Das neue Rathaus in Hannover

Als erstes muss ich mich bei der Stadt Hannover entschuldigen. Im Januar spielte hier die Handball Nationalmannschaft in einem Testspiel gegen Kroatien und wir entschieden uns damals für ein verlängertes Wochenende in Hamburg – mit einem Abstecher nach Hannover für das Spiel. Es war ein Fehler, nur so kurz dort zu bleiben!

Denn in meinen Augen wird die Stadt häufig unterschätzt. Hannover hat richtig viel zu bieten – egal ob kulturell oder sportlich. Nicht umsonst finden hier vom 23. bis 26. Juli 2026 die Finals statt. 24 Sportarten und insgesamt 143 Deutsche Meistertitel werden an diesen Tagen ausgetragen – und das ganz zentral in Hannover. 3×3-Basketball, Rapid Surfen, Speedklettern, Judo, Gewichtheben, Breaking, Leichtathletik, Schwimmen, Karate … und und und. Weltklassesport auf höchstem Niveau! Wer also Olympiasieger:innen, Weltmeister:innen und Deutsche Meister:innen live erleben möchte: ab nach Hannover! Ausreden werden nicht zugelassen, denn schließlich ist die Hauptstadt Niedersachsens zentral gelegen, per Bahn super erreichbar und – das kommt noch hinzu – in Hannover selbst sind die Wege sehr kurz. Was eine besondere Atmosphäre im Rahmen der Finals verspricht. Das sage ich jetzt nicht nur, weil es vielleicht irgendwo steht (keine Ahnung wo genau), sondern weil ich es vor ein paar Tagen selbst erleben konnte.

Hannover hat um die 520.000 Einwohner, liegt an der Leine und war/ist die erste Stadt mit einer Weltausstellung in Deutschland. Zur Expo 2000 kamen damals über 18 Millionen Besucher. Kein Wunder bei einer der führenden Messestädte Europas. Des Weiteren hat die Stadt einiges an Sport zu bieten. Den Fußballfans ist natürlich Hannover 96 ein Begriff. Für die Handballer sind es die Recken (TSV Hannover-Burgdorf) und beim Wasserball die Waspo 98 Hannover. Aber es gibt natürlich auch noch Basketball mit den TK Hannover Luchsen oder Tischtennis und vieles mehr. Außerdem liegt zentral in der Stadt der Olympiastützpunkt Niedersachsens. Also eine ganze Menge sportliche Highlights.

Sowohl die Nord-Süd- als auch die Ost-West-Verbindungen des deutschen Bahnnetzes verlaufen durch Hannover. Die An- und natürlich auch die Abreise erfolgten bei meinem Besuch daher ganz entspannt mit der Bahn. Dank der ICE-Verbindung ab München ist man wirklich schnell vor Ort – von Schweinfurt aus sogar in nur 2:30 Stunden. Innerstädtisch verkehren U-Bahnen, S-Bahnen usw. – wie in jeder Großstadt. Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Fahrradfahren macht hier Spaß. Dazu aber später mehr.

Sport war das Motto der Pressereise und somit war der erste Anlaufpunkt der Turn-Klubb zu Hannover (Kurz: TKH). Mit über 9.000 Mitgliedern der größte Sportverein der Stadt. Ca. 50 verschiedene Sportarten werden hier betrieben, wobei vor allem der Freizeit- und Gesundheitssport im Vordergrund steht. Aber selbstverständlich kommt der Wettkampfsport nicht zu kurz. Unsere Olympiasiegerinnen im 3×3 Basketball Svenja Brunckhorst, Sonja Greinacher und Marie Reichert trainierten beispielsweise hier. Des Weiteren laufen einige Projekte, um Sport wieder stärker zu Kindern zu bringen. Eins davon ist zusammen mit Henning Harnisch (Europameister und Vizepräsident von Alba Berlin) entstanden.

