgesamt 21,7km mit 850m bergauf und 660m bergab. Herrliches Wetter, gutes Essen (im Fuldauer Haus) und schöne Landschaft. Wird es so weiter gehen?

Tag 2:

Tag 2 startete mit einem ausgiebigen Frühstück. Glücklicherweise hatten wir einen taktisch guten Sitzplatz erwischt, denn später kam ein ganzer Bus mit Ausflüglern, die sich alle am gleichen Buffet bedienen mussten. Das Wetter spielte auch mit – kühl und sonnig. Insgesamt standen an diesem Tag 23,3km mit 910m im Anstieg und 850m im Abstieg an. Unser erstes Zwischenziel war der Berg Milseburg. Zuerst ging es wieder am Waldrand entlang bzw. direkt durch den Wald. Auch hier hörten wir den Helikopter der Bergretterübung, die sich anscheinend über mehrere Tage hinzog. Vor dem endgültigen Aufstieg auf die Milseburg durchquerten wir noch Reste einer (rekonstruierten) Ringwallanlage aus der Eisenzeit.
Kurz nach der Wallanlage ging es dann in die Kernzone des Biosphärenreservats (wie das Schild mit der Eule anzeigt) und gleichzeitig immer höher hinauf. Solche Wanderwege mag ich ja sehr. Oben angekommen machten wir eine kurze Rast unter der Kreuzigungsgruppe aus dem Jahre 1756 und genossen die herrliche Aussicht. Die ersten 4,5km waren geschafft und von jetzt an ging es erst einmal wieder bergab. Im Ortsteil Oberrupsroth schauten wir uns etwas um, um ihn anschließend zu durchqueren. Zu Oberrupsroth sollte man wissen, dass es sich dabei um den früheren Ort Rupsroth handelt. Die Gemeinde besteht neben Oberrupsroth aus Mittelrupsroth und Unterrupsroth und wurde am 31. Dezember 1971 in die Gemeinde Hilders eingegliedert. Mit ihren 146 Einwohnern (so zumindest 2013) ein Dorf mit Charakter.
Wie dem auch sei, für uns ging es weiter, vorbei an schöner Landschaft machten wir auf der Burgruine Eberstein eine weitere kleine Rast. Mitten im Wald und ohne andere Menschen. Auf den letzten Kilometern ging es nochmals stetig bergauf. Wir überquerten die (Bundes-)landgrenze nach Thüringen kurz vor unserem Tagesziel Birx. Wie wir am nächsten Tag von unserer Wirtin erfuhren, lag Birx zu Zeiten der DDR im Sperrgebiet und konnte nur mit dem jeweiligen Passierschein betreten werden. Denn das kleine Dorf lag ungefähr 250m von Hessen und ca. 1km von Bayern und somit dem Westen entfernt. Eine – aus heutiger Sicht – spannende Geschichte dazu, habe ich hier gefunden. Damals war die Grenze noch „offen“, trotzdem war es natürlich nicht weniger gefährlich. Unsere Gastgeberin hatte auch noch eine Geschichte auf Lager. Ein Einwohner von Birx hatte im leicht angetrunkenen Zustand unbeabsichtigt die Grenze überquert. Er stellte dies nach einiger Zeit fest und kehrte schnell um. Soweit so gut, doch er musste mit der Geschichte hausieren gehen, bis die Stasi darauf aufmerksam wurde. Laut den Erzählungen wurde er verhört und musste den Ort verlassen. Obwohl er dort schon lange lebte und Verwandtschaft hatte. Er durfte nicht wieder zurück nach Birx und hatte vermutlich noch Glück im Unglück, denn schließlich begann er – in den Augen der Stasi – Republikflucht. Wer sich selbst für die Geschichte interessiert, sollte im Flechsenberger Hof übernachten. Bzw. sich generell auf solche Touren einlassen, man erfährt wirklich immer etwas! Oder uns einmal begleiten. Gut, es kann dann durchaus sein, dass wir von feiernden Jungs in Engelbert Strauss-Klamotten (freundlich) angequatscht werden. Wie es auf einem Dorf so üblich ist, wenn halt gerade Dorfkirmes ist. Aber solche Geschichten machen eine Wanderung ja erst aus. Hier kommen die Bilder zu Tag 2.

