Der „Follow-Me-Roboter“ GITA von Piaggio Fast Forward

20. November 2020 | Ein Kommentar | Schlagwörter: , ,

Roboter gehören mittlerweile immer häufiger zu unserem Leben dazu. Entweder im privaten Haushalt, wie z. B. mit den beliebten Staubsaugerrobotern, oder in der Industrie, wo sie ja schon seit langem im Einsatz sind. So wurde ich bereits vor über 25 Jahren an Industrieroboter herangeführt, als ich bei einem Automobilzulieferer tätig war. Dort schweißten Roboter die Rahmen für verschiedene Fahrzeuge zusammen und diese Schweißnähte mussten im Anschluss auf verschiedene Kriterien (wie z.B. Lufteinschlüsse) geprüft werden. Vermutlich war dies mein erster bewusster Kontakt zu Robotern. Heute gibt es immer mehr Anwendungen, die von Robotern übernommen werden können. Gut, in unserem Haus (5 Stockwerke) macht so ein Reinigungsroboter aktuell weniger Sinn. Treppensteigen gehört (noch) nicht zu den Kernkompetenzen eines Staubsaugerroboters. Wird aber sicherlich auch zukünftig ausgebaut werden.

Eine andere mögliche Art der Roboter-Anwendung bietet der von Piaggio Fast Forward entwickelte „GITA“, ein „Follow-Me-Transportroboter“. Dieser kann zum Beispiel kleine Einkäufe transportieren. Konkret stelle ich mir vor, wie genial ein GITA im persönlichen Einsatz wäre: Lästiges Schleppen der samstäglichen (coronabedingt aktuell nun freitags) Markteinkäufe entfällt, „GITA“ rollt einfach nebenher und übernimmt das. Alternativ könnte man z.B. Sportsachen verstauen oder die Weihnachtspäckchen auf dem Weg zur Post. Neben dem Einsatz Outdoor kann der Transportroboter natürlich auch Inhouse genutzt werden. Und könnte z.B. zukünftig eine Erleichterung für Senioren darstellen – die Möglichkeiten lassen sich sicherlich vielfältig ausbauen. Aktuell wird der kleine Helfer mit verschiedenen Partnern aus Tourismus, Einzelhandel und Gastronomie weiter erprobt. Und obwohl GITA momentan (leider) erst in den USA erhältlich ist, bin ich jetzt schon begeistert.
Warum startete der Vertrieb in der USA? Ganz einfach – dort ist der Einsatz von Robotern im öffentlichen Verkehrsraum bereits geregelt, bei uns in Europa bisher noch nicht.

In die ersten Pilotprogramme, die jetzt gestartet wurden, sind verschiedene Partner involviert. Zum Beispiel setzt der internationale Flughafen von Cincinnati „GITA“ ein, um Reisenden einen kontaktlosen, digitalen Concierge-Service zu bieten. Außerdem wird Gita bei anderen Prozessabläufen, wie beim Gepäck- und Frachtguttransport, ausprobiert. Oder „Delivery Co-op“, ein Unternehmen mit Sitz in Kentucky, welches sich auf die lokale Auslieferung von Lebensmitteln spezialisiert hat. Hier übernimmt Gita kontaktlose und damit gesundheitlich unbedenkliche Lieferungen im Nahbereich.

Die technischen Details: Mit einer Batteriekapazität für eine Nutzungsdauer von vier Stunden folgt Gita seinem Nutzer mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 10 km/h automatisch. Insgesamt hat der kleine Roboter eine Nutzlast von 20 kg, er selbst wiegt ca. 22kg. GITA ist mit einem Lithium-Ionen-Akku ausgestattet, der in unter 2 Stunden aufgeladen ist. Bluetooth und Wi-Fi sind auch kein Thema und wurden in der aktuellen Version verbaut. Der Preis liegt aktuell in den USA bei 3.250 Dollar (Umgerechnet ca. 2.740 Euro).

Kleinere Bordsteine sollen kein Hindernis darstellen. Da stellt sich die Frage, wie GITA auf verschiedene Untergründe, wie z.B. Pflastersteinen und/oder geschotterten Wegen reagiert. Sicherlich ist dies erst der Anfang der Entwicklung. Eine weitere Idee wäre, auf dem Deckel einen Photovoltaikkollektor zu installieren, um die Reichweite etwas zu steigern. Ob dies technisch umsetzbar ist, kann ich persönlich natürlich nicht beurteilen.
Auf jeden Fall eine Innovation, die den Alltag etwas einfacher machen könnte und evtl. auch dazu motivieren kann, häufiger kleinere Wege zu Fuß zu erledigen.

Bilder von Piaggio Fast Forward

Die Extratour Guckaisee in der Rhön – Wandern in der Region

17. November 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Wenn die Alpen zu weit weg sind für einen Tagesausflug, dann hilft nur, schöne Wanderungen in der Heimat zu unternehmen und die nahe bzw. nähere Umgebung (noch) besser zu erkunden. Nicht weit von Schweinfurt gibt es ein paar Mittelgebirge, welche perfekt zum Wandern einladen. Der Spessart und die Rhön sind den meisten von Euch wahrscheinlich ein Begriff, der Steigerwald und die Haßberge wohl eher noch Geheimtipps. Allesamt herrlich geeignet für Outdoor-Unternehmungen. Dabei die richtige Tour zu finden, ist nicht immer einfach. Für mich persönlich ist die Tagesform ausschlaggebend. Diese entscheidet in den meisten Fällen recht kurzfristig über die tatsächliche Route. Wie lang soll es sein? Eher eine Runde durch Wald, Wiesen oder in die Weinberge? Wie lautet die Wettervorhersage? Deshalb suche ich mir bereits im Vorfeld unterschiedliche Routen raus und passe diese gegebenenfalls an. Dabei greife ich zum einen auf die verschiedenen Outdoor-Tracking-Apps (wie Komoot, Outdooractive etc.) zurück, aber auch auf Offline-Karten/Infos von den verschiedenen Tourismusgebieten. In meinen Augen könnten die unterschiedlichen Apps in Sachen Benutzerfreundlichkeit ja verbessert werden, aber das ist ein anderes Thema.

