Kurztrip ins Allgäu – vom Gipfel des Rubihorns, Kempten und dem Besuch des Schloss Neuschwansteins

29. September 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , ,

Ende August waren wir nochmals im Allgäu. Dieses Mal allerdings für ein paar Tage privater Natur, nicht auf Pressereise, wie kurz zuvor bei der Wandertrilogie. Einfach um etwas abzuschalten, die Gegend in Ruhe zu erkunden und gleichzeitig ein paar schöne Stunden mit der Verwandtschaft zu verbringen. Nachdem unsere geplante Hochtour dieses Jahr ins Wasser gefallen ist, wollten mein Cousin und ich trotzdem etwas gemeinsam unternehmen. Und da meine Tante und er Ende August ein paar Tage frei hatten, bot sich dieser Zeitraum ideal an.
Also ab auf die A7 Richtung Süden (diesmal ohne Bahn, weil in dieser Konstellation vor Ort etwas flexibler) und mal schauen, was das Allgäu noch so zu bieten hat. Der Wetterbericht sprach leider im Vorfeld von Regen und schlechtem Wetter. Mensch, das war bzw. ist man als Schweinfurter gar nicht mehr gewohnt! Aber für ein verlängertes Wochenende fuhren wir natürlich trotzdem. Ganz nach dem Motto: Anzuschauen gibt es doch immer etwas! Und einfach mal ausspannen schadet schließlich auch nicht.

Wir hatten eine kleine, schnuckelige Pension in Bad Hindelang und meine Tante und Cousin waren mit ihrem Wohnwagen auf einem Stellplatz in Oberstdorf untergebracht. Sie blieben noch etwas länger vor Ort, das Wetter sollte auch im Laufe der Woche schöner werden, damit rentierte sich der Trip mit dem Wohnwagen. Am ersten Nachmittag trafen wir uns in Oberstdorf und bummelten durch die Gegend. Auf den ersten Blick ein schönes Örtchen mit einigen Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Jetzt im Spätsommer ganz gemütlich. Man kann sich aber auch gut vorstellen, wie voll es in den Gassen zur Skisaison werden kann!
Für den nächsten Tag war durchgängig Regen gemeldet, daher entschieden wir uns für einen Ausflug nach Kempten. Vergangenes Jahr war ich im Rahmen einer Pressereise in Kempten, einer der ältesten Städte Deutschlands, und habe einige schöne Ecken kennengelernt. Aber natürlich längst nicht alle. Diesmal hatten wir uns das Alpin-Museum ausgeguckt, in dem es um die Alpen als Lebensraum geht, um Bergsteigen, Skisport, Expeditionen und mehr. So gibt es z.B. einen Raum rund um die Tierwelt und Bäume der Region, in anderen gibt es zahlreiche Skimodelle quer über alle Jahrzehnte, Expeditionskarten und –materialien oder Infos über Gesteinsarten. Interessant!
Da des Wetter leider nicht besser wurde, besuchten wir spontan auch noch die Prunkräume der Residenz Kempten. Dies war wegen Corona nur mit Führung möglich und wir hatten Glück und ergatterten spontan noch Plätze. Eine gute Idee, denn die original erhaltenen Prunkräume sind schon sehr beeindruckend und in ihrer Rokoko-Ausstattung sollen sie einmalig im süddeutschen Raum sein. Ohne die Führung hätten wir die vielen dahinterstehenden Geschichten und Hinweise nie entdeckt. Im Anschluss waren unsere Köpfe allerdings mit viel Kultur gefüllt und zum Abschluss wurde diese bei einem leckeren Essen verarbeitet.

Der kommende Tag war ein Montag und das Wetter sollte besser werden. Naja, sagen wir mal so: Es sollte nicht mehr dauerhaft regnen. Somit entschieden wir uns für eine Tour zum Unteren Gaisalpsee und je nach Bedingungen vor Ort sollte es evtl. noch auf das Rubihorn gehen. Die Tour zum Unteren Gaisalpsee entpuppte sich als wirklich sehr schöne Wandertour. Als Startpunkt wählten wir den (kostenpflichtigen) Parkplatz Reichenbach aus. Bitte ausreichend Kleingeld mitbringen – der Automat gibt kein Wechselgeld heraus und Kartenzahlung funktioniert leider auch nicht. Auf Grund des Wetters war der Parkplatz noch recht leer, aber allein aufgrund der Größe kann man sich vorstellen, wie viele Leute die Tour an einem sonnigen Sommerwochenende gehen. Daher der Tipp: falls möglich lieber unter der Woche loswandern.
Wir entschieden uns für den „Tobelweg“, der kurz hinter dem Parkplatz beginnt und uns immer entlang des Gaisalpbachs nach oben führte. Alternativ könnte man auch den Fahrweg gehen, der ist natürlich nicht so naturbelassen, aber falls jemand mit Kinderwagen o.ä. unterwegs ist bis zur Alpe, geht das auch. Der Tobelweg ist super zu laufen, kann je nach Wetter aber etwas matschig sein. Vorbei an naturbelassenen Staustufen und Steintreppen, über Brücken und unter den Bäumen erreichten wir nach ca. 45min die Gaisalpkapelle bzw. kurz darauf dann die Gaisalpe (montags ist allerdings Ruhetag). Schon fast in Sichtweite befindet sich eine zweite Hütte, die Untere Richteralpe, welche auch montags geöffnet hat. Wir merkten sie schon mal vor für den Rückweg. Unser Weg schlängelt sich weiter, durch Kiefernwald und Latschenkiefer nach oben. Ab und zu sind ein paar Stahlseile zur Sicherung eingeschlagen oder ein paar engere Passagen, aber wenn man ein bisschen Bergerfahren ist, eigentlich nicht der Rede wert. Wettertechnisch war es zwar trocken, aber Nebel- und Wolkenschwaden zogen immer wieder umher und versperrten die Sicht.

Nach einem weiteren kurzen Anstieg erblickten wir dann den unteren Gaisalpsee, der auf ca. 1500m Höhe liegt. Im Hochsommer und bei richtig schönem Wetter tummeln sich vermutlich sehr viele Wanderer vor Ort. Wir hatten allerdings Glück und waren fast die einzigen, die den malerischen See genießen konnten. Ok, ein Entenpärchen drehte noch seine Runde, das wars aber fast schon wieder. Eine Herde Ziegen zog noch von oben herunter, schenkte uns aber keine Beachtung und ging einfach vorbei. Vom See aus konnten wir dann zum ersten Mal das Rubihorn erblicken. Die umliegenden Gipfel, wie das Nebelhorn, lagen allerdings weiterhin in den Wolken.