Wie bereits erwähnt, waren es an diesem Tag tatsächlich 23,3km mit 910m im Anstieg und 850m im Abstieg. Das Wetter spielte mit und es ging durch Wälder und über die Flur. Nun folgt der nächste und letzte Tag unserer Tour.

Tag 3:

Ein Blick aus dem Fenster genügte, um festzustellen, dass wir an diesem Tag höchstwahrscheinlich eher alleine unterwegs sein würden. Es war trüb, es war frisch und es regnete. Da muss man auch gar nichts beschönigen. So war es einfach! Was allerdings der Stimmung der beiden Abenteurer nichts anhaben konnte. Warum auch? Sie konnten es sowieso nicht ändern. Gleichzeitig war es unser letzter Tag, was wiederum bedeutet, dass an diesem Abend auf jeden Fall eine warme Dusche wartete.

Nach dem Frühstück ging es los. Die Regenklamotten an und raus aus dem kleinen Dörfchen Birx. Zu Beginn ging es leicht bergauf, um anschließend die damalige innerdeutsche Grenzanlage auf dem Grabenberg zu besichtigen. Dies hatten wir gar nicht so direkt auf dem Schirm, find ich aber immer spannend. Zwischenziel war das Schwarze Moor. Die trübe Stimmung passte irgendwie – kein Mensch unterwegs und über Bohlen durch den Regen. Auf dem Weg befindet sich am Schwarzen Moor ein Aussichtsturm, der natürlich erklommen wurde und trotz Regens verweilten wir einen Moment. Schon schön! Die Wanderhose klebte an den Beinen, der Oberkörper war (dank Regenjacke) trocken. Nichtsdestotrotz ging es für uns weiter. Vorbei an Schafen, über den 925m hohen Heidelstein mit seiner weithin sichtbaren Antenne. Der Regen ließ etwas nach, was uns aber auch völlig egal war. Wir waren so oder so ziemlich nass. Nach ca. 17,5km erreichten wir das nächste Highlight: Das Rote Moor. Ähnlich dem schwarzen Moor führt auch hier ein Bohlenweg hindurch mit spannenden Einblicken. Wobei man ehrlichweise sagen muss, dass ich das schwarze Moor doch etwas informativer finde. Für uns begann der Endspurt und bei Kilometer 20 hörte es auf zu regnen. Gleichzeitig war das unser Einstieg in die Kaskadenschlucht. Und das trotz Gefahren (siehe Schild)! Die zwei Abenteurer wagten sich dennoch und durchquerten die (schöne) Schlucht ohne Wenn und Aber. Daran kann man auch erkennen, dass sie vor (fast) nichts Angst haben und sie nichts so leicht erschüttern kann.

Die letzten ca. 5km plätscherten (es fing auch wieder leicht an zu regnen) dahin und nach ca. 25km erreichten die beiden die Zivilisation und ihren Ausgangspunkt Gersfeld.

Insgesamt bestand die Tour aus 70,5km mit 2030m im Aufstieg und 2120m im Abstieg. Laut Aufzeichnung waren wir 19 Stunden und 27 Minuten unterwegs. So die Statistik. Was nicht aufgezeichnet werden kann: Gute Gespräche, herrliche Landschaft und das sehr schöne Gefühl unterwegs in der Natur zu sein.

Wie versprochen, kommen hier die Links zu den Komoot-Aufzeichnungen:

Durch die Rhön – Etappe 1: https://www.komoot.de/tour/934341831/
Durch die Rhön – Etappe 2: https://www.komoot.de/tour/935194971
Durch die Rhön – Etappe 3: https://www.komoot.de/tour/936245166

Wohin wird die nächste Reise gehen? Erste Planungen laufen bereits…

(Bilder von Marco und mir)

Die zwei Abenteurer zu Fuß an der Lahn

25. März 2022 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Die zwei Abenteurer waren wieder einmal unterwegs. Nachdem sie im letzten Jahr bereits auf dem schönen Rheinsteig gewandert sind, wurde relativ spontan eine weitere Tour organisiert. Die Planung war schnell verabschiedet, da sich die beiden Abenteurer fast blind verstehen. Motto „Wollen wir hier lang?“ – „Ja, gerne“ – „ok. Wann?“ – „So am Wochenende xy?“ – „Geht klar“. Und so wurde ein Wochenende im November auserkoren. Wie (fast) immer erfolgten An- und Abreise mit dem Zug. Die Planung übernahm hierbei Marco aka Bahnexperte der ersten Stunde. Er kennt die Feinheiten und Optionen (Zwischenhalte usw.), die z. T. nur über die Website der Bahn, nicht über die App, buchbar sind. Die Bahnexperten unter uns kennen das sicherlich.

