Ein genauer Blick in den Bentley Flying Spur

29. Januar 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Mit der Präsentation der neuen Modelllinie „Bentley Flying Spur“ lässt uns das britische Unternehmen einen Blick hinter die Kulissen werfen. Wie oft bekommt man dazu schon mal die Möglichkeit? Heute geht es hier also nicht um Antrieb, Leistung oder Höchstgeschwindigkeit, sondern um die Innenausstattung des neuen Flying Spurs, übrigens mittlerweile die dritte Generation der britischen Luxuslimousine.
Wenn wir von der Innenausstattung sprechen, sprechen wir von hochwertiger Handwerkskunst.  Perfektionismus ist im neuen Bentley eine Frage der Selbstverständlichkeit. Ohne dabei das Individuelle vermissen zu lassen. Wie man es von Bentley gewohnt ist.

Das Interior besteht aus hochwertigem Leder, das komplett aus Nordeuropa bezogen wird (als Nebenprodukt des Fleischmarkts). Insgesamt sind es  350 Teile, die wiederum auf 60 Bauteile maßgeschneidert werden.  Und dazu werden mehr als drei Kilometer Faden verwendet. Faszinierend, oder? Dieser Prozess geht durch die Hände von 141 Bentley-Handwerkern, die zuvor ein fünfmonatiges Training durchlaufen, um die benötigten Handwerkstechniken zu lernen. Also nicht nur die Qualität der eingesetzten Waren ist sehr hoch, sondern auch die der Mitarbeiter.

Aus Sicht der Fahrer ist das Lenkrad DAS Herzstück des Innenraums. Man munkelt, dass das Lenkrad im neuen Bentley einmalig in der Automobilbranche ist. Insgesamt werden hier fünf Meter Faden verarbeitet, um 168 Kreuzstiche in Handarbeit zu fertigen. Dies schafft ein erfahrener Handwerker innerhalb von dreieinhalb Stunden. Selbst die Nadeln sind Sonderanfertigungen – unglaublich! Eine Maschine könnte niemals so arbeiten.

Um die vier Sitze in die endgültige Form zu bringen, werden insgesamt 12 Stunden Handarbeit benötigt. Als kleine Randnotiz: Die (optionalen) typischen Flügel in den Kopfstützen bestehen aus 5103 Einzelstichen. Man muss schon genau hinsehen, um Unterschiede zu erkennen. Besonders bei den Fäden gibt es aber einiges zu entdecken. Nehmen wir z. B. die Nähte an den Airbags. Diese sind etwas dünner, um die Sicherheit zu gewährleisten. Zum Designkonzept gehört auch, dass die Türen eine dreidimensionale Diamantensticker zieren.

Bentley Kunden haben den Luxus, aus 12 verschiedenen Lederfarben zu wählen und sich so ihren Innenraum individuell anzupassen. Dazu gibt es allein in der Standardausführung noch die Auswahl an 23 Kontrastfarben.
Einige würden dies wahrscheinlich für verrückt halten, ich finde nein. Handwerk ist und bleibt Handwerk und zudem werden Naturprodukte verarbeitet – was gibt es Besseres!? Britische Handwerkskunst „at ist best“.

Copyright: Alle Bilder von Bentley

Biathlon, Advent und Skifahren – das Pillerseetal

14. Januar 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Endlich wieder Berge und endlich wieder Schnee! So freute ich mich, als für mich im Dezember quasi die Wintersaison startete. Genauer gesagt wartete eine Pressereise ins Pillerseetal auf mich. Wer Biathlon verfolgt, dem wird das kleine Örtchen Hochfilzen im Pillerseetal ein Begriff sein. Schon früh war der schneesichere Ort als Biathlon-Metropole bekannt. Die erste Weltmeisterschaft wurde hier 1978 (ein sehr guter Jahrgang!) ausgetragen und seit ca. 2003 findet hier jährlich ein Großevent statt, entweder ein Weltcup oder die Biathlon-Weltmeisterschaften. 2017 wurden nochmals ca. 30 Millionen Euro in die Anlage investiert, um erneut bestens für die Austragung der Biathlon-Weltmeisterschaften gerüstet zu sein. Zum Biathlonsport kommen wir im Laufe dieses Blogposts aber noch genauer.
Das Pillerseetal hat selbstverständlich noch viel mehr zu bieten. Grundsätzlich gilt das Tal als schneereichste Region Tirols, was die durchschnittliche Neuschneemenge von 6,71 Metern pro Jahr deutlich zeigt. Perfekt für alle Wintersportfans! Daraus resultiert auch, dass bereits Mitte Dezember Biathlon Wettkämpfe ausgetragen werden können. Und Schneefans bis Ostern auf ihre Kosten kommen. Skifahren, Winterwandern, Langlauf, Schneeschuh oder Freeriden – alles ist möglich, genauso wie gemütliches Ausspannen mit Wellness und Genuss.

Ich war das erste Mal in dieser Ecke und entsprechend gespannt auf die Landschaft, die Menschen und die Region an sich. Die Anreise erfolgte ganz unkompliziert mit der Bahn bis Fieberbrunn. Trotz knapper Umstiegszeit verlief alles ohne Probleme. Zwar ist im Winter das Gepäck etwas sperriger, aber das funktioniert auch – Schwierigkeiten hatte ich noch nie. Beim Umstieg in München erkennt man übrigens sofort, dass der Zug in Richtung Italien (Bologna und/oder Verona) weiterfährt. Ein kurzer Blick zu den einsteigenden (eleganten) Passagieren genügt.
Mir geht ja immer das Herz auf, sobald Berge in Sicht kommen. Und gerade, wenn es das erste Mal in der Wintersaison ist, schlägt es noch ein kleines bisschen höher. Die Vorfreude stieg!

Im Pillerseetal gibt es, je nach eigenem Gusto, verschiedene Unterkünfte. Ob es die ruhige Ferienwohnung, die gemütliche Pension oder doch das Sterne-Hotel direkt an der Piste sein soll, jeder wird hier fündig. Wir verbrachten die Nächte im TUI BLUE Fieberbrunn. Ein neu hergerichtetes 4- Sterne Hotel, das direkt an der Piste liegt, nur wenige Meter von der Talstation entfernt. Je nach Ausrichtung des Zimmers könnte man also theoretisch vom Balkon aus gleich auf die Piste hüpfen. Also natürlich nur rein theoretisch.