Wir sind oft spontan, was bei einer Wanderung von Vorteil ist. Wie auch letztens, als wir uns für eine längere Tour entschieden. Wetterbedingungen und örtliche Begebenheiten wurden abgeschätzt und schon stand die Planung für die „Extratour Guckaisee“ in der Rhön.
Man muss wissen, dass wir bereits ein paar „Extratouren“ in der Rhön gemacht haben, die uns alle richtig gut gefallen haben. Die Tour zum Guckaisee hatten wir aber bisher immer etwas hintenangestellt. Warum? Die Tour startet entweder an der Wasserkuppe oder führt (je nach Einstieg) zumindest an der Wasserkuppe vorbei. Jetzt könnte man meinen „ja und?“. Zum Hintergrund: Die Wasserkuppe ist der höchste Berg der Rhön (und in Hessen), bietet zahlreiche Attraktionen (Sommerrodelbahn, Klettergarten usw.) und ist als „Berg der Flieger“ bekannt. Entsprechend viel los ist hier meistens, so auch auf den umgebenden Wanderwegen. Auch die insgesamt ca. 7 Großparkplätze deuten auf regen Betrieb hin. Was wir ja grundsätzlich eher meiden (nicht erst seit Corona).
An einem der letzten Samstage entschieden wir uns dann aber für diese Tour unter der Annahme, dass Ende Oktober weniger los sein wird als im Sommer, außerdem sind samstags ein paar weniger Leute unterwegs als sonntags usw. Die vorherigen Tage waren typisch für die Jahreszeit: Immer wieder abwechselnd Regen, trüb und nass-kalt. Dies sollte sich am besagten Tag ändern. Der Wetterbericht sprach von Sonne und noch einmal bis zu 20 Grad. Top! Perfekt also für eine Herbstwanderung.

Der Rucksack war selbstverständlich mit allen nötigen Dingen gepackt und los ging es. Wir wählten als Startpunkt die Wasserkuppe und wollten erst Richtung Guckaisee laufen, um dann ca. 20km später wieder am Ausgangspunkt anzukommen. So ähnlich, wie es im Rhönführer beschrieben ist. Die Extratouren lassen sich übrigens immer gut in beide Richtungen laufen.
Früh morgens sah es in der Rhön wettertechnisch noch etwas anders aus als gemeldet. Nebel soweit das Auge reichte. Also so richtiger Nebel. Mit Sichtweite unter 50m und die Temperatur auch noch nicht sonderlich hoch. Vorteil daran: tatsächlich sehr wenig Menschen unterwegs! Auto abgestellt, Schnürsenkel nochmals nachgezogen und los ging es. Den richtigen Einstieg zu finden, ist auf Grund des großen Geländes an der Wasserkuppe etwas kniffelig. Wir gingen ca. 1km erst einmal in die falsche Richtung. Aber sobald man das „G“ auf weißem Grund entdeckt hat, wird es eindeutig.

Vermutlich hat man von der Wasserkuppe eine sehr gute Aussicht. Uns blieb diese allerdings aus besagten Gründen verwehrt. Unser Weg führte uns vom Hochplateau vorbei am Fliegerdenkmal und der ehemaligen Radarstation. Beides nur schemenhaft zu erkennen. Hauptsache die Richtung stimmte und schön mystisch war es ja ohnehin. Noch recht gemächlich führte uns der Pfad vorbei an einer Herde Ziegen zum Pferdskopf mit (vermutlich) ebenfalls schönem Blick auf die umliegende Gegend. Geologisch gesehen wanderten wir auf einem Vulkan. Genauer gesagt handelt es sich beim Pferdskopf um eine „Staukuppe“, wir bewegten uns also mitten im Krater umher. Gut, schon vor sehr langer Zeit erloschen, aber dennoch ein Vulkan. Etwas unterhalb befindet sich das zugehörige Gipfelkreuz. Der Weg führt an dieser Stelle (von der Wasserkuppe kommend) links weiter. Allerdings befindet sich geradeaus noch ein schöner Ausblick („Klippe vor dem Pferdskopf“ genannt), die wir uns natürlich nicht entgehen ließen.

Danach also links den schmalen Weg entlang Richtung Wald. Der Weg war bedeckt von Blättern und aufgrund des Regens in den Tagen vorher ziemlich matschig. Unter den Blättern lagen wiederum kleine und größere Basaltsteine. An dieser Stelle war es auch etwas steiler, so dass man ein bisschen aufpassen musste. Aber wie ich immer sage: Auf gute Wanderschuhe kommt es an! Nach kurzem Stück erreichten wir den „Goldborn“. Eine Quelle, aus der aber leider kein Gold sprudelte. Als alter Spessarter weiß man natürlich, dass „Born“ eine Bezeichnung für eine Quelle und/oder Brunnen ist. Ab diesem Zeitpunkt ging es (vorerst) nur noch bergab. Immer weiter durch den schönen Herbstwald. Auch ein Reh zeigte sich – zumindest kurz, um dann wieder in den Tiefen des Waldes zu verschwinden. Nach weiteren ca. 1,5 Kilometern erscheint schließlich der Namensgeber der Runde, der Guckaisee. Eigentlich sind es zwei Seen. Ein Badesee und daneben (oberhalb) der Angelsee. Im Sommer sicherlich ein schöner Ausflugssee, als wir vorbeikamen, wurde der vordere See gerade abgelassen. Am Guckaisee treffen sich verschiedene Rhön-Wanderwege und hier befindet sich auch ein Wanderparkplatz, den man als alternativen Einstieg in die Extratour nutzen kann. Kurz nach dem See führte uns der Weg wieder nach oben, teilweise am Waldrand entlang, teilweise durch den Wald hindurch. Vorbei an Kühen und Pistenraupen (!) ging es Richtung Obernhausen, ein kleines Dorf mit etwas mehr als 90 Einwohnern. Diese waren am Samstag entweder zu Hause tätig oder saßen auf den Liftstützen, um diesen für die kommende Saison vorzubereiten. Evtl. sitzen manche vielleicht auch noch heute da oben?! ;) Übrigens hat man auch in Obernhausen die Möglichkeit, in die Extratour Guckaisee einzusteigen. Gleichzeitig erreichten wir hier den niedrigsten Punkt der gesamten Strecke. Ab jetzt hieß es wieder bergauf wandern.