Zur Region Hannover gehört nicht nur die Stadt an sich, sondern auch das Umland, was sehr viele Freizeitmöglichkeiten bietet. Und was man an den Austragungsstätten der Finals sehen kann. So ist z.B. das 33 km entfernte Steinhuder Meer Austragungsort von Segeln, Triathlon, Coastal Rowing und Windsurfen. Neben dem Steinhuder Meer ist vielleicht der Deister (ein waldreicher Höhenzug und beliebtes Naherholungsgebiet) manch einem von Euch ein Begriff. Kleine Randnotiz: Mir war er vor der Reise kein Begriff, aber das ist ja das schöne, man lernt beim Reisen immer wieder Neues kennen!
Ebenfalls gut zu wissen: Der Verkehrsverbund für Stadt und Region wurde bereits sehr früh gegründet. Was bedeutet, dass auch hier eng zusammengearbeitet wird.  
Eine ähnlich gute Zusammenarbeit findet man beim „Laufpass“, der vor 23 Jahren gegründet wurde. Dieser umfasst aktuell 43 Laufevents in der Region Hannover, beginnend mit dem Winterlauf im Georgengarten im Januar und als Highlight der Hannover-Marathon im April. Dazu passend gibt es auch einen digitalen Stempelpass, für alle Sammelliebhaber.

Der Hannover-Marathon ist eine der größten Straßenlaufveranstaltungen in Deutschland mit internationaler Beteiligung. Der Streckenrekord liegt bei sagenhaften 2:06:05 h und wurde 2024 von Amanal Petros erlaufen. Amanal war unser Begleiter bei einer Stadtführung durch Hannover und erzählte dabei über seine Erfolge/Ziele und vieles mehr. Ein äußerst sympathischer (und super stylischer) Typ! Mit dabei war er auch beim Besuch der Hannoverschen Kaffeemanufaktur. Denn Kaffee – so wie uns Inhaber Andreas Berndt bei einer guten Tasse erläuterte – hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen steigert er die Leistungsfähigkeit. Das Koffein kann Müdigkeit reduzieren und die Ausdauerleistung steigern. Und unabhängig davon schmeckt Kaffee einfach sehr lecker.

Sportlich ging es weiter. Ein Besuch der Heinz von Heiden Arena, der Heimatstätte von Hannover 96 oder auch Niedersachsenstadion genannt, durfte natürlich nicht fehlen. Neben den Fußballspielen finden hier regelmäßig Konzerte weltberühmter Künstler statt (so werden dieses Jahr u.a. noch Helene Fischer oder Iron Maiden erwartet).
Das war aber noch nicht alles, eines meiner Highlights wartete am Abend. Denn es spielten die Recken (TSV Hannover-Burgdorf) ihr Heimspiel gegen den DHFK Handball Leipzig in der ZAG-Arena. Dort waren wir ja bereits im Januar zum Länderspiel der deutschen Handballnationalmannschaft gegen Kroatien. Zum Handball kann ich – wie Ihr wisst – nie nein sagen und freute ich mich auf das Spiel. Aber nicht nur das, sondern auch auf einen Blick hinter die Kulissen. Und so ein Bundesligaspiel ist einfach doch etwas anderes als die Regionalliga in Bayern. Die Recken gewannen verdient mit 36:33 und machten Werbung für die Handball-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland. Ein Austragungsort der Handball-Heim-WM ist nämlich die ZAG-Arena. Hier werden Hauptrundenspiele ausgetragen, höchstwahrscheinlich mit Dänemark, Island, Schweden und Portugal (falls sie sich qualifizieren). Stand jetzt gibt es sogar noch wenige Tickets.

Dass Hannover die Stadt der kurzen Wege ist, wird man bei den Finals merken. Die meisten Veranstaltungen finden direkt im Innenstadtbereich statt. So werden die Deutschen Meisterschaften im Rapid Surfen an der Leinewelle ausgetragen, die vom Neuen Rathaus aus in rund zehn Minuten zu Fuß erreichbar ist. Auf der Leinewelle kann (fast) immer gesurft werden und egal ob jung oder alt, jeder kann es ausprobieren. Persönliche Anmerkung: Das muss ich unbedingt einmal ausprobieren – keine Ahnung, ob ich es kann oder nicht. Gefühlt muss es einfach tierisch viel Spaß machen.