Denn vorerst stand Biathlon auf dem Programm. Von Fieberbrunn ging es in das nahegelegene Hochfilzen. Tatsächlich wurde es fast mit jedem Meter kälter und es lag immer mehr Schnee.
Wir spürten auch gleich dieses gewisse Kribbeln einer Wettkampfstätte, als wir immer näher Richtung Stadion kamen. Normalerweise ist das Gebiet rund um das Stadion nicht zugänglich. Es handelt sich nämlich um militärisches Sperrgebiet, da sich die Loipe, das Stadion und alles was dazu gehört, auf einem Truppenübungsplatz des österreichischen Bundesheeres befinden. Für den BMW IBU Weltcup Biathlon wird allerdings immer eine Ausnahme gemacht. Trotz unserer frühen Ankunft wuselten die Athleten, Betreuer und alle drumherum bereits fleißig umher.

Das Sprintrennen der Damen begann um 11:30 Uhr und der Sprint der Herren folgte um 14:20 Uhr. Somit blieb uns genügend Zeit für einen Rundgang mit unserem Guide Manfred Neumayer. Biathlon ist seine Welt. Als Kampfrichter war er in sämtlichen Biathlon-Stadien der Welt unterwegs und kennt (vermutlich) alle Sportler mit Vor- und Nachnamen inkl. ihrer Bestzeiten. Genau deshalb kamen wir in verschiedene Ecken, in die man wahrscheinlich sonst kaum kommt und erfuhren viele Infos aus erster Hand. Zum Beispiel, dass die großen Biathlonnationen immer einen ganzen Truck mit Ausrüstung dabei haben. Oder jeder Athlet ca. 30 Paar Skier hat und insgesamt 30 Nationen gemeldet sind. Auch das Trainingszentrum selbst konnten wir begutachten. Schon beeindruckend, das alles mal zu sehen! In diesem Raum können die Bedingungen aller Wettkampfstätten simuliert werden. Inklusive Steigungen und Schneeverhältnisse. Ebenso ist nebenan ein Schießstand. Apropos schießen: Das Gewehr wird vor jedem Wettkampf gewogen. Es darf minimal 3,5kg wiegen und der Abzug muss einen Widerstand von 0,5kg besitzen. Der Wind ist übrigens nicht für die austretende Kugel problematisch, sondern er drückt eher auf das Gewehr.

Wir gingen anschließend auf die Strecke und Richtung Schießstand. Dort waren bereits einige Trainer anzutreffen. Unter anderem Siegfried Mazet (Trainer der Norweger). Ein sehr sympathischer Typ, der auf meine Frage, wann er denn ins deutsche Team wechselt, nur locker mit den Schultern zuckte und grinste. Danke nochmals an die tolle Führung und den Blick hinter die Kulissen!
Für uns hieß es nun aber ab auf die Tribüne und pünktlich zum Start bei den Damen Daumen drücken.

Wie bei den meisten Großereignissen, muss man einfach mitfiebern. Man wird von der Stimmung total angesteckt und da spielt es auch keine Rolle, welcher Läufer gerade an einem vorbei huscht. Geklatscht und angefeuert wird immer! Am besten ist allerdings die Stimmung während des Schießens. Erst völlige Stille im Stadion und nach jedem Treffer ein Aufschrei! Herrlich! Nicht umsonst ist Biathlon so ein beliebter Sport. Und ich kann Euch versichern, live und in Farbe ist es noch eine ganz andere Hausnummer, die Stimmung ist einfach genial! Gewonnen hatte übrigens die Italienerin Dorothea Wierer.
Zur Pause gab es dann für uns eine Stärkung im VIP-Zelt, wir hatten nämlich VIP-Karten bekommen. Auch wenn diese zwar teurer sind, muss ich sagen, es lohnt sich. Zum einen kann man sich im Zelt immer wieder aufwärmen und des Weiteren wird die lokale Gastronomieschule unterstützt. Warum? Die dortigen Lehrlinge sind für das Essen und den Ablauf verantwortlich, alleine deshalb ist es eine super Sache. Und das Essen war ein Traum mit regionalen Spezialitäten und mehr. Im Zelt schaut evtl. auch der ein oder andere Athlet um die Ecke. In Summe also Top! Aber auch mit den anderen Kartenkategorien kann man, glaube ich, nicht viel falsch machen.
Im Anschluss folgte das Rennen der Männer Also, wieder raus an die frische Luft (es war deutlich wärmer, als noch am Vormittag) und die Männer anfeuern. Leider ist ja Ole Einar Bjørndalen nicht mehr mit von der Partie, denn ihn hätte ich gerne einmal live gesehen. Anyway, natürlich war es auch so super und  die Stimmung genauso gut wie beim Damenrennen – einfach fabelhaft! Gewonnen hatte bei den Herren übrigens Johannes Thingnes Boe, unser Team stand diesmal leider nicht auf dem Treppchen (obwohl sie wirklich stark angefeuert wurden).

Nach dem Rennen wärmten wir uns erstmal im Hotel auf und wer wollte, nutzte das dortige BLUE-SPA-mit Sauna und Schwimmbad.
Natürlich hat das schneesichere Pillerseetal neben Biathlon noch viel mehr zu bieten. Skifahren zum Beispiel. Auf den ersten Blick wirkt das Skigebiet vielleicht gar nicht so groß, aber bei genauerer Betrachtung gehört der ganze „Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn“ dazu. Und damit 69 Liftanlagen, davon 27 Gondelbahnen, 21 Sessellifte und 21 Schlepp- beziehungsweise Übungslifte mit insgesamt 270 Kilometern Länge bestens präparierter Piste. Das Skigebiet liegt übrigens gleich in zwei österreichischen Bundesländern, Tirol und Salzburg.  Wir waren sowohl auf weniger stark sowie stärker frequentierten Pisten unterwegs. Wettertechnisch gesehen war es ok. Hauptsache kein Nebel und starker Schneefall, um die Mittagszeit ließ sich sogar die Sonne blicken.

Zu einem Skitag gehört selbstverständlich die Einkehr in einer Hütte. Wenn ihr schon „da oben“ seid, unbedingt einen Blick in den Berggasthof Wildalpgatterl werfen. Also nicht nur hinein werfen, sondern auch gerne hinein gehen. Und sich dann kulinarisch verwöhnen lassen. Kann ich Euch nur empfehlen! Familie Fürhapter ist mit Leib und Seele Gastgeber. Bei den Speisen schmeckt man die Qualität und auch die Liebe heraus. So etwas ist auf einer Hütte schon etwas Besonderes. Wer es noch gemütlicher möchte: Eine Übernachtung hier ist ebenfalls möglich (vermutlich aber bereits weit im Vorfeld zu buchen). So könnte man am Morgen als erster Schwünge auf der neu präparierten Piste ziehen. 