Nach etwa der Hälfte der Strecke erreichten wir den Feldberg. Angeblich hat man von dort aus einen wunderbaren Blick Richtung Gersfeld. Wir sahen zwar die Stadt, aber es war weiterhin trüb und herbstlich grau. Immer noch eine mystische Stimmung, die man auch nicht alle Tage erlebt.
Weiter im Text, bzw. weiter ging es zurück in den Wald. Auch hier gab es vulkanische Ausläufer zu sehen. Und typisch für die Region: Basaltsteine bzw. auch Steinhaufen säumten den Weg. Diese waren sehr häufig von Moos bedeckt und sahen ziemlich gut aus. Nach ca. 16km und einer kleinen Steigung erreichten wir die Quelle der Fulda. Für die Hessen unter uns muss dies ein richtiges Highlight sein. Wobei man bereits vorher an der Fulda entlang läuft. Nämlich genau an dieser besagten Steigung durch den Nadelwald. Nach der Quelle sind wir schon fast auf der Zielgeraden zurück zur Wasserkuppe. Ein Wald-/Wiesenweg führt uns weiter nach oben, an einen weiteren Aussichtspunkt bzw. an eine Abzweigung. Hier könnte man theoretisch abkürzen und dem Weg direkt Richtung Wasserkuppe folgen, ODER man nimmt den Rundweg zum Schafstein, was auch der offiziellen Extratour-Route entspricht. Unbedingt zu empfehlen, denn das ist ein Highlight der Wanderung! Dieser kurze Rundweg liegt in der Kernzone des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. D.h. hier wird irgendwann auch wieder ein Urwald entstehen. Was gleichzeitig für uns Besucher bedeutet: Wir sind der Natur nur untergeordnet. Konkret heißt es, die Wege nicht verlassen, Hunde an die Leine, keinen Müll hinterlassen, möglichst leise sein und die Pflanzen stehen lassen bzw. Tiere nicht stören. Also eigentlich alles, was eh schon selbstverständlich sein sollte. Passend zu dem schönen Fleckchen Erde kam nun auch die Sonne heraus. Ich meine, Wald und Natur an sich ist schon sehr schön und ich bin gerne draußen, aber wenn die Strecke zudem noch durch eine ganz besondere Landschaft führt, muss ich schon etwas grinsen. Zumindest innerlich. Ihr wisst ja, der Franke an sich zeigt seine Gefühle nur spärlich.
Über den Schafstein führt ein kleiner Rundweg mit wunderbaren Aussichtspunkten, einer Stempelstelle und verschiedenen Besonderheiten. Zum einen ein sogenannter „fossiler Blockgletscher“. Dabei handelt es sich um Basaltgestein, welches zu Blöcken zerfallen ist und eine Dicke zwischen 25 und 40 Metern aufweisen kann. Früher (in einer Kaltzeit) waren die Zwischenräume der Blöcke vereist und somit bewegte sich die gesamte Struktur ähnlich eines heutigen Gletschers talabwärts. Mittlerweile sind die Blockzwischenräume mit Erde, Blättern und kleinen Steinchen verfüllt.

Mit etwas Glück findet man sogar wieder einen seltenen „ästigen Stachelbart“. Die 2-3 zusätzlichen Kilometer lohnen sich also wirklich. Auf den letzten Metern zurück zum Ausgangspunkt kam uns dann noch eine Familie entgegen, die sich nach dem Weg erkundigte. Soweit nichts Besonderes. Es war allerdings bereits ca. 16 Uhr und sie wollten noch einen Umweg zu ihrem 10km entfernten Ziel machen. Natürlich hatten sie nur die Handytaschenlampe dabei, mehr aber auch nicht. Auch im Mittelgebirge bitte daran denken, dass es in dieser Jahreszeit schon recht früh dunkel wird! Als kleiner Tipp: Frühzeitig mit der Wanderung starten, bei längeren Touren IMMER eine Taschenlampe (Smartphone zählt nicht dazu) oder Stirnlampe dabeihaben und die Route VORHER planen. Es kann eigentlich so einfach sein. Ich hoffe, dass sie es trotzdem noch rechtzeitig zu ihrem Ziel geschafft haben.

Laut Koomot waren wir 21,1km unterwegs, bei einer Höhendifferenz von 610m. Die reine Gehzeit betrug 4:42h. Meine Suunto Uhr, die vermutlich etwas genauer ist, sprach von 22,78km und einer Höhendifferenz von 685m. Aber egal ob ein paar Meter mehr oder weniger, es war so oder so eine sehr schöne Tour!

P.S.: Bei den „Extratouren“ handelt es sich um vom Wanderinstitut (ja, das gibt es wirklich) zertifizierte Rundtouren. Davon gibt es in der Rhön um die 30 und es kommen immer wieder neue Wanderwege hinzu, so erst in diesem Jahr mit der Extratour „Waldfenster“, die natürlich auch noch auf unserer „to-hike“-Liste steht.

