Im Mai durfte ich die Sportstadt Hannover bereits kennenlernen. Und wie ich im zugehörigen Blogpost geschrieben habe, bin ich von der Stadt begeistert. Die kurzen Wege, viel Grün, nette Leute – das waren unter anderem die Gründe, warum wir uns relativ schnell entschieden, die dortigen Finals (Deutschen Meisterschaften) zu besuchen.
Wir benötigen von Haustür zu (Hotel)-Haustür nur 3 Stunden per Bahn und wählten unser Hotel superzentral, direkt am Opernplatz. Hätten wir ein Zimmer zur Vorderseite gehabt, hätten wir vermutlich direkt die Beachvolleyballer und -innen anfeuern können.
Die Finals
Ich kann mir kaum vorstellen, dass „die Finals“ noch nicht jedem bekannt sind. Für die Wissenslücke: Dabei handelt es sich um die deutschen Meisterschaften in insgesamt 24 Sportarten, die gemeinsam ausgetragen werden. Manche sprechen sogar von der „Mini-Olympiade“ und so fühlt es sich auf jeden Fall an, wenn man an den Sportstätten unterwegs ist. In den verschiedenen Sportarten wurden in diesem Jahr 143 deutsche Meistertitel vergeben. Bis auf einige Ausnahmen kann man als Zuschauer die jeweiligen Athleten und -innen kostenlos bestaunen und frenetisch anfeuern. So als grober Überblick.

Auf dem Weg nach Hannover war unsere Vorfreude schon recht hoch. Als wir dann allerdings vom Bahnhof zum Hotel (Motel One) gingen – fußläufig 8 Minuten – erlebten wir schon am Vormittag von Tag 1 richtig geniale Stimmung, zahlreiche Volunteers die den Weg wiesen und Fragen beantworteten, fröhliche Besucher sowie Sportler, die auf dem Weg zu ihrer Location waren. Es ging vorbei am Opernplatz, an dem die Wand der Speedkletterer und -innen aufgebaut war und es erste Aktionen auf dem Beachvolleyballfeld zu sehen gab. In der ganzen Stadt war die Stimmung super und der Finals-Vibe zu spüren.
Als wir im Hotel ankamen, wurde schnell eingecheckt und schon ging es los, die ersten Wettkämpfe liefen und wir wollten natürlich gleich starten. Auf dem Weg zum Akkreditierungsbüro ging es am Maschsee vorbei, wo bereits die Vorläufe in den Kanu-Wettkämpfen in vollem Gange waren. Natürlich legten wir einen Stopp ein und feuerten die Kanuten an. Das Ufer stand voll mit begeisterten Menschen. Live ist so ein Sportevent doch noch eine andere Hausnummer als im Fernsehen! Gerade wenn man so nah an der Strecke stehen kann. Mit welcher Geschwindigkeit die Athleten und Athletinnen auf dem Wasser unterwegs sind – super beeindruckend. Die Akkreditierung noch nicht in der Hand und schon mitten im Finals Fieber!
Weiter ging es zur Heinz von Heiden Arena, kurz die Akkreditierung abgeholt und da wir schon in der Ecke waren, ging es gleich weiter in das Erika-Fisch-Stadion direkt neben dem Sportleistungszentrum. Dort fand der 7er-Rugby Wettkampf statt. Total spannend und ehrlichweise habe ich diese Sportart noch nie (live) gesehen. Actionreich, schnell und trotzdem super fair! I like!
Im Anschluss schauten wir wieder bei den Kanuten vorbei und sahen unter anderem das Finale der Herren-Canadier, das Nico Pickertgewann. Die 160m-Strecke am Maschsee war wirklich bestens angelegt, so dass wir Zuschauer das ganze Rennen super mitverfolgen konnten.
Irgendwann ging es zurück Richtung Opernplatz. Das Finale der Männer im Stabhochsprung stand auf unserem Programm. Auch hier war die Stimmung grandios. Der Opernplatz war voller Menschen und musste sogar wegen Auslastung geschlossen werden. Unter wirklich schwierigen Windbedingungen gelang es Marec Metzger über die Marke von 5,40 m zu springen. Das schaffte sonst niemand mehr und so konnte er sich über den deutschen Meistertitel freuen. Glückwunsch! Das war dann auch schon unser erster Tag in Hannover. Die Ergebnisse könnt ihr am besten auf der Finals-Seite nachschauen.