Wir besuchten das Pillerseetal in der gemütlichen Adventszeit. Für mich gehören zur Adventszeit ja  Plätzchen (am besten die selbstgemachten Heinerle bzw. Schokladinchen von Papa), Glühwein und/oder Punsch, Freunde und natürlich ein Besuch auf den Weihnachtsmarkt dazu. Und letzteres konnten wir auch am Pillersee erleben. Für uns ging es am Abend Richtung St. Ulrich am Pillersee, wo das Christkindldorf heimisch ist. Ein kleines Winterdorf bzw. Weihnachtsmarkt mit toller lokaler Handwerkskunst. Um die Bühne (direkt auf dem Pillersee) reihen sich Glasbläser, Holzschuhmacher, Drechsler, Federkielsticker oder auch Schnapsbrenner. Als Holzwurm musste ich natürlich bei den Schuhmachern vorbeischauen, die Holzschuhe/Clogs ganz nach Wunsch und mit edlem Finish – also mit Leder und/oder Fell – herstellen.
Selbstverständlich durfte der Genuss nicht zu kurz kommen. Und wenn schon ein Schnapsbrenner vor Ort ist, kann ich mir das nicht entgehen lassen. Keine Ahnung, wie viele Sorten Norbert Gidi Treffer (so sein Name) vor Ort dabei hatte, aber alle durchzutesten wäre einfach unmöglich gewesen. Laut seiner Aussage „macht er einfach“ und probiert viele Sorten aus. „Entweder schmeckt es, oder halt nicht“. Wenn in Tirol, muss ich Zirbe probieren. Lecker! Und ein Weihnachtsgeschenk (für mich selbst) wurde dann gleich mitgenommen.

Ich glaube, wenn wir nicht hätten gehen müssen, hätte ich mich noch lange mit Norbert bei einem guten Brand unterhalten. Aber mit einem letzten Blick zurück zum Christkindldorf ging es für uns wieder Richtung Hotel.
Und am nächsten Tag leider schon wieder nach Hause. Nicht ohne vorher zumindest noch kurz Magdalena Neuner zu grüßen, die an diesem Wochenende, wie viele andere, ebenfalls in unserem Hotel wohnte. Was ich beim nächsten Mal im schönen Pillerseetal ausprobieren möchte, ist selbst einmal die Kombination aus Langlauf und Schießen, denn in der Region kann man die Basics vom Biathlon testen. Leider ist die Zeit immer zu kurz, aber ich freue mich auf ein nächstes Mal!

Ein ganz dickes Dankeschön geht an das Team vom Tourismusverband Pillerseetal, die dieses Erlebnis ermöglicht haben.

Mein persönliches Highlight 2019 – der Fluchtkogel

23. Dezember 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Mein Faible für die Berge und das Ötztal sind Euch ja mittlerweile bekannt. Von klein auf war ich sowohl im Winter als auch im Sommer für ein paar Wochen dort. Damals war Sölden noch kein Hot Spot und von James Bond noch keine Rede.

Für mich strahlen die Berge einfach schon immer eine Faszination aus. Den eigenen Schweinehund überwinden. Und wenn man denkt, dass es nicht mehr weiter geht, findet sich immer wieder ein neuer Weg. Gleichzeitig aber auch den Umgang mit Rückschlägen lernen. In jungen Jahren war mir das noch nicht so bewusst, doch mit dem Alter werden diese Punkte deutlicher. Auch der Umgang mit der Natur spielt eine große Rolle. Den Respekt muss man ebenfalls erst einmal lernen. Doch der Körper teilt diese Faszination nicht immer. Wie ich letztes Jahr beim Versuch auf die Verpeilspitze schmerzlich feststellen musste. Somit blieb die Kreuzspitze mit ihren 3455m bisher mein höchster Gipfel. Diesen hatte ich in jungen Jahren mit meinem Vater bestiegen. Je öfter man in den Bergen unterwegs ist, desto „normaler“ ist es. Nun mit etwas Abstand wurde mir die Leistung erst richtig bewusst.

Die Planung:

Schon länger schwebte mir vor, einmal den Similaun mit seinen 3606m zu besteigen. Warum es genau der Similaun sein muss, kann ich Euch gar nicht erklären. Wobei mit dem dort zunehmenden Bergtourismus die Begeisterung für genau diesen Berg schon wieder etwas zurückgeht. Aber es sollte etwas Besonderes sein, deshalb war der Plan geboren, bei Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Similauns zu stehen. Von der Idee konnte ich meinen Cousin und die kleine „Schwester“ überzeugen und wir fanden einen Zeitraum, an dem alle Zeit hatten. Notwendig war die Übernachtung auf einer Berghütte,  wobei sich die Similaunhütte am besten dafür eignet. Nach einigen Telefonaten war dieser Plan allerdings schnell wieder Geschichte. Denn weder auf der Similaunhütte, noch auf der weiter unten gelegenen, alternativen Martin-Busch Hütte waren Anfang September Schlafplätze verfügbar. Ohne Übernachtung, kein Gipfel – leider.

Bei der Besteigung des Similauns handelt es sich um eine Hochtour mit Gletscherüberquerung, daher war für uns ein Bergführer Pflicht. Denn die Gefahren von einem Gletscher sind nicht zu unterschätzen. Uns fehlt dafür die nötige Erfahrung bzw. Ausbildung. Daher standen wir in Kontakt mit der Bergführerstelle Vent, Kilian (Chef der Bergführerstelle) und seinen Jungs. Ein Bergführer für Anfang September war bereits gebucht, aber Plan B musste nun her. Nach kurzer Recherche wurden Plätze auf der Vernagthütte reserviert. Nicht ganz zum Wunschtermin. Was sich später allerdings als Glücksfall herausstellen sollte. Nun hatten wir zwar einen Schlafplatz, allerdings noch keinen Gipfel ausgewählt. Gipfel ohne Schlafplatz ist doof, aber genauso auch ein Schlafplatz ohne Gipfel. Von Kilian kam der Vorschlag „Wie wäre es mit einem Sonnenaufgang auf dem Fluchtkogel?“ Also ich kenne ja einige Gipfel in der Umgebung, aber der Fluchtkogel sagte mir nicht viel. Kurz nachgeschaut und: Ja, das ist unsere Tour! Der Fluchtkogel ist 3500m hoch, der Hüttenplatz war save, es ging ebenfalls über einen Gletscher und die Besteigung zu Sonnenaufgang sollte auch möglich sein. Die Planung stand!