Nach einer kurzen Rast am See schauten wir uns den Wetterbericht nochmals an und mein Cousin und ich entschieden uns für den Aufstieg zum Rubihorn. Die Mädels machten sich parallel auf den Rückweg zur Hütte, wo wir uns später wieder treffen wollten. Wir lagen noch gut in der Zeit und das Wetter sollte sogar noch etwas aufklaren und erst wieder am frühen Abend beginnen zu regnen. Also, nichts wie rauf auf das Rubihorn, damit wir in 2020 wenigsten einen Gipfel zusammen machen. Und was passierte zwischendurch? Genau, die Wolken kamen zurück und dementsprechend war die Sicht begrenzt. Wenigstens blieb es trocken und so ging es für uns weiter nach oben. Der Pfad war ok, zwischendurch ein paar engere Stellen und Drahtseilgesicherte Passagen, aber insgesamt locker machbar. Muss ich an dieser Stelle nochmals auf die Wanderschuhe/Packliste und Trittsicherheit hinweisen? Nein, das sollte mittlerweile (eigentlich) auch der letzte kapiert haben. Aber gerade bei solchen schmierigen und feuchten Bedienungen sind feste Wanderschuhe Pflicht.
Wir wanderten weiter und nach einer Weile tauchte auf einmal das Gipfelkreuz vor uns auf. Ganz ehrlich und unter uns: Damit hatten wir noch nicht gerechnet. Denn unsere Füße waren noch fit und von Müdigkeit war weit und breit nichts zu spüren. Kurze Zeit später standen wir also schon auf dem Rubihorn mit seinen 1957m. Angeblich ein Gipfel mit super Sicht hinein in das Voralpenland. Gut, wir sahen außer Wolken nicht gerade viel. Ein paar Wanderer, die von der anderen Seite hochkamen und einen Alpensalamander. Auch wenn er, auf Grund der niedrigen Temperaturen, etwas behäbig war, war er (oder sie) doch nett anzuschauen. Bei so einem Wetter zeigen sich (Alpen-)Salamander übrigens besonders gerne.

Wo ein Aufstieg, ist auch ein Abstieg (Altes tibetanisches Sprichwort)! Nach einer kurzen Rast machten wir uns auf den Rückweg. Zwei einzelne Wanderer, die von der anderen Seite kamen, schlossen sich uns auf den ersten Metern durch die Wolken an. Wie bereits erwähnt, muss das Rubihorn ein guter Aussichtsberg sein, der häufig für Tagestouren empfohlen wird. Denn beim Abstieg kamen uns noch einige Wanderer (u. a. in Turnschuhen und wenig trittsicher) entgegen. Einige kehrten an den etwas schwierigeren Passagen wieder um <- definitiv besser so! Unsere zwei Begleiter hatten wir mittlerweile zurückgelassen, ließen den unteren Gaisalpsee hinter uns und liefen flotten Fußes zur Hütte. Unterwegs hatte es nämlich wieder angefangen zu regnen. Auf den Wetterbericht ist auch keinerlei Verlass mehr… Anyway, abwärts ging es schneller und zack waren wir an der Untere Richteralpe angekommen. Darauf ein Zötler Bier und eine warme Suppe!
Die letzten Meter zurück zum Ausgangspunkt (übrigens auf nicht ganz 900m) waren im Anschluss auch schnell geschafft und somit war es ein erfolgreicher (Gipfel-)Tag!


Details zur Tour (Suunto Ambit3 Peak):
Länge: 13,33km
Dauer: 6 Stunden und 10 Minuten (die reine Gehzeit lag bei ca. 4 Stunden und 54 Minuten)
Aufstieg: 1142m
Temperatur: lag bei 22 Grad <- so als Zusatzinfo
Meine Aufzeichnung bei Koomot findet Ihr hier: „Parkplatz Reichenbach – Gaisalpsee – Rubihorn und zurück

Am nächsten Tag hieß es für uns wieder Abschied nehmen vom Allgäu. Allerdings nicht ohne einen weiteren Programmpunkt: Das Schloss Neuschwanstein in Hohenschwangau bei Füssen.
„Ja, das Touriding…“ denkt Ihr. Ja genau! Als Kind war ich schon mal drin, kann mich aber überhaupt nicht mehr erinnern. Unsere Überlegung im Vorfeld war: Aktuell sind kaum asiatische oder amerikanische Touristen vor Ort und somit könnte es weniger überlaufen sein, als zu normalen Zeiten. Allerdings werden Coronabedingt auch weniger Touristen in das Schloss gelassen bzw. ist eine Besichtigung nur in Kombination mit einer Führung möglich. Was wiederum bedeutet, dass pro Tag nur ein gewisser Prozentsatz der bisher zulässigen Besucher das Schloss besichtigen kann. Gut, soweit kein Problem. Es ist möglich, im Vorfeld Tickets im Online-Shop zu kaufen. Da in Bayern Ende August noch Sommerferien waren, waren Wochen vorher aber schon alle Führungen ausgebucht.
„Was tun?“, sprach Zeus. Anschreiben und lieb nachfragen (manchmal kann ich das auch), ob vielleicht noch etwas geht. Daraufhin kam die Antwort, dass wir es an der Tageskasse versuchen sollten. Ein gewisses Kontingent an Tickets pro Tag wird nämlich vor Ort an der Tageskasse ausgestellt.
Unser Plan war also so kurz vor 9 Uhr an der Tageskasse zu sein und Tickets zu ergattern. Wir kamen etwas später, kurz nach 9 Uhr an und lösten ein Ticket an einem der vielen Parkplätze (für 8 Euro, alle Tickets sind Tagestickets). Um ca. 9:30 Uhr waren wir an der (noch leeren) Tageskasse und konnten Tickets inkl. Führung für 13:05 Uhr kaufen. Doch was macht man in der Zwischenzeit? Nach kurzer Rücksprache mit dem Parkplatzwärter „Ja, ihr könnt später (ausnahmsweise) auch wieder mit dem Ticket hier parken“ fuhren wir zurück nach Füssen. Dort bummelten wir etwas umher und genossen Kaffee und Kuchen. Muss ja auch sein. ;)
Gegen 12 Uhr ging es wieder zurück auf den Parkplatz, um von dort aus hoch zum Schloss zu laufen. Das Schloss liegt nämlich ca. 1,5km entfernt und ist nur per Fuß oder mit der Pferdekutsche zu erreichen. Nach ca. 35min kamen wir oben an und warteten auf unseren Einlass. Am Eingang selbst warteten einige Menschen und schauten sich um, mehr als wir zu Corona-Zeiten erwartet hätten. Aber insgesamt verlief sich alles gut und es war genügend Platz für alle vorhanden.
Führungen finden alle 10 Minuten in kleinen Gruppen von ca. 10 Personen statt. In den Räumen im Schloss selbst sind „Corona-Punkte“ mit ausreichend Abstand aufgeklebt, von denen man dem Guide gut lauschen kann. Schon spannend, wenn man durch ein nicht fertiges Schloss geht, die besonderen Ideen Ludwigs II. anschaut und alles irgendwie surreal erscheint. Besonders beeindruckend finde ich die damalige Technik, die König Ludwig II. in „sein“ Märchenschloss (wie es auch sehr oft genannt wird) einbauen ließ, wie z.B. die Zentralheizung oder eine sehr durchdachte und für die damalige Zeit sehr moderne Küche.