Ein weiterer (Sport-)Punkt in Hannover ist der Olympiastützpunkt Niedersachsen. Grundsätzlich gibt es in jedem Bundesland (bis auf Bremen) einen Stützpunkt. Zu den Schwerpunkt-Sportarten in Niedersachsen zählen 3×3 Basketball, Boxen, Judo und Leichtathletik. Zu den Perspektiv-Sportarten zählen z.B. Hockey, Para-Leichtathletik oder auch Volleyball. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war gerade die U17-Basketball Nationalmannschaft im Trainingslager – um nur eine Mannschaft/Sportart zu nennen. Wir erhielten eine Führung von der vierfachen Olympiasiegerin und achtfachen Weltmeisterin im Rudern Kathrin Boron. 1997 gewann sie bei einer Weltmeisterschaft Gold in zwei verschiedenen Bootsklassen – etwas, das zuvor keiner Ruderin gelungen war. Bis heute gilt sie als die erfolgreichste deutsche Ruderin überhaupt. Am Stützpunkt hatte ich die Gelegenheit, mich länger mit ihr zu unterhalten – bodenständig, nahbar und unglaublich sympathisch.

Wer etwas Außergewöhnliches erleben möchte, dem kann ich die Fahrt mit dem Bogenaufzug im Neuen Rathaus ans Herz legen. Dieser ist weltweit einmalig! Oben angekommen hat man eine schöne Aussicht über die Stadt. Kleiner Tipp: Frühzeitig vor Ort sein, denn es könnte sonst zu Wartezeiten kommen. Und wer schon einmal im neuen Rathaus ist, sollte sich im Foyer auch einmal umschauen und die tolle Architektur auf sich wirken lassen.
Am besten lässt sich die Stadt zu Fuß (oder mit dem Rad) erkunden. Dabei sollte man die Augen stets offen halten, um die Nana-Figuren am Leibnizufer zu entdecken. Die Werke von Niki de Saint Phalle sind Teil der Skulpturenmeile und prägen den öffentlichen Raum direkt am Ufer.
Ich hatte es erwähnt, die Radinfrastruktur ist sehr gut ausgebaut. Zum einen in der Innenstadt, aber auch im Stadtwald Eilenriede. Dieser erstreckt sich über 6 km mitten durch das Stadtgebiet und ist mit 640 Hektar doppelt so groß wie der Central Park in NYC. Er ist einer der größten zusammenhängenden Stadtwälder Europas und die grüne Lunge Hannovers. Perfekt zum Radfahren, Laufen, quasi für sämtliche Outdooraktivitäten geeignet.
Und was in Hannover eigentlich nicht fehlen darf, ist eine (Elektro-)Bootsfahrt auf dem Maschsee. Grundsätzlich ist das ganze Naherholungsgebiet Maschsee ein Tipp, egal ob mit Boot auf dem See oder zu Fuß um den See. Eine Lauf-Umrundung sind genau 6 km, dafür ist eine Bootsfahrt gemütlicher – beides ist sehr schön.

Im Januar hatte ich Euch das NH Hannover (etwas im Norden) empfohlen. Wer es etwas südlicher und in direkter Lage am Maschsee mag, dem kann ich das Courtyard Hannover Maschsee ans Herz legen. Und unbedingt mehr als nur einen kurzen Abstecher für die schöne Landeshauptstadt einplanen!

Ansonsten … bis zu den Finals im Juli!


Ein ganz dickes Dankeschön geht an das Team der Hannover Marketing und Tourismus GmbH und allen Beteiligten, die dieses unvergessliche Erlebnis ermöglicht haben.

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