Die Vorbereitung:

In diesem Jahr waren wir häufiger wandern, auch in den Alpen. Mein Tipp: Wanderungen zwischendurch mit vollem Gepäck, auch wenn es nur Tagesausflüge sind. Außerdem habe ich endlich wieder angefangen zu joggen. Nicht nur, aber auch für solche Touren. Ohne Kondition geht es nicht. Und das hatte ich etwas vernachlässigt.
Kurz vorher war ich auf dem Grenzgänger unterwegs, von daher wusste ich, dass mein Körper bereits etwas an höhere Regionen gewöhnt war.  Natürlich kann man nie zu 100% sicher sein. Trotzdem sollte es nicht einfach von 230hm auf über 3000 Höhenmeter gehen ohne weitere Vorbereitungen, wie bei der Verpeilspitze. Ein, zwei leichtere Bergtouren vorher waren angedacht. Sinn und Zweck ist es, den Körper an die Höhe zu gewöhnen, gleichzeitig aber wenig Kraft zu verbrauchen. Und nicht zu vergessen: Spaß zu haben und die Landschaft zu genießen.

Auch die passende Ausrüstung ist bei einer Bergtour wichtig. Mir fehlten noch Kleinigkeiten, wie z. B. eine zweite Jacke und ein Helm. Wobei dieser für unsere Tour nicht nötig war. Steigeisen und Gurt bekamen wir leihweise vom Bergführer vor Ort. Das kostet nicht viel und man weiß, dass man gutes Material bekommt.
Weit im Vorfeld verfolgte ich die Wettervorhersage, was allerdings meistens nicht nötig ist, denn das Wetter ist vor Ort immer etwas anders und langfristig eh nicht vorhersehbar.

Ihr merkt schon, dass so eine Bergtour zwar leicht aussieht, es aber doch eine gewisse Vorbereitung benötigt. Irgendwann stelle ich mal ein Blogpost zur Ausrüstung zusammen. Aber zurück zu unserer Tour. Am ersten Tag war das Wetter einfach nur schlecht. Wir überlegten sogar, erst einen Tag später anzureisen. Da Huben allerdings schon auf knapp 1200m liegt, entschieden wir uns, doch schon zu fahren und ein bisschen zu akklimatisieren. Den ersten Urlaubstag verbrachten wir mit weiterer Planung, gutem Essen und einem Besuch im Aqua Dome in Längenfeld. Entspannung und Kräfte sammeln, was ja auch wichtig ist. Am nächsten Tag sollte das Wetter wieder besser sein und somit ging es auf den Berg. Wir entschieden uns als Einstiegstour für das „Wilde Mannle“ über die Südseite. Aus Erfahrung war mir bekannt, dass das erste Stück Richtung Bergstation Stablein nicht so spannend ist und somit ging es mit der Seilbahn bis zur Zwischenstation, von da an ging es dann zu Fuß weiter. Für uns war vor allem die Höhe entscheidend und die 650 hm von Stablein zum Gipfel (3023m) waren relativ easy.

Da war er also, der erste 3000er nach langer Zeit. Endlich! Ein leichter Berg, ohne viel drumherum. Natürlich sollte man Trittsicherheit mitbringen. Dies sollte man aber sowieso, wenn man in den Alpen unterwegs ist. Die Wolken vom Vortag hatten sich verabschiedet und es war angenehm warm. Auf dem Gipfel entschieden wir uns dann spontan über den Grat weiter nach Norden zu gehen, um über den Rofenkarsteig zur Breslauer Hütte abzubiegen. An der Hütte gab es erst einmal eine kleine Stärkung und wir genossen die Aussicht.

Als wir auf der Terrasse saßen, die Aussicht genossen und uns umschauten, sahen wir einen Wegweiser. Darauf zu sehen: „Urkundkolm 3134m“ mit einer Gehzeit von einer Stunde. Unsere Blicke trafen sich wieder und jeder dachte das gleiche. „Nochmals 100m höher und nur 1 Stunde zu gehen“. Mein Cousin sagte: „Auf, den machen wir jetzt auch noch!“ Wir hatten ca. 14:30 Uhr und als noch jemand von dort kam und sagte „Ach, das schafft ihr locker“ machten wir uns auf den Weg. Exakt 40 Minuten später standen wir auf dem Gipfel. Spontane Ideen sind manchmal doch die besten und wir sind ja auch ein bisschen verrückt. Da war er also, der nächste 3000er. Und keine Spur von Höhenkrankheit o.ä.
Der Abstieg verlief ohne Probleme und nachdem quasi mein Cousin seinen Willen (der zweite Gipfel) durchgesetzt hatte, meinte ich nun „Wir fahren doch nicht runter – wir laufen!“. Gesagt, getan. Unten angekommen wurden wir sehr lecker bekocht (ich sag nur: bester Kaiserschmarrn!) und ließen den Tag gemütlich ausklingen. Für die Statistiker unter Euch:

Der Weg zur Zwischenstation:

Am folgenden Tag konnten wir ausschlafen. Geplant war der Aufstieg zur Vernagthütte, unserer Übernachtungsstation vor dem Fluchtkogel. Ausgangspunkt war wieder das schöne Bergsteigerdörfchen Vent. Der Rucksack war gepackt und wurde nur noch um Gurt und Steigeisen ergänzt. So ging es dann gegen 12 Uhr Richtung Vernagthütte. Die Sonne brannte und es war richtig heiß. Nach 40 Minuten ging es über die Hängebrücke bei Rofen, vorbei an störrischen Haflingern bis zu einem Abzweig. Wir verließen den breiten Weg, um rechts Richtung Hütte weiter zu laufen. Es war unglaublich warm! Nach 3 Stunden und 15 Minuten (angeschrieben waren 3h) kamen wir erschöpft an der Hütte an. Gefühlt waren wir an dem Tag mehr als 5 Stunden unterwegs. Auf der Terrasse trafen wir unseren Bergführer Michael. Er wird sich auch gedacht haben „Mit welchen Typen soll ich da morgen auf den Fluchtkogel?!“ – wir waren fertig, hatten Durst und waren nicht sehr redselig.
Ursprünglich standen uns „nur“ Schlafplätze im Matratzenlager zur Verfügung. Vor Ort wurde uns dann ein Zimmerlager zur Verfügung gestellt. Wie wir erfuhren, hatten viele Personen auf Grund der schlechteren Wettervorhersage abgesagt. Deren Pech = unser Glück! Zum einen hatten wir unsere Ruhe und zum anderen ging am nächsten Tag sehr früh aus den Federn. Den Abend ließen wir mit einem sehr leckeren und kohlenhydratreichen Essen ausklingen. Natürlich durfte der obligatorische Zirbenschnaps nicht fehlen. Auch hier wird sich Michael seinen Teil gedacht haben. „Erst kommen sie erschöpft hier oben an und dann fangen sie auch noch an zu schnapseln!“ ;)