Nun kann das Schloss Neuschwanstein auch von der imaginären Bucket-Liste gestrichen werden. Wer Zeit und Lust hat, dem kann ich einen Besuch empfehlen – gerade jetzt zu Zeiten von Corona eine gute Möglichkeit, es sicherlich etwas leerer zu erleben. Für uns ging es von dort aus zurück nach Hause und zurückblickend war es, trotz schlechten Wetters, ein schöner Kurzurlaub.

Die Wandertrilogie im Allgäu mit allen Sinnen genießen

3. September 2020 | Ein Kommentar | Schlagwörter: , , ,

Woran denkt Ihr, wenn die Region Allgäu genannt wird? Ganz spontan denke ich an herrliche Landschaft, Berge, Kühe, saftig grüne Wiesen, Käse und Königschlösser. Zumindest was den Sommer angeht. Und zum Sommer gehören für mich unbedingt die Begriffe Wandern, Radfahren und Genuss. Dazu passt ideal die „Wandertrilogie Allgäu“, die ich mir vor ein paar Tagen im Rahmen einer Pressereise etwas genauer angeschaut und mit allen Sinnen genossen habe.

Stellt sich zunächst natürlich die Frage, was sich hinter dem Begriff „Wandertrilogie“ überhaupt verbirgt. Bei der Wandertrilogie handelt es sich um einen Weitwanderweg mit insgesamt 54 Etappen auf 876 km, auf dem man alle Facetten des Allgäus erleben kann. So weit, so gut. Doch es steckt natürlich mehr dahinter. Das Allgäu hat nämlich viel mehr zu bieten als die bekannten klassischen Tourismushochburgen. Und genau deshalb wurde die Wandertrilogie in Zusammenarbeit mit insgesamt 34 Tourismusorten gestartet. Der Fernwanderweg besteht nicht – wie viele andere – aus einer klassischen Route, sondern es ist ein Weitwanderwegenetz, auf dem sich jeder Wanderer flexibel seine Tour zusammenstellen kann. Und das unterteilt in drei Routen: Den Wiesengänger, den Wasserläufer und den Himmelstürmer. Alle drei Routen stehen dabei für die unterschiedlichen Regionen und Höhenlagen des Allgäus: die sanfte Hügellandschaft im Norden, das Voralpenland in der Mitte und das Gebirge im Süden. Das Schöne daran ist, dass nun jeder Wanderer zu Beginn schon überlegen kann, welche Route zu ihm passt und so kann er oder sie die Route ganz nach der persönlichen Kondition bzw. Einschätzung, Lust und Laune anpassen. Und teilweise überschneiden sich auch die Routen und es gibt die Möglichkeit der Querverbindungen.

Die Wandertrilogie ist so konzipiert, dass man nicht ausschließlich Strecke macht von einem Start- zu einem Endpunkt, sondern dass wirklich der „Weg das Ziel“ ist.  Man ist unterwegs, kann sich in Geschichten vertiefen und die Region genießen. Ich persönlich mag es sehr, wenn ich auf meinen Wanderungen Land und Leute kennenlernen darf. Ob es eine versteckte Sehenswürdigkeit oder ein kurzes Gespräch ist, es sind die kleinen Dinge, die eine Wanderung noch interessanter machen und im Gedächtnis bleiben. Und solche Möglichkeiten hat man im Allgäu immer wieder.

Die drei Routen sind durch unterschiedliche Farben markiert:

Die Wiesengänger-Route mit 438 km und 22 Etappen. (Grün)

Die Wasserläufer-Route liegt insgesamt bei  406 km mit 26 Etappen. (Blau)

Die Himmelsstürmer-Route hat 358km mit 24 Etappen. (Rot)

Die übergeordnete Markierung ist immer ein Steinmandl (aus drei Steinen) und in verschiedenen Städten sind sogenannte Ortswürfel/Stelen zu sehen, die immer eine Geschichte zu den jeweiligen Orten/Regionen erzählen.

Jede Stele ist anders und spiegelt doch immer die Wandertrilogie wider. Das Fundament bildet ein Findling, darauf befindet sich der blaue Allgäu-Würfel mit dem Zeichen der Wandertrilogie. Auf diesem Würfel liegt der Trilogieraum-Würfel (mit z. B. Abbildung des Schloss Neuschwansteins), der der Geschichte des jeweiligen Raums entsprechend entwickelt wurde und diese symbolhaft darstellt. Als Abschluss ist ganz oben der jeweilige Ortswürfel zu sehen. Dieser zeigt ein Symbol der individuellen Geschichte des jeweiligen Ortes.
So viel zur Theorie, detaillierte Infos zu den Streckenverläufen, der Möglichkeit des Gepäcktransports unterwegs und vieles mehr findet Ihr bei den Tourismusinformationen im Allgäu.