Einige werden es wohl schon am Titel erkannt haben. Bei unserer Tour wanderten wir drei Etappen des Lahnwanderwegs. Dieser ist mit einem roten LW auf weißem Grund gekennzeichnet (Zuwege haben einen gelben Hintergrund). Insgesamt besteht er aus 295km und ist in 19 Etappen unterteilt. Die Lahn selbst fließt in 242 Kilometern von der Quelle bis zur Mündung. So zumindest die grobe Einordnung. Warum wir uns genau diesen Weg ausgesucht hatten, ist einfach. Marco ist bereits ein paar Etappen des Lahnwanderweges gelaufen und auch die ausgewählten Etappen sollten sehr schön sein.

Von der Planung bis zum Start vergingen nur wenige Tage und schließlich war es soweit. Die Abenteurer trafen am Zielort Limburg Süd ein (wer zum Teufel baut einen ICE-Bahnhof im Niemandsland?!).
Die erste Etappe der beiden Abenteurer war mit 21,2 Kilometer von Limburg ICE-Bahnhof nach Arfurt angegeben. Das Wetter war typisch für einen November: Es war nebelig, kalt und feucht. Wenigstens kein Regen. Das machte den beiden Wanderern natürlich nichts aus, denn auch das hatten sie einkalkuliert. Sie sind schließlich nicht aus Zucker. Also gingen sie los und die Zeit verging wie im Flug. Sie hatten sich einiges zu erzählen. So kamen sie bald nach dem Start in Runkel an, einem kleinen Städtchen an der Lahn. Schon von weitem war die zugehörige Burg Runkel zu sehen. Eine hochmittelalterliche Höhenburg, welche vor 1159 erbaut wurde und in der Umgebung einiger Fachwerkhäuser oberhalb Runkels liegt. Der Weg führte uns im Anschluss über die steinerne Lahnbrücke aus dem 15. Jahrhundert. Warum diese noch für den Autoverkehr freigegeben ist, wunderte uns etwas. Aber irgendwelche Gründe wird es schon haben. Anyway, unser Weg führte uns weiter vorbei an Bahnübergängen mit sogenannter Anrufschranke (= ein wenig genutzter Bahnübergang, der nur nach Bedarf geöffnet wird) durch Flur, (Herbst-)Wald, Naturschutzgebiete und kleinere Ortschaften. Leider hatte das Lahn-Marmor-Museum in Villmar geschlossen. Da wir nämlich gut in der Zeit lagen, hätten wir einen Blick hineingeworfen. Ein anderes Mal!
Wir kamen schließlich nach 22,6km an unserem Etappenziel Arfurt an, um am dortigen Bahnhof zurück nach Limburg zu fahren. Warum das? Nun, in Arfurt gibt es weder Übernachtungsmöglichkeit noch Gaststätte.
Am Bahn-Haltepunkt selbst wurden wir vom Fahrgastsicherungs-„Beamten“ schon von weitem mit den Worten „Hier ist Maskenpflicht!“ angeraunzt. Man muss dazu sagen, dass außer uns niemand vor Ort war, wir uns draußen befanden und zu diesem Zeitpunkt laut Land Hessen „Keine Maskenpflicht an offenen ÖPNV-Haltestellen“ bestand. Aber wir wollten natürlich keinen Ärger machen und so folgten wir seinen Anweisungen. In Arfurt bzw. in der ganzen Gegend erlebten wir immer wieder leicht distanzierte Menschen. Wir vermuteten, dass zu dieser Jahreszeit nur sehr wenige Touristen unterwegs waren. Bzw. diejenigen, die unterwegs waren, müssen in den Augen der Einheimischen eher merkwürdige Gestalten sein. Wer wandert schon bei schlechtem Novemberwetter auf dem Lahnwanderweg?!
Zurück in Limburg (also in der Stadt und nicht am ICE-Bahnhof am A**** der Welt) waren die zwei Abenteurer noch nicht müde. Sie bezogen ihr Schlafquartier im Hotel Amts-Apotheke und machten sich anschließend auf den Weg durch die hübsche Altstadt. Selbstverständlich kamen wir auch am Limburger Dom vorbei, wobei wir die goldene Badewanne des Ex-Bischofs Tebartz-van Els nicht sehen konnten. Vielleicht war gerade keine Badezeit. ;)