Der Orient-Express auf (kulinarischen) Reisen – das Secrets des Grands Express

11. November 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Auch wenn das Thema Reisen aktuell in den Hintergrund getreten ist, heißt das nicht, dass man nicht Pläne machen und von nahen oder fernen Zielen träumen kann! Was wir also derweil machen können, ist die persönliche Reise-Bucket-Liste erweitern. An die Ungeduldigen unter uns: Ihr habt noch genügend Zeit, um die schönen Orte der Welt zu entdecken!
Auf meiner „To-Visit“-Liste stehen bereits einige Orte und es kommen immer wieder neue hinzu. Gedanklich musste ich schon anfangen, die Rückseite zu beschriften – und das trotz meiner kleinen (manchmal auch unleserlichen) Schrift! ;) Neu dazugekommen ist bei mir ein Besuch im Restaurant „Secrets des Grands Express“ im Elsass.
Warum ausgerechnet dieses Restaurant? Auf meinen verschiedenen Trips durch Deutschland/Europa bin ich immer sehr gerne mit der Bahn unterwegs. Solange man nicht unbedingt täglich pendeln muss, ist eine Reise per Zug für mich immer eine entspannte Möglichkeit, ans Ziel zu kommen. Neben den gängigen Vorteilen gilt für mich auch die Devise „der Weg ist das Ziel“. Gerade bei anstrengenden Reisen genieße ich den Vorteil einer längeren (Rück-)Bahnreise. Kopfhörer rein, Musik an, evtl. die Augen ausruhen und die Eindrücke verarbeiten. Zudem finde ich (für mich) neue Strecken auch immer wieder sehr schön und reizvoll. Gerne erinnere ich mich zum Beispiel an meine erste Zugfahrt nach Milano. Meine Verbindung führte über den Brenner und es lag Schnee neben der Strecke bei herrlichem Winterwetter – einfach nur toll.

Einer der schönsten und legendärsten Züge war und ist mit Sicherheit der Orient-Express. Ein Traum für jeden Bahnliebhaber! Dieser ist heute noch auf der ursprünglichen Strecke zwischen Paris und Istanbul (damals noch Konstantinopel) unterwegs. Allerdings nur einmal pro Jahr. Wer dies erleben möchte, muss tief(er) in die Tasche greifen und weit im Voraus reservieren. Ursprünglich war er ein Luxuszug, der „nur“ aus Schlaf- und Speisewagen zusammengesetzt war. Erst im Laufe der Zeit gewann der Orient-Express an Bedeutung. So dass sich bekanntermaßen auch Agatha Christie in ihrem Buch „Mord im Orient-Express“ mit dem Zug beschäftigte.

Das Restaurant „Secrets des Grands Express” greift das Thema auf und versetzt die Gäste zurück in die legendäre Zeit des Orient-Expresses. Die Speisen und Getränke werden im Original-Restaurantwagen Nr. 3349 des Zuges serviert. Persönlich finde ich es immer genial, in solch geschichtsträchtigem Ambiente Zeit zu verbringen. Was wurde wohl diesem Wagen damals serviert? Über was unterhielten sich die Gäste? Was ging in den Köpfen vor, als sie das erste Mal in den Zug stiegen? Fragen über Fragen und manchmal wünsche ich mir, dass Gegenstände Antworten auf die Fragen geben könnten. Vermutlich gäbe es einiges zu erzählen!

Im Speisewagen aus dem Jahre 1928 tauchen die Gäste in genau die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg und genießen in historischem Ambiente einzigartige kulinarische Überraschungen. Die Einrichtung aus Holz und Intarsien (als Holzwurm liebe ich Intarsien!), die Spitzenvorhänge, die Reproduktionen damaliger Zeitungen und die Bänke aus rotem Leder versetzen die Gäste in ein außergewöhnliches Abenteuer und dadurch wandert man quasi in die Geschichte zurück. Die Gerichte auf der Speisekarte sollen der damaligen Route folgen. Also von Straßburg nach Mailand und Venedig – so geht der Gaumen mit auf Reisen. Sein „Reise-Menü“ kann der Gast selbst zusammenstellen, wobei er die Wahl hat zwischen vier Vorspeisen, vier Hauptgerichten und vier Desserts. Die Gänge selbst variieren je nach Jahreszeit und werden von Küchenchefin Samuela Bramante mit Qualitätsprodukten zubereitet. Sie verfeinert europäische Küche mit mediterranen und orientalischen Noten, was wahrscheinlich ideal zur Reise im Orient-Express passt.

Apropos Elsass – in dieser Ecke war ich tatsächlich noch nie. Weder in Straßburg noch in Mülhausen oder sonst in der Gegend. Auch das ist ein Grund, endlich mal über einen Besuch in dieser schönen Gegend (natürlich nach Corona) nachzudenken.

Direkt in der Nachbarschaft des Restaurants „Secrets des Grands Express“ in Geispolsheim (ganz in der Nähe von Straßburg) gibt es zudem das Schokoladenmuseum „Les Secrets du Chocolat“ zu entdecken. Als Schokoladenliebhaber natürlich ein Muss! Dort findet man das Know-how des benachbarten Chocolatier Schaal – also nicht das Know-how selbst, sondern das Ergebnis – leckere Schokolade und noch viel mehr. Wir alle wissen, handelt es sich bei Schokolade um ein Genussmittel erster Güte. Und wenn man schon einmal vor Ort ist, darf man sich den Genuss nicht entgehen lassen! Normalerweise werden vor Ort auch Workshops angeboten, aktuell kann sich das Coronabedingt jedoch spontan ändern.

So, Ihr entschuldigt bitte – meine Bucket-List muss weiter gefüllt werden!

Bilder sind alle von Secrets du Chocolat

Skifahren in Zeiten von Corona?