Auf unserem Programm stand das Erleben des Allgäus und der Wandertrilogie mit allen Sinnen. Und so starteten wir mit einem Duft- bzw. Naturerlebnis im Duftgarten von Primavera. Das Unternehmen befindet sich seit über 30 Jahren in Oy-Mittelberg und stellt u. a. ätherische Öle, Düfte und Naturkosmetik her und legt dabei besonderen Wert auf Nachhaltigkeit, Qualität und Biodiversität. Primavera bedeutet „Frühling“ (wie auch bei meiner Vespa „Primavera“). Ganz ehrlich, wer liebt es nicht, wenn die Natur im Frühling den Schalter umlegt und alles neu beginnt? Mit diesem Gedanken war die Idee von Kurt Ludwig Nübling geboren und so entstand sein Unternehmen, aber auch ein zugehöriger Duftgarten. Kaum betritt man den Rosen- & Heilkräutergarten liegen unglaublich viele tolle Düfte in der Luft. Und das, obwohl wir Mitte August vor Ort waren und dementsprechend schon manches verblüht war. Es duftete quasi wie bei uns im Höfchen, wo aktuell der Kumquatbaum blüht. ;) Nein, ernsthaft – der Duft von Rosen bzw. von Blumen ist schon etwas Besonderes und hebt die Stimmung. Im Duftgarten von Primavera gibt es mehr als 62.000 Duft- und Heilpflanzen, allein über 600 verschiedene Rosensorten und dazu noch diverse Naturteiche, Insektenhotels, Bienenstöcke und Kneipp-Becken. Ein Paradies für Insekten! Und natürlich auch für interessierte Duft- und Pflanzenliebhaber. Es gibt sogar die Möglichkeit, Führungen im Duftgarten zu buchen.
Kurt Ludwig Nübling interessierte sich bereits im Kindesalter für verschiedene Kulturen, aber auch für Düfte und was noch so alles dazugehört. So verschwieg er seinen Eltern als Jugendlicher dass er, statt wie geplant an den Bodensee zu fahren, mit dem Orient Express Richtung Osten unterwegs war. Nur um „zu schnuppern“, wie er uns berichtete. Der kleine Ausflug blieb vor seinen Eltern natürlich nicht geheim, aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.

Als wir mit Herrn Nübling im Garten unterwegs waren und er uns viel über die verschiedenen Düfte, Ideen und Kreationen erzählte, dachte ich an Michael Ceron und seinen Zitrusgarten. Ich glaube, die beiden würden sich gut verstehen aufgrund ihrer ganz ähnlichen Philosophie und vielleicht sogar eine neue, gemeinsame Kreation entwickeln.

Ein toller Start in die Sinneswelten! Neben dem Duftsinn kam an diesem Tag unser Geschmackssinn auf seine Kosten. Eine kulinarische Anlaufstelle für gute und besondere Küche ist das Hotel Restaurant Rose mit seinem Chef und Koch Alfred Endres. Er ist einer der wenigen „Heuwirte“ in Deutschland. Richtig gelesen, seine Kreationen entstehen teilweise mit Heu und wir durften ein komplettes Heumenü genießen:

Blattsalate in Heudressing mit hausgemachtem rohen Schinken dazu Heukartoffel

Allgäuer Bergwiesenheusuppe mit Pfifferlingen und Kräutern

„Bergler Lendchen“ – Schweinefilet mit Speck und Zwiebeln, Egerlingen und Allgäuer Bergkäse überbacken. Dazu in Heubutter gebratene Kartoffelbaunzen.

Apfelküchle mit Zimt und Zucker, Heuvanillesoße und Sahne

Ein Gedicht für den Gaumen! Der Heugeschmack ist weder zu dominant, noch geht er unter – eine sehr gute Mischung und auf jeden Fall etwas ganz Besonderes. Mit einem abschließenden Heulikör ging es für uns ins Bett, wir nächtigten gut im Hotel Rose, denn schließlich wurde am nächsten Tag gewandert.

Um einen Eindruck der verschiedenen Routen der Wandertrilogie zu erhalten, begannen wir mit einer Tour entlang des Rottachsees nach Oy-Mittelberg. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus „Wasserläufer“ und „Himmelsstürmer“. Wobei wir nicht die ganze Etappe 32 gelaufen sind, sondern überwiegend das Stück des Wasserläufers: 12km mit 400hm hinauf und 260hm wieder runter. Für geübte Wanderer war dieser kleine Abschnitt eher ein Spaziergang mit herrlicher Aussicht. ABER, trotzdem sollte man natürlich festes Schuhwerk tragen und einen kleinen Rucksack mitführen. Ich verweise an dieser Stelle gerne auf meine persönliche Packliste.

Eine Wanderung auf der man verschiedene Highlights erleben kann, wie z. B. den Geratser Wasserfall und den Rottachsees. Gerade der Wasserfall ist an heißen Tagen sehr zu empfehlen. Wald und Wasser laden zum Verweilen und Genießen ein. Unser Weg führte auf das Burgkranzegger Horn (manchmal auch Petersthaler Horn genannt) von dem die Aussicht Richtung Norden zu bewundern ist. Im Rücken die Berge und vorne die weite Voralpenlandschaft – herrlich! Persönlich finde ich sowieso, dass man immer bewusst wandern sollte, egal, ob es „nach oben“ auf einen Gipfel geht, oder man „unten“ unterwegs ist, die Natur ist schön. Und das ist, was auch die Wandertrilogie im Allgäu vermittelt.
Bei unserer Tour war das Wetter bestens, keine Wolke am Himmel und so stärkten wir uns unterwegs im Vitalhotel Mittelburg Allgäu mit regionalen Spezialitäten.

Salatteller mit Allgäuer Bergschinkenscheiben

Frische Pfifferlinge in Kräuterrahm mit Semmelknödel

Weißes Schokoladenparfait dazu frische Erdbeeren und hausgemachter Löwenzahnlikör

Meine zugehörige Komoot-Aufzeichnung findet ihr hier. Also zur Tour, nicht zum Essen. ;) Wir sind natürlich immer noch „Mit allen Sinnen“ unterwegs und so ging es wieder hinaus in die Natur, zum „Erlebnis-Rundgang“ mit kompetenter Führung durch die Heilpflanzenschule. Hier erfuhren wir einiges über Kräuter und wofür sie gut sind. Wie z. B. Spitzwegerich gegen Insektenstiche, was meine Oma schon immer empfohlen hat, aber auch viel Neues.
Wer die Strecke etwas verfolgt hat, wird wissen, dass wir noch immer in und um Oy-Mittelberg unterwegs waren. Die Gemeinde kann sich nicht umsonst „zertifizierter Duftort“ nennen. Erkennbar auch an der passenden Stele.

Was darf im Allgäu nicht fehlen? Genau, Käse! Zu diesem Zweck stand bei uns eine Verköstigung mit der „Holderhex“ und ihren Produkten sowie Allgäuer Käse auf dem Programm. Mit „Food Pairing“ (einer Methode, um zu identifizieren, welche Lebensmittel geschmacklich gut zusammenpassen) testeten wir die angebotenen Produkte. Und wenn der Kopf zuerst denkt „Wie? DAS soll jetzt zusammen schmecken?!“, kommt meist anschließend ein „Oh, das war jetzt aber sehr lecker!“ – man muss sich nur drauf einlassen. Neben Holunder und Käse gab es verschiedene Weine der Allgäuer Gebirgskellerei. Dabei handelte es nicht um klassische Weine (aus Trauben), sondern um Weine aus Holunderbeeren, Erdbeeren und/oder Zirbenzapfen. Um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Persönlich bin ich ein Fan von Zirbenzapfen – egal ob Wein und/oder Schnaps bzw. Likör, daher war das auch hier mein Favorit.