Neuer Tag, neue Etappe. Der Körper fühlte sich gut an und nach dem Frühstück starteten wir den Tag mit einer Bahnfahrt zurück nach Arfurt. Denn von dort aus starteten wir mit unserer zweiten Etappe. Diese war mit 21,7km angegeben. Die Wetterbedingungen waren ähnlich wie am Vortag mit der Prognose auf Regen. Naja, da mussten wir durch. Als Endpunkt war die Stadt Weilburg angedacht. Der erste Part führte noch direkt oberhalb der Lahn entlang. Meistens durch schönen Herbstwald, in dem – trotz des herbstlichen Wetters – eine richtig schöne Stimmung herrschte. Vielleicht lag es auch genau an diesem Wetter. Wie dem auch sei, laut Regenradar sollte es bald anfangen zu regnen. So kam es auch, anfänglich noch ganz leicht, steigerte sich der Regen aber soweit, dass der Regenschutz hervorgeholt werden musste. Die beiden Abenteurer nahmen es stoisch hin und in den ca. 2,5 Regenstunden wurde gewandert und nicht viel geredet. War das ein Tiefpunkt auf dieser Wanderung? Natürlich nicht. Die Umgebung war zu schön und der Wald zu herbstlich, um sich die Laune vermiesen zu lassen. Und so stiefelten wir weiter durch den Regen, bis er schließlich nachließ und ganz aufhörte.

Doch dann passierte es. Vor uns war der Weg augenscheinlich gesperrt. Nichts ging mehr. Auf dem Schild war „Achtung Treibjagd!“ zu lesen. Was nun? Auf eigene Gefahr weiter gehen? Umdrehen und einen neuen Weg suchen? Fragen über Fragen. Nach einem Blick auf die Navigation kam Erleichterung auf. Der eigentliche Weg führte kurz vor der Absperrung links vorbei. Großes aufatmen bei allen Beteiligten. Und so gingen wir weiter auf der beschilderten Etappe. Zwar befanden sich auch auf unserem Weg einige Jäger, aber wir erfuhren, dass die Jagd bereits vorbei war. Diese war auch nicht sonderlich erfolgreich, so seine Aussage. Lag augenscheinlich an den erschwerten Wetterbedingungen. Wir führten unbeschadet unseren Weg fort und erreichten etwas durchnässt unseren Zielort Weilburg über den Dienstbach-Steg. In Weilburg erkundeten wir noch die ansässige Schlossanlage, allerdings nur einen kleinen Teil, denn das Schloss ist eine der bedeutendsten barocken Schlossanlagen in Hessen und dementsprechend groß. Im Nachhinein erfuhren wir, dass wir auf unserer Tour kurz vor Weilburg an einem alten Wasserreservoir vorbeikamen. Diese wurden in den Jahren 1710–1715 errichtet und dienten der Wasserversorgung für das Schloss und die zugehörige Bevölkerung. In der ganzen Umgebung waren es um die 20 Quellen. Laut Komoot (Routen sind weiter unten verlinkt) waren es an diesem Tag 25,3km, bis wir unser Hotel erreichten. Es war das Hotel am Bahnhof. Nicht nur EIN Hotel am Bahnhof, sondern DAS Hotel am/im Bahnhof. Also das Hotel war direkt im Bahnhof integriert. Oder der Bahnhof in das Hotel…das konnten wir nicht herausfinden. Auf jeden Fall ist es ein schönes Hotel mit leckerem Essen. Und natürlich auch einer super Zuganbindung!