Wir schauten ein letztes Mal nach dem Wetterbericht. Am nächsten Tag sollte es erst am Nachmittag zu regnen beginnen. Kein Problem, da wollten wir eh schon wieder im Tal sein. Somit wurde der Start auf 4 Uhr terminiert. Der Sonnenaufgang war für 6:40 Uhr hervorgesagt worden und die kalkulierte Aufstiegszeit von 2,5 Stunden sollten somit passen.

Der große Tag:

Auf diesen Tag hatten wir hingefiebert und jetzt war es soweit. Wird alles klappen? Wird das Wetter halten? Wird die Höhenkrankheit wieder zuschlagen? Diese und noch viel mehr Gedanken schwirrten mir im Kopf herum. Pünktlich um 3 Uhr klingelte der Wecker bei jedem von uns dreien. Das Licht ging an und nach kurzem Gemurmel ging jeder seiner Morgenroutine nach. Am Vorabend wurde das Frühstück bereits soweit vorbereitet, dass wir versorgt waren. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an Familie Scheiber! Kurz vor 4 Uhr trafen wir uns alle im Eingangsbereich der Hütte. Die am Gipfel unnötigen Dinge wie Hüttenschlafsack usw. ließen wir da, wir wollten später sowieso wieder an der Hütte vorbeikommen. Letzter Check der Stirnlampen und los ging es – raus in die Dunkelheit.

Gleich hinter der Hütte ging es auf eine Seitenmoräne, deren zugehörige Gletscher leider erst weiter oben anfing bzw. zu überqueren ist. Wir gewannen schnell an Höhe und stiefelten durch die Dunkelheit. Nur der Lichtkegel der Stirnlampe bot etwas Helligkeit. Die umliegenden Gipfel waren nicht zu sehen. Nach einer gewissen Zeit (keine Ahnung wie lange wir unterwegs waren), kamen wir zum Gletscher. Ab diesem Zeitpunkt wurden wir von Michael an die Leine genommen. Was bedeutete: Gurt und Steigeisen anlegen und anseilen! Schlagartig sank auch die Temperatur, vergleichbar mit dem Öffnen einer Gefriertruhe. Michael führte unseren Trupp an, so ging es weiter durch die Dunkelheit.
Auf dem Gletscher gewannen wir schnell an Höhe, bis wir an ein steileres Stück kurz unterhalb vom Oberen Guslarjoch kamen. Dort ging es steil nach oben und einige Spalten waren zu erkennen. Michael führte uns durch diese bizarre Welt. Auf einmal knackte es laut unter mir, dass ich in Schockstarre fiel. Weitergehen und fallen? Aber Stehenbleiben ergab auch keinen Sinn. Was tun? Das Herz hing mittlerweile irgendwo in der Hose und der Gedanke „gleich liegst du unten“ setzte sich im Kopf fest. Also langsam einen Schritt vor den anderen machen und weiter gehen. Geschafft! Es war so still, dass man eine Stecknadel fallen hören konnte. Weder mein Cousin noch meine Schwester sagten einen Ton. Jeder hatte an dieser Stelle ein ungutes Gefühl. „Du weißt schon, dass es mir gerade etwas anders wurde?“ sagte ich zu Michael. O-Ton: „Ja, dachte ich mir schon“ und lachte nur. Bergführer sind schon ein Völkchen für sich – natürlich positiv gemeint, sie haben einfach einen besonderen Humor.
Am oberen Guslarjoch auf ca. 3300m angekommen kam die Morgendämmerung so langsam hervor. Die umliegenden Gipfel waren schemenhaft zu erkennen.

Ab hier waren es noch 200 Höhenmeter und wir lagen super in der Zeit. Laut Michael wurde es jetzt noch steiler. Kam uns gar nicht so vor und so erreichten wir um 6:30 Uhr den Gipfel! Sonnenaufgang auf über 3500m in meiner zweiten Heimat – ein Traum wurde wahr!

Die Sonne kam langsam hervor und wanderte ins Tal. Trotz der Kälte genossen wir diese unvergesslichen Momente als erste an diesem Tag oben am Gipfel. Das Wetter war fantastisch und dementsprechend war die Fernsicht auch grandios. Michael meinte, dass diese zwischen 150 und 200km liegen müsste. Somit konnten wir die 4000er in der Schweiz, aber auch die Dolomiten erblicken. Darauf einen Gipfelschnaps!
Jeder schöne Moment geht einmal zu Ende und nach ca. 30 Minuten auf dem Gipfel machten wir uns wieder auf den Rückweg. Wie Bergsteiger Hans Kammerlander schon sagte „Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist – denn vorher gehörst du ihm.“ Zurück ging es nicht auf demselben Weg, sondern über den Grat auf der gegenüberliegenden Seite. Auch hier verwirrte uns Michael mit seinem trockenen Humor. Wir erkannten einfach keinen anderen Weg! Michael deutete dann in die entgegengesetzte Richtung und meinte „Na da geht’s lang“. Weit und breit kein Weg, einfach nichts zu erkennen – also für uns. Aber gut, wenn Michael das sagt, dann wird es schon stimmen. Und wir kletterten über den Grat wieder Richtung Gletscher. Links ging es nach unten…so ca. 200m und auf der rechten Seite sah es auch nicht besser aus. Aber wir kamen nach einigen Kletterpassagen wieder am Gletscher an. Gefühlt ging es anschließend querfeldein über den Gletscher.
Weiter unten, als der Adrenalinpegel sich etwas senkte, bekamen wir noch etwas Gletscherkunde von Michael. Was im Nachhinein gesehen auch wieder lustig war.