Am nächsten Morgen ging es etwas früher raus, um eine kleine Tour mit dem Namen „Kenzenrunde“ zu unternehmen. Diese führt (teilweise) auf einer Etappe der Wandertrilogie Himmelsstürmer und vermittelt somit einen guten Eindruck über die Himmelsstürmer-Route. Unser Ausgangspunkt war der Kenzenparkplatz im Ortsteil Halblech. Vor dort brachte uns der Wanderbus zur Kenzenhütte.
Diese Strecke von 12km kann man natürlich auch laufen oder mit dem Rad erfahren. Wir nahmen aus zeitlichen Gründen den Bus. Das Wetter war herrlich und ausgeschrieben ist die Strecke mit 3,5h. Klingt nicht viel, aber auch hier sollte man natürlich festes Schuhwerk tragen, wir sind schließlich im Gebirge unterwegs. Die Kenzenrunde befindet sich im Naturschutzgebiet Ammergebirge, dem größten Naturschutzgebiet Bayerns und das zweitgrößte in Deutschland.
Zu Beginn führt der Weg noch durch Wald und führt anschließend den Berg hinauf. Nach ca. einem Drittel bietet sich ein guter Platz zur Rast an. An dieser Stelle ist das erste Mal ein Blick in den „Kessel“ möglich. Oder auf die zahlreichen Alpenrosen, die im Frühsommer blühen. Mit etwas Glück und zur richtigen Tageszeit bekommt man auch eine Gams und/oder Murmeltiere zu sehen. Wir gingen (nach einer kurzen Rast) weiter und umrundeten dabei den Kessel. Bis wir schließlich am höchsten Punkt auf ca. 1750m ankamen. Dort erwartete uns ein schöner Ausblick bis hin zum Kloster (Benediktinerabtei) Ettal.

Der Abstieg zurück zur Hütte führt durch Latschenkiefer. Kurz vor der Hütte bogen wir noch zum Kenzenwasserfall ab. Neben dem ehemaligen königlichen Jagdhaus war dort auch ein beliebter Platz von König Ludwig II.
Wir erinnern uns: „Wandertrilogie mit allen Sinnen“. Deshalb führte unser Weg zurück zur Kenzenhütte, wo bereits einige Alphornbläser spielten. Gerade nach einer kleinen Wanderung und beim gemeinsamen Zusammensitzen ist eine solche Darbietung echt schön.

Ursprünglich war eine Übernachtung auf der Kenzenhütte geplant, doch wegen Corona haben wir dies nicht gemacht. Grundsätzlich werden aber aktuell Plätze angeboten (KEIN Matratzenlager). Allerdings ist mit langen Wartezeiten zu rechnen. Für uns ging es an diesem Tag wieder zurück zum Ausgangspunkt und unserem Hotel Rose.
Am nächsten Tag war etwas unterhalb der Kenzenhütte der Startpunkt für noch eine kleine Wanderung. Dieses Mal mit dem Gebiets- und Naturschutzbetreuer Tom, der uns eine Menge zur Gegend und Natur erzählen konnte. Wir gingen zuerst entlang des Kenzenbachs, später dann am Halblech entlang zurück ins Tal.
Die Gegend war früher eine Hochburg der Wetzsteinmacher. Auf Grund des Gesteins wurden hier für ganz Deutschland bzw. Europa Wetzsteine hergestellt. Wer noch eine Sense hat, weiß wovon ich schreibe. Spannend aber auch die Gesteinsschichten im Röthenbachtal, die Tom uns erklärte. Hier handelt es sich um sogenanntes Flysch, welches in der Kreidezeit entstanden ist.

Zum Ausklang der kleinen, aber sehr feinen Pressereise ging es in das Käsehaus Hoch’Alp. Denn ohne Käse zurück nach Franken zu fahren, ist wie der Spessart ohne Wald. Das geht einfach nicht. Und so endete eine tolle Tour „mit allen Sinnen“. Auf jeden Fall plane ich in Zukunft noch die ein oder andere Strecke der Wandertrilogie im Allgäu zu wandern. Seid gespannt!

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team der Allgäu GmbH, die diese Erlebnisse ermöglicht haben.

Städte & Kultur im Allgäu – (Teil 2)

16. Dezember 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , ,

Nachdem wir uns im Rahmen unserer „Städte und Kultur“- Tour im Allgäu schon die Gründungsstätte Kemptens angeschaut hatten, ging es für uns direkt in die Stadt hinein. Wir starteten quasi „oben“ um uns bis ganz nach „unten“ vorzuarbeiten. Als Stichpunkt ist hier die unterirdische Erasmuskapelle zu erwähnen. Um die Stadt kennenzulernen, bietet sich eine Stadtführung ideal an und kann ich Euch nur ans Herz legen. Dort erfährt man doch Geschichten und Insidertipps, die man sonst überhaupt nicht mitkriegen.

Unser Tag stand ganz im Zeichen von Genuss und Handwerk. Gerade für den Advent eine tolle Kombination. Es ging zunächst in die Backstube der zwei Schwestern Moni und Elisabeth, um gemeinsam nach alten Rezepten zu backen. Die beiden haben einfach Bock zu backen, das merkt man sofort. Zu Beginn zu Hause nach den Rezepten von Oma und irgendwann wurden daraus Backkurse jeglicher Art und auch ein Backbuch haben sie bereits herausgegeben.
Bei „Omas Schätzen“ bin ich natürlich sofort mit dabei. Es standen „Apfelstrudel mit Vanillesoße“, „Zwetschgendatschi“ und „Marmorguglhüpfe“ auf dem Programm, wann immer es geht, mit saisonalen und regionalen Zutaten. Die Gruppen waren schnell eingeteilt und zack, die Zeit verging wie im Flug. Ok, wir dachten nicht an den Rum für unsere Marmorguglhüpfe, aber sonst lief alles ziemlich reibungslos. Die Vanillesoße kam gegen Ende auch noch dran, also auch kein Problem mit dem Rum, den ich halt einfach dort verarbeitete. Und zwischendurch naschen nicht vergessen – oberste Backregel überhaupt!