Neuer Tag, neue sportliche Highlights! Es ging zunächst wieder Richtung Erika-Fisch-Stadion, um ein paar Spiele im 5er Flag Football anzuschauen. Flag Football haben wir auch noch nie live gesehen, die Regeln sind nach wenigen Spielzügen und dank der Erklärungen vom Stadionsprecher und/oder vom Sitznachbarn (zumindest so grob) drin. Statt den Gegner zu rammen und zu Boden zu bringen, hat jeder Spieler oder Spielerin zwei Fahnen (rechts und links), die der Gegner erwischen sollte, daher der Name. Ebenfalls super spannend anzuschauen!
Vor dem neuen Rathaus, welches übrigens auf dem Weg Opernplatz – Maschsee (oder umgekehrt) liegt, begannen die 3×3 Basketballer Herren mit ihrer Gruppenphase. Spätestens mit dem Medaillengewinn unserer Damen bei Olympia in Paris 2024 ist die Sportart ein Muss und 3×3 immer bekannter und beliebter geworden. Die Tribünen waren recht schnell voller Zuschauer und mussten dann auch geschlossen werden. Ich meine, was soll ich dazu sagen – Basketball ist an sich schon top und 3×3 noch dynamischer und bei so einer großartigen Kulisse einfach unübertroffen.
Von einer Ballsportart ging es für uns zur nächsten, ab zum Beachvolleyball. Der Weg vom Rathaus zum Opernplatz dauerte nur wenige Minuten, Musik und Jubel begleiteten uns von einer Location zur nächsten. Im Rahmen der Finals wurden im Beachvolleyball die ersten Deutschen Clubmeister gekürt, die German Beach Club Finals ausgetragen, Premiere für das neue Wettkampfformat.
Im Anschluss wollten wir relativ zügig weiter zum Finale der Frauen im Stabhochsprung gleich nebenan. Diesen gewann Anjuli Knäsche mit einer Höhe von 4,55 m unter frenetischem Jubel. Auch die Zweitplatzierte Anna Hiesinger steigerte ihre persönliche Bestleistung gleich um 20 Zentimeter auf 4,40 m und konnte es selbst kaum glauben. Bei bestem Wetter fand im Anschluss die Siegerehrung statt und die drei Medaillengewinnerinnen der deutschen Meisterschaft strahlten um die Wette.
Gleiche Location, andere Sportart. Nach einer kurzen Umbauphase (ein Wahnsinn, was die ganzen Crews im Hintergrund leisten!) ging es mit einem Novum weiter. Erstmals gab es das Team Mixed Relay im Speedklettern. Bedeutet, dass jeweils eine Frau und ein Mann abwechselnd die 15-Meter-Normwand hochklettern müssen. Sobald die Partnerin oben auf das Touchfeld schlägt, darf der Partner in die Wand. Die Bestzeit lag hier bei 13,71 Sekunden und wurde von Nele Thomas und Andrin Zedler aufgestellt. Zwar hatten sie zwischenzeitlich die schnellste Zeit, mussten sich allerdings im Finale dem Team von Mina Josephine Schultz und Sebastian Lucke geschlagen geben. Wenn Ihr die Möglichkeit habt, schaut euch Speedklettern an – Hochspannung garantiert. Und auch hier ein tolles neues Format!
Das war aber noch nicht alles für unseren zweiten Tag der Finals, nach der Siegerehrung ging es weiter ins neue Rathaus. Die Vorläufe von BMX Flatland standen auf dem Programm. Hierzu aber mehr am nächsten Tag, jetzt erst einmal ein paar Bilder von Tag 2.