„Worin besteht der Unterschied zwischen den hellen Flächen und denen daneben?“
„Das weiße ist Altschnee und darunter ist eine Gletscherspalte. Quasi wie in Trichter aufgebaut. Man weiß aber nie, wie dick diese Schneefläche ist.“
„Ah! Und warum stehe ich gerade auf so einer Fläche?“
„Keine Angst, wenn sie nicht halten würde, hättest du es schon gemerkt.“

Und so ging es weiter über den Gletscher. Der flache Gletscher ist übrigens genauso gefährlich, wie ein steiler Abschnitt. Es ist sehr trügerisch anzunehmen, dass es dort sicherer sei. Wer ohne Seilschaft auf dem Gletscher unterwegs ist und ihm passiert etwas, kann sich nicht sicher sein, wieder lebend ins Tal zurückzukommen. Ich kann es nur wiederholen: Safety first!
Gegen 9 Uhr morgens kamen wir wieder am Ausgangsort, der Vernagthütte, an. Manche Besucher waren gerade am Aufbruch, wir hatten unsere Tour schon beendet. Nachdem wir bei einem Kaffee bzw. Cola von unserem Erlebnis berichteten, meinte Hüttenwirtin Angelika, dass wir ziemlich Glück gehabt hatten, denn solche Sonnenaufgänge gäbe es nur ca. 3-5x im Jahr. Selbst Michael, der im Sommer fast jeden Tag auf den Gipfeln unterwegs ist und wahrscheinlich schon alles gesehen hatte, musste diese Gunst nutzen und bei dem Wahnsinns-Licht Bilder machen.

Theoretisch hätten wir von der Vernagthütte den gleichen Weg nach Vent zurücklaufen können, den wir hoch gekommen sind. Praktisch sind wir allerdings einen „kleinen“ Abzweig zur Hütte „Hochjoch-Hospiz“ gegangen. Nachdem mein Cousin und ich die letzten Tage jeder schon mal einen Wunsch durchgesetzt hatten, fehlte noch die dritte im Bunde, meine kleine „Schwester“, die noch etwas Abwechslung wollte. Somit hat jeder von uns dreien seinen Willen erreicht. ;) Vom Hochjoch-Hospiz ging es nach einer weiteren kleinen Stärkung durch das Rofental wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt Vent. Abschließend noch ein paar Bilder von unserem Abstieg. Und selbstverständlich die Statistik:

Der Zufall wollte es, dass wir 150 Jahre nach der Erstbesteigung des Fluchtkogels von Franz Senn, Valentin Kaltdorff und Julius Scholz (mit den Führern Alois Ennemoser und Gabriel Spechtenhauser) auf dem Gipfel standen. Franz Senn war einer der Mitbegründer des Deutschen Alpenvereins. Welcher 2019 sein 150jähriges Bestehen feierte.
Ja, für mich war es definitiv das (Berg-) Highlight in diesem Jahr. Auf welchen Gipfel es mich in 2020 verschlägt, ist noch nicht beschlossen. Aber irgendeinen werden wir uns schon ausgucken.

Habt Ihr schon mal einen ähnlichen Gipfel bestiegen? Oder Fragen zu solchen Touren? Schreibt gern in den Kommentaren und/oder den bekannten Social Media Kanälen.

Genuss und Entschleunigung – das ist Juist (Teil 2)

20. Dezember 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , , ,

Juist steht nicht nur für Strandurlaub, Entschleunigung und Meer, sondern auch für Genuss. Was gutes Essen (und Trinken) angeht, wird hier, glaube ich, jeder fündig. Und das nicht nur mit leckerem, extrafrischen Fisch in allen Variationen.
Ich hatte ja bereits erwähnt, dass wir u.a. aufgrund der Genusstage auf Juist waren. Diese fanden bereits zum 2. Mal in Kooperation mit dem Slow Food Convivium Ostfriesland statt. Einige Restaurants der Insel nehmen daran Teil und bieten in diesem Zeitraum eine spezielle Speisekarte mit regionalen Gerichten an. Zusätzlich gibt es im Rahmen der Genusstage Vorträge und Infostände zum Thema. Wie Ihr wahrscheinlich mittlerweile wisst, bin ich ein Fan der Slow Food Bewegung und des regionalen Ernährungshandwerks. Qualität und Wertschätzung von Lebensmitteln gehören für mich beim Thema Genuss einfach dazu. Und das passt ideal zum Nachhaltigkeitskonzept der Insel.

Deshalb stand für uns ein Essen in der Hubertusklause auf der „to-do-Liste“. Das Restaurant gehört zum Nordseehotel Freese und ist Unterstützer von Slow Food Deutschland.

Natürlich gab es eines der speziellen Genusstage-Menüs im gemütlichen, rustikal eingerichteten Restaurant. Außerdem noch Live-Hintergrundmusik und meganette Bedienung, das konnte nur ein schöner Abend werden!

Aber auch am Folgeabend ging es mit einem Highlight weiter. Auf uns wartete ein Genusstage-Menü im „Danzer’s Feines Achter’n Diek“ im Hotel Achterdiek, ebenfalls Unterstützer der Slow Food-Bewegung. Hier gibt es „kreative Slow-Food Feinschmeckerküche“, wie der Chef des Hauses selbst zusammenfasst. Stephan Danzer, gemeinsam mit seiner Frau Gaby Eigentümer und außerdem Küchenmeister, kommt gebürtig aus dem unterfränkischen Haßfurt, das konnte ja nur gut werden!  Die Küche erhält regelmäßig Auszeichnungen, u.a.  vom Guide Michelin oder dem Feinschmecker. „Wo die Liebe den Tisch deckt, schmeckt das Essen am Besten“, dieses Motto der Familie Danzer fasst den Abend super zusammen. Toll zusammengestellte Gerichte, dazu leckere Weinempfehlungen und ein schönes Ambiente, was will man mehr?

Beide Restaurants kann ich Euch bei einem Besuch des Töwerlands wirklich nur ans Herz legen! Und die Genusstage finden auch 2020 wieder statt, nämlich am 4. und 5. September.

Für einen Kaffee, Kakao oder Ostfriesentee zwischendurch gibt es natürlich auch einige Möglichkeiten auf Juist. Was man sich nicht entgehen lassen darf, ist ein Besuch des Lütje Teehuus. Hier einen „Kaffee, wie Oma ihn trank“ (mit Sahne und Kaffeelikör) bestellen und genießen. Eine perfekte Anlaufstelle, um die Reserven aufzufüllen und Spezialitäten aus Oma Miele’s Küche zu probieren. Gerade bei Schmuddelwetter einfach nur traumhaft. Falls noch ein Plätzchen frei ist. Die Waffeln sind ebenfalls ein Gedicht, und wenn dann noch das Kaminfeuer flackert, gibt’s wahrscheinlich nichts Gemütlicheres.  