Die zwei Schwestern sind genial – erklären alles und lassen auch genügend Freiraum, um kreativ zu sein. So war es ein äußerst gelungener und leckerer Nachmittag und ein wirklich spaßiger Backkurs.
Kulinarisch ging es weiter. Wobei wir nach dem süßen Nachmittag erstmal gesättigt waren. Das legte sich zum Glück, denn am Abend ging es für uns zum Markenbotschafter und Sterne-Koch Christian Henze. Bzw. in seinen historischen Gasthof zum „Goldenen Fässle“, das wohl älteste Weinlokal in Kempten. Der urige Gasthof lädt sehr zum Verweilen ein. Und zum Genießen des mega-leckeren Essens. Und man kann hier evtl. schon einmal versumpfen, wenn man möchte, so gemütlich ist es. Glaube so kann man es am besten beschreiben.

Christian ist Markenbotschafter für die Region Allgäu. Das passt auch super zusammen, denn die Region hat kulinarisch so einiges zu bieten. Wer denkt nicht z.B. an Kühe, Käse und/oder viele weitere leckere Produkte? Der Sternekoch verkörpert daher genau den Punkt „Genusshandwerk“. Frische, regionale und saisonale Gerichte stehen ganz oben auf seiner Liste. So wie es eigentlich auch sein sollte und noch dazu sind er und seine Mitarbeiter einfach tolle Gastgeber. So ging unser ereignisreicher Tag zu Ende.
Wir übernachteten im „Bayerischen Hof” in Kempten, der zu den Historic Hotels International gehört. Die Geschichte des Bayerischen Hofs reicht zurück bis ins 15. Jahrhundert, die Zimmer sind schön individuell eingerichtet und die Gaststuben echt urig. Außerdem liegt das Hotel idyllisch an der Iller und trotzdem nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt.

Handwerklich ging es auch am nächsten Tag weiter. Und zwar in Richtung Leutkirch. Genauer gesagt in das Glasmacherdorf Schmidsfelden. Quasi ein restauriertes Dorf mit Glashütte, Glasmuseum, Glasausstellungen, Werkstätten und vielem mehr. Historisch bedingt waren hier schon immer kleinere Glashütten ansässig und die alte Handwerkskunst hat sich wieder etabliert. Dort, genauer gesagt in der „Remise“, hatten wir eine Verabredung mit der Glasbläserin Gabriele Hummel und ihrem Mann.

Nach kurzer Einweisung bzw. über die Schultern schauen durften wir selbst ans Werk. Zum einen konnten wir Glasperlen selbst herstellen und durften uns später auch noch ans Glasblasen wagen. Persönlich hatte ich noch nie mit Glas gearbeitet und war somit auch sehr gespannt. Von der Temperatur des Brenners bis hin zur Koordination – „…als wenn du trommeln würdest“ – gab es einiges zu beachten. Noch dazu unterschiedliche Rohgläser und differenzierte Bewegungen im zähfliesenden Glas, gar nicht so einfach!

Mit dem nötigen Feingefühl klappte es und gefühlt ist auch ein schickes Schmuckstück entstanden. Auf Dauer könnte ich das allerdings nicht machen. Dafür fehlt mir einfach der Fisselfaktor bzw. ist mir das Arbeiten mit Glas dann doch zu filigran. Aber es war super spannend, einmal hinter die Kulissen zu schauen. Noch dazu gibt es unzählige Möglichkeiten etwas aus Glas zu formen. Weiterer Pluspunkt: Es wird nicht kalt. ;) Nein, ernsthaft… auch hier verging die Zeit viel zu schnell und ich hätte gerne noch mehr Dinge ausprobiert. Alleine mit den verschiedenen Gläsern, den unterschiedlichen Techniken oder einfach nur das persönliche Gefühl zu verbessern. Ein super spannendes Handwerk!

Schmidsfelden ist neben dem Glaserlebnis übrigens auch Ausgangspunkt für Wanderungen auf dem Glasmacherweg,  was – wie ich finde – ebenfalls sehr interessant klingt und vielleicht irgendwann einmal ausprobiert wird. Wir kehrten zum Abschluss im „Hirsch“ ein, einem Allgäuer Dorfgasthof wie aus dem Bilderbuch, und ließen uns dort die regionale Küche schmecken.

Wer im Advent (aber natürlich nicht nur jetzt) noch etwas Ruhe und Muße benötigt und vielleicht das ein oder andere handwerklich hergestellte Geschenk sucht oder sogar selber machen möchte, für den passt ein Besuch im Allgäu perfekt. Oder sich selbst eine Auszeit gönnen und einmal einen Hutmacher-/Back- oder Glasbläser-Workshop besuchen, auch das kann ich jedem nur empfehlen.
Wie ihr seht, hat das Allgäu viel mehr zu bieten als herrliche Landschaften. Also nicht falsch verstehen, persönlich mag ich schöne Landschaften auch sehr. Aber warum nicht einfach beides kombinieren?

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team der Allgäu GmbH, die diese Erlebnisse überhaupt erst ermöglicht haben.

Städte & Kultur im Allgäu (Teil 1)

5. Dezember 2019 | Ein Kommentar | Schlagwörter: , , , , ,

Wer an das Allgäu denkt, der hat erst einmal schöne Landschaft, Berge, Wald, Wiesen und Kühe vor Augen. Vielleicht noch ein paar Hütten und Schafe. Aber Städte und Kultur? Das ist nicht unbedingt der erste Gedanke, der einem in den Sinn kommt. Obwohl es auch davon eine ganze Reihe gibt im Allgäu. Hiervon konnte ich mich vor kurzem im Rahmen einer Pressereise selbst überzeugen. Bereits im Sommer habe ich ja einen Teil des Allgäus auf unserer Grenzgänger-Tour kennengelernt und war begeistert! Daher freute ich mich auf meinen erneuten Besuch. Diesmal ging es also darum, eine andere Seite des Allgäus zu entdecken.
In den größeren Städten – wie Kempten, Sonthofen und Füssen – aber auch in den kleineren Gemeinden der Region hat die Handwerkskultur eine lange historische Bedeutung. Wir hatten an den 3 Tagen die Möglichkeit, die Geschichte der Allgäuer Städte quasi durch das Handwerk zu erleben und altes Handwerk selbst aufzugreifen. Ihr wisst, dass ich – selbst Holzwurm – immer ein Faible für die Handwerkskunst habe. Einmal Handwerk – immer Handwerk!