30. Oktober 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , ,

Corona – das Thema bestimmt dieses Jahr wie kein anderes. Verständlich, dass es die Nerven anspannt und manch einer gar nicht mehr darüber sprechen möchte. Leider ist das, was WIR wollen, dem Virus völlig egal. Und zudem ist diese Pandemie für fast alle die erste in ihrem Leben und somit für jeden von uns eine Herausforderung. Ob die daraus resultierenden Entscheidungen immer die zu 100% richtigen sind, kann leider niemand voraussagen. Persönlich vertraue ich da vor allem auf die medizinischen Experten und auf meinen gesunden Menschenverstand. Dieser sagt: Menschenansammlungen meiden, wo es nur geht – das übrigens nicht erst seit Corona. ;)

Wie kann unter diesen Gegebenheiten Wintersport funktionieren? Diese Frage stellt sich gerade jetzt kurz vor der beginnenden Wintersaison, aber auch kurz vor den nächsten Verschärfungen.
Natürlich ist es immer eine schmale Gradwanderung zwischen: „Wir wollen das Leben trotzdem genießen!“ (selbstverständlich unter Beachtung der gängigen Maßnahmen bzw. Einschränkungen). Und auf der anderen Seite den Überlegungen, ob Urlaub bei den aktuell rasant steigenden Zahlen überhaupt sein muss. Das muss natürlich im Prinzip jeder für sich selbst abwägen, also sofern Urlaubsreisen überhaupt möglich sind, die Hotels geöffnet haben, etc. pp.
Hoffen wir mal ganz optimistisch, dass sich die Lage die nächste Zeit etwas entspannt, das Gesundheitssystem nicht zu sehr überlastet wird und langfristige, gute Konzepte für alle Bereiche auf den Weg gebracht werden. Dann könnte ich mir „Wintersport light“ evtl. schon vorstellen. Zum Beispiel mit Übernachtungen in Ferienwohnungen oder Pensionen und Hotels, die ja meist sehr gute Hygienekonzepte erarbeitet haben. Und dann vielleicht ein Fokus auf Winterwanderungen, Skitouren oder Langlauf?

Aber wie sieht es mit Skifahren aus? In den letzten Tagen habe ich mir einmal verschiedene Skigebiete angeschaut. Genauer gesagt deren Vorkehrungen und Planungen, um Skifahren auch zu Zeiten von Corona möglich zu machen.

Die Schweiz:

Der Verband der Seilbahnen Schweiz hatte bereits im Mai 2020 ein Schutzkonzept erstellt, welches nun um einige winterspezifische Punkte ergänzt wurde. Dies dient als Richtschnur für die jeweiligen Seilbahnen vor Ort, die wiederum immer in engem Kontakt mit den örtlichen Behörden stehen.

  • In geschlossenen Seilbahnkabinen ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) Pflicht.
  • Für Skilifte (z.B. Schlepplifte) und Sesselbahnen besteht (aktuell noch) keine Mund-Nasen-Schutz Pflicht.
  • Halsschläuche sind grundsätzlich als alternativer MNS erlaubt.
  • Eine Begrenzung der Kapazitäten von Seilbahnen ist (aktuell noch) nicht vorgesehen.
  • Online-Ticketkauf wird empfohlen.
  • Im Anstehbereich nach dem Drehkreuz (bis zum Einstieg) ist das Tragen eines MNS empfohlen – KEINE Pflicht.
  • In den Gebäuden selbst sollen die Gäste so gelenkt werden, dass Ballungen vermieden werden.
  • Bei Regelverstößen kann das jeweilige Ticket seine Gültigkeit verlieren.
  • Geltende Abstandsregelung von mindestens 1,5m (2m Aufkleber sind keine Seltenheit).

Einige Hersteller von Halsschläuchen fertigen diese übrigens bereits mit einem extra Gewebe, welches zusätzlichen Schutz bieten soll. Des Weiteren wurde ein neues Label bzw. eine neue Kampagne „Clean & Safe“ entwickelt, um zu verdeutlichen, dass das Unternehmen den Schutz der Gäste und Mitarbeitenden besonders ernst nimmt.

Quellen Schweiz:
https://www.seilbahnen.org/de/Service/Corona-Virus
https://www.myswitzerland.com/de-ch/planung/ueber-die-schweiz/clean-safe/

Österreich:

Werfen wir einen Blick nach Österreich. Die politischen Geschehnisse rund um Ischgl lassen wir jetzt einmal außen vor. Wir schauen auf den aktuellen Stand bzw. die aktuellen Schutzmaßnahmen (hier aufgeführt aus Sölden):

  • In geschlossenen Seilbahnkabinen ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) Pflicht.
  • Auch für Skilifte (z.B. Schlepplifte) und Sesselbahnen besteht die Pflicht des Tragens von Mund-Nasen-Schutz.
  • Halsschläuche sind grundsätzlich als MNS-Alternative erlaubt.
  • Auch im Zugangs-/Anstehbereich der Lifte besteht MNS-Pflicht.
  • Eine Begrenzung der Kapazitäten von Seilbahnen ist auch in Österreich (aktuell) nicht vorgesehen
  • Online-Ticketkauf wird empfohlen.
  • Auch in den Restaurants und in den Skibussen besteht MNS-Pflicht.
  • Die geltende Abstandsregelung betragen mindestens 1 Meter.

Eine einheitliche Regelung für die Skigebiete gibt es nicht und politisch gesehen kann in Österreich auch jedes Bundesland seine eigenen Regelungen treffen. Ähnlich wie in Deutschland. Allerdings haben sich jetzt insgesamt 11 Ferienregionen aus Tirol und Salzburg zusammengetan und ein gemeinsames Konzept entwickelt.
Zum Saisonbeginn starten sie u.a. mit einem „Digitalen Corona Gästebuch“. Egal ob in der Berggaststätte, im Sportgeschäft, in der Skischule oder im Supermarkt: Urlauber scannen am Eingang den angebrachten QR-Code, bekommen dann eine Nachricht aufs Handy, die sie durch antippen bestätigen, und schon sind sie mit Mobilfunknummer, (Nick-)Name und Uhrzeit registriert. Geräte vor Ort ermöglichen zudem auch eine Registrierung – es könnte ja durchaus sein, dass jemand ohne Smartphone unterwegs ist. Also vielleicht…eventuell. ;) Nach 28 Tagen werden die Daten automatisch gelöscht und vorher sowieso nur im Notfall an die Gesundheitsbehörden zur Kontaktverfolgung weitergeleitet. Hierbei mit von der Partie sind die Regionen: Ferienregionen Alpbachtal, Wildschönau, Hohe Salve, Brixental, Kitzbühel, St. Johann in Tirol, Pillerseetal, Wilder Kaiser und Kufsteinerland, im Salzburger Land sind es Saalbach Hinterglemm und Saalfelden-Leogang.