Gemütlich ist es aber auch im Meeresleuchten, einem kleinen Café und Weinbar, in dem fast alles hausgemacht wird. Jeden Tag mehrere Kuchen, Suppe oder Brot und Aufstriche. Ich hatte eine megaleckere heiße Schokolade, eher zum Löffeln als zum Trinken und wahrscheinlich Ersatz für MINDESTENS eine ganze Mahlzeit. Aber wir waren ja nicht zum Kalorienzählen auf Juist!

Falls zwischen dem kulinarischen Angebot noch etwas Platz ist, hat Juist auch einiges in Richtung Wellness zu bieten. Wer dem eigenen Körper etwas Gutes tun möchte, dem kann ich das Biohotel AnNatur empfehlen. Hier gab es eine richtig geniale Massage. Ich weiß, es hagelt heut quasi Empfehlungen, aber wenn es halt auch so gut war – kann ja ich nichts für. ;)
Im Biohotel soll man auch sehr gut vegetarisch essen können, aber leider hat das mit unserer Reservierung nicht geklappt, also müssen wir uns das für den nächsten Inselbesuch aufheben.

Am nächsten Tag schwangen wir uns auf die Räder, um weiter die Insel zu erkunden. Geplant war Richtung Westen, also Richtung Domäne Bill und Billriff, zu fahren. Es ging ziemlich gegen den Wind – wie soll es auch anders sein. Murphy’s Law. Wir fuhren vorbei am Hammersee und legten dort einen kurzen Stopp ein, aber es sollte ja noch weiter gehen. Der Hammersee, der größte Süßwassersee auf einer Nordseeinsel (der eigentlich durch eine Teilung der Insel nach einer Sturmflut entstanden ist, so ganz kurz gesagt), Salzwiesen, auf denen die Pferde zu finden sind oder die Dünenlandschaft – Juist ist einfach schön! Wir parkten unsere Räder und dann ging es zu Fuß weiter. Warm und windfest eingepackt zum Strand. Von der Domäne Bill aus kann man einmal um das Billriff wandern. Hier treffen sich Nordsee und Wattenmeer und wer Glück hat, kann sogar Seehunde entdecken.

Den Kopf frei pusten lassen, ist genau das Richtige. Nur wenige Leute waren unterwegs, herrlicher Sand,  schöner Wind = traumhaft! Auf Grund des Wasserstandes konnten bzw. durften wir nicht weiter auf die Bill laufen, wäre zwar theoretisch möglich gewesen, aber wir möchten ungern vom Wasser eingeschlossen werden. Wie auch in den Bergen gilt: Safety first!
Auf dem Rückweg wurde noch etwas Müll eingesammelt, super, dass es dafür extra Boxen gibt. Zurück an der Domäne Bill, einem ehemaligen Bauernhof,  stärkten wir uns nach unserem Spaziergang. Die Gaststube bietet alles, was man sich als Franke „im hohen Norden“ wünscht: Tee in allen erdenklichen Variationen, warme Suppe und der hausgemachte Rosinenstuten ist mittlerweile schon legendär. Gut, wer Rosinen mag… für mich dann doch lieber ein leckerer Milchreis!  

Gott sei Dank hatte sich der Wind nicht gedreht und somit ging es mit Rückenwind wieder zurück ins Dorf.
Das Wetter sollte am nächsten Tag leider schlechter werden und es war Sturm gemeldet. Auf der Insel nichts Außergewöhnliches, denn hier wird auch bei stürmischem Wetter fleißig geradelt. Obenrum mit Regenjacke, untenrum mit Regenhose und barfuß – die Jungs und Mädels sind abgehärtet. Uns hielt das Wetter auch nicht davon ab, den letzten Nachmittag zu nutzen und noch einmal am Strand zu spazieren. Eine kurze Trockenphase abgewartet, raus aus der Ferienwohnung, über die Düne und schon waren wir am Wasser. Mit dabei natürlich Regenjacke und -hose. Regen, Wind und (fast) keine Menschen, so etwas macht man einfach viel zu wenig.

Zu schnell war unser Besuch schon wieder vorbei. Und obwohl die Insel nicht riesig ist, gibt es noch einiges mehr zu entdecken, was wir beim ersten Besuch nicht geschafft haben bzw. uns für das nächste Mal aufheben. Vom Naturlehrpfad bis zum östlichen Teil der Insel oder bei schlechtem Wetter ein Besuch im Meerwasser-Erlebnisbad und abends mal ins kultige Inselkino gehen. Aber das größte Highlight ist einfach die Natur und die Ruhe zu genießen.
Für „Süßmäuler“ wie mich oder als Mitbringsel für die Daheimgebliebenen gibt es noch etwas Juister Nougatbruch vom „Süßen Günter“ bzw. seiner Tochter Ela,  ein perfekter Süßwarenladen, von dem man als Kind immer geträumt hat.

Die Rückfahrt mit der Fähre ging schneller als gedacht. Durch den Sturm und den auflandigen Wind war genug Wasser vorhanden und wir konnten etwas mehr „querfeldein“ fahren als auf dem Hinweg. Selbstverständlich mit ordentlichem Wellengang, damit der Spaß auch nicht zu kurz kam.
Juist hat schon etwas ganz Besonderes. Ob es die fehlenden Autos sind, die Pferde, die Fahrräder oder einfach nur die Gastfreundschaft der Einwohner – es gefiel uns und wir kommen definitiv wieder, nicht nur so daher gesagt! Wir sind verzaubert!

Ein dickes Dankeschön geht an das Team der Kurverwaltung Juist, die dieses Erlebnis überhaupt erst ermöglicht haben.

Städte & Kultur im Allgäu – (Teil 2)

16. Dezember 2019 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , , ,

Nachdem wir uns im Rahmen unserer „Städte und Kultur“- Tour im Allgäu schon die Gründungsstätte Kemptens angeschaut hatten, ging es für uns direkt in die Stadt hinein. Wir starteten quasi „oben“ um uns bis ganz nach „unten“ vorzuarbeiten. Als Stichpunkt ist hier die unterirdische Erasmuskapelle zu erwähnen. Um die Stadt kennenzulernen, bietet sich eine Stadtführung ideal an und kann ich Euch nur ans Herz legen. Dort erfährt man doch Geschichten und Insidertipps, die man sonst überhaupt nicht mitkriegen würde.