Los ging unsere Tour in Lindenberg im Westallgäu. Lindenberg liegt auf einer natürlichen Sonnenterrasse oberhalb des Bodensees und zu Füßen der Hochalpen. Der Luftkurort nennt sich daher selbst auch „Sonnenstadt“ und konnte beispielsweise 2018 mit 2332 Sonnenstunden aufwarten (zum Vergleich, der deutsche Durchschnitt lag bei 2000 Sonnenstunden).
In dieser hübschen kleinen Stadt befindet sich u. a. das Deutsche Hutmuseum, das in einem sehr sehenswerten Gebäude liegt. Lindenberg war um 1900/1910 herum die „Hut-Hauptstadt Europas“. Es wurden Hüte in die ganze Welt exportiert, überall trug man Hüte aus dem Westallgäu, quasi das „Klein-Paris“ oder –Mailand der Hutmode. Die Hutmachertradition geht aber bis weit in das 16. Jahrhundert zurück. Eine der größten Hutfabriken zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Hutfabrik Ottmar Reich, in der sich jetzt das Museum befindet. Allein das ehemalige Kesselhaus der Hutfabrik (jetzt ein Café) ist sehenswert. Aber natürlich auch die komplette Ausstellung mit Mitmachstationen und zahlreichen Exponaten aus 300 Jahren Hutmode.

Ich sage nur INDY!!! (also für die Noobs unter Euch: hier findet Ihr sogar den Hut von Indiana-Jones ;) ). Es gibt Rohlinge aus Guss und/oder aus Holz, Hutpressen zum selbst ausprobieren, viele spannende Geschichten rund um die Handwerkskunst (hier spielten mal wieder die Italiener eine bedeutende Rolle, wie so häufig in der Mode, aber inwiefern, das müsst Ihr selbst herausfinden) und man kann nach Herzenslust Hüte aufprobieren. Wirklich ein Muss für jeden Hut- bzw. Modeliebhaber!

Wir trafen uns hier mit Marita Prestel, ehemalige Deutsche Hutkönigin. Diese wird alle 2 Jahre neu gewählt und darf sich dann die Krone bzw. den Hut aufsetzen. Marita ist gelernte Modistin und eine Meisterin in ihrem Beruf und der Liebe wegen im schönen Allgäu geblieben. In einem kleinen Workshop konnten wir sie zum einen näher kennenlernen, zum anderen unseren eigenen Hut herstellen. Modistin ist übrigens ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, den es leider heute kaum noch gibt. Übersetzen könnte man den Begriff vielleicht in etwa mit „Hutmacher“, wobei es mehr als „nur“ Hutmacher bedeutet. Theoretisch hätten wir nun einen Hut komplett herstellen können. In Anbetracht der Zeit haben wir aber „nur“ einen Hutrohling garniert.

Super spannend, was Marita alles erzählte und welche Kniffe sie uns zeigen konnte. Man spürte einfach, wieviel Leidenschaft für ihr Handwerk vorhanden ist und dass es einen Haufen Spaß macht.
Dieser äußerst informative und produktive Tag ging kulinarisch im historischen Hotel Waldsee zu Ende, wo wir auch übernachteten. Ebenfalls ein Haus mit langer Tradition, zweitens aber auch mit einer äußerst leckeren Küche und drittens einer tollen Lage, nämlich sehr malerisch an Deutschlands höchstem Moorbadesee. Das Hotel ist sehr stilvoll eingerichtet und Bodo Hartmann (der Chef des Hauses) ist gleichzeitig für die Küche zuständig, also Chef de Cuisine. Seine Spezialitäten sind Fischgerichte und Meeresfrüchte. Bodo stammt ursprünglich aus Sylt und nahm diese Vorliebe mit ins Allgäu. Im hauseigenen Restaurant interpretiert der Koch Fischgerichte ganz neu und auf seine Weise. Warum auch nicht – der Geschmack spricht für sich!

Ein Ort, um die Seele baumeln zu lassen! Mit Sicherheit gibt es in Lindenberg noch einiges mehr zu entdecken. Wir machten uns allerdings am nächsten Tag auf den Weg nach Kempten. Kempten ist sicherlich den meisten von Euch ein Begriff, und wenn nur von der Reise in den Süden. So ging es mir zumindest. Viel mehr wusste ich allerdings nicht über die Stadt im Allgäu. Und das obwohl Kempten eine der ältesten Städte Deutschlands ist! Bzw. sogar die älteste schriftlich erwähnte Stadt. Auch das war mir neu. Und wer war schuld? Genau, die Römer! Diese errichteten eine Siedlung oberhalb der heutigen Stadt mit Blick über die Iller.

Noch heute sind die Ausgrabungen, bzw. Nachbauten von verschiedenen Gebäuden, wie z. B. Tempeln zu sehen. Des Weiteren befindet sich vor Ort in dem archäologischen Park “Cambodunum” auch ein Freilichtmuseum. Am besten bucht Ihr eine Führung, denn die unzähligen Geschichten und Entdeckungen sind wirklich spannend. Alle zwei Jahre findet hier oben auch ein Römerfest statt mit Theateraufführungen und allem Drum und Dran. Natürlich im Sommer bei wärmeren Temperaturen. Oder man bucht einen Brotbackkurs, besonders für den Nachwuchs mit Sicherheit ein Highlight. Wobei ich persönlich da auch gerne einmal dabei sein würde. Man ist ja quasi nie zu alt. ;)

Von der „Gründungsstätte“ Kemptens ging es für uns direkt in die Stadt hinein. Und was wir dort erlebten, berichte ich Euch die nächsten Tage an dieser Stelle.

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team der Allgäu GmbH, die diese Erlebnisse überhaupt erst ermöglicht haben.