Tag Nummer drei und gleichzeitig der letzte Tag. Die letzte Etappe sollte es nochmal in sich haben, denn sie war mit 28km angegeben und führte von Weilburg bis nach Wetzlar. Der Wetterbericht sagte keinen Regen voraus. Nebelig war es trotzdem. Auf Grund der frühen Dunkelheit zogen wir es vor, uns früh auf den Weg zu machen. Der Körper fühlte sich „naja“ an. Will heißen, dass man die letzten Tage doch schon etwas in den Knochen spürte. Man wird halt auch nicht jünger.
Das erste Highlight befand sich gleich zu Beginn unserer Etappe. Das sogenannte „Weilburger Tunnelensemble“, drei Tunnel, die auf engstem Raum gebaut wurden. Ein Eisenbahn-, ein Straßentunnel und ein Schifffahrtstunnel. Der Weilburger Schifffahrtstunnel ist der älteste und längste heute noch befahrbare Schiffstunnel in Deutschland. Er unterquert auf einer Länge von 195 Metern von Norden nach Süden den Mühlberg. Leider bekamen wir aus nächster Nähe nur den Eisenbahntunnel (dessen Portal auch hübsch ist) zu sehen, als wir aus der Stadt wanderten. Vorbei an der staatlichen Fachschule Weilburg-Hadamar ging es wieder ein den Herbstwald. Nach ca. 14km kamen wir in der Stadt Braunfels an und mussten uns dort das Schloss Braunfels anschauen. Zumindest soweit es uns möglich war. Ein herrschaftliches Anwesen, so ungefähr stelle ich es mir in Schottland vor. Allein schon die vielen Eingangsportale – Hammer! Unser Weg führte uns wieder abwechselnd durch Wald und Wiese, bis wir in der Ferne bereits unser Ziel Wetzlar erahnen konnten. Zuvor erreichten wir den ehemaligen Standortübungsplatz Magdalenenhausen. Das war damals (1955-1992) der zweitgrößte Panzer-Standort in Deutschland. Heute ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere und dementsprechend großflächig angelegt. Nach einem kurzen, aber knackigen Anstieg zur Burgruine Kalsmunt führte der Weg schließlich hinein nach Wetzlar. Dort trafen wir übrigens auch wieder auf die Lahn, nachdem wir sie das letzte Mal beim Start in Weilburg gesehen bzw. überquert hatten.

Als Abschluss dieser drei schönen Tage (das Wetter konnten wir eh nicht ändern), kehrten wir in Wetzlar nochmals ein. Zeit bis zur Abfahrt war schließlich noch genügend vorhanden. Wir „die zwei Abenteurer“ waren geschafft, aber gleichzeitig auch sehr zufrieden – drei Tage feuchtes Schuhwerk, drei Tage gute Gespräche, drei Tage herrliche Gegend mit viel Wald, schönen Städtchen und Burgen bzw. Schlössern – was will man mehr?!

Laut Komoot waren wir insgesamt 74,6km unterwegs und haben 1500hm zurückgelegt. Inkl. sonstiger Wege (z. B. zum Bahnhof usw.), die nicht getrackt wurden, kamen wir sicherlich auf über 80km. Hier die Links zu Komoot:

Wohin wird die nächste Reise gehen? Ist schon etwas geplant? Seid gespannt!

(Bilder von Marco und mir)

Sieben auf einen Streich – der Naturparkweg in Mecklenburg-Vorpommern

15. April 2021 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Reisen ist aktuell ja noch schwierig, aber auch das wird sich wieder ändern und wir freuen uns schon alle darauf!
Letztes Jahr war ich noch in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Natürlich war Corona ein Thema, doch die Lage lag damals noch etwas anders. Wir konnten unter dem Thema „30 Jahre Schutzgebiete“ die Nationalparks kennenlernen und die Besuche dort sind mir sehr gut in Erinnerung geblieben. Grundsätzlich gefällt mir die Ecke von Deutschland immer besser und ja, auf meiner imaginären Top-Urlaubs-Liste wandert die Region immer weiter nach oben. Das liegt für mich vor allem an der (unberührten) Natur, an den freundlichen und direkten Menschen, aber auch an der herrlichen Umgebung. Grundsätzlich bin ich immer neugierig, wenn es um für mich neue und unentdeckte Landschaften geht.

Zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad waren wir in den Schutzgebieten unterwegs. Dass es mir so gut gefiel, lag vielleicht auch mit daran, dass ich bekanntermaßen gerne auf Wanderschaft gehe. Wenn ich könnte, würde ich am liebsten eine Berghütte pachten und von dort aus immer selbst Touren unternehmen. Da dies nun mal nicht realistisch ist, nutze ich einfach viele andere Möglichkeiten zum Wandern. Egal, ob es „nur“ eine 10km Tour ist, oder wie mit Marco eine Etappe über 30km. Mich entspannt es einfach und zudem gibt es immer etwas Neues zu entdecken. Ob es Pilze (Stichwort: Ästiger Stachelbart) sind, Tiere oder Begegnungen mit anderen Wanderern (Stichwort: Kniffelrunde), Highlights gibt es auf (fast) jeder Tour. Oder Erlebnisse wie den Sonnenaufgang auf dem Fluchtkogel – wenn ein Traum in Erfüllung geht. Sorry, ich schweife ab.

Was definitiv noch auf meiner Liste steht, ist ein Fernwanderweg. Es hat nämlich schon etwas meditatives, von Etappe zu Etappe zu wandern. Man kann nachdenken und sollte man zwischendurch auf Menschen treffen, tauscht man sich aus, hört verschiedene Geschichten, welche im Anschluss dann wieder „verarbeitet“ werden können. So wurde es mir zumindest immer von denen mitgeteilt, die bereits mehrere Tage am Stück ohne Unterbrechung unterwegs waren. Egal ob auf einem Klassiker, wie dem Jakobsweg, oder dem E5 über die Alpen – grundsätzlich ähneln sich die Erfahrungen.
Persönlich reizen mich eher die weniger frequentierten Wege. Aber jeder, wie er mag. Was ich daher sehr spannend finde: Ende Mai soll ein neuer Fernwanderweg eröffnet werden, der Naturparkweg Mecklenburg-Vorpommern. Dieser liegt (wie der Name schon sagt) in Mecklenburg-Vorpommern und hat eine Gesamtlänge von 907 Kilometern quer durch das Binnenland. Der Naturparkweg führt durch alle sieben Naturparks, durch das UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee sowie den Nationalpark Müritz. Ca. 700 Kilometer (77 Prozent) des Wegeverlaufes liegen innerhalb dieser o.g. Nationalen Naturlandschaften. Ziel ist es, den Naturparkweg nach Ausweisung durch den Deutschen Wanderverband als Inlandsvariante E9a des Europäischen Fernwanderweges E9 auszuweisen. Der E9a führt auch in Deutschland an der Küste entlang und verbindet hier Travemünde (im Westen) mit Swinemünde (im Osten).

Auf Gewässer muss man aber beim Naturparkweg trotzdem nicht verzichten. Als wahrscheinlich bekannteste sind der „Schweriner See“ und die „Müritz“ zu nennen. An diesen und noch vielen weiteren Wasserflächen führt der Weg vorbei. Übrigens ist er mit ca. 1500 Schildern gekennzeichnet und somit wird ein „Verlaufen“ fast unmöglich sein. Zusätzlich wird es eine mobile Anwendung geben inklusive zoomfähiger Karten. Und ich behaupte mal, jeder, der einen Fernwanderweg läuft, wird sich auch entsprechend vorbereiten.

Der Naturparkweg Mecklenburg-Vorpommern führt natürlich an zahlreichen Highlights und Besonderheiten vorbei, wie dem Schaalsee, dem Stettiner Haff und vielen weiteren. Diese bieten dann wieder die Möglichkeit, den Wissensdurst zu stillen. Nach der Eröffnung Ende Mai werden sicherlich noch weitere Informationen zum Wanderweg folgen. Für mich klingt der Naturparkweg jedenfalls sehr spannend mit seinem Fokus auf Natur, Nachhaltigkeit und regionalen Besonderheiten. Ich freue mich schon, wenn irgendwann ein paar, oder vielleicht auch die ganze Strecke, erwandert wird.

Nach der offiziellen Eröffnung gibt es hier alle Detailinfos zum Weg.

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