Unser Tag stand ganz im Zeichen von Genuss und Handwerk. Gerade für den Advent eine tolle Kombination. Es ging zunächst in die Backstube der zwei Schwestern Moni und Elisabeth, um gemeinsam nach alten Rezepten zu backen. Die beiden haben einfach Bock zu backen, das merkt man sofort. Zu Beginn zu Hause nach den Rezepten von Oma und irgendwann wurden daraus Backkurse jeglicher Art und auch ein Backbuch haben sie bereits herausgegeben.
Bei „Omas Schätzen“ bin ich natürlich sofort mit dabei. Es standen „Apfelstrudel mit Vanillesoße“, „Zwetschgendatschi“ und „Marmorguglhüpfe“ auf dem Programm, wann immer es geht, mit saisonalen und regionalen Zutaten. Die Gruppen waren schnell eingeteilt und zack, die Zeit verging wie im Flug. Ok, wir dachten nicht an den Rum für unsere Marmorguglhüpfe, aber sonst lief alles ziemlich reibungslos. Die Vanillesoße kam gegen Ende auch noch dran, also auch kein Problem mit dem Rum, den ich halt einfach dort verarbeitete. Und zwischendurch naschen nicht vergessen – oberste Backregel überhaupt!

Die zwei Schwestern sind genial – erklären alles und lassen auch genügend Freiraum, um kreativ zu sein. So war es ein äußerst gelungener und leckerer Nachmittag und ein wirklich spaßiger Backkurs.
Kulinarisch ging es weiter. Wobei wir nach dem süßen Nachmittag erstmal gesättigt waren. Das legte sich zum Glück, denn am Abend ging es für uns zum Markenbotschafter und Sterne-Koch Christian Henze. Bzw. in seinen historischen Gasthof zum „Goldenen Fässle“, das wohl älteste Weinlokal in Kempten. Der urige Gasthof lädt sehr zum Verweilen ein. Und zum Genießen des mega-leckeren Essens. Und man kann hier evtl. schon einmal versumpfen, wenn man möchte, so gemütlich ist es. Glaube so kann man es am besten beschreiben.

Christian ist Markenbotschafter für die Region Allgäu. Das passt auch super zusammen, denn die Region hat kulinarisch so einiges zu bieten. Wer denkt nicht z.B. an Kühe, Käse und/oder viele weitere leckere Produkte? Der Sternekoch verkörpert daher genau den Punkt „Genusshandwerk“. Frische, regionale und saisonale Gerichte stehen ganz oben auf seiner Liste. So wie es eigentlich auch sein sollte und noch dazu sind er und seine Mitarbeiter einfach tolle Gastgeber. So ging unser ereignisreicher Tag zu Ende.
Wir übernachteten im „Bayerischen Hof” in Kempten, der zu den Historic Hotels International gehört. Die Geschichte des Bayerischen Hofs reicht zurück bis ins 15. Jahrhundert, die Zimmer sind schön individuell eingerichtet und die Gaststuben echt urig. Außerdem liegt das Hotel idyllisch an der Iller und trotzdem nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt.

Handwerklich ging es auch am nächsten Tag weiter. Und zwar in Richtung Leutkirch. Genauer gesagt in das Glasmacherdorf Schmidsfelden. Quasi ein restauriertes Dorf mit Glashütte, Glasmuseum, Glasausstellungen, Werkstätten und vielem mehr. Historisch bedingt waren hier schon immer kleinere Glashütten ansässig und die alte Handwerkskunst hat sich wieder etabliert. Dort, genauer gesagt in der „Remise“, hatten wir eine Verabredung mit der Glasbläserin Gabriele Hummel und ihrem Mann.

Nach kurzer Einweisung bzw. über die Schultern schauen durften wir selbst ans Werk. Zum einen konnten wir Glasperlen selbst herstellen und durften uns später auch noch ans Glasblasen wagen. Persönlich hatte ich noch nie mit Glas gearbeitet und war somit auch sehr gespannt. Von der Temperatur des Brenners bis hin zur Koordination – „…als wenn du trommeln würdest“ – gab es einiges zu beachten. Noch dazu unterschiedliche Rohgläser und differenzierte Bewegungen im zähfliesenden Glas, gar nicht so einfach!

Mit dem nötigen Feingefühl klappte es und gefühlt ist auch ein schickes Schmuckstück entstanden. Auf Dauer könnte ich das allerdings nicht machen. Dafür fehlt mir einfach der Fisselfaktor bzw. ist mir das Arbeiten mit Glas dann doch zu filigran. Aber es war super spannend, einmal hinter die Kulissen zu schauen. Noch dazu gibt es unzählige Möglichkeiten etwas aus Glas zu formen. Weiterer Pluspunkt: Es wird nicht kalt. ;) Nein, ernsthaft… auch hier verging die Zeit viel zu schnell und ich hätte gerne noch mehr Dinge ausprobiert. Alleine mit den verschiedenen Gläsern, den unterschiedlichen Techniken oder einfach nur das persönliche Gefühl zu verbessern. Ein super spannendes Handwerk!

Schmidsfelden ist neben dem Glaserlebnis übrigens auch Ausgangspunkt für Wanderungen auf dem Glasmacherweg,  was – wie ich finde – ebenfalls sehr interessant klingt und vielleicht irgendwann einmal ausprobiert wird. Wir kehrten zum Abschluss im „Hirsch“ ein, einem Allgäuer Dorfgasthof wie aus dem Bilderbuch, und ließen uns dort die regionale Küche schmecken.

Wer im Advent (aber natürlich nicht nur jetzt) noch etwas Ruhe und Muße benötigt und vielleicht das ein oder andere handwerklich hergestellte Geschenk sucht oder sogar selber machen möchte, für den passt ein Besuch im Allgäu perfekt. Oder sich selbst eine Auszeit gönnen und einmal einen Hutmacher-/Back- oder Glasbläser-Workshop besuchen, auch das kann ich jedem nur empfehlen.
Wie ihr seht, hat das Allgäu viel mehr zu bieten als herrliche Landschaften. Also nicht falsch verstehen, persönlich mag ich schöne Landschaften auch sehr. Aber warum nicht einfach beides kombinieren?

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team der Allgäu GmbH, die diese Erlebnisse überhaupt erst ermöglicht haben.

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