Rund um den Hochvogel – unterwegs durch die Allgäuer Alpen (Teil 3)

12. November 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

„Was kann man noch so rund um den Grenzgänger bzw. Hochvogel unternehmen?“ war unsere Überlegung nach dem Abstieg vom Weitwanderweg. Der ursprüngliche Plan war ja, am Folgetag vom Prinz-Luitpold-Haus nach Hinterhornbach (in Österreich) zu laufen und dort im Gasthof Hochvogel zu übernachten. Da wir nach Etappe 3 des Grenzgängers aber wieder in Hinterstein angekommen waren, mussten wir also zu Plan B umswitchen. Statt zu Fuß ging es nun halt einfach per Auto „rüber“. Also nicht der direkte Weg, sondern auf der Straße. Versteht sich aber von selbst. ;)

Hinterhornbach ist, ähnlich wie Hinterstein, ein kleines Bergdorf im Hornbachtal, dem einzigen bewohnten Seitental auf der linken Seite des Lechtals und Teil der Naturparkregion Tiroler Lechtal. Eine herrlich ruhige und naturbelassene Gegend. Hinterhornbach nennt sich selbst „Auszeitdorf“ und man kann hier bestimmt wunderbar abschalten und entspannen.
Gleichzeitig ist das Dorf auf 1101 Metern Höhe umgeben von Berggipfeln und Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Nachdem wir im Lauf des Vormittags dort ankamen, entschieden wir uns noch für eine kleine Wanderung auf die Petersbergalm. Denn ganz ohne wandern geht es dann doch nicht. Die Petersbergalm ist ein bekanntes Ausflugsziel in der Gegend und von Hinterhornbach aus in ca. eineinhalb Stunden zu erreichen. Zudem verläuft die Strecke immer schön am Hornbach entlang, mit Wasserfall, hübschen Buchten, Wald und Wiese.

Auf der Alm selbst war es relativ voll – wir hatten gar nicht daran gedacht, dass es ein Feiertag war. Aber vor Ort ist ausreichend Platz. Die Alm hat eigene Milchwirtschaft und somit konnten wir es uns nicht nehmen lassen, den Käsekuchen und ein Glas Milch zu versuchen. Persönlich würde ich sagen, dass es zur Petersbergalm eher ein Spaziergang ist. Und somit ist diese kleine Wanderung auch locker für Familien oder ältere Naturliebhaber zu meistern. Landschaftlich sehr zu empfehlen! Und über das Essen brauchen wir uns eh nicht mehr unterhalten – „a draum“!

Apropos Speis und Trank. Wenn Ihr in Hinterhornbach seid, dann solltet Ihr unbedingt auch im Gasthof Hochvogel zu Abend essen. Dies wäre auch ohne Übernachtung in der Familienpension möglich, um rechtzeitige Info wird allerdings gebeten.
Küchenchef Jürgen zaubert mit Produkten aus der Region tolle Gerichte, die auf der einen Seite heimatverbunden, gleichzeitig aber modern und mit Pfiff sind. Am Abend gibt es ein 4-Gänge-Menü (man hat die Auswahl zwischen mehreren Varianten, von denen mindestens eine vegetarisch ist). Mich fasziniert ja immer ein kleiner Einblick in die Küche, so verarbeitet Jürgen z.B. Wild aus der Gegend rund um Hinterhornbach, man sieht ihn im Garten eigene Kräuter schnippeln und überhaupt legt er viel Wert auf Frische, Saisonalität und sorgfältige Verarbeitung. Einer, der sein Handwerk versteht und mit Leidenschaft ausübt. Das schmeckt man auch!
In der Stube des Gasthofs ist es urgemütlich, und genauso sind die Zimmer, die nach und nach renoviert wurden. Ein paar Tage Auszeit stelle ich mir hier auch im Winter klasse vor! Und ganz bestimmt ein Highlight, wenn man von Etappe 4 des Grenzgängers (die erwähnte Route von Prinz-Luitpold-Haus nach Hinterhornbach) in diesem gemütlichen Gasthof landet!

Da der Wiedereinstieg auf den Grenzgänger für uns nicht in Frage kam, planten wir für den letzten Tag unserer Tour eine alternative Wanderung. Den Hochvogel selbst zu begehen, hatten wir sowieso nicht vorgesehen, obwohl es eine der schönsten Routen in den Allgäuer Alpen sein soll. Im Blick hatten wir ihn die vergangenen Tage immer wieder, aber er ist nur wirklich geübten Bergsteigern zu empfehlen und Jacky ist in den Bergen doch lieber Team „Wanderer“ als Team „Bergsteiger“. Auf der Route des Grenzgängers ist der Gipfel eine mögliche Option, aber kein Muss. Der ursprüngliche Weg von Hinterhornbach auf den 2592m hohen Hausberg ist dauerhaft gesperrt, denn vorhandene Felsspalten weiten sich aus und es ist früher oder später mit einem Felssturz zu rechnen. Auf der alternativen Route über den Kalten Winkel kann man den Gipfel in 4-5 Stunden von Hinterhornbach aus erreichen.

Wir peilten als Tageswanderung die Jochbachrunde an. Diese mussten wir allerdings abbrechen, weil der „Vorderer Steg“ fehlte, wahrscheinlich aufgrund eines Erdrutsches. Und der Weg überhaupt ziemlich matschig war. Kein Thema, dann entschieden wir uns für die „Bärenbadrunde“. Auch eine kleine Rundtour um Hinterhornbach mit Blick auf die umliegenden Berge und ins Tal. Nach ca. 3 Stunden gemütlichen Gehens und die Natur genießen, kamen wir wieder in Hinterhornbach an. Einige der Wege rund um Hinterhornbach wurden zu früheren Zeiten übrigens als Schmugglerpfade ins benachbarte Deutschland benutzt, heute jedoch begegnete uns keine Menschenseele.

Für den Abschluss hatten wir noch eine Nacht eigentlich „zum Erholen“ bei Franz in der nun schon mehrfach erwähnten Pension Hochvogel in Hinterstein angepeilt, wo wir nun, statt ursprünglich geplant im Anschluss an Etappe 5, wieder direkt vom Hornbachtal hingefahren sind.
Aus Hinterstein, unserem Ausgangspunkt, habe ich zum Schluss noch einen Essenstipp für Euch, dieser nennt sich Prinze Gumpe. Ein hübscher Natur-Badeteich, der von den Hintersteinern komplett neu angelegt wurde und nun sowohl Abkühlung im Sommer als auch überraschend leckeres Essen parat hat.

Hier schließt sich dann auch der Kreis. Unsere Grenz-Erfahrungen am Grenzgänger. Auf diesem und aus der Umgebung, von der wir natürlich nur einen ganz kleinen Teil entdecken konnten.
Die restlichen 2 Etappen stehen noch auf unserem Plan. Das nächste Mal bitte mit richtig genialem Wetter und der ein oder anderen zusätzlich gesicherten Stelle.

Fazit zum Grenzgänger: Ein wunderschöner, anspruchsvoller Weitwanderweg mit fantastischen Ausblicken und abwechslungsreichen Landschaften. Ein Muss für jeden Bergfan, aber man sollte schon geübter Bergwanderer sein und ausreichend Trittsicherheit mitbringen.

Ein dickes Dankeschön geht auch an das ganze Team vom Grenzgänger, die dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht haben.

Aufwärts