Quelle Österreich:
https://www.soelden.com/de/winter/covid-19-schutzmassnahmen.html
https://www.tirol.at/informationen-coronavirus

Italien/Südtirol:

Auch in Italien gibt es keine einheitliche Regelung, da die Autonomen Provinzen – also die Landesbehörden – zuständig sind. Hier die Vorgaben für den Seilbahnbetrieb in Südtirol:  

  • Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) ist Pflicht auch unter freiem Himmel.
  • Auch in den Restaurants und in den Skibussen besteht MNS-Pflicht.
  • Bei Sesselliften mit Hauben bleiben die Hauben geöffnet.
  • Fahrgästen mit einer Körpertemperatur von über 37,5° wird kein Zutritt zu den Aufstiegsanlagen gewährt.
  • Online-Ticketkauf wird empfohlen.
  • Mindestabstand zwischen einem und zwei Metern (je nach Provinz).
  • (teilweise) gibt es Reservierungssysteme in den Skihütten.

Je mehr man sich an der frischen Luft aufhält, desto besser ist es natürlich. Im Eggental fahren z. B. überwiegend Sessellifte, die dann ihre Hauben geöffnet lassen müssen. Bzw. die Aufstiegsanlagen (wie Gondeln) haben kurze Fahrzeiten. Zudem werden alle Aufstiegsanlagen regelmäßig desinfiziert. Auf den Hütten wird das Konzept so angepasst, dass nicht alle gleichzeitig ankommen und sich der Betrieb so etwas verteilt.

Quellen Italien:
https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/italiensicherheit/211322
https://www.suedtirol.info/de/informationen/coronavirus/sicherheitsmassnahmen
https://eggental.com/de/Urlaub-planen/Sicherer-Urlaub-im-Eggental

Deutschland:

Und wie sieht es bei uns in Deutschland aus? Gerade 2020 denken ja viele über „Urlaub daheim“ nach, einen Wochenendtrip in den Schnee oder (wenn man aus dem Süden kommt) evtl. einfach mal einen Tag Ski fahren, sofern es denn genug Schnee gibt. Bei uns gelten die ohnehin bekannten AHA-Regeln natürlich auch im Umfeld des Skifahrens. In den Kabinen herrscht ebenfalls MNS-Pflicht. Obwohl nach behördlichen Vorgaben die Aufstiegsanlagen zu 100% ausgelastet werden dürften, begrenzen z.B. viele Skigebiete von sich aus die Beförderungskapazitäten auf weniger, wie beispielsweise in der Oberstdorfer Region, wo eine maximale Auslastung von 80% vorgesehen ist.

Quellen Deutschland:
https://www.ok-bergbahnen.com/sorgsam-sicher-sanft/

Après-Ski wird es in dieser Wintersaison in keinem Land geben. Zumindest ist aktuell nichts in diese Richtung geplant und allein mit gesundem Menschenverstand auch nicht vorstellbar. Mich persönlich stört das nicht, da ich noch nie der große Après-Ski Fan war und lieber auf der Piste zu finden bin. Anyway, zwischendurch dachte ich mir „Skifahren in dieser Saison kannste einfach vergessen!“ Doch mittlerweile könnte ich mir schon vorstellen, dass es möglich ist. Gute Konzepte sind vorhanden, welche bestimmt noch weiter ausgefeilt werden. Die Betreiber wollen sich mit Sicherheit nicht ins eigene Fleisch schneiden und freuen sich auf Gäste.
Nun hängt es an uns selbst, die Vorgaben einzuhalten – #flattenthecurve – und dann vielleicht auch in dieser Saison etwas Winterurlaub genießen zu können. Plant am besten antizyklisch, also zeitlich flexibel, falls das bei Euch möglich ist, außerhalb von Ferienzeiten, vielleicht früher aufstehen und auf die Piste, wenn die anderen noch frühstücken etc.

Hier im Blogpost greife ich den Stand von Ende Oktober 2020 auf. Dieser kann sich natürlich jederzeit wieder ändern, von daher schaut nochmal in Eurem jeweiligen Skigebiet nach, bevor Ihr Euch auf die Piste macht.

Natur pur – 30 Jahre Schutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern (Teil 2)

21. Oktober 2020 | Keine Kommentare | Schlagwörter: , , , ,

Weiter ging es im Programm unserer Pressereise zu geschützten Naturlandschaften in Mecklenburg-Vorpommern. Nach dem Besuch des Nationalparks Jasmund und des Jagdschloss Granitz endete unser Tag mit einem vollen Kopf – positiv gesehen, denn insgesamt konnte in der Kürze der Zeit natürlich nur ein erster Eindruck vermittelt werden. Aber der war wirklich super spannend und machte sehr viel Lust auf mehr!
Für uns war der Tag allerdings noch nicht zu Ende. Vor dem wohlverdienten Abendessen standen noch zwei weitere Programmpunkte auf der Liste. Das Wetter hatte sich gebessert und der Regen hatte sich komplett verabschiedet. Vielleicht hinaus auf die Ostsee – I don`t know. Umso besser für uns, denn eine kleine Wanderung zum Aussichtspunkt Moritzburg durfte nicht fehlen. Gerade am späten Nachmittag mit abziehenden Wolken bietet der Platz einen wunderbaren Überblick auf die Having (eine lagunenartige Bucht im Nordosten des Rügischen Boddens und Bestandteil des Naturschutzgebietes Mönchgut im Biosphärenreservat Südost-Rügen).
Da sich unser Hotel, das Hotel Solthus am See, am gegenüberliegenden Ufer befand, nahmen wir die Ruderfähre Moritzdorf. Richtig gelesen! Es handelt sich dabei um die letzte Ruderfähre auf ganz Rügen. Kay-Uwe Strandmann knöpft mit seinem Boot „Kay-Uwe“ an eine lange Tradition an, denn seit 1891 besteht eine Ruder-Fährverbindung über die Baaber Bek (wie der Abschnitt zwischen dem Selliner See und Bodden genannt wird). Wenn man einmal vor Ort ist, sollte man sich die Fähre nicht entgehen lassen.