Der Samstag war für uns leider schon der letzte Tag in Hannover. Wir starteten mit einigen Spielen beim 3×3 Basketball. Die Gruppenphase der Damen war am Start. Als wir kamen, stand gerade Marie Reichert mit ihrem Team auf dem Platz. Das war für mich schon etwas Besonderes – die Olympiasiegerin live und in Action zu sehen.
Da die Stimmung am Vorabend im neuen Rathaus beim BMX-Flatland schon richtig genial war, ging es auch an diesem Tag wieder hin. Die Finalrunden standen an. Wir kamen noch rechtzeitig rein, denn später wurde das Haus wieder wegen zu vieler Personen geschlossen. Als wäre die Stimmung nicht bereits top, heizten die Beats der DJs und die Moderatoren nochmals richtig ein. Mehr ging einfach nicht. Vermutlich spürten das auch die BMXler, denn Höchstleistungen wurden geboten. In den Vorläufen war der bisherige Deutsche Meister Dustyn Alt noch auf Rang drei hinter Chris Böhm und Kevin Nikulski. Für uns als Laien hatte er im zweiten und entscheidenden Durchgang einen perfekten Lauf und setzte seine Füße niemals ab. Getreu dem Motto „der Boden ist Lava“! Es stand noch ein Lauf von Kevin Nikulski aus. Nur noch er konnte Dustyn vom Thron stoßen und die Spannung war auf dem Siedepunkt. Ebenso wie die Stimmung. Dass das neue Rathaus noch steht, grenzt an ein Wunder. Auch Kevin zeigte eine super Performance, tippte mit dem Fuß kurz in die Lava und so entschied Dustyn den Meistertitel für sich. Party on!
Die Jungs sind einfach nur saucool und feiern sich gegenseitig! So muss Sport sein, ein faires Miteinander, was wir an dem Wochenende übrigens überall mitbekamen. Aber natürlich standen auch wieder andere Wettkämpfe auf dem Programm. Ab zur Leinewelle, denn Rapid Surfen mit den Viertel-, Halbfinals und dem Finale fand dort vor atemberaubender Zuschauerkulisse statt. Die Surfer zeigten ihre Tricks und wurden entsprechend bejubelt. Auch hier freuten sich alle gemeinsam über den Erfolg von Yves Viala.
Von der Leinewelle ging es zurück zum neuen Rathaus. Diesmal allerdings in den hinteren Bereich, in dem die Bogenschützen aufeinandertrafen. Die Runde mit dem olympischen Recurvebogen war gerade zu Ende und der Compoundbogen (wird 2028 eine Disziplin bei den Olympischen Spielen in LA) war an der Reihe. Beim Recurve ist die Scheibe 70 Meter und beim Compound 50 Meter entfernt. Wobei das Ziel beim Recurve einen Durchmesser von 12,2 cm und beim Compound 8,0 cm hat. Live und in Farbe sind diese Dimensionen deutlich zu erkennen, was im TV vielleicht manchmal gar nicht so schwierig aussieht.
Unseren persönlichen Abschluss der Finals bildeten die B-Girls Pro im Breaking im neuen Rathaus. Wie mittlerweile gewohnt, war das Rathaus bis auf den letzten Platz gefüllt und die Stimmung am Kochen. Die Frauen battelten sich von Runde zu Runde und Melina Fernandez, genannt Melkez, holte sich den Titel der deutschen Meisterin im Breaking. Mit der Siegerehrung der Frauen im Breaking und der zweiten Siegerehrung der Männer im BMX Flatland ging unsere persönliche Mini-Olympiade zu Ende.









Fazit: Ein großartiges Event, tolle Sportler und Sportlerinnen, super viele nette Menschen, neue Sportarten live erlebt, in funkelnde Augen geschaut, lächelnde Gesichter an jeder Ecke und ganz viele tolle Momente. DANKE an alle! Und ganz großer Glückwunsch an alle Sportlerinnen und Sportler für Eure tollen Leistungen!
Manchmal war es schade, dass man sich entscheiden musste, weil so viel Spannendes parallel lief.
Liebe Finals Organisatoren: Macht so weiter, bleibt dem Konzept treu und nehmt für mich vielleicht noch Beachhandball mit ins Programm. Es war einfach nur großartig!

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