Den Abend ließen wir bei einem sehr leckeren Abendessen im Hotel ausklingen. Im gemütlichen reetgedeckten Haus wird ebenfalls viel Wert auf einheimische Produkte gelegt, aber auch auf gastronomische Einzigartigkeit. „Heimatküche“ eben! Und ohne Schnaps ging es für uns nicht ins Bett. Wir probierten eine der einheimischen Spezialitäten, den BIO Edelobstbrand „Rügener Apfel“. Der stammt von der 1sten Edeldestillerie Rügens und wird ausschließlich aus handsortiertem Tafelobst der Insel gebrannt, Biozertifiziert und aus einheimischen, alten Sorten. Nicht nur deswegen mag ich das Unternehmensmotto der Destillerie: „Das Leben ist zu kurz, um schlechten Schnaps zu trinken!“


Neuer Tag, neuer Nationalpark. Vor Abfahrt wurde noch kurz die schöne Morgensonne über den Bodden genossen und dann ging es auch schon los in Richtung Fischland-Darß-Zingst bzw. zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft beherbergt eine einzigartige Küstenlandschaft, die ständig in Bewegung ist. Mit Lagungen, Windwatt, Dünen, Heiden, Mooren und Wäldern. Das Motto „Natur Natur sein lassen“ eint übrigens die Nationalparks weltweit.
Bei der Region Fischland-Darß-Zingst handelt es sich um eine Halbinsel, welche quasi die Ostsee vom Festland trennt. Auf der nördlichen Seite die Ostsee, südlich die Darß-Zingster Boddenkette. So als ganz grobe Zuordnung. Als Startpunkt für unsere Exkursion wurde die Gemeinde Prerow gewählt. Von dort ging es nun nur noch mit reiner Muskelkraft weiter. Wir machten uns mit dem Fahrrad auf durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft in die Schutzzone 1 (Kernzone), genauer gesagt an den Leuchtturm Darßer Ort. Im Gegensatz zur Insel Vilm kann sich in dieser Kernzone (man ist schließlich auf kein Schiff angewiesen) grundsätzlich jeder „frei“ bewegen und die Natur genießen. Selbstverständlich nur unter den verschiedenen Vorgaben, die in einem Nationalpark nun mal gelten (vor allem die Wege NICHT verlassen – auch NICHT für einen ganz kleinen Abzweig). Begleitet wurden wir diesmal von Ranger Lutz Storm. Lutz kennt „seinen“ Nationalpark wie seine Westentasche. Auf unserer Fahrt an die Westküste der Halbinsel gab er immer wieder Hinweise zu Flora und Fauna, aber auch über die verschiedenen Landschaftsstrukturen. Wie z.B. Dünen aus der Eiszeit, welche sich auf dem Rad wie kleine Hügel anfühlten. Ohne ihn wäre uns dies sicherlich gar nicht aufgefallen. Auch in dieser Region prägen Buchen überwiegend das (Wald-)Bild und es scheint, als würden sie zum Teil in Richtung Ostsee wandern. Das Gegenteil ist der Fall, die Küste wird auch hier abgetragen und begibt sich dadurch eher auf den Wald zu. Aber keine Angst, im Gegenzug wird die Küste an der Nordspitze wieder aufgebaut. Wie dies von statten geht, kann Euch Lutz in einem ausführlichen Vortrag erzählen. Mit Sicherheit sehr spannend, allerdings hatten wir für dieses Thema diesmal keine Zeit, denn für uns ging es zurück zum Leuchtturm Darßer Ort.

Dort angekommen, durften wir erst einmal die 126 Stufen hinaufsteigen und einen Blick über die herrliche Landschaft werfen. In einer Höhe von 28 Metern, auf der sich die kleine Aussichtsplattform befindet, ist der Nationalpark bzw. die geschützte Natur deutlich zu erkennen. Als kleiner Tipp: Einen Blick auf die Vegetation an der Küste werfen bzw. am besten von Süden nach Norden schweifen lassen.
In den umgebenden Gebäudekomplexen befindet sich zudem noch eine kleine Ausstellung, welche die Küstendynamik näher erläutert, aber auch Infos zu den heimischen Tieren und zur Ostseeküste allgemein umfasst. Unter freiem Himmel, im Innenhof des Leuchtturmgehöfts, findet aktuell eine Ausstellung statt von Fotografen vor Ort, welche zum 30jährigen Jubiläum des Nationalparks ihre ganz persönlichen Lieblingsbilder aus dem Nationalpark zeigen. Sowohl der Leuchtturm als auch die umgebenden Ausstellungen gehören zum NATUREUM, eine vielfältige Zusammenstellung interessanter Aktionen, Ausstellungen und Erlebnisse.
Zwar hatte während unseres Besuchs das örtliche Cafe geschlossen, trotzdem genossen wir eine kleine, mitgebrachte Stärkung. Im Anschluss stand nämlich eine Rundwanderung auf dem Programm, der „Rundwanderweg Darßer Ort“, um noch mehr von der schönen Natur zu erfahren und genießen.
Der Rundwanderweg startet direkt am Leuchtturm und endet auch wieder dort. Für uns blieben also die Räder vor Ort und es ging zu Fuß auf dem Holzbohlenweg entlang Richtung Nordspitze. Der Weg führt durch die unberührte Dünenlandschaft, vorbei an mehreren Strandseen und Beobachtungsstationen. In der Ferne konnten wir sowohl Rotwild (im Oktober ist Brunftzeit) als auch verschiedene Vögel beobachten. Mit etwas Glück (und Fernglas bzw. Spektiv) kommt auch mal eine Robbe zum Vorschein. Ornithologen findet man für gewöhnlich einige vor Ort, denn hier entdeckt man immer wieder seltene Vögel, z.B. auch den Eisvogel. Aber auch für den „normalen“ Touristen ist der Rundweg mit seinen knapp 5 km sehr zu empfehlen.

Lutz erzählte uns noch einige spannende Geschichten. Er selbst schaut am liebsten dem Land beim Wachsen zu. „Hier entsteht noch echte Wildnis – ohne Zutun des Menschen“. Die Ostsee bringt den Sand und dank Wind wird dieser bei Flachwasser zu Dünen aufgeweht. Nach und nach entsteht so neues Land, welches von Pflanzen besiedelt wird. Quasi erst die Düne, dann kleine Pflanzen, dann die Kiefer, dann die Eiche und zum Schluss die Buche. Erdgeschichtlich gesehen ein kleiner Bruchteil vom Ganzen!
Als Tagesabschluss durften wir noch auf dem Gut Darß unseren Gaumen verwöhnen lassen. Das Gut ist seit 1992 mit der Bio-Zertifizierung versehen und zudem ein langjähriger Partner des Nationalparks. Da passt das Abendessen perfekt zum Tag und in die Runde.

An diesem Tag wurden wir im Hotel Schlösschen Sundische Wiese einquartiert. Die Nacht sollte für uns sehr früh enden, genauer gesagt war die Abfahrt für 5:30 Uhr terminiert. Ein weiteres Highlight stand nämlich auf dem Programm!
Wie am Vorabend geplant, startet wir mit unseren Rädern auf in die Dunkelheit. Wir folgten der Rangerin Juliane Kiwitt vom Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft durch die Nacht. So richtig wusste niemand, wohin es eigentlich gehen sollte, aber wir vertrauten ihr einfach mal. „So weit fahren, bis es nicht mehr weiter geht!“ war das Motto. Als die Dämmerung ganz leicht einsetzte, kamen wir an unserem Ziel, dem „Pramort“ an der östlichsten Spitze der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst an. Ein Beobachtungspunkt, um Kraniche zu entdecken. Und natürlich auch viele andere Tiere, da man von dort aus eine spektakuläre Sicht über die Boddenlandschaft hat. Um 6:20 Uhr, als wir vor Ort ankamen, war alles noch ganz ruhig. Ein paar wenige Frühaufsteher waren unterwegs, mehr war noch nicht los. Dies änderte sich dann schlagartig, als wir vom Beobachtungspunkt aus über den kleinen Deich (aus vergangen Zeiten) schauen konnten. Kraniche ohne Ende – geschätzt 5.000 Stück, die „nur“ mit bloßem Auge zu sehen waren. Mit Sicherheit waren noch viel mehr vor Ort. An manchen Tagen sollen es um die 60.000 Vögel sein. Unglaublich! Wenige Minuten später erhoben sie sich, um zu ihren Futterplätzen zu fliegen. Ein wirklich ganz besonderer Moment!

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist bekannt für seine (teilwiese letzten) Brutgebiete tausender Küstenvögel und seltener Vogelarten. Für mich war es das erste Mal, dass ich so viele Kraniche und deren Flug so bewusst in freier Wildbahn wahrgenommen habe. Schon der Hammer, wie sie kommunizieren und immer wieder den Weg zu ihren Brutgebieten bzw. Futterplätzen finden. Ja, die Kraniche waren für mich auf jeden Fall ein Highlight. On top zog dann aber auch noch ein Seeadler seine morgendliche Runde. Meine erste Sichtung in freier Wildbahn. Top! Ach, nicht zu vergessen waren die röhrenden (!) Hirsche, Wildschweine und ein Fuchs, die sich ebenfalls zeigten.
Glücklich und mehr als zufrieden radelten wir im Anschluss wieder zurück und genossen das Frühstück im Hotel. Es lohnt sich einfach (fast) immer, früh aufzustehen, in die Natur zu gehen und sich dort überraschen zu lassen!
Als Tipp empfehle ich Euch, eine Tour unter fachkundiger Anleitung zu buchen, dann erfahrt Ihr auf jeden Fall viel Wissenswertes und Euch entgeht nichts. Ihr könnt aber in einen Teil des Gebiets auch allein radeln oder laufen (nur ohne Begleitung halt nicht immer überall hin) – grundsätzlich ist beides möglich. Achtung, viele Vögel reagieren extrem empfindlich auf Störungen und geben oft sogar ihren Lebensraum auf, daher unbedingt die Regeln, die im jeweiligen Naturschutzgebiet gelten, beachten.

Leider neigte sich diese Pressereise dem Ende entgegen, nach dem Frühstück ging es mit dem Zug wieder Richtung Süden. Übrigens war die (Ab- und An-)reise mit der Bahn überhaupt kein Problem. Nicht mal zu Corona-Zeiten, denn auch, als am Sonntag mein ICE recht voll war, hielten sich (gefühlt) 99% der Mitreisenden an die Maskenpflicht. Ach, Verspätung gab es auch nicht – Karma?! ;)
Ich bin sehr froh, dass ich so eine schöne und für mich doch überwiegend neue und vielfältige Region kennenlernen durfte! Eine Bitte: Schützt und achtet die Natur weiterhin, damit auch die nachfolgenden Generationen noch diesen Anblick genießen dürfen.

Ein dickes Dankeschön geht an das ganze Team von Mecklenburg-Vorpommern Tourismus und allen Beteiligten, die diese Erlebnisse ermöglicht haben.

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